Zurück in Chile. - Was für eine Odyssee 

 

Einreise:  18.01.2021

Visum: Wir bekommen am Flughafen in Santiago 3 Monate Aufenthalt.

Währung: Chilenischer Peso. 1 Euro = 894,74 CLP (Stand: 19.01.2021).

 

Wir haben für den 16.01.2021 einen Flug zurück nach Chile gebucht und somit auch zurück zu unserem Fahrzeug, zu unserem rollenden Zuhause. Schweren Herzens verabschieden wir uns von unseren Gastgebern Olly und Insa. Ein ganz herzliches Dankeschön dafür, dass ihr uns in dieser schweren Zeit aufgenommen habt. Wir haben uns wirklich sehr wohl gefühlt.

Zwei Tage vor unserem Abflug haben wir bei unserem derzeitigen Hausarzt einen PCR-Test machen lassen, der bei Ankunft in Chile nicht älter als 72 Stunden sein darf. Da die Arztpraxis aber am Samstag geschlossen ist, lassen wir uns das Testergebnis via PCR-Code zusenden. Einen Tag zuvor fülle ich über die App Spain Travel Health (https://www.spth.gob.es) ein Dokument aus, was für Spanien verlangt wird und nur 48 Stunden Gültigkeit hat, ebenso wie die Declaración Jurada para Viajeros (https://www.c19.cl/formularios.html) für Chile.

Die neuen Einschränkungen erlauben es nicht, dass uns Olly und Insa zum Flughafen fahren, denn es dürfen keine vier Personen aus mehreren Haushalten im Fahrzeug sitzen. Also mieten wir uns ein Fahrzeug und fahren am besagten Tag um 13 Uhr in Richtung Düsseldorf. Der PCR-Test ist negativ, somit steht einem Flug nichts mehr im Wege. Bevor wir den Flug IB3133 antreten, müssen wir den negativen Test vorweisen. Vor dem Gate herrscht das absolute Chaos und die Iberia-Mannschaft scheint völlig überfordert zu sein. Man kontrolliert die Pässe und das Spain Travel Health-Dokument und ab geht’s in den Flieger. Nachdem wir gerade auf unseren Plätzen sitzen, beginnt ein heftiges Schneegestöber. Na, das fängt ja schon gut an. Im Schneegestöber haben wir bislang noch keine Flugbahn verlassen. Mit 1 ½ Stunden Verspätung geht es los. Ob das mit dem Anschlussflug gutgeht? Die Zeit zum Umsteigen ist sehr knapp bemessen.

Mit diesen 1 ½ Stunden Verspätung landen wir anstatt um 19.55 Uhr um 21.30 Uhr in Madrid und was soll ich sagen, natürlich haben wir den Anschlussflug verpasst. Eine Mitarbeiterin von Iberia drückt uns einen Hotel-Gutschein in die Hand und meint so ganz nebenbei, dass wir uns jetzt wirklich beeilen müssten, denn wir hätten nur eine viertel Stunde Zeit, um die U-Bahn zu erreichen, die uns zum Hotel bringen soll. Wir gehen so schnell wie möglich, denn Walter ist ein wenig lädiert und kann nicht so schnell. Irgendwann schaue ich auf die Uhr und sage: „Das schaffen wir niemals. Wir müssen ja vom Terminal TS4 bis ans andere Ende laufen. Wir lassen das. Und außerdem müssten wir noch umsteigen. Mir ist das alles zu viel. Stell dir vor, wir zwei, finden unseren Weg in der Wüste, aber verirren uns in einer Großstadt und das noch um 1 Uhr. Wir schlafen am Flughafen. Wird schon irgendwie klappen.“ Gesagt, getan.

In der Nacht plärrt ständig eine Männerstimme einen und denselben Text herunter und immer in gewissen Zeitabständen, obwohl niemand hier ist. Wie ausgestorben ist der Flughafen. Wir suchen uns einen Platz, aber an Schlaf ist nicht zu denken. Die Bänke sind knüppelhart und dann dieser Flughafenlautsprecher, der ständig seine Ansage machen muss.

Morgens sind wir gerädert und fragen uns so beiläufig, wie wir die kommende Zeit überstehen sollen. Der neue Flug soll am 17.01.2021 ebenfalls um 23.55 Uhr starten. Im Laufe des Tages müssen wir ja auch mal etwas essen und so wechseln für ein Frühstück, bestehend aus einem Croissant und einem Kaffee, mal so eben 15 Euro den Besitzer. Kleine Snacks aus dem Automaten sind auch nicht günstig und für ¼ Liter stilles Wasser sind 1,70 € futsch. Naja, aber da wir aus der Zeit, wo Luft und Liebe uns satt gemacht hätten, herausgewachsen sind, müssen wir in den sauren Apfel beißen.

Wir sind etwas beunruhigt, dass unser PCR-Test nicht mehr anerkannt werden könnte, weil wir jetzt Verspätung haben werden. Ich spaziere also mal los und will mich erkundigen, ob alles im „Grünen Bereich“ ist oder nicht. Man schiebt mich von einem Ort bis zum nächsten weiter. Mit der Bordkarte in der Hand, lande ich plötzlich bei einer Ärztin, die bei mir einen Schnelltest machen will, da unser Spain Travel Health-Dokument schon abgelaufen ist. Ich lasse alles über mich ergehen und schicke Walter später hinterher. Was für ein Gerenne und dabei haben wir doch nicht die Verspätung verursacht. Alles war so genau geplant und jetzt so etwas. Beide Schnelltests sind negativ.

Die Zeit rückt immer näher und ich sehe regelmäßig nach, ob sich der Flug nicht wieder verspätet oder das Gate gewechselt hat. Plötzlich bekommen wir auf unser Handy SMS-Nachrichten von Iberia. Man bittet uns bei Gate S39 am Iberia-Schalter vorstellig zu werden. Ich gehe so schnell ich kann von Gate S4 zu Gate S39. Walter soll warten, ich renne mal eben alleine los, um die Situation zu checken. Als ich am Schalter ankomme, steht bereits eine Menschenschlange an. Als ich nur eine Frage stellen will, werde ich unfreundlich abgewiesen. Also gehe ich wieder zurück und hole Walter. Gemeinsam gehen wir ein drittes Mal zum Iberia-Schalter und stellen uns hinten an. Dabei kommen wir mit Reisenden ins Gespräch und bemerken, dass nicht nur wir aufgerufen wurden, sondern alle, die mit Iberia einen Flug gebucht haben – egal wohin. Auch hier herrscht absolutes Chaos, keinen interessiert der Mindestabstand, manche tragen den Schnutenpulli unter der Nase, wiederum andere tragen die Maske nur auf dem Kinn. Nach einiger Wartezeit und kurz vor dem Schalter angekommen, sagt man uns, wir sollten schnell zu unserem Gate gehen. Halten die mich gerade zum Narren oder was geht hier ab? Ein viertes Mal rennen wir los und weil auf unserem Ticket Gate S4 steht, geht es Richtung S4. Auf halbem Weg denke ich mir, schau mal besser auf die elektronische Anzeigentafel. Meine Augen werden immer größer, da steht, dass unser Flug ab Gate S26 abgeht. Also drehen wir wieder um. Walter ist schon genervt. Vor dem Gate, wie sollte es anders sein, wieder absolutes Chaos und manch ein Flugreisender ist so dreist und quetscht sich einfach vor. Da platzt Walter der Kragen und er stampft die betreffenden Personen in Grund und Boden, schließlich warten wir alle schon lange und da muss man sich ja nicht vordrängeln. Und wir warten ja schließlich noch länger, nämlich schon seit gestern, als man ohne uns abgeflogen ist.

Hier am Gate wird alles akribisch kontrolliert. Zuerst der PCR-Test, dann die Auslandskrankenversicherung (Hanse Merkur), die mittlerweile Pflicht ist und auch Covid-19 bis mindestens 30000 Euro abdeckt. Erst danach dürfen wir das Flugzeug besteigen. Alles geht gut.

Flug IB6833 startet mit leichter Verspätung, aber das soll uns jetzt egal sein. Wir sitzen im Flugzeug, das war uns sehr wichtig. Das Flugzeug ist gerade zur Hälfte besetzt und wir haben Glück, denn in der Mitte ist eine Reihe frei, die Walter sofort in Beschlag nimmt. Neben mir sitzt auch keiner und so können wir uns in der Nacht lang machen und schlafen. Der Flug findet ohne Turbulenzen statt und so landen wir am 18.01.2021 um 9.35 Uhr in Santiago de Chile. Nach und nach verlassen wir das Flugzeug und gelangen automatisch zur „Control de Salud“, der Gesundheitsinspektion. Eine lange Menschenreihe baut sich vor uns auf. Es dauert drei Stunden, bis wir überhaupt einen Schalter erreichen. Als das endlich der Fall ist, müssen wir zunächst unseren Pass und den PCR-Test vorzeigen. Auf dem Ergebnis kann man aber nicht lesen, dass es sich um einen PCR-Test handelt und schon geht es los. Wir müssen uns woanders anstellen und man wird über uns separat entscheiden wie es mit uns weitergeht. Ohne diese drei Buchstaben PCR wird man uns zurück in unser Heimatland schicken, so sagt uns die Dame vom Gesundheitsdienst. Nach einiger Überlegung wende ich mich mit einer WhatsApp-Sprachnachricht an unseren Freund Snoopy, der ebenfalls in der Arztpraxis Patient ist und man ihn sehr gut kennt. Ich bitte darum, dass die Arzthelferinnen ihm den originalen Befund aushändigen, damit er den kopieren und mir per WhatsApp sofort zusenden kann. Nach einiger Zeit erscheinen die Befunde auf dem Handy. Danke Snoopy, dass du für uns in der Not so gehandelt hast. Überglücklich gehe ich zu einer der Damen, um ihnen das Ergebnis zu zeigen. Die Supervisorin wird hinzugezogen und sie erklärt die Befunde für gültig. Habt ihr den Stein fallen gehört? Den könnt ihr eigentlich nicht überhört haben. Jetzt geht alles seinen Lauf. Die Auslandskrankenversicherung wird akribisch begutachtet, ob sie für unseren Aufenthalt lange genug gültig ist, ob unsere Namen vermerkt sind und ob die Abdeckung für Covid-19-Erkrankungen mindestens 30000 Euro beträgt. Alles okay. Langsam relaxe ich mehr und mehr, aber die lange Reise, die Übermüdung und der Stress machen sich langsam bemerkbar. Unsere Declaración Jurada wird verlangt und da bemerkt die Dame, dass diese bereits abgelaufen ist. Kein Problem, ich müsse eben eine neue ausfüllen. Ich setze mich hin und begebe mich an die Arbeit, immerhin sind es zwei, die ich ausfüllen muss. Als es erledigt ist, gehe ich wieder an den Schalter. Endlich ist alles fertig. Wir bekommen noch eine e-Mail zugesandt, auf der steht, dass wir uns in Quarantäne begeben müssen. Ach, ist ja doch noch nicht alles fertig, denn wir müssen nochmals einen PCR-Test über uns ergehen lassen, der aber für uns kostenlos ist. Erst kommt der Rachenabstrich und dann werden beide Nasenlöcher malträtiert. Also, wenn die noch öfter so in unseren Nasen bohren, dann sind diese bald ausgenudelt wie ein Scheunentor. In 36 Stunden sollen wir das Ergebnis erhalten.

Nach insgesamt sechs Stunden können wir die Gesundheitskontrolle verlassen. Jetzt aber nichts wie weg und unsere Koffer holen. Die sind verständlicherweise nicht mehr da, wo sie normalerweise ankommen und schon wieder beginnt ein Spießrutenlauf. Erst durch die Zollkontrolle, aber da wir unser Hauptgepäck ja nicht mehr dabei haben, geht das schnell. Nur noch die Zollerklärung abgeben und weiter geht die Suche. Wir müssen zum Iberia-Schalter, sagt der Zöllner und erklärt uns den Weg. Als wir aus dem Flughafengelände kommen, trifft die deutsche Kaltfront auf das chilenische Hoch. Das ist so, als ginge man gerade in die Sauna, nur, dass die Luft hier trocken ist.

Auf der Suche nach den Koffern drängt sich schon ein Taxi-Fahrer penetrant auf, nimmt uns das Handgepäck aus der Hand und läuft im Schweinsgalopp vor uns her und wir galoppieren  hinterher. Wann hört nur diese Rennerei auf? Als wir eintreffen, sehen wir unsere Koffer und wir sind erleichtert. Schnell noch die Bordkarte vorzeigen und ab geht die Post. Zunächst fragen wir aber den Taxi-Fahrer nach dem Preis. 35000 chilenische Pesos über Landstraße und 40000 über die Autobahn. Wir nehmen den günstigeren Tarif, denn auf die paar Minuten mehr kommt es nicht an. Wir steigen in einen uralten Peugeot, der zunächst nicht anspringen will. Der Fahrer legt den Gang ein und los geht’s. Da kommt er plötzlich damit um die Ecke, dass die Fahrt 45000 Pesos kostet, weil er über die Autobahn fährt. Warum glauben alle immer, dass man Ausländer reinlegen kann? Nun geht das Palaver los. Wir wollen nicht Autobahn fahren und er will keine Landstraße fahren, aber 45000 Pesos ist nicht der Preis, den er uns zu Beginn genannt hat. Dieses Schlitzohr. Steht auf unserer Stirn geschrieben: Ich bin Tourist. Mich kannst du ausnehmen? Wir wollen schon aussteigen, da lenkt er ein. Wir einigen uns letztendlich auf 40000 Pesos und fahren nur ein kurzes Stück über die Autobahn. Diese 23 Kilometer bis zu unseren Freunden Inés und Holger sind schnell überstanden, nachdem ich dem Taxifahrer erklären muss, wo er langfahren muss. Schnell die Koffer auspacken, dem Schlitzohr die 40000 Pesos aushändigen und endlich etwas Kühles trinken. Die Freude ist groß, als wir uns wiedersehen. Inés kommt erst gegen Abend von der Arbeit zurück.

Also, ich weiß ja nicht, aber kann es sein, dass wir Pattex an den Händen haben, weil das Pech immer so an uns kleben bleibt?

Von nun an bekommen wir 14 Tage lang jeden Tag eine e-Mail zugesandt, in der wir einen kurzen Statusbericht über unsere Gesundheit abgeben müssen, ob wir in einem Gesundheitszentrum waren oder ob wir einen weiteren PCR-Test durchführen lassen haben. Und weil ich für uns am Flughafen Santiago noch ein neues Formular Declaración Jurada ausfüllen musste, muss ich jetzt alles in doppelter Ausführung ausfüllen.

Wie es jetzt weitergeht? Wir wissen es noch nicht. Zunächst befinden wir uns ja in Quarantäne. Sobald die zehntägige Quarantäne vorüber ist, können wir uns wieder frei bewegen. Wir werden aber zunächst bei Inés und Holger bleiben, um die allgemeine Lage erst einmal abzuwarten. Die Infektionszahlen in Chile sind wegen der Ferienzeit erneut angestiegen und man hat von der Regierung sogar schon verlauten lassen, dass man eventuell den Flughafen wieder schließen will. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass dann die Provinzgrenzen ebenfalls geschlossen würden.

 

Also, bis denne dann.

  

Die 2.