Gestrandet in Chile.

 

Reisezeit:  10.03.2020 – solange diese Krise auch dauert.

Carnet de Passages: Man erhält ein landeseigenes TIP (Zolleinfuhrdokument für das Fahrzeug).

Währung: Peso.  940 Pesos = 1 €.

Diesel: 612 – 670 Pesos/l.

Benzin: 700 Pesos/l und mehr.

Bargeld: An vielen ATM bis 200000 Pesos mit bis zu 7000 Pesos Gebühr pro Vorgang.

Kreditkarten: Große Akzeptanz von Visa und Master.

Fahrzeugversicherung: Wir haben eine Versicherung für die Mercosur-Staaten abgeschlossen, siehe unter Allgemeines in Rubrik Infos.

Straßengebühr: Auf den Hauptverbindungen wird eine Straßengebühr verlangt. Je nach Region bis zu 6000 Pesos für unsere Größe.

 

Am 10.03.2020 stehen wir am Grenzposten von Chile am Paso de Agua Negra, nachdem wir die Nacht an einem wunderschönen See in 3500 Metern Höhe verbracht haben. Es ist erst 9.30 Uhr und der Grenzposten scheint wie ausgestorben. Wohl weil wir die einzigen Grenzgänger sind, gibt man sich alle Mühe unser Fahrzeug zu kontrollieren. Jedes Fach und jede Klappe, außen sowie innen, wird inspiziert. Unsere halbe Zwiebel, die wir extra für diesen Fall übrig gelassen haben, wandert natürlich in den chilenischen Mülleimer. Auch hier ist Corona natürlich nicht mehr unbekannt. Eine doppelte DIN-A4-Seite muss mit Fragen nach dem Woher und Wohin sowie dem letzten Aufenthaltsort usw. ausgefüllt werden. Dann kommt die Frage aller Fragen: Waren sie auch in China? Unsere Antwort, ja waren wir! Unserer Dame gegenüber fällt der Kuli aus der Hand und die andere wandert vor Panik vor den Mund. Plötzlich herrscht hier in der Grenzstation Totenstille. Ganz deutlich ist ein einheitlicher Seufzer zu hören, als wir verkünden, dass unser China-Besuch vor 7 Jahren war.

Die Großstadt La Serena liegt in Reichweite. Zum Einkaufen und Tanken ist sie für uns o.k., aber mehr auch nicht. Unsere Bekannten Alejandro und Mónica wohnen nur hundert Kilometer südlich von hier. Wir haben ihnen versprochen sie zu besuchen, falls wir mal wieder in der Gegend sind. Alejandro berichtet uns, dass am nächsten Tag die Treibstoffpreise sinken würden; was für ein Glück. Bedingt durch den starken Kursverfall des Peso und eben dieser Preissenkung, können wir am nächsten Tag in La Serena für 612 Pesos pro Liter unsere Tanks wieder auffüllen. Das macht beim derzeitigen Stand 0,65 €/l. Das ist neben Bolivien der billigste Sprit, den wir bislang in Südamerika tanken konnten.

Nur wenige Tage später und viel weiter nördlich betreten wir einen Ort, der Geschichte schrieb. Am 05.10.2010 stürzte ein Stollen der Mine San José ein. In mehr als 700 Metern Tiefe wurden 33 Minenarbeiter verschüttet. Die Suche nach den Verschollenen sollte schon eingestellt werden, als man deutliche Klopfzeichen orten konnte. Nach drei Wochen konnte ein kleines Versorgungsloch zu den Verschütteten gebohrt werden, durch das sie mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgt werden konnten. Daraufhin wurde ein größerer Schacht vorangetrieben, durch den man eine Transportsonde herablassen konnte. Mit Hilfe dieses Käfigs wurden, nach unendlich langen 70 Tagen, alle 33 Arbeiter lebend gerettet. Die Mine wurde einen Tag nach der Rettung geschlossen und ist heute eine Gedenkstätte.

Wieder ein paar Tage später sind wir erneut auf dem Weg nach Argentinien. Diesmal haben wir uns den 4766 Meter hohen Paso de San Francisco ausgesucht. Wir sind froh die Minenstadt Copiapó mit seinen total vermüllten Randgebieten hinter uns lassen zu können. Man, hier wollte ich nicht tot über‘m Zaun hängen!!!!

169 Kilometer sind es bis zur chilenischen Grenzabfertigung. Wir arbeiten uns Meter für Meter bergan, nur damit wir uns von den Chilenen sagen lassen, wir können euch nicht durchlassen, da Argentinien aufgrund von Corona bis auf weiteres die Grenzen geschlossen hat. Am gleichen Tag hören wir, dass auch die Nachbarstaaten Bolivien und Perú ihre Grenzen dicht gemacht haben. Und wir haben gedacht Corona sei noch weit entfernt; wir sitzen jedenfalls bis auf weiteres in Chile fest. Dank WhatsApp erfahren wir, dass es uns natürlich nicht allein so ergeht. Mehr oder weniger sitzen in allen Ländern der Welt irgendwelche Reisende fest und warten auf die Dinge, die da kommen. Nachdem wir Goliath mit allem Lebensnotwendigen vollgestopft haben, verdrücken wir uns in die Atacama-Wüste. Zurzeit stehen wir an einem einsamen Aussichtspunkt in 1700 Metern Höhe mit einem traumhaften Blick auf die Atacama und im Hintergrund leuchtet der Pazifik in dunklem Blau. Kein schlechter Ort für uns auf das Ende von Corona zu warten!

Auch uns ist natürlich klar, dass wir diese Krise hier nicht aussitzen können. Also machen wir uns nach einigen Tagen weiter Richtung Norden auf und dringen weiter in die Atacama-Wüste vor.

Als nächster Anlaufpunkt für uns ist die Küstenstadt Antofagasta zu nennen, wo wir eventuell Wasser nachtanken und einkaufen können. Jedoch wird es zusehends mit dem Wasser nachtanken ein Problem. Es ist zu trocken hier in der Atacama. An Tankstellen, wo wir häufig Trinkwasser und Diesel nachtanken, bekommen wir selbst daraufhin, dass wir dafür bezahlen wollen, kein Trinkwasser geliefert. Häufig haben die Menschen außerhalb des Hauses keinen Wasserhahn für Trinkwasser oder man macht sich einen Spaß daraus, horrende Summen zu verlangen oder aber sie blocken einfach mit den Worten ab: Wir haben kein Wasser, geht in den Supermarkt und kauft euch da was. Fertig! Das andere Problem ist das Einkaufen in Supermärkten. Bedingt durch die Corona-Hysterie, lässt man hier nur noch wenige Menschen auf einmal in die Läden. Deswegen bilden sich lange Schlangen an den Eingängen und es kann je nach Tageszeit Stunden dauern, bis man endlich an der Reihe ist, so nach dem Motto, es ist besser die Leute fangen sich Corona draußen in der Schlange von Hunderten von Menschen ein, als hier im Laden. Des Öfteren werden wir auch darauf hingewiesen, wir sollen doch eine Maske tragen, denn mindestens 80 % der Menschen tragen bereits diese billigen Papiermasken oder haben Schals oder Tücher vorm Gesicht. Aber was soll’s, sie wissen es nicht besser, dass das kein Schutz ist. Alles in allem macht das Reisen zurzeit keinen Spaß, aber leider haben wir keine andere Wahl. Wir jedenfalls haben für uns beschlossen nicht weiter nach Norden zu fahren und drehen um. Wir haben noch keinen Plan, aber irgendwie geht’s schon weiter.

Na klar, da befinden sich unsere Freunde Alejandro und Mónica etwa 800 Kilometer zurück nach Süden. Alejandro hat uns beim letzten Besuch mehrmals versichert, wir seien jederzeit herzlich willkommen. Also nix wie zurück, bevor dieses Theater um Corona außer Kontrolle gerät.

 

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Die Freude über unsere unerwartete Rückkehr ist groß und noch einmal bestätigen sie uns, wir können so lange bleiben wie wir wollen. Also erst einmal ab auf ihren Hügel mit dem wunderschönen Ausblick auf den See. Fünfhundert Meter Luftlinie ist einer der Corona Checkpoints, die an vielen Stellen des Landes aus dem Boden gestampft wurden und an denen die Körpertemperatur gemessen sowie das Fahrzeug desinfiziert wird. Wir zeigen keine Anzeichen von Krankheit und die Desinfektion wird nur von drei Seiten durchgeführt, da der Schlauch zu kurz ist. Ist klar, auf der linken Seite halten sich niemals Viren auf!? Irgendwie läuft hier alles fast normal. Die Leute gehen einkaufen, teils maskiert, teils ohne, man hält Abstand zum anderen, auch hier werden nur eine bestimmte Anzahl von Menschen in den Supermarkt gelassen, beim Betreten spendet jemand ein Händedesinfektionsmittel, aber alles läuft sehr ruhig und gelassen ab. Ich bewältige meistens unsere Einkäufe mit dem Rad; alles kein Thema. Leider bleiben wir auf unserem Hügel nicht ganz unentdeckt und Alejandro wird von der Polizei kontaktiert, was es mit den Ausländern bei ihm auf sich habe und ob wir eine Reisegenehmigung hätten. Doch unser Freund hat auch bei der Polizei gute Kontakte und er versichert ihnen, wir seien schließlich schon seit drei Wochen bei ihm und hätten in dieser Zeit keine Anzeichen von Krankheit gezeigt; das sollte doch wohl reichen. Man gibt sich mit der Aussage zufrieden, fast jeder weiß nun in der kleinen Stadt Monte Patria über die Extranjeros, wie wir hier genannt werden, Bescheid.

Nach besagten drei Wochen spitzt sich die Lage allerdings nochmals zu. Eine Woche vor Ostern wird Militär eingesetzt, um die nächtliche Ausgangssperre zu kontrollieren. Für uns hat das jedoch keine Konsequenz, für uns ist „10.00 Uhr Pippi machen, ab ins Bett“ angesagt. Wir bekommen auch von anderen Reisenden Anfragen, ob wir nicht noch ein freien Platz hätten, denn sie haben es anscheinend nicht so gut getroffen wie wir, so auch Christoph und Claudia, unsere namibischen Freunde. Sie haben den Zeitpunkt verpasst zu uns zu stoßen, sie sitzen zirka 700 Kilometer südlich von uns fest, wo der erste chilenische Fall von Corona entdeckt wurde und da Monte Patria noch frei von Corona ist, lässt man sie im Ort nicht mehr einreisen. Dumm gelaufen!!!

Da auch Alejandro sein Transportunternehmen zurück gefahren hat, frönen wir nun dem guten Wein bei reichlich gutem Essen und hoffen, dass die Krise bald endet, ansonsten können wir bald vom Hügel herunter rollen. Wir hätten es viel schlechter treffen können. In diesem Sinne, lasst euch diese verrückte Zeit nicht zu lang werden und bleibt alle gesund.

Es grüßen euch die 2 vom chilenischen Hügel.

 

PS: Wir haben noch Informationen für Brasilien-Reisende:

Zitat: "Die brasilianische Bundespolizei „Polícia Federal“ (Polícia Federal do Brasil) informiert, dass seit dem 16.03.2020 die Berechnung der erlaubten Aufenthaltsdauer für Brasilienbesucher während der aktuellen Ausnahmesituation im öffentlichen Gesundheitsbereich vorübergehend ausgesetzt wurde, vorausgesetzt, die Brasilienbesucher hatten an dem o.g. Datum einen legalen Aufenthaltsstatus. Nach Beendigung des Ausnahmezustands im öffentlichen Gesundheitsbereich wird die Berechnung der erlaubten Aufenthaltsdauer wieder aufgenommen. Ebenso gelten die Gültigkeitsfristen von Registrierungsprotokollen der brasilianischen Bundespolizei, von brasilianischen Ausweisen und anderen Dokumenten, die den Aufenthaltsstatus nachweisen, als verlängert, bis die Ausnahmesituation im öffentlichen Gesundheitsbereich für beendet erklärt wird." 

(Nachzulesen unter: https://latina-press.com/news/274917-covid-19-aufenthaltsfristen-fuer-auslaender-in-brasilien-voruebergehend-ausgesetzt/).