Perú - Kultur pur.

 

Reisezeit: 01.08.2019 – 10.08.2019 .

Visum: 90 Tage an der Grenze.

Carnet de Passages: Wir bekommen ein landeseigenes TIP an der Grenze für 90 Tage.

Währung: Soles. 1 € = 3,70 Soles.

Diesel: 11,89 Soles – ca. 13,00 Soles/Gallone.

Benzin: Ca. 14,50 Soles/Gallone.

Bargeld: An vielen ATM. Wir haben es nur an zwei Automaten versucht. Einmal war das max. 700 Soles (185 €). Das andere Mal wollte die Maschine nur 400 Soles ausspucken.

Kreditkarten: An größeren Tankstellen, Supermärkten sowie Touristengebieten große Akzeptanz. Auf dem Land ist eher Bares gern gesehen.

Fahrzeugversicherung: Wir haben eine Versicherung für die Mercosur-Staaten abgeschlossen.

Straßengebühr: Wir haben ab der Grenze von Bolivien Richtung Norden nur einmal Maut bezahlt, an allen anderen Mautstellen wurden wir durchgewunken. Von Nord nach Süd muss häufiger bezahlt werden.

 

Am 01.08.2019 stehen wir am Grenzübergang Desaguadero. Es ist 8.00 Uhr in der Früh und um die Null Grad. Wir fahren an einer kilometerlangen Schlange von LKW vorbei. Jedes Fahrzeug tuckert im Standgas vor sich hin, die Luft könnte man schneiden, aber warum nur? Der Schlagbaum auf bolivianischer Seite bewegt sich erst um 9.00 Uhr nach oben und keine Minute eher. Die ersten hundert Trucker, die dem Schlagbaum am nächsten stehen, haben sich vor dem Zollhäuschen  eingefunden, damit sie als erstes abgefertigt werden. Als Touristen dürfen wir wie immer bis direkt an den Schlagbaum fahren. Pünktlich um 9.00 Uhr kommt ein Pickup vorgefahren, beladen mit einem Haufen Zöllner drauf. Das Tor geht auf und wir können weiterfahren bis zur Touristenabfertigung. Das neue Gebäude teilen sich Bolivianer und Peruaner, sie sitzen sogar direkt nebeneinander. Der Bolivianer ist fix bei der Sache, rumms den Ausreisestempel in den Pass gehauen, das Zollpapier für Goliath einkassiert, fertig. Der Peruaner hingegen, ein etwas betagterer Herr, hat es offensichtlich nicht so mit der neumodernen Technik. Eine Stunde braucht dieser arme Zöllner, um die Einfuhrerklärung für Goliath in den Computer zu tippen und auch nur, weil zwei Kollegen ihm zur Hilfe kommen.  

Im ersten Ort, der uns groß genug erscheint eine Bank zu haben, halten wir an und versorgen uns erst einmal mit Bargeld. Gut, dass wir die Möglichkeit hatten in Bolivien nochmal für relativ kleines Geld die Tanks mit Diesel zu füllen, so können wir, wenn alles glatt geht, durch Perú durchfahren ohne zu tanken. Bei Preisen von 0,85 bis 0,90 € für den Liter Diesel würde das schmerzen. Ja ja, ihr da in Deutschland werdet jetzt sagen, hätten wir nur solche Preise, aber hier in Südamerika ist das eines der teuersten Länder, was die Spritpreise angeht.

Wir sind auf dem Weg nach Cusco. Wir bewegen uns immer zwischen 3500 und 4000 Metern Höhe. Einmal sogar kratzen wir ganz leicht an der 4400-Meter-Marke und je höher wir kommen desto schöner und atemberaubender wird die Landschaft. Goliath schnauft an den Steigungen wie ein altes Walross, hinter uns eine schwarze Wolke ausstoßend. Auch ihm fehlt der Sauerstoff.

Marions Gesundheitszustand hat durch die ständigen Temperaturschwankungen einen herben Rückschlag erlitten und hat mich gleich mit einbezogen. Als wir in Cusco eintreffen haben wir einen erheblichen Stimmverlust zu beklagen. Wir sind beide so heiser, dass wir fürs Erste beschließen, dass es Zeichensprache auch tut. Eine solche Erkältung haben wir beide seit Jahrzehnten nicht mehr gehabt. Normalerweise machen uns 3500 Meter nicht mehr wirklich was aus, aber diese Erkältung, gepaart mit wenig Sauerstoff, lässt uns mindestens zwei Gänge zurückschalten und wir sind in den ersten Tagen nicht besonders unternehmungslustig.

Also bleiben wir auf dem Camping Quinta Lala stehen und versuchen unsere Erkältung in den Griff zu kriegen. Aber was wir uns antun können, sind die Ruinen von Saqsaywaman, nur 200 Meter Luftlinie vom Camping entfernt. Also mich interessieren weniger die Hintergründe, warum diese Anlagen gebaut worden sind, ob hier Köpfe gerollt sind oder………, sondern wie man zu damaliger Zeit diese zum Teil tonnenschweren Felsen so passgenau gefertigt und ineinandergefügt hat. Häufig hat man das Gefühl, als würde man keine Fühlerlehre von einem Millimeter dazwischen kriegen. Der Eintritt ist mit fast 20 € pro Person nicht gerade ein Schnäppchen, aber was ist in Perú schon billig?!

Nach fünf Tagen fühlen wir uns beide zwar noch nicht ganz wieder genesen, aber wenigstens so weit fit, das wir uns wieder auf die Piste begeben können. Um 7.00 Uhr und Temperaturen um den Gefrierpunkt, machen wir uns auf. Wir wollen so früh wie möglich durch Cusco sein, bevor der halsbrecherische Verkehr beginnt. Mit etwa vier Beinahe-Unfällen, dank der durchgeknallten Taxi-, Minibus- und Busfahrer, liegen wir noch gut im Rennen. Endlich geschafft, wir sind aus diesem Loch heraus. Doch bevor wir Brasilien erreichen, müssen wir noch übern Berg, das heißt, der Berg ist 4750 Meter hoch. Goliath raucht und schnauft bei der dünnen Luft. Zu beiden Seiten begleiten uns schneebedeckte Berge – was für eine traumhafte Kulisse. Uns weht ein eisig kalter Wind um die Ohren und die Vegetation geht gegen Null.

Etwa drei Stunden, 4000 Meter tiefer und gefühlten 5000 Serpentinen später, dichte Vegetation, subtropisches Klima und 33 Grad. Man, das zieht einem die Socken aus!

 

Wir sind auf der Transozeanika unterwegs. Komplett asphaltiert verbindet sie die peruanische Pazifikküste mit der brasilianischen Atlantikküste. Ein Trauerspiel sondergleichen breitet sich links und rechts der Strecke vor uns aus. Angefangen mit dem Fällen der tropischen Urwaldriesen, danach Brandrodung für Holzkohle sowie für die Landgewinnung und im späteren Verlauf Anbau von Monokulturen mit Ananas und Papaya. Das soll sich die nächsten 1000 Kilometer so fortsetzen. Bei schwülen 35° verlassen wir am 10.08.2019 Perú bei Inapari. Die Transamazonika kann kommen, wir sind bereit.

Wir sehen und hören uns wieder aus dem Dschungel. Die 2.