Zur Abwechslung mal wieder Paraguay.

 

Reisezeit:  14.01.2019 – 21.02.2019

 

Nachdem wir die Grenze bei Fray Bentos von Argentinien nach Uruguay überschritten haben, halten wir uns nur vier Tage im Land auf. Zwei Tage geht’s ein kleines Stück durch Brasilien, ein noch kleineres Stück wieder durch Argentinien. Erwähnenswert sei hier der Besuch der weltgrößten Mate-Fabrik, ein Gebräu, das in ganz Lateinamerika mit größter Hingabe zelebriert und getrunken wird. Je nach Land werden die zerkleinerten Blätter entweder mit kaltem oder heißem Wasser aufgegossen und durch einen metallenen Strohhalm (Bombilla) getrunken. Auf 5000 Hektar wird die Matepflanze angebaut und geerntet.

 

Ein dreifaches Halleluja für eine Klimaanlage, die Sonne kocht uns das Hirn weich!

Wir sind wieder in Paraguay, aber wie mir scheint, zur falschen Jahreszeit. Wir müssen uns wieder einmal durch die Hauptstadt Asunción quälen, denn hier hoffen wir eine geeignete Reifenbude zu finden, die sich unserer seit langem schlecht gewuchteten Reifen annehmen. Wir werden tatsächlich fündig. Eine perfekt und neu ausgerüstete Reifenfirma, die endlich mal in der Lage ist, ein komplettes Rad zum Auswuchten auf eine Maschine zu spannen. Der Monteur kann es kaum fassen, an jedes der Vorderräder muss er sage und schreibe ein Kilo Gewichte anbringen. Gleichzeitig lassen wir hier auch mal die Spur elektronisch einstellen. Jetzt kommt aber der Knaller mit der Rechnung. Zwei Räder auswuchten plus elektronischer Spureinstellung 50 €. Das sind Preise wie im Schlaraffenland.  

 

Am Abend bevor wir die Region Gran Chaco erreichen, zeigt das Thermometer sage und schreibe 47° im Schatten.  Um 20.00 sind immerhin noch 42° zu verzeichnen. Die Einheimischen sagen lächelnd „stellt euch nicht so an, letzte Woche hatten wir 52° im Schatten“! Ich dachte, dass wir keine Rekorde mehr verzeichnen könnten, aber wir werden immer wieder eines Besseren belehrt. Die Nächte sind, wie man sich vorstellen kann, beschissen. 33° sind zum Schlafen einfach zu viel und für einen erholsamen Schlaf eher nicht förderlich. Wir fühlen uns wie ein Braten in der Röhre, man schmort im eigenen Saft. Zu alledem haben sich die zahlreich vorkommenden Mücken an uns gütlich getan. Erst gegen 4.00 in der Früh entdecken wir das Leck in unserem „Hochsicherheitstrakt“, zumindest was diese Blutsauger angeht und können es versiegeln. Aber da ist die Nacht so gut wie rum. Unsere Gedanken kreisen nur um Abkühlung. Eine Klimaanlage muss her. Die Auswahl ist in Paraguay eher dürftig, also werden wir wohl bis Brasilien warten müssen, da dort das Angebot größer ist. Also leiden wir bis auf weiteres weiter.

 

Nach drei Tagen in der Stadt Filadelfia, die uns so vertraut geworden ist, beschließen wir wieder aufzubrechen. Kühlschrank sowie alle Lager sind vollgestopft für ein weiteres Abenteuer im nördlichsten Teil von Paraguay. Gleichzeitig gilt diese Gegend als einsamster und unwegsamster Landstrich des Landes. Wir wollen noch einmal dorthin zurück, in der Hoffnung auf unsere  Jaguar-Mama zu treffen, die mittlerweile ihre Jungen zur Welt gebracht haben müsste. Jedoch zieht in der Nacht ein Gewitter über uns hinweg. An Aufbruch ist derzeit nicht zu denken. Alles steht unter Wasser und die Erdstraßen sind aufgeweicht. Wer nicht fahren muss, bleibt zu Hause am Ofen sitzen, äh, ich mein natürlich vor der Klimaanlage.

 

Ein Tag später um 7.30. Alles ist verstaut, der Motor brummt und Goliath scharrt mit den „Hufen“.  Plötzlich leichter Regen. Wir fahren dennoch los. Diese blöde Regenwolke immer vor uns herschiebend Richtung Norden. Nach 20 Kilometern ist die Piste schon soweit aufgeweicht, dass der erste 7,5-Tonner auf ebener Strecke nicht mehr von der Stelle kommt. Goliath ist im Heckantrieb nicht mehr zu bändigen, der 4x4-Antrieb kommt zum Einsatz. Und trotz alledem sind die Reifen wie Slicks. Mehr als 20 km/h sind nicht drin. Immer wieder versucht er auf der schräg angelegten Piste aus heiterem Himmel auszubrechen. Nach weiteren 20 Kilometern brechen wir unsere Unternehmung ab und drehen um. Als wir uns Filadelfia nähern, trocknet die Piste bereits wieder ab. Die Sonne brennt schon wieder erbarmungslos vom Himmel. Es ist erst 10.00 und das Quecksilber zeigt bereits 37°. Da kommt uns ein Gedanke, wir zäumen den Gaul von hinten auf. Wir versuchen unsere geplante Runde anders herum zu fahren, vielleicht regnet es dort nicht!? Schlussendlich gelangen wir wieder auf die beschissenste Piste von Paraguay, die uns Richtung Norden bringt, zum Nationalpark Defensores del Chaco.

 

Eine geruhsame Nacht bei der Parkaufsicht lässt uns am nächsten Tag alle Strapazen vergessen und wir machen uns auf, die 50 Kilometer hinter uns zu bringen, die uns zum Cerro Leon führt. Wir scheitern an den letzten 3 Kilometern. Büsche und Bäume stehen zu eng, Schlammlöcher sind zu tief und zu alledem sind wir völlig allein sowie am Arsch der Welt. Das zweite Mal in zwei Tagen zu scheitern ist hart, zudem uns noch Myriaden von Moskitos überfallen. Wir drehen auf der Piste von der Größe eines Bierdeckels, verglichen mit unserem Fahrzeug und machen uns schleunigst aus dem Staub, um diesen lästigen Plagegeistern zu entkommen.

 

Als wir am Cruce 4 de Mayo ankommen, einem Kreuz, an dem in alle vier Himmelsrichtungen unbefestigte Erdstraßen abgehen, stoppt uns Militär. Es gebe nur eine Piste, die für uns in Frage komme, so die Aussage. Es seien nur 55 Km bis zu unserer angestrebten Linea 1 im hohen Norden, aber auch nur die ersten 15 Kilometer seien wirklich schlecht. Nach nur 3 Kilometern wissen wir, was uns der Soldat eigentlich sagen wollte. Tiefe Schlammfurchen und Wasserlöcher, die nicht einzuschätzen sind, zeugen von Kämpfen, die hier bereits ausgefochten wurden. Also tief durchatmen und durch…………. und wir rutschen auch schon seitlich weg und hängen fest. Alle Versuche, aus eigenem Antrieb aus dem Schlammassel wieder rauszukommen, versagen kläglich. Nun muss unsere Winde ran. Wir brauchen die komplette Seillänge von etwa 80 Metern plus zwei 15-Meter-Bergegurte, um einen passendem Baum zu erreichen. Nach einer halben Stunde stehen wir wieder auf der Piste.

 

Video vom Chaco

 

Nach wenigen Kilometern steht ein Scania mit Tieflader auf der Piste, beladen mit Strohballen und kommt nicht weiter. Welcher Teufel diesen Fahrer geritten hat diese Piste zu nehmen, weiß nur er allein. Kurz vor Mayor Pablo Lagerenza erreichen wir nach 55 Kilometern Schlammschlacht unsere vermeintliche Piste Linea 1. Ein Schild weist uns den Weg, schlappe 260 Kilometer bis Bahia Negra. So der Plan. Jedoch endet diese Piste abrupt vor einem unüberschaubaren Feuchtgebiet, in dem Frösche quaken und Reiher selbige zu verspeisen versuchen. Marion versucht noch zu Fuß im hohen Gras einen Weg ausfindig zu machen, aber nicht mal eine Andeutung einer ehemaligen Straße ist auszumachen. Können Karte, Navi sowie Smartphone sich so täuschen!? Zum dritten Mal in zwei Tagen müssen wir, verglichen mit Goliaths Größe, auf der Fläche eines Bierdeckels drehen und umkehren. Jetzt ist guter Rat teuer. Der Tag ist schon weit vorangeschritten, so beschließen wir vor der Einfahrt einer Estancia zu übernachten. Abends kommt der Besitzer, auch er weiß keinen Rat wie wir Bahia Negra erreichen können, ohne denselben Weg wieder zurückzufahren. 7 Kilometer weiter nördlich sei eine Militärstation, vielleicht würden die uns weiterhelfen können. Auch die haben keine Antwort parat. Also treten wir den Rückweg an. Das Gute ist allerdings, wir brauchen heute gerade mal 2 Stunden, wofür wir gestern 5 Stunden gebraucht haben. Das liegt vielleicht auch daran, dass der einhellige Tenor war, Regen sei schon wieder im Anmarsch.

 

Wir sind schon wieder auf der breiten Hauptpiste nach Filadelfia, da kommt er, der Regen. Nach 20 Minuten ist die Erdstraße jedoch wieder so aufgeweicht und glitschig, dass ich Goliath kaum auf der Piste halten kann. Buchstäblich in letzter Minute sowie 40 Kilometer vor Erreichen der Asphaltstraße, finden wir einen Übernachtungsplatz. Innerhalb von 2 Stunden fällt das Thermometer um 20°.

 

Am nächsten Tag, die Piste ist etwas abgetrocknet, nehmen wir die letzten Kilometer unter die Räder, die uns nach Filadelfia führen. Trotz aller Schwierigkeiten, Anstrengungen und Enttäuschungen, die wir auf dieser Tour erfahren mussten, steht für uns fest, wir werden uns das nochmal antun. Wir haben auf dem Weg unzählige frische und auch alte Spuren von Großkatzen wie Jaguar und Puma gesehen, dass wir einfach nochmal dahin müssen. Dann werden wir uns einfach irgendwohin stellen und abwarten, bis uns diese wunderschönen Katzen über den Weg laufen.

 

Wenn jemand Abenteuer sucht, kann er es an vielen Stellen dieser Erde finden, man darf nur nicht den schnellsten Weg von A nach B nehmen, was dann meistens Asphalt ist. Wir haben mit unserem Aufenthalt hier in Paraguay definitiv für uns das Abenteuer gesucht und auch gefunden. Wir sind nicht mehr weit von Bolivien entfernt und dort regnet es in Strömen. Mal schauen was uns dann dort erwartet.

 

Die 2.