Brasilien - verbranntes Land.

 

Reisezeit: 10.08.2019 – 10.10.2019.

Visum: 90 Tage an der Grenze.

Carnet de Passages: Man bekommt wie immer eine landeseigene temporäre         Einfuhrgenehmigung.

Währung: Real. 1 € = 4,40 Reais.

Diesel: In dieser Region liegt der Liter Diesel zwischen 3,69 – 4,4 Reais. Es lohnt sich aber bei größeren Mengen nach einem Preisnachlass zu fragen.

Benzin: 4,40 Reais/Liter.

Bargeld: An einigen Banken mit Visa und Master bis zu 1000 Reais, aber zum Teil mit erheblichen Gebühren verbunden (6 € keine Seltenheit) oder aber man bekommt überhaupt kein Geld, wie es uns mehrfach passiert ist. Also wenn die Maschine was ausspuckt, holt reichlich, denn die nächste Maschine kann schon wieder streiken.

Kreditkarten: An vielen Tankstellen sowie Supermärkten große Akzeptanz.

Fahrzeugversicherung: Wir haben eine für die Mercosur Staaten abgeschlossen.

Straßengebühr: Wer wie wir von Perú einreist, wird bis Humaitá und über die BR-230 (Transamazonika) bis Itaituba nicht belangt.

 

Am 10.08.2019 stehen wir bei Assis Brasil an der Grenze von Brasilien. Normalerweise machen die Brasilianer von 12.00 – 14.00 Uhr Mittag und schließen die Grenze, wir haben 11.30 Uhr und es könnte knapp werden. Aber nein, äußerst freundliche Beamte empfangen uns und der Zöllner, der unsere Fahrzeugpapiere ausstellt, sagt mit einem Lächeln, für uns hätte er auch seine Mittagspause unterbrochen.

Am Abend fahren wir einen Stellplatz mit Restaurant an. Der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten, drum beschließen wir nicht selbst zu kochen, sondern Essen zu gehen. Der Besitzer faselt irgendwas mit Hühnchen, alles andere verstehen wir nicht. Okay, das nehmen wir! Zu guter Letzt kommt eine Schüssel mit Reis, Nudeln, irgendeine undefinierbare Sauce und eine große Schüssel eben mit diesem Hühnchen auf den Tisch. Aber das Hühnchen sieht eher aus als hätte es ein wütender Ninja-Krieger mit seinem Säbel zerhäxselt. So finden wir zwei Füße und andere Sachen, auf die wir nicht so wirklich stehen, alles gespickt mit völlig zertrümmerten Knochen. Na, da wird sich aber der nächste ausgemergelte Hund freuen.

Und zum ersten Mal habe ich mich mit der Planung unserer Spritreserven vertan. War mir der Diesel mit 85-90 Eurocent in Perú zu teuer, kann ich dann günstiger in Brasilien tanken – so der Plan. Die Rechnung ist aber deftig in die Hose gegangen. In dieser Gegend muss man zumindest auf den ersten 500 Kilometer bis zu einem Euro pro Liter berappen – das tut weh!!! Aber bei einem kurzen Interview mit Truckern kommt raus, dass es in Humaitá billiger wird. Dann sollten vorerst 200 Liter genügen. Die Trucker hatten Recht – ein Glück. Mehr als 500 Liter gehen in unsere Fässer, bevor wir auf die BR-230  abbiegen, die Transamazonika. Knapp über 1000 Kilometer Dschungelpiste liegen vor uns, bis wir den Ort Itaituba hoffentlich unbeschadet erreichen.

Aber bis wir jedoch den Einstieg zur Transamazonika erreichen, vergehen noch etwa 1000 Kilometer, die wir auf Asphalt hinter uns bringen müssen. Doch wer hier Urwald oder zumindest halbwegs intakte Landschaft erwartet, wird bitter enttäuscht. Auf der gesamten Strecke steht kaum noch ein Baum. Der gesamte Wald musste hier zugunsten intensiver Rinderhaltung weichen. Dazu kommt noch, dass sämtliche trockenen Weiden, und das sind 80-90 %, angesteckt werden, damit neues Gras nachwachsen kann. Dazu kommt noch großflächige Brandrodung obendrein. Für den, der sich das nicht vorstellen kann, sieht das dann so aus. Es brennt und qualmt so dermaßen, dass wir für mehrere Stunden am Tag die Sonne nur vermuten können. Husten und Augenreizungen sind die Folge. Teilweise tut man gut daran die Nebelscheinwerfer einzuschalten, damit man besser gesehen wird. Unsere einzige Hoffnung ist, dass es im weiteren Verlauf der Strecke besser wird!?

Am 15.08.2019 erreichen wir nach etwa 1000 Kilometer den Ort Humaitá und damit den Einstieg auf die Transamazonika (BR-230). Ständig müssen wir die Zeit umstellen, weil wir permanent gen Osten fahren. Auf jeden Fall sind wir sehr früh unterwegs, die Sonne ist gerade aufgegangen. Nach fünf Kilometer bremst uns die erste Fähre aus, die uns über einen Fluss bringt. Die Transamazonika kann beginnen. Dichter Dschungel begrüßt uns mit harter, staubiger Piste. So sehen etwa die ersten 150 Kilometer aus, aber dann………. Wo ist plötzlich der Dschungel geblieben????? Die letzten Tage sollten nur der Anfang eines Dramas sein, das seines Gleichen sucht. In kaum fassbaren Dimensionen breiten sich schwarze Mondlandschaften  vor uns aus, aus denen es raucht, dass einem die Augen tränen und das Atmen schwer fällt. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich bis ins Mark erschüttert, grenzenlose Wut steigt in mir auf und gleichzeitig überkommt mich große Hilflosigkeit über diese zerstörerische Gier nach Profit sowie dem Raubbau an der Natur, dem ich nichts entgegenzusetzen habe. Es ist einfach unfassbar, wie so wenige Menschen so rigoros und zielstrebig alles dem Erdboden gleich machen können, ohne Rücksicht auf Verluste. Angesichts dieses Ausmaßes allein an unnützer Luftverschmutzung, lässt die Diskussion in Deutschland um eine Verringerung der CO2-Emissionen zur LACHNUMMER werden und das ist nur ein kleiner Brandherd auf dieser Welt!!!     

 

Video: Transamazonika

   

Aber bei all der Weltuntergangsstimmung, die ich hier verbreite, gibt es auch noch kleine Lichtblicke, wie ich fairerweise zugeben muss, die aber eher im letzten Drittel der Transamazonika zu finden sind. Als da wäre der Nationalpark Amazonia, durch den wir für zirka 150 Kilometer fahren. Wilde Tiere kommen uns aber hier nur wenige zu Gesicht. Wir können einige Affen am Straßenrand beobachten oder die wunderschönen Aras, die manchmal krächzend über unsere Köpfe fliegen. Hier wird auch die Strecke sehr hügelig, mit Steigungen zwischen 13-18 %. Nur Achterbahn fahren ist vielleicht schöner!? Was die Strecke an sich angeht, es ist alles drin. Geschwindigkeiten von 5-100 Kilometer/h sind möglich. Von sehr löchrig mit tiefen Auswaschungen bis autobahnähnlich. Die zahlreichen Brücken sind allesamt aus Holz und fast alle in gutem Zustand, manche etwas abenteuerlich. Aber zumindest auf der ersten Hälfte fahren hier 60 Tonnen schwere LKW, wobei sie später auf 24 Tonnen begrenzt sind, aber auch nicht anders aussehen. Ich denke, das liegt an den extremen Steigungen, die auf der zweiten Hälfte zu finden sind. Die Temperaturen liegen zurzeit am Tag zwischen 35-41 °C und nachts bei 25 °C.

Am 21.08.2019 erreichen wir nach 1042 Kilometer Itaituba. Die Transamazonika führt natürlich viel weiter bis zur Atlantikküste. Wir biegen aber wenige Kilometer hinter Itaituba auf die BR-163 ab, die ins Pantanal führt. Nochmals sollen 1300 Kilometer Piste vor uns liegen, zumindest sagen das unsere Karten sowie die Navigationssysteme. Allerdings scheint die Zeit schneller zu sein als Karten- und Navigationshersteller, alles ist asphaltiert, wie schade. Dafür erwartet uns eine äußerst viel befahrene Straße in mehrheitlich katastrophalem Zustand mit umfassenden Bauarbeiten, die tagtäglich von vielen tausend LKW befahren wird. In halsbrecherischer Weise wird überholt, zum Teil in Dreierreihen nebeneinander, ohne Rücksicht auf entgegenkommende Fahrzeuge. Leider geht auch hier das Brandstiften weiter, nur nicht mehr ganz so großflächig, da das Meiste schon niedergemacht ist.   

 

Video: BR-163

 

Tag 3 auf der BR-163. Wie von Geisterhand sind plötzlich die Feuerteufel verschwunden. Trockenes Gras darf hier noch existieren, kein Feuer weit und breit. Aber davon ab, viel brennen kann es hier so oder so nicht mehr, das hat diese Region bereits hinter sich. Ausgedehnte Agrarflächen, die bis zum Horizont reichen, breiten sich vor uns aus. Hauptsächlich wird hier Mais, Zuckerrohr und Baumwolle angebaut.

Als wir das Nordpantanal erreichen, steigen uns schon wieder die Tränen in die Augen. Bei den sogenannten „Campingplätzen“ steht man in brütender Hitze, ohne Schatten auf einer Kuhweide und man besitzt auch noch die Frechheit hierfür 20 € zu verlangen. Wir wollen versuchen bis ins 140 Kilometer entfernte Porto Jofre zu kommen, um eine Tour zu den Jaguaren mitzumachen. Aber bis dahin müssen etwa 130 Brücken überquert werden, die meisten davon aus Holz. Am Eingang des Pantanal steht ein Schild, dass die Brücken für maximal sechs Tonnen ausgelegt sind. Wir liegen ja nur sechs Tonnen drüber, wird schon schiefgehen!? Die ersten 80 Kilometer läuft alles rund, hier und da knarzen die altersschwachen Dinger recht beachtlich und der Schweiß rinnt mir nicht nur von den derzeitigen Temperaturen von über 40 °C die Stirn runter. Hin und wieder müssen wir einige verirrte Bretter wieder in die richtige Reihe legen, deren Nägel sich bereits vor langer Zeit verabschiedet haben oder wir müssen Löcher mit anderen losen Brettern überbrücken, die eigentlich nicht da sein sollten. Leider werden diese maroden Brücken im weiteren Verlauf nicht besser und leider, leider, müssen wir neun Kilometer vor unserem Ziel umdrehen. Wir haben keine Lust unser Haus in einem dieser Krokodiltümpel zu versenken. Wir vereinbaren mit unserem Touranbieter, er möge uns doch bitte irgendwo auf der Strecke abholen.

Am darauffolgenden Tag werden wir abgeholt und zum  Ausgangspunkt der Tour gebracht. Dann nochmals 1 ½ Stunden auf einem altersschwachen Chevrolet Kleinlaster Baujahr 1951 bis zum Bootsanleger. Nach etwa einer halben Stunde mit dem Boot liegt da, wie aus dem Nichts, eine dieser wunderschönen Raubkatzen am Ufer des Rio Cuiabá und sonnt sich im Blitzlichtgewitter von 15 anderen Booten, besetzt mit etwa 60 Menschen. Wer hier nicht in Begeisterungsstürme ausbricht, der muss was an der Waffel haben. Ne halbe Stunde später, schon wieder einer, diesmal aber schwimmend und angeblich auf der Jagd, wie uns gesagt wird.

 

Video: Pantanal

 

Und im späteren Tagesverlauf können wir nochmals einen für längere Zeit am Ufer sichten. Aber auch ohne die Jaguare wäre unsere Tagestour ein Erfolg gewesen. Die unzähligen anderen Tiere, die hier und in den Seitenarmen des Rio Cuiabá anzutreffen sind, machen diesen Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis. Das Pantanal an sich haut uns persönlich nicht aus den Schlappen und hätten wir uns getrost sparen können, wären da eben nicht die besonderen Wildtiere wie zum Beispiel die Jaguare, die Aras, die Ameisenbären sowie die Flussfahrt. Wenige Tage später fahren wir in das Gebiet des Südpantanals. Was uns jedoch brennend interessiert, wäre, was für ein Kraut all die Leute geraucht haben und wo man die rosaroten Brillen kaufen kann, damit man das Pantanal so in den grünen Klee loben kann, wir haben es leider nicht so spannend erlebt!!!!

Jeder Reisende sowie Einheimische lobt den Ort Bonito, den wir unbedingt besuchen sollen. Wir sind mittlerweile skeptisch geworden über solche Äußerungen. Wir haben leider diese rosarote Brille noch nicht kaufen können. In diesem Fall haben die Leute allerdings recht behalten. Ein kleiner, verträumter Ort, mit einer schnuckeligen Flaniermeile in der man einkaufen, essen und trinken kann. Der örtliche Campingplatz hat zudem eine besondere Attraktion zu bieten. Hier kommen morgens und abends neben unzähligen kleinen, grünen Sittichen auch bis zu zwanzig wunderschöne Grünflügelaras zum Fressen. Ich muss zugeben, dass ist wirklich sehenswert.

Nachdem wir Bonito verlassen haben, fängt Goliath an zu schwächeln und läuft nicht mehr so rund, wie wir es gewohnt sind. An den kleinsten Steigungen muss ich bis in die kleinsten Gänge runter. Ich tippe auf zusitzende Dieselfilter. Ich tausche sie kurzerhand neben der Straße aus und muss dabei feststellen, beide Filter sind halb voll Wasser. Irgendwo im Amazonasgebiet haben wir gepanschten Sprit getankt. Na herzlichen Glühstrumpf! Aber da die Tanks eh fast leer sind, steuern wir die nächste Tanke an. Die Jungs dort sind so hilfsbereit und stellen uns sofort alles Nötige zur Verfügung, um größere Mengen an Diesel aufzufangen. Das Ende vom Lied, allein aus einem der beiden Zusatztanks lasse ich 15 Liter Wasser raus. Das ist so ein Tag, den man nicht wirklich braucht. Etwa 90 Liter undefinierbare Brühe in die Tonne gekippt und dafür 740 Liter aufgetankt, nebenbei nochmals Diesel- und Separfilter gewechselt, da wieder irgendeine schwarze Scheiße drin saß. Nach dieser Erfrischungskur geht Goliath wieder wie ein Formel 1, naja, vielleicht nicht ganz. Jetzt stehen wir bei den Brasilianern Walter und Caroline. Walter hat ein Herz für Overlander und bietet ihnen freie Stellplätze an. Und weil die beiden so nett sind, werden aus unseren geplanten zwei Tagen Aufenthalt eine Woche. Danke an euch zwei für die schönen Tage.

Auf dem Weg zur Atlantikküste, die nur etwa 800 Kilometer entfernt liegt, machen wir noch halt bei Eduardo und Andreza in Torres. Wir kennen sie bereits von Bonito und Eduardo hat sich unterwegs spontan bereit erklärt, mir bei der Tankreinigung Hilfe zu leisten. Zu guter Letzt dürfen Reinold und Dulce in Venânçio Aires natürlich nicht fehlen. Sie kennen wir schon, seit wir in Südamerika sind. Jetzt aber nochmal die Dieselreserven aufgefüllt und ab geht’s nach Uruguay, denn dort ist der Sprit um mindestens 30 % teurer.

Am 10.10.19 überqueren wir die Grenze nach Uruguay bei Chuy und prompt öffnet der Himmel seine Schleusen. Verregnete Grüße von hier aus. Die Zwei.