Grenzhopping - Brasilien, Paraguay und Argentinien.

 

Da stehen wir nun gegen Mittag am brasilianischen Grenzübergang. Eine Zollbeamtin steht einsam und verlassen am langen Tresen, um ausländischen Touristen mitzuteilen, dass zurzeit nur einer ihrer Kollegen berechtigt sei das Zolldokument zu bearbeiten und der hätte Nachtschicht. Wir möchten uns gedulden bis etwa 19.00 Uhr. Zum anderen hätten wir dann auch reichlich Zeit, unsere Papiere für die temporäre Einfuhr von Goliath online zu beantragen. Anders sei eine Bearbeitung nicht möglich. Na, tolle Wurst! Es ist für uns das erste Mal, dass wir unsere Papiere online beantragen müssen. Wir bräuchten so und so viele Kopien von diesem und jenem Papier, aber kein Kopierer oder gar ein Computer ist in Sicht. „Alles kein Problem“, sagt die Beamtin, „Sie lassen ihr Fahrzeug hier stehen, laufen die 300 Meter zurück nach Bolivien und direkt hinter der Abfertigung ist ein Internet und Copy-Shop.“ Nicht gerade ein leichtes Unterfangen, denn die Sonne brennt uns gerade mit 44 Grad erbarmungslos aufs Hirn runter. Leider fehlt uns das berühmte Ventil zum Dampf ablassen. Auf bolivianischer Seite finden wir auch die kleine Hütte. Drinnen stehen zwei Stühle und ein Tisch mit einem Computer darauf, daneben der Kopierer und ein Kühlschrank mit eiskalten Getränken. Das ist auch dringend nötig, denn es ist heiß hier wie im Backofen. Für die drei brasilianischen Zolldokumente brauchen wir etwa 2 Stunden, da mehrmals das Internet zusammenbricht oder die Webseite des brasilianischen Zolls abkackt. Oh man, ist das frustrierend und das bei der Hitze.

Jetzt aber nix wie zurück unter unsere Deckenventilatoren, Wunschdenken!!!!!

Wir erreichen Goliath und müssen mit Erschrecken feststellen, dass es aus dem rechten Hinterreifen zischt. Dieser bereits betagte Reifen wäre so oder so in der nächsten Zeit entsorgt worden, aber muss es gerade hier und bei dieser Affenhitze sein?! Und da ich nicht mit einem nagelneuen und einem uralten Reifen unterwegs sein will, tausche ich auch noch den anderen gegen einen neuen. Am Ende könnte man mich mit einer Mütze aus den Schlappen hauen, so fertig bin ich. Ich kriege so gerade noch die Werkzeugkiste in die Box geschoben, danach habe ich das Gefühl, mir gehen gleich die Lichter aus. Ich schleppe mich unter die Dusche, die mir die Lebensgeister langsam wieder zurückschickt. Um Punkt 19.00 stehen wir mit etwa acht anderen Fahrzeugen am Kontrollposten und lassen uns innerhalb von 30 Minuten unsere Papiere aushändigen. Man verlangt nicht eine Kopie und auch das Fahrzeug wird nicht gecheckt. Ist doch alles ganz easy gelaufen, oder? Und weil es in der Zwischenzeit auch noch dunkel geworden ist, beschließen wir hier an der Grenze zu nächtigen.

 

Wir machen uns zum x-ten Mal auf zu den Wasserfällen von Iguazú. Wie einige von euch vielleicht mitbekommen haben, haben wir gerade ein kleines Reiseunternehmen gegründet (www.truckadventure.de) und sind dabei für unsere Touren Routen, Übernachtungsplätze u.s.w. auszuarbeiten. Jedoch müssen wir mal wieder von unseren eigentlichen Plänen abweichen. Marion bekommt gesundheitliche Probleme und um diese abzuklären, wollen wir zurück nach Paraguay. Hier haben sich viele deutsche Ärzte niedergelassen und es ist für uns um ein Vielfaches einfacher sich in Deutsch zu verständigen, als in Spanisch oder gar Portugiesisch. Also zurück nach Asunción. Zum Glück stellt sich neben dem Durchfall eine relativ harmlose, hier aber häufig vorkommende Pilzinfektion raus, die mit wenigen Medikamenten schnell bekämpft ist.

 

Ich kann’s kaum glauben, ich werde schon 60 Jahre. Bitte hilf mir einer über die Straße! Um diesen Tag zu feiern oder zu betrauern, je nachdem von welcher Seite man das betrachtet, haben wir uns die Stadt Encarnación ausgesucht, nur einen Katzensprung von der argentinischen Grenze entfernt. Am 08.04.2019 verlassen wir Paraguay über die Brücke des Rio Paraná nach Posadas in Argentinien. Dieser Grenzübergang ist auch für uns neu. Durchweg freundliche Beamte empfangen uns bei der Ausreise aus Paraguay sowie bei der Einreise nach Argentinien. Was ganz neues für uns ist, dass wir das erste Mal hier in S-Amerika von einem mobilen Röntgengerät durchleuchtet werden. Marion hat Angst um unseren versteckten Käse, was ist wenn sie den finden? Der Röntgenarm surrt langsam über Goliath, während wir in einigen Metern Abstand das Schauspiel beobachten und…….. nix ist. Der Beamte gibt uns unsere Papiere zurück und wünscht uns gute Fahrt.

 

Wenige Kilometer weiter erreichen wir die Ruinenstätte in Santa Ana, eine von insgesamt vier Jesuitenreduktionen. Zum Preis von 270 Pesos pro Person kann man alle vier Plätze innerhalb von 15 Tagen besuchen. Das Besondere an Santa Ana ist, man hat alles so belassen wie man es vorgefunden hat, ohne es zu restaurieren. Ich finde, diese Ruinen strahlen eine besondere Atmosphäre aus, inmitten des dichten Waldes, in dem sie eingebettet verborgen liegen.

 

In Argentinien hat sich seit unserem letzten Aufenthalt für uns nicht viel verändert, außer, dass sich die Wirtschaft des Landes im freien Fall befindet, begleitet von einem rasanten Kursverfall. Bekam man noch vor etwa zwei Jahren für einen Euro etwa 16 Pesos, so bekommt man nun für einen Euro etwa 50 Pesos. Nicht, dass es für uns deshalb billiger würde, nein, ganz fix sind die Argentinier sofort dabei die Preise anzugleichen. Ach ja, etwas ganz Gravierendes hat sich doch geändert. Wenn man vor 10-12 Jahren in die Regionen Corrientes, Entre Rios oder Misiones gereist ist, ist man keine 5 Kilometer weit gekommen, ohne das korrupte Polizisten dir tief in die Taschen gegriffen haben. Diese Art und Weise, sich an Touristen zu bereichern, scheint völlig verschwunden zu sein. Wir wurden in 4 Wochen nur einmal gestoppt und wurden freundlich nach unseren Papieren gefragt.

 

Im Provinzialpark Teyú Cuaré wird unsere Beinmuskulatur mal wieder etwas beansprucht. Verschiedene Wanderwege können hier unter die Füße genommen werden. Sie sind nicht besonders lang, aber dafür machen uns die Temperaturen von 30 Grad sowie die hohe Luftfeuchtigkeit von 85 % schwer zu schaffen. Ein Weg endet irgendwann abrupt neben einem verfallenen Steingebäude. Zurück beim Fahrzeug, fragen wie unseren freundlichen Parkaufseher, was es mit dem Gebäude auf sich hat. Das sei das Haus von Martin Bormann gewesen, Privatsekretär von Adolf Hitler. Er habe sich nach Ende des Krieges hierhin geflüchtet. Kein Wunder, 1946 wurde er wegen schwerer Kriegsverbrechen angeklagt und in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ich frage mich allerdings, ob das Leben in diesem dunklen, von Mücken verseuchten Dschungel wirklich noch lebenswert war.     

Die Parkaufsicht erlaubt hier eine Nacht zu stehen, aber schon am nächsten Tag bekommen wir vom netten Parkranger das Angebot, ein bis zwei Tage länger seien auch kein Problem für ihn. Ich kann’s verstehen, 14 Tage Schicht am Arsch der Welt, wenig Unterhaltung………. das macht einsam. Wir sitzen abends zusammen, spendieren ein Bierchen und unterhalten uns über Flora und Fauna. Goldhasen, Eichhörnchen und Vogelspinnen laufen uns fast über die Füße und das Geilste ist, es herrscht eine Stille hier die seines Gleichen sucht. Aber leider muss man auch mal den schönsten Platz verlassen und wir machen uns auf zu der Gruta del India. Dort angekommen, sind wir eher enttäuscht. Die angepriesene Höhle ist gar keine Höhle, sondern nur ein großer Felsüberhang, und der dazugehörige Camping befindet sich im Endzustand. Um Toiletten sowie Duschen macht man besser einen großen Bogen und sie sind zudem von Mücken verseucht. Also bloß weg hier!

 

Wir hoffen nur, dass wir von den Iguazú-Wasserfällen auf argentinischer Seite nicht enttäuscht werden, denn das ist unser nächstes Ziel. Vom Camping bestellen wir uns ein Taxi für den nächsten Tag. Zwischen 700-1000 Pesos variieren die Preise für die Fahrt hin und zurück (der billigste Anbieter: Wilson Eloy – WhatsApp: +5493757624189). Nachdem wir eine Uhrzeit mit dem Taxifahrer abgemacht haben, steht er pünktlich zum abgemachten Zeitpunkt am Parkeingang, bezahlt wird am Ende. Nachdem wir nun beide Seiten der Wasserfälle gesehen haben, von Brasilien sowie von Argentinien, muss ich sagen, die argentinische Seite bietet mehr und gefällt mir persönlich wesentlich besser. Es gibt lange Wanderwege durch dichte Wälder mit vielen Aussichtspunkten und relativ wenig Menschen, man kommt an viele einzelne Wasserfälle dicht heran, die zum Teil sehr spektakulär sind. Am Ende schaut man direkt in den Garganta del Diablo. Die Teufelsschlucht, in die sich die tosenden Wassermassen drängen und mit unglaublichem Getöse in die Tiefe stürzen, ist logischerweise der Anziehungsmagnet schlechthin. An diesem Aussichtspunkt konzentrieren sich natürlich die Menschenmassen. Genießen kann man die Aussicht allerdings wenig. Hier herrscht leider auch das Recht des Stärkeren oder besser gesagt des Dreisteren und ist alles andere als lustig! Nach max. fünf Minuten sind wir wieder verschwunden und treten den Rückweg an.

 

Und da wir schon auf Besichtigungstour von Wasserfällen sind, dürfen die von Moconá nicht fehlen, aber allein der Weg dorthin ist ein Traum. Die ersten 12 Kilometer sind wir auf Asphalt unterwegs, aber dann biegen wir auf eine Dschungelpiste ab, die einfach nur begeistert. Die Piste führt mitten durch den Nationalpark Iguazú. Etwa 70 Kilometer geht es in einer Berg- und Talfahrt über Erd- sowie Steinpiste. Links und rechts der Piste sieht man nur undurchdringlichen Dschungel mit seinen typischen Geräuschen. Wir haben Glück und können sie im trockenen Zustand befahren, bei Regen möchte ich hier ganz bestimmt nicht unterwegs sein. An den Fällen von Moconá gönnen wir uns eine Bootsfahrt entlang des Wasserfalls. Bei Weitem nicht so spektakulär wie Iguazú, weil er nur, je nach Wasserstand bis zu 15 Meter hoch ist, aber dafür mehr als ein Kilometer lang ist.  

 

Am 06.05.2019 stehen wir auch schon wieder am Grenzübergang Posadas, um wieder nach Paraguay einzureisen. Mit frischen 90 Tagen Visum im Pass machen wir uns auf nach Asunción. Bis ich mich am 14.05. in einen Flieger nach Deutschland setzte, sind noch einige Sachen zu erledigen. Es ist mal wieder an der Zeit, Getriebe- und Achsenöle zu wechseln sowie hinten neue Reifen aufzuziehen. Marion hat für sechs Wochen sturmfreie Bude, sie bleibt mit Goliath in dieser Zeit auf einem Camping in Paraguay und lässt die Puppen tanzen.

 

Also, haut rein Leute. Die 2.