Bolivien - Ein Land im Umbruch

 

Reisezeit: 22.02.2019 – 04.03.2019

 

Alles andere hat sich seit unserem letzten Besuch nicht nennenswert verändert.

 

Bereits um 8.00 Uhr stehen wir am Grenzübergang von Paraguay nach Bolivien. Wir haben wenige 100 Meter vor der Grenze übernachtet, damit wir dieses Mal nicht wieder eine Busladung voll Menschen vor uns haben, deren Gepäck erst durch den Scanner auf was weiß ich was untersucht werden muss. Keiner ist vor uns und keiner hinter uns, nur die Grenzer haben allem Anschein keine Lust sich aufzuraffen. Und dann taucht sie hinter uns aus dem Nichts auf – die Busladung. Wir müssen mal wieder warten. Bis die paraguayischen Zöllner endlich ihren Scanner ausgeklappt haben, vergeht schon mal die erste Stunde. Am Ende der zweiten Stunde erbarmt man sich dann unser. Ach, da war doch noch wer! Plötzlich geht alles „ratzfatz“ und wir sind auf dem Weg nach Villa Montes. Wie schon beim letzten Mal halten wir an der Banco Fassil an, Kreditkarte in den Schlitz gesteckt und schwupps spuckt der Automat auch schon das Maximum von 2500 Bolivianos, rund 320 Euro aus. Nächste Karte rein und das Spiel wird wiederholt, man muss ja schließlich irgendwann tanken. Wer hierzulande in den Genuss kommen will den günstigen Diesel zu bekommen, sollte jedenfalls Bares in der Tasche haben!

 

Wir sind auf der Ruta 9 nach Santa Cruz unterwegs, die ausschließlich asphaltiert ist, allenfalls sind noch einige Abschnitte im Bau. Es gibt kaum Übernachtungsmöglichkeiten auf dieser etwa 500 Kilometer langen Strecke. Man kann sie aber auch nicht an einem Stück abreißen. Zu oft werden wir durch Baustellen ausgebremst, wo zum Teil längere Wartezeiten entstehen. Wenn sich dann eine Möglichkeit bietet, muss man sie nutzen. An erholsamen Schlaf ist hier jedoch nicht zu denken. Hunderte von LKW rasen des Nachts unweit unserer Schlafstätte an uns vorüber. Man hat das Gefühl, die „Bolis“ müssen jetzt mit Asphalt alles nachholen, was sie in der Vergangenheit ohne Asphalt nicht geschafft haben.

 

Kurz vor den Toren von Santa Cruz gibt es den Naturpark Lomas de Arena.  Hier sollen sich bis zu 30 Meter hohe Dünen auftürmen. Am Eingang sagt man uns, ihr habt ja 4x4, das solltet ihr schaffen?! Aber keiner sagt uns, dass wir uns auf der etwa 7 Kilometer langen Anfahrt zu den Dünen in einen PKW verwandeln müssen, um unter den unzähligen, niedrigen Bäumen hindurch zu kommen. Die ersten tief hängenden Äste werden noch von meiner Handsäge gekillt, dann hab ich allerdings die Schnauze voll. Wir drehen mal wieder frustriert um. Auf Beschwerde unsererseits bekommen wir den Eintrittspreis jedenfalls erstattet. Also liebe Besitzer von großen Fahrzeugen, spart euch den Weg hierher. Alles was höher als 2,80 Meter ist wird umdrehen müssen.

 

Dann müssen wir wohl wieder auf den Campingplatz vom Automobilclub von Bolivien. Schon damals eigentlich ein schöner Platz mit herunter gekommenen Sanitäranlagen. Seit der Zeit ist in dieser Beziehung anscheinend nichts passiert. Eben nur viel mehr runter gekommen. Nur gut, dass wir unseren eigenen Sanitärblock dabei haben.

 

Wo in Bolivien MAN drauf steht, ist noch lange nicht MAN drin. So geschieht es uns als wir in Santa Cruz MAN anfahren, um einen Ölwechsel machen zu lassen. Eigentlich ist der schon längst fällig. Ich wollte ihn schon in Paraguay gemacht haben, habe dort zwar meine Dieselfilter bekommen, jedoch keinen passenden Ölfilter. Schläfrig überrascht schaut man uns an, dass hier tatsächlich ein MAN auftaucht. Aber sicher Ölwechsel könne man machen, aber ohne Öl- und Dieselfilter, weil hier keine MAN laufen würden, hier gebe es nur Volkswagen-LKW. Unverrichteter Dinge drehen wir frustriert um.

 

Erst hinter San Ramón, wo wir auf die Ruta 10 abbiegen, ist es landschaftlich schön. Es wird hügelig und links und rechts der Straße breitet sich dichter Dschungel aus. Die ersten Gelbbrust-Aras tauchen kreischend über unseren Köpfen auf, als wir zu den Missionsstationen von San Javier und Concepción fahren. Was die alten Jesuiten hier um 1700 alles auf die Beine gestellt haben, sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen. Die Gebäude sind mittlerweile alle restauriert und ein echter Hingucker. Aber auch auf dem Camping Las Piedras, der zwischen den beiden Orten liegt, lohnt es sich einen Stopp einzulegen. Im Übrigen ist es das erste Mal auf dieser Strecke, wo es sich lohnt, mehr als nur eine Nacht zu verbringen. Im weitläufigen Gelände mit integriertem See, kann man die südamerikanischen Wasserschweine (Capybaras), Wasserbüffel und unzählige Papageien beobachten. Auch die Temperaturen haben sich mittlerweile auf ein für uns erträgliches Maß von max. 33° gesenkt. Was für eine Wohltat! Frustrierend ist aber wieder einmal für uns, schon wieder umdrehen zu müssen. Weiter zu fahren würde bedeuten, ca. 25000 Kilometer ohne Ölwechsel zu fahren und das wollen wir Goliath nun doch nicht zumuten, denn es ist eher unwahrscheinlich hier im hohen Norden von Bolivien noch Öl- und Dieselfilter zu finden.

 

Auf der viel befahrenen und stinklangweiligen Asphaltstraße Ruta 9, versucht die korrupte Polizei immer wieder mal sich ein kleines Zubrot zu verdienen, indem sie irgendwelche Dokumente verlangen, die es gar nicht gibt. Wir sind mittlerweile lange genug unterwegs, dass wir uns nicht so einfach ausnehmen lassen und bezahlen natürlich nicht. Dafür muss man dann so kleine Schikanen über sich ergehen lassen, indem sie dann zwei Warndreiecke, Feuerlöscher, Verbandskasten, sämtliche Papiere inkl. Internationalem Führerschein sehen wollen. Auch die obligatorische Frage nach dem gefüllten Reservekanister darf nicht fehlen, der ist nämlich verboten. Es besteht tatsächlich ein Gesetz, welches aber nur für Transport-LKW und Fahrzeuge der Personenbeförderung gilt und nicht für Privatfahrzeuge. Viele wissen nicht um dieses Gesetz und lassen sich einschüchtern und bezahlen.

 

Im weiteren Verlauf in Richtung brasilianischer Grenze, landen wir nach fast 12 Jahren wieder bei unseren kanadischen Missionaren, wo wir wieder einmal freundlich aufgenommen werden, um dort zu übernachten. Am 04.03.2019 erreichen wir nach scheinbar endlosen und wenig abwechslungsreichen Kilometern die brasilianische Grenze bei Corumbá.

 

Ihr hört wieder von uns. Die Zwei.

 


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