Argentinien.

 

Reisezeit: 19.10.2019-06.12.2019.

Visum: 90 Tage an der Grenze.

Carnet de Passages: Man bekommt ein landeseigenes TIP.

Währung: Argentinischer Peso.  1 € = 65 Pesos.

Diesel: In der nördlichen Hälfte 43 – 49 Pesos/l.  

Benzin: 54 Pesos/l.

Bargeld: An vielen ATM, aber nur bis zu 50 € max. pro Abhebung mit mindestens 10 % Gebühr. Wesentlich günstiger ist es Euro oder US$ bei den Banken in bar zu tauschen. Die Banken haben allerdings nur vormittags geöffnet.

Kreditkarten: Große Akzeptanz.

Fahrzeugversicherung: Wir haben eine für die Mercosur Staaten abgeschlossen, siehe unter der Rubrik Infos.

Straßengebühr: Auf verschiedenen Routen wird eine Straßenmaut erhoben. Wir bezahlten fast immer 110 Pesos.

 

Über die paar Tage, die wir in Uruguay verbracht haben, brauchen wir hier nicht wirklich berichten. Bei Grenzübertritt fängt es an zu regnen und in den wenigen Tagen, die wir dort verbringen, will sich das Wetter auch nicht ändern. Also beschließen wir unseren Aufenthalt hier nicht besonders auszuweiten und überqueren am 19.10.2019 bei Fray Bentos die Grenze nach Argentinien.

 

Unsere Freunde Oscar und Sofia erwarten uns schon. Jedoch hat uns keiner gesagt, dass der nächste Tag der argentinische Muttertag ist und eigentlich mit der Familie gefeiert wird. Da wollen wir natürlich nicht stören, also sind wir am nächsten Tag schon wieder auf der Piste. Irgendwann neigen sich unsere Dieselvorräte dem Ende zu, den wir noch von Brasilien gebunkert hatten. Ab jetzt fängt das Tanken wieder an Spaß zu machen. Begünstigt durch den starken Kursverlust des Pesos, können wir jetzt schon mal für 0,69 € pro Liter tanken. Die argentinische Wirtschaft befindet sich auf extremer Talfahrt. Bekamen wir noch vor zwei Jahren 15 Pesos für unseren Euro, sind es nun 65 Pesos.

 

Wir wollen im Osten von Argentinien runter bis nach Feuerland. Wir umfahren die Hauptstadt Buenos Aires westlich, wofür wir fast einen halben Tag brauchen. Die Landschaft unterhalb der Hauptstadt ist landwirtschaftlich geprägt. Wenn es nicht die fast allgegenwärtige Rinderzucht ist, dann sieht man unendliche Weiten von Weizen-, Mais- und Soya-Anbau. Beim Anblick der Massen an Rindviechern frage ich mich immer wieder mal, wer futtert so viel Rindfleisch? Wir jedenfalls nicht, wir stehen eher auf Schwein oder Huhn, die Rindviecher sind uns zu zäh!

Bei einer unserer Pausen hebt Marion plötzlich ihre Nase in den Wind und rauscht ab in die  Pampa. Als sie zurückkommt, kaut sie mal wieder auf irgendeinem Grünzeug herum. Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor?! Sie behauptet wilden Rukola gefunden zu haben. Wie immer bin ich da erst mal skeptisch und warte ab ob sich ihr Gesundheitszustand verändert. Selbst nach Stunden erfreut sie sich noch einer gesunden Hautfarbe und zeigt keinerlei Vergiftungserscheinungen; ich kann’s kaum fassen. Ab jetzt gibt es bei uns fast täglich wilden Rukola-Salat der Marke „Gut und Günstig“.

 

Einer Information anderer Reisender folgend, gelangen wir zu den Felsenpapageien von Viedma. Hier sammeln sich alljährlich gegen Ende des Jahres tausende von Papageien in den Sandsteinfelsen am Atlantik, um  zu brüten. Ein faszinierendes Schauspiel.

 

Im weiteren Verlauf folgen wir der traumhaften Piste (Camino de la Costa RP1), die uns direkt an der Küste entlang führt. Einige Kilometer bevor wir wieder auf die Asphaltstraße treffen, plötzlich ein Umleitungsschild, welches uns auf den weichen Sandstrand umleitet, mit der Warnung, nur für 4x4 Fahrzeuge. Kein Mensch weit und breit, den man fragen könnte, wie lang diese Umleitung ist und wie schwierig zu befahren. Marion ist wie so oft sehr skeptisch, ich eher der Meinung, yes, we can! Wir können ja immer noch die Luft ablassen und Sandbleche haben wir auch noch. Hier stecken zu bleiben wäre sicher kein Vergnügen, zumal nicht wirklich ersichtlich ist, wie weit bei Flut das Wasser steigen könnte. Schon von Beginn an habe ich das Gaspedal bis auf’s Bodenblech durchgetreten und Überlegungen kommen durch, Luft raus oder nicht. Die Faulheit siegt, denn die Luft bis auf 3 Bar oder weniger rauszulassen, führt unweigerlich dazu eine Stunde zu investieren, um die Reifen auch wieder auf ein erträgliches Maß aufzupumpen. Nach etwa 10 Kilometer hat der Spaß ein Ende, die befestigte Piste hat uns wieder.

 

Am 25.10.2019 erreichen wir die Halbinsel Valdés. Als wir vor 13 Jahren hier waren, wimmelte es hier von Walen, sie kamen so nah an den Strand, dass man sie fast berühren konnte und jetzt ……. nicht einer ist auszumachen. Ranger klären uns auf. August und September kommen sie in die geschützten Buchten, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Wenn sie dann behütet herangewachsen sind, wechseln sie in die nahegelegenen Küstenbereiche, um die Kleinen auf den langen Weg in die Arktis vorzubereiten. Manchmal sind sie jedoch aus der Ferne auszumachen. Dafür sollten so langsam die Orkas hier eintreffen, die sich praktisch die Klinke in die Hand geben und deshalb sind wir hier. Sie fehlen uns noch in unserer Sammlung. Zwei Tage fahren wir die Halbinsel auf und ab. Außer Seelöwen, See-Elefanten und Pinguinen ist nichts zu sehen. An einem Aussichtspunkt fragen wir einen Ranger und er bestätigt uns, dass vor zwei Tagen tatsächlich vier Orkas hier gesichtet wurden. Seiner Aussage nach sollen wir uns am nächsten Tag um 7.00 Uhr an einem anderen Aussichtspunkt einfinden, hier könnten wir Glück haben. Der nächste Tag, der Wecker klingelt um 5.15 Uhr. Oh man, was für eine unchristliche Zeit, aber schließlich haben wir noch über 80 Kilometer zu fahren und die maximale Geschwindigkeit im Park ist 60 km/h. Dafür werden wir mit einem traumhaften, glutroten Sonnenaufgang belohnt. Wir stehen jetzt schon eine Stunde an besagter Stelle und glotzen uns die Augen aus dem Kopf, uns gegenüber eine große See-Elefanten Kolonie. Marion macht gerade ein Video und schreit plötzlich, da kommen sie!!!! Wir können es kaum fassen, was wir für ein Glück haben. Sieben Orkas kommen in Formation nebeneinander auf unsere Bucht zu. Zwei von ihnen schwimmen direkt auf eine kleinere Gruppe von „Frühstücksfleisch“ zu, die vermeintliche Beute versucht den steilen Kieshang in Panik rauf zu robben, aber einer scheint die Situation nicht gepeilt zu haben. Der Orka kommt mit einer Flutwelle vor sich herschiebend mit seinen sechs Tonnen auf den Kiesstrand geschossen, schnappt sich seinen Frühstückshappen an der Schwanzflosse und verschwindet mit wilden Bewegungen wieder im Wasser. Ich sage euch, das ist Gänsehautfeeling pur!!!! Etwa 45 Minuten bleiben sie noch in unserer Bucht und loten ihre Chancen aus, aber die Kolonie von See-Elefanten ist gewarnt und so schnell wie die Orkas aufgetaucht sind, sind sie auch schon wieder weg. Und als sei das nicht schon Glück genug, sehen wir auf unserem Rückweg noch eine Familie hier lebender Maras. Das sind bis zu achtzig Zentimeter große Pampashasen, die nur in Argentinien vorkommen, die aber aussehen wie mutierte Hasen, die zu nah und zu lange an einem Kernkraftwerk gelebt haben. Ich muss natürlich wieder volles Rohr in die Bremse latschen, weil Marion meint eine Nahaufnahme von diesem mutierten Rammler zu machen. Und ich weiß nicht, was dieser Monsterhase für ein Kraut da gerade kaut, aber er lässt sie bis auf drei Meter nah heran, keine Ahnung wie die das immer macht?! Oder sie quatscht ihm grade die Ohren voll und er ist völlig eingelullt von dem Gesabbel; sie meint jedenfalls das hilft.

 

Video von Argentinien, den Orkas und mehr

 

Da wir Punta Tombo und seine Kolonie von Magellan-Pinguinen schon früher einmal besucht haben, beschließen wir etwas weiter südlich eine andere, kleinere Pinguin-Kolonie zu besuchen. Mitten durch die Kolonie führt ein Steg auf Stelzen. Von hieraus kann man diese wunderschönen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.

 

Der weitere Weg auf der Ruta 3 Richtung Süden ist eher öde. Plattes, sturmumtobtes Land mit einigen Hügeln, auf dem nur noch bis zu max. 30 cm hohe Büsche wachsen. Anscheinend kommen nur Schafe und Pferde mit dieser kargen Kost zurecht, mal abgesehen von den hier sehr zahlreich vorkommenden Guanakos, Stinktieren und Hasen, wobei letztere häufig auf der Straße vielfach nur noch als “Hasi Goreng“ verarbeitet zu sehen sind; nämlich platt gefahren. Aber auch tote Guanakos sieht man nicht selten am Straßenrand.

 

Bevor wir auf die Insel Feuerland übersetzen und Chile betreten dürfen, müssen die Lager leer von Obst, Gemüse, Wurst, Käse, Honig usw. sein; da kennen die chilenischen Grenzer kein Pardon. Damit die verbotenen Lebensmittel nicht konfisziert werden, machen wir einen kleinen Abstecher zur Laguna Azul. Hier essen wir vor Ort einen Teil unserer Nahrungsmittel und der andere Teil wird gekocht oder gebraten. Gleichzeitig kann man die Kalorien wieder abarbeiten, indem man den erloschenen Vulkankrater zum Teil umrundet oder in den Krater hinabsteigt. 

Von hier aus betreten wir den chilenischen Teil Feuerlands, wo wir uns nur kurz aufhalten und schon sind wir in Ushuaia, wo wir vor dreizehn Jahren bereits gewesen sind. Man, was hat sich diese Stadt verändert. Sie hat sich sehr vergrößert, der Tourismus ist noch mehr geworden, die Parkplätze sind bereits am frühen Morgen alles besetzt. Für uns ist kaum noch Platz und so beschließen wir in den Parque Nacional Tierra del Fuego zu fahren, um dort zu campen. Wir finden ein schönes Plätzchen für uns und können von hier aus bequem einige Wanderungen unternehmen. Zwei Nächte und drei Tage dürfen wir verweilen, gerade so viel Zeit, um das Wochenende zu überstehen, denn auf dem Municipal-Campingplatz wäre jetzt die Hölle los. Laute Musik aus Mega-Lautsprecherboxen aus jedem Fahrzeug, kreuz und quer gespielt, würden uns nicht schlafen lassen. Am Sonntagnachmittag verlassen wir den Park und fahren eben auf diesen Campingplatz. Niemand ist mehr da und die Stadtarbeiter entfernen gerade den Müll. Von hier aus nehmen wir uns ein Taxi, um Ushuaia erneut zu erkunden. Eine schöne Stadt ist sie immer noch.

 

Video Argentinien Teil 2

 

Als wir Ushuaia verlassen, fahren wir erneut zum Lago Yehuín, wo es eine Hostel-Ruine gibt. Sie sieht beinahe noch so aus wie vor dreizehn Jahren. Der Zauberwald steht noch, der See liegt still und starr vor uns und die Ruine ist noch mehr Ruine als zuvor. Aber der Platz hat etwas. Er ist wunderschön gelegen und wir haben wieder die passenden Tage abgewartet. Es herrscht Totenstille und wir verbringen einige tolle Tage an diesem See. 

 

Von hier aus fahren wir nach Bella Vista, einem kleinen Grenzübergang nach Chile, wo wir den chilenischen Teil Feuerlands noch erkunden wollen.

 

Wir hoffen, ihr hattet alle schöne Weihnachtstage und wünschen euch noch ein gutes Neues Jahr 2020.                              

 

Nos vemos en Chile. Die 2.