Paraguay

 

Reisezeit: 06.06.2018 – 31.8.2018

Visum: 90 Tage an der Grenze .

Carnet de Passages: Man bekommt ein landeseigenes TIP an der Grenze.

Währung: Guaraní.  1 € = 6500 PYG.

Diesel:  4600-5400 GYP/L (Commun), 6190 GYP/L (Euro-Diesel).

Benzin: 85 Octan: 4740 PYG; 92 Octan: 5840 PYG; 95 Octan: 6610 PYG.

Bargeld: Viele ATM-Automaten akzeptieren keine Kreditkarten. Da wo sie akzeptiert werden, wird eine Gebühr von 25000 PYG fällig. Eine Besonderheit am ATM sollte hier für Reisende mit begrenztem Spanisch-Wortschatz genannt werden, die selbst wir in der Form noch nicht kannten. Zuerst die Karte einschieben (Karte wird gelesen), Karte wieder herausziehen und ein weiteres Mal einschieben, danach kommt die Aufforderung den PIN einzugeben. Sollte das nicht funktionieren, Wechselstuben findet man an jeder Ecke. Mit Euro/US-Dollar sowie den Währungen der Nachbarstaaten ist man immer auf der sicheren Seite.

Kreditkarten: Visa/Master und Maestro sind weit verbreitet.

Fahrzeugversicherung: Es wurde keine verlangt, also fahren wir erst mal ohne. Eine Woche später schließen wir allerdings eine für die Mercosur-Staaten ab (siehe unter Rubrik Infos/Allgemeines/Versicherungen).

Straßengebühr: Für unser Fahrzeug haben wir bei den staatlichen Mautstellen 5000 GYP bezahlt und waren somit in Kategorie 1 eingestuft. In Alto Paraguay stiegen die Mautgebühren (die Straßen werden von den Cooperativen gepflegt) um bis das Zehnfache an und wir mussten zwischen 45000 und 50000 GYP begleichen. Für die von uns im Land gefahrenen 4472 Kilometer haben wir 175000 GYP bezahlt (zum jetzigen Umrechnungskurs 26,51 €).

 

Am 06.06.2018 stehen wir an der Grenze zu Paraguay bei Ciudad del Este. Die Grenzformalitäten bringen wir schnell hinter uns. Kein Mensch interessiert sich für Goliath und auch nicht für sein Innenleben. Jetzt aber erst mal raus aus dem hektischen und stark frequentierten Grenzbereich. In Ciudad del Este selbst herrscht ein heilloses Gewusel mit dem typischen, aggressiven Verkehr einer Grenzstadt. Nur wenige Kilometer weiter wird es deutlich ruhiger. Etwas nördlich der Grenze wird der Rio Paraná durch das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt (Itaipú) aufgestaut, nur noch die Chinesen können das toppen. Die kostenlosen Führungen sind lohnenswert, falls man sich für ein solch gigantisches, von Menschenhand geschaffenes Bauwerk interessiert. Paraguay und Brasilien haben es zusammen innerhalb von 15 Jahren erbaut. 32000 Menschen haben hier Tag und Nacht in dieser Zeit geschuftet. Die Leistung beträgt 12600 MW/h.

Am Nachmittag des gleichen Tages versuchen wir einen Nachtplatz zu finden, aber alles ist eingezäunt und die seitlich abgehenden Erdstraßen enden fast ausschließlich an Farmen. Da wir aber noch nicht wissen wie die Paraguayer ticken, fragen wir bei einer Genossenschaft an, die riesige, direkt an der Straße liegende Getreidesilos betreiben. Der große Parkplatz ist zur Hälfte gefüllt mit LKW. Ich werde sehr freundlich empfangen. Als sie erfahren, dass wir aus Deutschland kommen, werden wir mit Fragen bombardiert. Nachdem Goliath für heute seine wohlverdiente Ruhe bekommt, kommt der freundliche Büromensch nochmals auf mich zu und bietet uns deren hauseigene Duschen sowie Toiletten zur Benutzung an. Und nachdem auch die anfangs zurückhaltenden Trucker langsam auf Betriebstemperatur angelangt sind, können sie ihre Neugier nicht mehr im Zaum halten und ich bin umringt von Menschen, die viele Fragen stellen, die ich versuche mit meinem begrenzten Sprachschatz zu beantworten. Die anfänglichen Bedenken, es könne an der Straße laut zugehen, lösen sich ab 22.00 Uhr auf. Die Trucker sind aufgrund der niedrigen Temperaturen von unter 10 Grad, schnell in ihren LKW verschwunden und auch auf der Straße herrsch um diese Zeit Totentanz. So haben wir schon mal die ersten positiven Eindrücke eines neuen Landes in uns aufgenommen.

Am nächsten Tag besuchen wir die Matefabrik in Bella Vista. Wir bekommen eine kostenlose VIP-Führung nur für uns allein und das noch auf Deutsch, wie die Matepflanze angebaut und zu dem begehrten Tee verarbeitet wird. Der Besuch der Fabrik ist zu empfehlen.  

Die Hauptverbindungsstraßen sind bislang alle asphaltiert und in recht gutem Zustand, jedoch sämtliche Nebenstraßen sind Erdstraßen mit braun-rötlicher Farbe oder aber Kopfsteinpflaster. Alle Fahrzeug, die von diesen Seitenwegen kommen, haben diese schmutzige Farbe angenommen. Nur ein kleiner Vorgeschmack, was uns evtl. noch erwartet.

Unser weiterer Weg führt uns zum Parque Manantial. Der von den äußerst freundlichen Besitzern, Ruben und Karla, geführte Privatpark, soll für uns nur ein kurzer Stopp für ein oder zwei Tage werden, tatsächlich werden es dann neun Tage. Wir fühlen uns hier sauwohl auf dem großräumig angelegten Camping, trotz der gerade herrschenden Temperaturen von nachts bis -3° und tagsüber bis max. 17°. Wir unternehmen ausgedehnte Wanderungen im mehrere Hektar großen Gelände.

Weiter führt uns unser Weg zu den drei, mit dem vom Weltkulturerbe anerkannten Jesuiten-Missionen. Zum Teil aus Deutschland stammende Jesuiten, sind vor etwa 400 Jahren hier eingewandert und haben den „ungläubigen, armen Wilden“ den katholischen Glauben nähergebracht, mit großem Erfolg übrigens. Bei den zum Teil gut restaurierten Gebäuden, floss natürlich auch Geld aus Deutschland. Eindrucksvoll kann man hier nachvollziehen, wofür der deutsche Steuerzahler seine hart erarbeiteten Pflichtabgaben u.a. entrichtet. Ich persönlich bin erstaunt, wie gut sich das Holz über all die Jahre erhalten konnte. Dachbalken sind im Laufe der Jahrhunderte zwar verrottet und wieder restauriert, aber Stützbalken von Türen, die nicht mit Wasser in Berührung gekommen sind oder Insekten zum Opfer fielen, sehen fast neu aus. Und wer kann schon von sich behaupten, einen mehr als 400 Jahre alten Stuhl gesehen zu haben, auf dem schon irgendein Oberhaupt der katholischen Kirche gesessen hat. Das haut mich zwar nicht vom Stuhl, aber selbiger ist wirklich schön!          

Und schon wieder landen wir an einem Wasserkraftwerk, dem Yacyreta-Staudamm in Ayolas. Ein weiteres Mal wird hier der Rio Paraná aufgestaut. Dieses Projekt wurde diesmal zusammen mit Argentinien erbaut. Man hat hierbei sogar an die Fische gedacht, wie z.B. Lachse und die großen Doraden, die ohne Hilfe die 23 Meter Höhenunterschied wohl kaum bewältigen könnten. Eigens für sie hat man vier 4x3 Meter große Aufzüge gebaut, die sie mehrmals täglich vom unteren in den oberen Flusslauf und umgekehrt befördern, um ihre Verwandten zu besuchen oder um in ihre Laichgründe zu gelangen. Nachdem sich genug Teilnehmer zusammen gefunden haben, schließt sich automatisch die Tür und ab geht die Post.

Irgendwo haben wir mal gelesen, in dem kleinen Missionsort Santa Maria sollen sich „Toyota-Affen“ aufhalten. Viele werden sie noch kennen, die TV-Werbung „Nichts ist unmöglich -  Toyota“. Als wir an der  Plaza, dem Mittelpunkt eines jeden Ortes, eintreffen, sehen wir sie auch schon in den Baumwipfeln herumturnen. Ihr richtiger Name ist eigentlich Brüllaffe, wir haben sie jedoch wegen der Fernsehwerbung so genannt. Sie sind sehr zutraulich und lassen sich mit allerlei Früchten füttern. Da es mitten in der Woche ist, beschließen wir hier an der Plaza zu übernachten, es bleibt halbwegs ruhig. Wenige Tage später kommen wir auf dem Rückweg nochmal hier vorbei, es ist Samstag und wir wollen noch einmal hier übernachten, böser Fehler! Nachdem es tagsüber noch ruhig ist, beschließt das ganze Dorf mit einsetzender Dämmerung Party zu machen. Abends um 8.00 Uhr wird die Lautstärke durch Musik und Fahrzeuglärm für uns unerträglich, so dass wir auf eine etwa 20 Kilometer entfernte Großtankstelle flüchten wollen. Gerade am Ortsende angelangt, ruft Marion mir in schrillem Ton zu, Walter, halt bitte sofort an, da krabbelt was Großes, Behaartes mit sechs Beinen an der Decke. Ich latsche in die Bremse und was sehen wir verwundert? Da hat sich doch tatsächlich eine junge etwa Handteller große Tarantel unser Fahrerhaus als, na was auch immer, ausgesucht. Sie ist gerade auf dem Weg zu unserer Dachluke. Jetzt noch schnell die Luke auf, raus ist sie. Allerdings brauchen wir noch eine Weile um unseren Blutdruck wieder runter zu fahren. Wir fahren ja nicht oft im Dunkeln, aber wenn, dann bin ich froh gutes Licht zu haben, ansonsten hätten wir auf dem Weg zu dieser Tanke mindestens einen unbeleuchteten Rollerfahrer sowie zwei ausgebüchste Kühe zu Gulasch verarbeitet.

Am nächsten Tag biegen wir in San Ignacio auf eine der vielen Nebenstraßen ab, die allerdings besonders beschissen ist. Viele dieser Nebenstraßen sind entweder Lehmpisten oder aber wie in unserem Fall Kopfsteinpflaster der übelsten Sorte und das auch noch über 80 Kilometer. PKW haben sich neben dem Kopfsteinpflaster mittlerweile ihre eigene Fahrspur geschaffen, die das Fahren für sie etwas angenehmer macht, was für uns aber nur begrenzt möglich ist. Was diese Strecke lohnenswert macht, ist die Sumpflandschaft, die sich zu beiden Seiten ausbreitet. Ein Paradies für Vogelliebhaber. Hunderte von Reihern, Störchen und Eisvögeln sind nur einige wenige Arten, die mir gerade einfallen. Später am Tag biegen wir auf eine Sandpiste ab, die uns zum südwestlichsten Ort von Paraguay bringt, nach Paso de Patria. Hier treffen wir auf einen Traktorfahrer, der sein Gefährt etwas unkonventionell  geparkt hat. Er hat wahrscheinlich auf dieser einsamen Piste beim „Daddeln“ auf seinem Handy, eines der vielen Rohre übersehen, die quer unter der Piste verlaufen, damit sich Regenwasser zu beiden Seiten  ausbreiten kann. An diesen Stellen verjüngt sich dann die Fahrbahn blöderweise. Der arme Fahrer freut sich ein Loch in den Bauch, als wir ihm anbieten sein Gefährt aus dem Graben zu ziehen. Scheinbar sitzt er hier schon länger fest, denn bis auf PKW und kleinere LKW sind hier selten größere Fahrzeuge unterwegs, die ihm hätten helfen können.

Der Ort San Bernardino ist überall bekannt für seinen Markt, der jeden Samstag stattfindet. Hier wird überwiegend deutsch gesprochen sowie viele deutsche Produkte angeboten. Wir treffen um 8.30 Uhr dort ein ohne gefrühstückt zu haben. Allgemein sagt man ja, gehe nicht mit leerem Magen einkaufen, denn man kauft mehr ein, als man eigentlich will. Jedenfalls trifft das in unserem Fall zu. Der Erste Stand………Bratwurst, der nächste Stand……….Currywurst, danach Käsekuchen und so geht’s weiter. Ich gebe zu, es ist vielleicht nicht gerade ein geeignetes Frühstück, aber wann wird einem eine solch geballte Ladung leckerer, deutscher Produkte auf einer Weltreise mundgerecht angeboten? Die Chancen sind eher gering. Das Resultat dieser Fressorgie fällt eher nüchtern aus – für Stunden ist uns schlecht!

Der Nächste Stopp ist Asunción, die Hauptstadt Paraguays. Diese fast zwei Millionen Einwohner zählende Stadt muss man nicht gesehen haben. Lärm, Dreck, Abgase sowie permanente Staus sind stets allgegenwärtig. Jedoch gibt es auch kleine Lichtblicke, wie das Hotel Westfalia. Günstige Standgebühren, wenn auch nur auf dem Hinterhofparkplatz (ca. 3 €/2 Pers./Tag), und hervorragende deutsche Küche sind für uns erst mal die wichtigsten Eigenschaften. Und wer von den Langzeitreisenden vermisst nicht nach einiger Zeit seine heimische Küche?! Wir stürzen uns jedenfalls auf die Speisekarte mit Kassler und Sauerkraut, Schweinefilet mit Spätzle usw.

Zum anderen gibt es da noch den Botanischen Garten, ein riesengroßes Gelände, in dem auch der Zoo integriert ist. Dieses Gelände beherbergt auch einen Camping, der schon bessere Zeiten gesehen hat, für uns hat er eher seinen Endzustand erreicht. Randvoll geschissene Toiletten und Duschen sowie nicht vorhandenes, fließendes Wasser. Als Ausweichquartier bietet man uns einen Stellplatz neben dem ehemaligen Präsidenten-Landhaus (Casa López) an. Kosten fallen für uns keine an, solange bis der alte Campingplatz renoviert ist, so die Auskunft. Im Park gibt es kilometerlange Wanderwege, in dem man sogar wildlebende Aras sowie „Toyota-Affen“ beobachten kann.

Nachdem wir der lärmenden Hauptstadt den Rücken gekehrt haben, zieht es uns zum deutschen Metzger Robert. Hier können wir mal wieder nach Herzenslust Bratwurst, Leberkäse und andere Spezialitäten bunkern. Bei solchen Gelegenheiten wünscht man sich doch ein größeres Gefrierfach. Wenig später kommen wir durch das 600-Seelen-Dorf Colonia Friesland. Das Thermometer zeigt uns 36° an. Überaus freundlich wird uns ein Übernachtungsplatz gegenüber dem von ihrer Kooperative geführten Supermarkt angeboten. Von Michaela, einer Mitarbeiterin der Kooperative, erhalten wir Geschichtsunterricht über die hier lebenden Mennoniten. Sie haben hier u.a. ihre eigene Kranken- sowie Rentenversicherung aufgebaut und betreiben sogar ihr eigenes, gut bestücktes, kleines Krankenhaus  mit Altenheim. Zwei Tage später verlassen wir diesen freundlichen Ort wieder und das Quecksilber zeigt unglaubliche 30° weniger an als bei unserer Ankunft. Total verrückt!

Auf wunderschönen, vertrockneten Erdpisten, machen wir uns auf zu der von vielen hochgelobten Laguna Blanca. So könnte es denn sein, wenn der Camping nicht von Millionen winzigen Fliegen bevölkert würde, die einem penetrant auf die Pelle rücken, die Sanitäranlagen zumindest einmal im Jahr gereinigt würden und man sich dazu durchringen würde warme Duschen zu installieren, ja, dann könnte es ein wirklich schöner Platz werden.

Weiter nördlich besuchen wir den Nationalpark Cerro Corá. Bei freiem Eintritt kann man hier wunderbare, ruhige Nächte verbringen und wer will, kann hier auch noch ausgiebige Wanderungen unternehmen. Zwei Tage nach unserer Ankunft soll auch noch eine Mondfinsternis zu beobachten sein. Wir holen also unser Kamerastativ raus, machen uns auf zu einer erhöhten Lichtung, doch der Mond spielt nicht mit. Er bleibt uns hinter Wolken verborgen. Dafür können wir auf der anderen Seite einen wolkenlosen Sonnenuntergang genießen. Als wir gerade wieder unseren Rückweg antreten wollen, setzt sich eine Gruppe Tukane zum Schlafen in die umliegenden Baumwipfel. Das unsere Kamera keine Funken sprüht ist alles, schließlich sind das unsere ersten frei lebenden Vögel dieser Art in Südamerika und für uns ein Highlight. Fast gleichzeitig dazu kreuzt noch eine Gruppe Halsbandpekaris die Lichtung. Dieses südamerikanische Wildschwein kann man schließlich auch nicht jeden Tag beobachten. Somit ist diese Mondfinsternis für uns ein voller Erfolg.

Der nördlichste Punkt, den wir danach noch anfahren, ist der Grenzort Bella Vista. Die Stadt interessiert uns aber herzlich wenig, wir wollen die Piste befahren, die ins südwestlich gelegene Concepción führt. Jedoch ist diese Piste nix für Weicheier, die über weite Strecken nur einen Schnitt von 20 km/h erlaubt und unglaublich staubig ist.

Schließlich gelangen wir auf der Ruta 5 und der Ruta 9 zur Laguna Capitán. Auf der Ruta 9 ist die zuvor dünn aufgetragene Asphaltdecke im Begriff sich aufzulösen. Die Fahrer sind demnach nicht „stramm wie die Nattern“, weil sie in Schlangenlinien unterwegs sind, nein, sie versuchen nur den Millionen von Schlaglöchern auszuweichen.    

Wenn es einen Preis zu verleihen gäbe für die staubigste Stadt der Welt, würde Filadelfia auf den ersten Rängen liegen. Hier stehen wir gerade um unsere Vorräte wieder aufzufüllen. In diesem Ort sind gerade die zwei Kilometer lange Hauptstraße und zwei oder drei Nebenstraßen asphaltiert, alles andere sind staubige Erdstraßen. Wenn Trockenzeit ist, wie gerade jetzt, sieht man nicht selten weiter als hundert Meter. Das Atmen fällt einem schwer und man kann sich ständig die „Popel“ aus der Nase puhlen, die sich als dicke Klumpen in der selbigen festsetzen. Wenn aber der Himmel seine Schleusen öffnet, dann wendet sich das Blatt ins andere Extrem. Innerhalb kürzester Zeit steht alles wegen nicht vorhandener Kanalisation unter Wasser und verwandelt jeden Flecken Erde in eine schlammige Pampe. Jetzt ist mir auch klar, warum die Besserbetuchten nicht zu Fuß gehen und die anderen nur in Flip Flops laufen. Die einen machen sich erst die Füße gar nicht schmutzig und die anderen können sie später einfacher abwaschen, praktisch oder?

Nachdem unsere Vorräte verstaut sind, machen wir uns auf Richtung Norden. Die Route geht zuerst hoch am Rio Paraguay bis in den nordöstlichen Zipfel des Landes und schwenkt dann garadeaus nach Westen an der bolivianischen Grenze entlang. Irgendwann sollten wir dann wieder in Filadelfia ankommen. Paraguayer haben uns gesagt, dies seien die schlechtesten und einsamsten 900 Kilometer des Landes. Na, wenn das nichts für uns ist!

Wir bringen die ersten 240 Kilometer an diesem Tag hinter uns. Landschaftlich nicht besonders interessant, dafür aber gut und schnell zu befahren. Am Eingang einer Estancia wollen wir die Nacht verbringen. Nachdem wir auf der ganzen Strecke nur wenige Fahrzeuge gesehen haben, gehen wir davon aus, dass uns eine ruhige Nacht bevor steht, was sich allerdings als Trugschluss herausstellen soll. Fast die ganze Nacht rauschen unzählige Viehtransporter an uns vorüber und bescheren uns eine beschissene Nacht.

Am nächsten Tag wird die Piste mit jedem Kilometer schlechter. An beiden Seiten der Fahrbahn breitet sich Sumpflandschaft aus oder wechselt sich ab mit unzähligen Tümpeln, die durch den Bau dieser Erdstraße entstanden sind. Eine unglaubliche Vogelvielfalt hat sich hier angesiedelt. Aufgrund der gerade herrschenden Trockenzeit, trocknen nach und nach die Tümpel aus. Fische drängen sich auf engstem Raum und kämpfen ums Überleben. Die Vögel brauchen sich bei der Futtersuche nicht mal anstrengen, einfach einen fetten Fisch aus dem Wasser herauspicken und der Tag ist gesichert. Wir sehen sogar kleinere, bis einen Meter große Kaimane, die auf Wanderschaft sind, weil ihr angestammtes Wasserloch ausgetrocknet ist.

Am zweiten Tag erreichen wir die nordöstlichste Stadt von Paraguay, Bahia Negra. Nach kurzem Herumfragen nach einem Übernachtungsplatz, kommen wir bei Carlos unter, einem Aufseher einer kleinen Straßenbaufirma. Wir stehen zwei Tage direkt am Rio Paraguay  und schauen den bis zu 400 Meter langen Schubschiffen zu, die mit Sand beladen flussabwärts fahren. Ab Bahia Negra begleitet uns noch für einige Kilometer Sumpf beidseitig der Fahrbahn. Dann geht ein Wunsch von mir in Erfüllung, einmal eine  lebende Anakonda in freier Wildbahn zu sehen. Sie quert gerade die staubige Piste. Ich hätte mir zwar ein wesentlich größeres Exemplar gewünscht, die bis zu 10 Meter lang werden können, aber immerhin. So plötzlich wie unsere Anakonda verschwunden ist, sind auch die Feuchtgebiete verschwunden, jetzt ist die Landschaft völlig ausgedörrt. Einige Kilometer später steigt die Luftfeuchtigkeit an, es ist regelrecht schwül. Ein Zeichen dafür, dass es geregnet haben muss. Auf der Piste ist aber nichts zu erkennen. Von einer Sekunde auf die andere haben sich unsere Reifen in gefährliche Slicks verwandelt und wir finden uns auch schon, wie von Geisterhand, abseits der Piste wieder. Erst durch Zuhilfenahme beider Achssperren sowie mehrmaligem vor und zurück, können wir uns wieder befreien. Nur noch im Schritttempo geht’s weiter. Da die Pisten hier beidseitig schräg abfallen, gleicht es einem Eiertanz Goliath in der Mitte zu halten. Nur wenige Zentimeter zu weit nach links oder rechts, findet man sich im Graben wieder. Plötzlich ist alles wieder knochentrocken, jedoch fahren wir jetzt auf eine schwarze Gewitterfront zu. Es ist zwar erst kurz nach Mittag, jedoch beschließen wir die nächstmögliche Parkgelegenheit aufzusuchen. Sicher ist Sicher. Unsere Rettungsinsel naht, eine mit Gras bewachsene, ebene Fläche.  Der Motor ist noch nicht ganz aus, bricht auch schon das Unwetter über uns herein.

Gefangen im Chaco. So oder so ähnlich könnte der Titel eines neuen Buches sein. Und beginnen würde es in etwa so: Nachdem es die Nacht durchgeregnet hat, sitzen wir auf unserer Insel fest, an eine Weiterfahrt ist nicht zu denken. Einige Farmer, die unterwegs vom Unwetter überrascht wurden, haben die aufgeweichte Piste bis zu zwanzig Zentimeter tief zerfurcht. Das Risiko weiterzufahren könnte für uns fatal enden. Der nächste Morgen, 6 Uhr, es fällt gerade kein Regen. Das Wasser für meine obligatorischen zwei Tassen Kaffee, die ich, wenn’s eben geht, draußen genieße, ist fertig. Ich schlüpfe in meine Crocs und nach drei Schritten klebt mir fünf Zentimeter dicker Matsch unter den Sohlen. Ich sitze direkt vor Goliath und schaue wie immer doof in der Gegend rum, lausche wie die Natur erwacht, als plötzlich diese wunderschöne Raubkatze etwa 50 Meter vor mir aus dem Gebüsch auftaucht und unschlüssig auf der Piste steht. Ich erstarre zur Salzsäule, traue mich nicht mich zu bewegen. Der Jaguar hat mich anscheinend noch nicht gewittert oder gesehen. Nach einigem Zögern entschließt er sich, direkt in meine Richtung zu laufen. Nachdem er nur noch etwa 30 Meter entfernt ist, bin ich enttarnt, er bleibt stehen, mustert mich und meine Alarmglocken fangen an zu läuten, man Walter, hau ab hier. Langsam stehe ich auf, um Marion zu informieren, die Fotos machen soll. Schlaftrunken steht Marion in der Haustür und kann so gerade noch drei Fotos schießen, bis das Tier wieder im Busch verschwindet. Die letzten 600 Kilometer waren für uns recht anstrengend, vor allem für unser treues Reisegefährt, aber trotz der schlechten Piste hat es sich gelohnt. Allein die Vogelvielfalt war diesen Trip schon wert und nicht zu vergessen die Anakonda, aber, dass mir noch ein Jaguar vor die Füße läuft ist die Sahne auf der Torte.

Zwei Tage später regnet es immer noch. Ein Farmer hält an, er hat Mitleid mit uns und glaubt, wir würden hier verhungern und verdursten. Er bringt uns einen Topf mit gekochten Rippchen und Kartoffeln. Er warnt uns eindringlich davor weiterzufahren. Seine Wetter-App, sagt er, zeige für Morgen und Übermorgen Sonne. Einen Tag sollen wir die Strecke abtrocknen lassen und am darauffolgenden Tag könnten wir uns dann wieder auf den Weg machen. Gleichzeitig lädt er uns auf seine Farm ein, sollten wir nochmals des Weges kommen. Wäre eine Überlegung wert! Am Abend vor unserer Abreise kommt unser Jaguar uns noch einmal besuchen und schleicht direkt ums Fahrzeug. Wir können ihn im Mondschein recht gut erkennen. Doch als Marion das Fenster aufmacht, um nochmals ein Foto zu erhaschen, ist er schon wieder im dichten Buschwerk verschwunden.

Am nächsten Morgen starten wir schon früh, da ja schon wieder Regen im Anmarsch sein soll und wir noch 400 Kilometer vor uns haben. Obwohl die Piste fast trocken aussieht, schmeißt Goliath den Hintern rum wie ein bockender Esel, erst im 4x4-Betrieb wird er ruhiger. Nach nur 25 Kilometern kommen wir an eine Kreuzung. Nach links sind es nur noch 280 Kilometer, gerade aus 375 Km. Wir entscheiden uns aufgrund der Wetterprognose für links. Die etwa zehn Lastwagenfahrer, die hier schon seit Tagen festsitzen, wollen von uns einen Streckenzustandsbericht. Wir raten ihnen mit ihren 40-Tonnern besser noch ein paar Stunden zu warten, falls sie dann nicht schon wieder vom nächsten Regen überrascht werden. Wir haben jedenfalls Glück, wir erreichen Filadelfia ohne Regen. Noch einmal füllen wir hier unsere Lager auf, denn Bolivien hat kein so reichhaltiges Nahrungsangebot.

Über den Trans-Chaco-Highway, der mal in einem Topzustand und dann wieder so beschissen ist, dass es nur eine Geschwindigkeit von max. 20 km/h erlaubt, fahren wir Richtung Bolivien. In den letzten Tagen stiegen die Temperaturen immer mehr der 40°-Marke entgegen, doch als wir uns etwa 100 Kilometer vor der Grenze erschöpft in die Büsche schlagen, zeigt das Quecksilber 44° an. Noch um 22 Uhr steht das Thermometer bei 36°. Das ist für uns die höchstgemessene Temperatur, bei der wir uns jemals schlafen gelegt haben.

Wir verabschieden uns mit heißen Grüßen.

 

Die 2.

 

Interview mit dem Fernsehsender RCC -

https://www.youtube.com/watch?v=cwUb2OVVf88&feature=youtu.be

 

PS: Sorry Leute. Wir wollten euch noch ein Video anhängen, aber wir haben zurzeit ein kleines (hoffentlich) Problem mit dem externen Laufwerk. Hoffen, es euch nachreichen zu können.





Unser Buchtipp!