Chile.

 

Reisezeit: 06.10.2018 -  03.12.2018

Visum: 90 Tage an der Grenze.

Carnet de Passages: Man bekommt ein landeseigenes TIP für 90 Tage.

Währung: Peso. 1 € = 760 Pesos.

Diesel: 630 - 710 Pesos/l

Benzin: 850 – 930 Pesos/l je nach Oktan. Dabei gilt, im Norden generell günstiger.

Bargeld: An vielen ATM bis 2000 Pesos für z.T. horrende Gebühren (6,50 €/Transaktion oder mehr).

Kreditkarten: Master/Visa stark vertreten.

Fahrzeugversicherung:  Siehe unter Paraguay. Wir haben eine für ½ Jahr für die Mercosur-Staaten  abgeschlossen.

Straßengebühr: Wir sind fast immer in Kategorie 2 (Autos und Camioneta) oder 2A eingestuft worden (Wohnmobil) und nur 3 Mal unter die Kategorie Lkw. Ab und an waren unsere Überredungskünste nötig, damit wir mit unserer Größe als Wohnmobil durchgingen. Bei unserer gefahrenen Route von 4590 Km haben wir insgesamt 27060 CLP bezahlt, das sind umgerechnet 35 €.

 

Wir sind ja nicht mehr so blöd wie früher. Als wir auf die chilenische Grenze zufahren, sind Obst und Gemüse gegessen, Kartoffeln, Zwiebeln sowie Fleisch gebraten oder gekocht, ansonsten wird es von den chilenischen Grenzern gnadenlos konfisziert. Fast jede Stauklappe außen sowie jedes Fach innen wird akribisch genau inspiziert, Geheimfächer haben sie Gott sei Dank nicht gefunden! Beim Grenzübertritt muss man unter anderem oben aufgeführte Sachen deklarieren. Kleiner Tipp! Immer mit ja ankreuzen! Kreuzt man ein Nein an und sie finden was, machen sie dir ein Fass auf und es kann mit einer empfindlichen Strafzahlung enden.

 

Von Ollagüe sind es etwa 200 Kilometer bis Calama, der nächstgrößeren Stadt. Wir brauchen dringen chilenische Pesos sowie Obst und Gemüse. Die ersten 100 Kilometer werden wir begleitet von aktiven sowie erloschenen Vulkanen in wunderschönen Pastellfarben und äußerst karger Landschaft. Hier und da raucht es aus einem der Gipfel. Calama selbst ist eine Stadt, die von der nahegelegen, größten Kupfermine der Welt beherrscht wird. Wir besorgen alles Nötige in einem Supermarkt in der Innenstadt und übernachten außerhalb der Stadt hinter einem Windpark.

 

Der nächste Tag sowie 100 Kilometer weiter, kommt San Pedro de Atacama in Sicht. Was hat sich dieses ehemalige, verträumte Dorf gewandelt! Die jetzige Innenstadt besteht nur noch aus Büros von Tourenanbietern, Fressbuden, Cafés und Unterkünften. Zwei Cappuccino und zwei kleine Eis am Stiel für 12 € lassen uns wenig später die Flucht ergreifen, ohne diesem Ort eine Träne hinterher zu weinen.

 

Weil uns Asphalt zu langweilig ist, biegen wir im späteren Verlauf in Richtung Westen ab. Wir sind über lange Zeit allein und es staubt herrlich hinter uns, bis wir auf die Mine La Escondida zufahren. Hier ist man dabei über mehrere Kilometer eine ganze Bergkette abzutragen. Unzählige, riesige Muldenkipper sind in der Ferne wie Ameisen zu sehen. Wie groß die Dinger in Wirklichkeit sind, wird uns dann mal wieder bewusst, als uns kurze Zeit eines dieser Monster auf der Straße entgegenkommt. Ein Neufahrzeug wird gerade der Mine geliefert, jedoch nicht selbstfahrend, sondern auf einem riesigen Tieflader, gezogen von zwei winzig kleinen Volvos, einer zieht, der andere schiebt. Was für ein Schauspiel!!!! (siehe Video).

 

Wir erreichen die legendäre Panamericana, die fast durch den gesamten amerikanischen Kontinent von Süd nach Nord führt. Sie startet in Anchorage in Alaska und geht rund 21000 Kilometer bis Quellón auf der Insel Chiloe in Chile. Hört sich gut an, oder? Ist es aber nicht, zumindest nicht für uns. Perfekt asphaltiert, stark befahren von mindestens 90 % LKW und stinklangweilig, weil es mehr oder weniger nur geradeaus geht.

 

La Serena war einst auch mal eine nette Stadt, jetzt ist es für uns nur eine üble, ausgeuferte Großstadt. Einkaufen, tanken und nix wie weg! Als wir den Stausee La Paloma erreichen, beschließen wir einige Tage hier zu stehen, falls es denn ruhig bleibt. Seit wir in Chile sind,  sind wir jeden Tag gefahren und brauchen eine Pause. Nach vier Tagen kommt Alejandro zu uns. Er hat ein LKW-Transportunternehmen nicht weit von unserem Übernachtungsplatz und lädt uns spontan ein, auf seinem  Gelände zu übernachten. Er thront auf einem Berg mit einer traumhaften Aussicht auf den See. Gleichzeitig bekommt Goliath eine Gratiswäsche und wird  abgeschmiert. Nach einigen weiteren Tagen, mit vielen netten Grillabenden, machen wir uns gestärkt wieder auf über Nebenstraßen zum  Reservat Las Chinchillas. Das Erste, was mich schon wieder ankotzt sind die unterschiedlichen Preise für Chilenen und für Ausländer. Der Chilene bezahlt 3000 Pesos und wir 6000 Pesos/P. Dafür kann man wenigstens auf dem Parkplatz übernachten. Wir bekommen jedoch außer einigen übergroßen Mäusen im Reservat kaum was anderes zu sehen, denn Chinchillas sind nachtaktiv. In einem Gebäude, genannt Nocturama, kann man die Tiere in einem fast stockdunklen Raum hinter Glasscheiben auch nur schemenhaft erkennen, also auch ein Griff ins Klo. Wir hätten das Eintrittsgeld besser in ein paar Flaschen Wein investiert!!!!

 

Fand man noch im Norden reichlich Stellplätze, so wird es Richtung Süden zusehends schwieriger. Fast alle Flächen sind entweder bebaut oder eingezäunt. Die großen Städte wie Valparaíso und Santiago berühren wir nur am Rande und sind froh, südlich von Santiago auf eine der kleinen Küstenstraßen ausweichen zu können. Zum einen wird hier keine Maut erhoben, zum anderen ist die Landschaft wesentlich schöner. Aber auch hier kaum freie Stellplätze. Am Ende finden wir dank iOverlander einen Platz am Meer. Am Abend gesellen sich die beiden französischen Radfahrer und Brüder, Vincent und Jeremi zu uns. Sie sind auf dem Weg von Alaska nach Feuerland und haben bislang mehr als 27000 Kilometer abgestrampelt. Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege schon wieder. Wir machen uns auf Richtung Insel Chiloe, die aber noch mehr als tausend Kilometer entfernt ist. Wir müssen aber noch bis Mittag warten, Marion hat noch ein Brot im Ofen, äh, ich meine, der Brotbackautomat muss erst seine Arbeit erledigen. Wir kommen an diesem Tag jedoch nur 40 Kilometer weit. Wenige Kilometer entfernt von der Küste, treffen wir in der mittlerweile hügeligen Landschaft auf einen fast perfekten Übernachtungsplatz mit einer grandiosen Aussicht. Geradeaus schauen wir von oben auf den malerischen See Vichuquén, links sieht man den Pazifischen Ozean und rechts die schneebedeckten Anden. Wann hat man schon mal so eine Aussicht?! Aus einer geplanten Übernachtung werden dann auch gleich drei.

 

Gerade scheint auch die Orangenernte zu sein. Überall werden dicke Orangen in 12-Kilo-Säcken verkauft, für 6,50 € der Sack. Also gibt es täglich mehrfach frisch gepressten Orangensaft. Der Sack ist noch nicht ganz leer, werden Erdbeeren angeboten, 5 Kg für 6,50 €. Die scheinen hier alle Einheitspreise zu haben. Uns soll’s recht sein. Von nun an verputzen wir neben dem O-Saft auch noch Erdbeeren in allen Variationen. Die ersten zwei Kilo werden zu Marmelade verarbeitet, dann gibt es sie zum Frühstück, später mit Sahne, als Mus über Milchreich usw. Vor lauter Vitaminen platzt mir fast der Füller.

 

In der ersten Novemberwoche erreichen wir die Fähre zur Insel Chiloe. Die Überfahrt wird direkt auf der Fähre bezahlt. Einmal 18900 Pesos für einen LKW bitte, sagt der Kassierer. Ich darauf, dies ist aber ein Wohnmobil, was normalerweise günstiger ist. O.k., sagt der freundliche Kassierer, dann bekomme ich 26400 Pesos von ihnen. Gut, dann sind wir heute eben mal als LKW unterwegs. Nach 30-minütiger Überfahrt erreichen wir die größte der zahlreichen chilenischen Inseln. Auf der Suche nach einem geeigneten Nachtplatz schlitzen wir uns dann eben noch einen recht guten Reifen seitlich auf, weil wir niedrig hängenden Ästen durch einen  Graben ausweichen müssen. Bei jeder Umdrehung macht es Pffffff Pffffff. Also erst mal das Reserve-Rad drauf, bis wir eine geeignete Reifenschmiede finden. Auch hier auf der Insel suchen wir uns die kleinen unbefestigten Pisten an der Küste aus, die uns durch kleine, malerische Fischerörtchen führen. Manches Mal übernachten wir auf dem schmalen Grünstreifen zwischen Piste und Wasser. Hier fühlen wir uns wohl, kaum nennenswerter Verkehr und durch die vorgelagerten Inseln gleicht das Meer eher einem stillen See, ohne dieses ständige, nervtötende Meeresrauschen und die salzige Gischt.

 

Wenige Tage später lassen wir dann in Ancud für umgerechnet 13 € unseren Reifen flicken. Am 18.11.18 erreichen wir den Ort Quellón im Süden der Insel Chiloe. Hier endet auch die sogenannte Traumstraße der Welt, die Panamericana. Von hieraus buchen wir die fünfstündige Fähre, die uns wieder auf das chilenische Festland bringt, nach El Chaitén. Laut Plan sollen wir  nachts um ein Uhr ankommen. Marion hat sich vorsichtshalber eine Antikotztablette geschluckt, denn das Meer ist äußerst unruhig. Um 22.00 Uhr legen wir uns in die Koje, aber an Schlaf ist nicht zu denken. Zeitweise muss ich mich an der Matratze festhalten, um nicht aus dem Bett zu rollen, oder wir hauen mal mit dem Schädel und dann mal wieder mit den Füßen an die Wand. Ich sag euch, das ist kein Spaß. Der Kapitän scheint ein Herz für uns malträtierten Touristen zu haben, er hat anscheinend dem Heizer Order gegeben, eine Schüppe Kohlen mehr aufzulegen, so dass wir schon gegen Mitternacht in El Chaitén eintreffen. Da der Kutter nur einen Ausgang hat, müssen wir rückwärts wieder runter. Fast im Blindflug fahre ich in ein schwarzes Loch, bei gleichzeitig strömendem Regen. Dank iOverlander finden wir bei dem Sauwetter unweit des Hafens  einen ruhigen Standplatz für die Nacht. Drei Tage sitzen wir hier fest, es schüttet rund um die Uhr. Ein kleiner Bach, der hinter uns ins Meer mündet, ist am zweiten Tag um 1,50 Meter angestiegen und zum reißenden Fluss geworden.

 

Als dann am dritten Tag die Sonne wieder zum Vorschein kommt, machen wir uns auf zum Naturschutzpark Pumalín. Er wurde 2005 von einem schwer reichen US-Amerikaner erworben und als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier können an verschiedenen Stellen Wanderungen unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade unternommen werden. Gleichzeitig kann man hier die unter Naturschutz stehende Alerce bewundern, ein Baum, der einen Durchmesser bis zu fünf Meter erreichen kann. Dieser Besuch ist absolut sehenswert! Wir halten uns hier fast eine Woche auf, dank der guten Infrastruktur mit ausgewiesenen Campingplätzen, die außerhalb der Saison von Anfang Dezember bis Ende Februar umsonst sind. Vom Park aus zur Grenze nach Argentinien ist es nicht mehr weit, so verlassen wir Chile am 3.12.18 bei Palena.

 

Also bis dahin, wir sind gespannt wie sich Argentinien seit unserem letzten Besuch vor mehr als 10 Jahren verändert hat. Wir wünschen euch schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2019.

 

Die 2