Brasilien.

 

Reisezeit:  28.03.2018 – 06.06.2018

Visum: 90 Tage an der Grenze. Nach 90 Tagen außer Landes, z.B. in ein Nachbarland, bekommt man erneut 90 Tage.

Carnet de Passages: Nicht erforderlich. Man bekommt an der Grenze ein landeseigenes TIP für 90 Tage oder evtl. sogar für 180 Tage.

Währung: Real. 1 € = 4 Reais.

Diesel: 3,10 R – 3,84 R. Generell ist der Diesel an den Grenzen teurer, im Landesinneren wird er billiger.

Benzin: Ca. 4,70 R.

Bargeld: Am ATM von Banken 1000 bis zu 2500 Reais mit Visa/Master. Jedoch gleicht es manchmal einem Spießrutenlauf, denn nur wenige ATM spucken dann auch Geld aus, obwohl Visa/Master abgebildet sind. Gute Erfahrung haben wir mit der Bradesco Bank gemacht.

Kreditkarten: Visa/Master weit verbreitet.

Fahrzeugversicherung:  Am Übergang Rivera und auch beim Grenzübertritt zuvor, gab es keine Möglichkeit vor Ort eine Versicherung abzuschließen, deshalb fahren wir ohne.

Straßengebühr: In verschiedenen Teilen des Landes wird eine Maut in unterschiedlicher Höhe verlangt (zwischen 7,00 und 22,80 Reais). An der Küste kann man nicht verhandeln; große Fahrzeuge werden oft als kommerzielle Fahrzeuge eingestuft. Bei uns lagen die Kosten für 4285 gefahrene Kilometer bei 187 Reais (0,01 € pro Kilometer).

 

Am 28.03.2018 stehen wir an der Grenze bei Rivera, um nach Brasilien einzureisen. Auch hier liegen wieder Polizei und Zoll an verschiedenen Stellen der Stadt. Mir werden allerdings 7 Tage von unserer Einreise zuvor abgezogen, Marion bekommt ihre vollen 90 Tage, warum auch immer?! Bei der Receita Federal (Zoll) dauert‘s mal wieder wesentlich länger. Zuerst haben wir nicht die Mittagszeit beachtet (12.00-14.00), zum anderen ist unser Beamter nicht gerade eine „Leuchte“ was Computer angeht. So gehen mindestens 3 Stunden ins Land, bis wir das brasilianische TIP in den Händen halten. Jetzt aber erst mal die „Haferkiste“ im nächsten Supermarkt wieder auffüllen; unser Lager ist nahezu leer. Neben dem wesentlich günstigeren Treibstoff ist Brasilien gegenüber Uruguay ein Schlaraffenland. Bis zu 50 % sind hier die Lebensmittel billiger. Jetzt kann man auch mal wieder Obst kaufen, ohne dass einem Apfel oder die Birne aufgrund der hohen Preise im Hals stecken bleiben.

 

Mit dem Befüllen einer unserer Gasflaschen haben wir bewusst bis Brasilien gewartet. Hier bezahlen wir für 13 Kilo etwa 14 €. Ein Haken hat die Sache allerdings. Brasilien hat sein eigenes Anschluss-System. Es ähnelt dem amerikanischen Adapter, ist aber wesentlich kleiner (siehe Foto). Wir besorgen uns ein Flaschenventil mit Schlauchanschluss und in 20 Minuten wird von Flasche zu Flasche befüllt.

 

Eigentlich sind wir auf dem Weg nach Dario, der uns beim letzten Besuch in Brasilien eingeladen hat. Da wir aber jetzt auch mit dem neumodernen Kram wie What’s App angebandelt haben, bekommen wir von Barbara und Uwe eine Nachricht, sie seien nicht weit von uns entfernt auf einem Camping. Wir haben uns vor einigen Jahren in der Mongolei und Thailand getroffen. Was liegt also näher, als ihnen einen Besuch abzustatten.

 

Seit geraumer Zeit beobachte ich Goliath‘s Öldruck, der immer mehr Richtung besorgniserregend abfällt, wo eigentlich 4 Bar auf der Anzeige stehen sollten, wechselt der Zeiger mal rauf mal runter. Ich tippe auf defekten Öldruckschalter. Also fahren wir bei MAN in Pelotas vorbei, um hier evtl. Hilfe zu bekommen. Hier jedoch sitzen genau solche Idioten wie auch schon zuvor in Thailand, die behaupten, man könne nur Teile für Modelle verkaufen, die auch in Brasilien laufen. Eine Bestellung aus Deutschland sei unmöglich. Dieser Vollpfosten am Tresen lässt sich auf jeden Fall nicht erweichen seinen Hintern in Bewegung zu setzen. Wir müssen tatsächlich unverrichteter Dinge weiter fahren. Da ist mal wieder eine Beschwerde bei MAN fällig!

 

Über Rio Grande geht’s weiter auf dem schmalen Küstenstreifen Richtung Porto Alegre, rechts von uns liegt der Atlantik, links die Lagune dos Platos. Um auf diesen Küstenstreifen zu gelangen, muss man zuvor eine Fähre nehmen, die ein Fahrzeug unserer Größe für 100 Reais ans andere fünf Kilometer entfernte Ufer bringt. Die Fahrt entpuppt sich für uns als landschaftlich uninteressant, alles eingezäunt, kaum Möglichkeiten frei zu stehen.

 

In Gramado besuchen wir den Caracol Wasserfall, der hier 130 Meter in die Tiefe stürzt. Leider ist die Treppe mit seinen 927 Stufen bis zum Grund bis auf weiteres wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.  

 

Nach Venâncio Aires folgen wir einer weiteren Einladung von Lucio, Reinold und seiner Frau Dulce. Reinold nimmt sich sofort unseres Problems mit dem Öldruck an und wir fahren in den nächsten Tagen nach Lajeado, wo sich eine weitere Mondial-Werkstatt befindet, wie sich MAN und Volkswagen hier nennen. Als wir dort auf deren großem Gelände eintreffen, lassen fast alle Beschäftigten, einschließlich Büroangestellten samt oberster Boss, ihre Arbeit liegen. Wir werden umringt von neugierigen Menschen, die uns anschauen, als kämen wir von einem anderen Stern. Wir haben sie anscheinend gerade völlig aus dem Konzept gebracht. Man habe in dieser Werkstatt noch niemals einen MAN gesehen, der aus einem anderen Land komme, geschweige denn aus Europa. Sofort kommt der hauseigene Schreiberling angehechtet und will unsere Geschichte für ihre Webseite aufnehmen. Rundfunk und Zeitung werden einbestellt, dieses Ereignis müsse unbedingt publik gemacht werden. „Äääääh hallo, darf ich auch mal was sagen, wir sind eigentlich hier wegen des abfallenden Öldrucks unseres treuen Reisegefährts.“ „Ach so, sie haben ein Problem?“ Sofort machen sich zwei, wie mir scheint, kompetente Mechaniker an die Arbeit und stellen fest, dass der Öldruckschalter etwas kränkelt, wobei ich das auch schon vorher geahnt hatte. Trotzdem wird der Öldruck nochmal mit einem speziellen Messgerät überprüft, um sicherzugehen, dass es auch wirklich am Öldruckschalter liegt. Da es dieses Teil bei den neuen Modellen von MAN in der Form aber nicht gibt, entschließen sich die Jungs bei der Konkurrenz vorbeizuschauen und kommen nach einiger Zeit mit einem Öldruckschalter von einem Mercedes Rundhauber 11-13 zurück und siehe da, unser Öldruck steht wieder wie am ersten Tag. Nachdem Zeitung und Rundfunk sich verabschiedet haben, geht’s ans bezahlen. Drei Stunden Arbeit inklusive Ersatzteil schlagen mit etwa 130 € zu Buche,  der originale Schalter hätte in Deutschland allein schon etwa 120 € gekostet, zudem verlassen wir das Gelände mit einer Tüte voller T-Shirts und Kappen sowie einem Kissen für den Trucker, auf das er sein übermüdetes Haupt legen kann. Das nenn ich mal einen guten Service! Dies kommt allerdings leider viel zu selten bei MAN vor!

 

Reinold und Dulce kümmern sich hauptsächlich um uns und führen uns in die Gemeinde der hier ansässigen Deutschstämmigen ein. Dass wir noch keine Blasen an den Händen haben vom vielen Händeschütteln, grenzt an ein Wunder. Einige Einladungen müssen wir schon absagen,  wir können ja nicht jeden Tag Berge von Fleisch verdrücken und außerdem fahren die Jungs  hier nicht vor 21.00 Uhr das Futter auf, das ist schon gar nicht unser Ding. Dann gebe ich auch noch zu allem Unglück ein Interview beim örtlichen Rundfunk. Reinold‘s Name wird hier auch genannt, dass wir bei ihm zu Besuch sind, usw., und was passiert? Jetzt sind wir erst recht bekannt wie bunte Hunde und Reinold‘s Telefon steht nicht mehr still, weil jeder uns kennenlernen will. Aber Dulce erkennt die bedrohliche Lage sofort, nachdem der erste Anrufer noch während der Sendung bei ihr anruft und tritt die Bremse. Auch wir bräuchten mal eine Pause. Die Gastfreundschaft kennt hier anscheinend keine Grenzen. Zudem sind wir äußerst überrascht und gerührt, als wir auf einer Fahrt zum Mittagessen plötzlich an einer Gärtnerei anhalten. Reinold will einen jungen Avocado-Baum kaufen, den ich dann später auf seinem Grundstück einpflanzen soll, so würden sie immer an uns denken. Nachdem wir unsere beiden Gastgeber verlassen haben, kommen wir an einer Mautstelle vorbei, die einen Flyer vom Kartoffelfest in Santa Maria do Herval verteilen. Wir machen den kleinen Umweg, denn dieser kleine Ort hat nicht nur dieses Fest zu bieten, sondern auch einen schönen Wasserfall, etwa 15 Minuten zu Fuß vom Ortskern zu erreichen. Gleichzeitig können Campingfahrzeuge hier auch eine ruhige Nacht verbringen. Zum Fest parken wir Goliath jedoch im Ort und brauchen nicht einmal die Parkgebühren zu entrichten, weil wir von soweit hergekommen sind. Wie es der Name schon verspricht, werden hier nicht nur Kartoffeln angeboten, sondern auch allerlei Spezialitäten aus der selbigen Frucht; z.B. die altbekannten Reibekuchen, Kroketten mit Füllungen, Brühwurst in Kartoffelteig, usw. Nachdem unsere Mägen prall gefüllt und wir der deutschen und viel zu lauten Volksmusik überdrüssig geworden sind, wollen wir uns noch einen 5 Kilo Sack Kartoffeln mitnehmen. Auf meine Frage, was der denn kosten soll, bekomme ich die Antwort 3 Reais. Marion und ich schauen uns fragend an. 0,75 € für 5 Kilo schöne, gewaschene Kartoffeln? Wir haben allerdings die heimischen Preise nicht mehr so auf dem Schirm, uns erscheint es auf jedem Fall sehr billig. Der Preis ändert sich auch nicht, nachdem ich zum dritten Mal nachfrage.

 

Als wir MAN in Lajeado verließen bekamen wir noch eine Route genannt, die nicht in unserer Karte verzeichnet ist, aber wunderschön sein soll und zum Passo do Ilha und Passo do S führt. Wir machen uns auf den Weg über landschaftlich schöne, einspurige, hügelige Pisten, bis uns ein etwa 200 Meter breiter Fluss stoppt. Durch dichten Uferbewuchs ist aber nicht einsehbar wie es für uns weitergehen könnte. Wir sehen nur über die gesamte Flussbreite Felsen, die von Wasser überspült werden. Wir sind unsicher. Der Besitzer des angrenzenden Camping beschreibt uns, wie wir in einem Zickzack-Kurs sicher über die Stromschnellen kommen. Also 4x4 rein für besseren Grip und los. Noch keine fünf Meter im Wasser, driften wir auch schon auf den glitschigen Felsen nach links ab. Also Rückwärtsgang rein und nächster Versuch, jedoch diesmal weiter rechts an die Büsche gedrückt. Und siehe da, befindet sich man erst mal auf den wasserüberspülten Felsen, kann man auch schon den weiteren Verlauf der Strecke erkennen. Die Durchfahrt ist nicht besonders schwierig, trotzdem begleitet sie uns mit Herzklopfen. Stunden später erreichen wir den Passo do S. Wieder stehen wir vor einem breiten Fluss, der in einem S überquert werden muss, um nicht in den hüfttiefen, glitschigen Felsenlöchern steckenzubleiben. Hier ist der Verlauf durch Metallstangen gekennzeichnet. Eine gute Gelegenheit meine mindestens 20 Jahre alten, gelben Gummistiefel mal wieder auf Wasserdichtigkeit zu prüfen und den Fluss erst mal zu Fuß zu überqueren. Ich stehe gerade in der Mitte des Flusses und versuche mich auf den rutschigen Felsen aufrecht zu halten, da brummt ein frontangetriebener PKW an mir vorbei, der Fahrer mit einem Lächeln im Gesicht, als wolle er sagen, Junge, so macht man das und alles ohne 4x4! Über die landschaftlich lohnenswerte Serra do Rio do Rastro, mit seinen unzähligen Serpentinen gelangen wir nach Blumenau, eine der deutschesten Städte in Brasilien.

 

Einen Tag später streiken landesweit alle LKW-Fahrer, weil innerhalb weniger Wochen mindestens vier Mal die Treibstoffpreise erhöht wurden. Streikposten stehen an den Eingängen der Stadt. Sie haben Reifen auf der Straße in Brand gesteckt und lassen keinen Lieferverkehr mehr durch. Der Schwerlastverkehr kommt im ganzen Land zum erliegen. Die ersten Tankstellen sind kurze Zeit später trocken. Frisches Gemüse sowie Obst sucht man einige Tage später vergeblich in den Regalen der Supermärkte. Gut, dass wir nochmal 500 Liter nachgetankt haben, allerdings ohne anfangs zu wissen, was hier vor sich geht. Ich hoffe, mit dem Vorrat können wir uns bis Paraguay retten, je nachdem wie lange dieser Zustand anhält. Also ändern wir mal wieder unsere Pläne und beschließen mehr oder weniger auf direktem Weg zum Grenzübergang nach Foz do Iguaçu zu fahren; zehn Tage eher als geplant. Das nenn ich mal entspanntes Fahren, ohne jeglichen LKW-Verkehr!!! Kurz vor dem Ort Treze Tílias, in dem man sich fühlt als sei man in Tirol, werden wir zum gefühlt 50sten Mal angehalten und kontrolliert, ob wir keine Streikbrecher sind. LKW-Reifen brennen am Straßenrand, brennende Öltonnen stehen als Blockade auf der Fahrbahn. Anfangs beäugt man uns misstrauisch, als wir uns jedoch solidarisch mit den Truckern zeigen, ist das Eis gebrochen. Uns wird ein Platz zugewiesen, wo wir in ihrer Nähe übernachten können. Natürlich spricht man hier auch wieder Deutsch. Irgendjemand hängt sich ans Telefon und informiert wen auch immer, die dann plötzlich alle vor unserer Tür stehen und ein paar Worte mit, wie sie selber sagen „richtigen Deutschen“ wechseln wollen. Am nächsten Tag sind plötzlich alle Blockaden verschwunden, der Streik sei vorerst ausgesetzt, dafür steht an neuralgischen Punkten schwer bewaffnetes Militär. Sieht auch nicht sehr vertrauenserweckend aus.

 

Nach knapp 1000 Km erreichen wir Foz do Iguaçu mit den größten und beeindruckendsten Wasserfällen der Erde. Zwei Tage müssen wir warten, bis der Regen aufhört und die Sonne zum Vorschein kommt und es ist ausgerechnet Sonntag – böser Fehler! Wir stürzen uns unter die Touristenmassen, die hier von unzähligen Bussen ausgespuckt werden. Als uns der Shuttle-Bus am Anfang der 2,7 Km langen Fälle rausläßt, geht der Kampf erst richtig los. Jeden Aussichtspunkt muss man sich erkämpfen, ansonsten hat man gegen die Massen von Handygrafierern, die auf jedem einzelnen Foto ihr dummes Gesicht ablichten müssen, keine Chance. Meine Empfehlung, sich das hier anzutun, wenn möglich außerhalb der Saison und an einem verregneten Montag, ansonsten heißt es, Arschbacken zusammenkneifen und durch!!!    

 

Am 06.06.2018 machen wir uns auf zu den vorerst letzten 20 Km in Brasilien, zum Grenzübergang nach Paraguay. Schauen wir mal, was uns dort erwartet, denn dieses Land haben wir noch nicht bereist.

 

Also bis dahin. Die 2.

 

Wir laden euch ein mit uns per Video durch Brasilien zu reisen: Video

 

Streik der Lkw-Fahrer: Video






Unser Buchtipp!