Uruguay Teil 2 mit Kurztrip nach Brasilien.

 

Reisezeit:  05.01.2018 – 28.03.2018

 

Die Straßenmaut hat sich seit 01.01.2017 für uns auf einheitlich 90 Pesos erhöht. Und auch die Treibstoffpreise sind angehoben worden.

 

Am 05.01.2018 machen wir einen kleinen Abstecher nach Brasilien, denn unser Dieselvorrat geht zu Ende und was liegt da näher als eben ins Nachbarland zu fahren und den um etwa 25 Cent billigeren Diesel zu tanken. Der Grenzübergang bei Rio Branco/Jaguarão ist allerdings nur für Einheimische der Mercosur-Staaten (Anrainerstaaten) einfach. Ohne Zollabwicklung können sie ein- und ausreisen, ähnlich wie wir in Europa. Doch wir müssen erst durch die halbe Stadt gurken, um unsere Einreise nach Brasilien offiziell zu machen. Mit den Koordinaten S32°33‘23.3“ W53°23‘08.0“ findet man die Policía Federal (Immigration) und beim Ministerio da Fazenda Receita Federal (Customs), welches nur eine Straße höher liegt, bei S32°33‘26.5“ W53°23‘11.0“, erledigen wir die Zollabwicklung. (Customs und Immigration für Uruguay ist übrigens bei S32°36‘06.8“ W53°24‘06.9“). 

Zudem macht uns die Hitze gerade schwer zu schaffen, das Thermometer pendelt sich bei 40° ein. An den Tankstellen in Grenznähe lohnt es sich für uns jedoch nicht zu tanken, hier hat man sich den Preisen in Uruguay angenähert und die liegen etwa bei einem Euro pro Liter. Erst in Pelotas finden wir eine Tankstelle, die uns den mittlerweile dringend benötigten Saft zum Preis von etwa 0,82 Euro Cent verkauft. 740 Liter gehen in unsere drei Tanks, also kurz vor knapp, dafür dürfen wir den dazugehörigen Parkplatz zum Übernachten nutzen. Wir fahren immer an der Lagoa Mirím entlang, die in Uruguay Laguna Merín heißt. Wir versuchen ruhige Orte zu finden, aber auch die Brasilianer haben Urlaub und es ist äußerst schwierig solche Plätze zu finden. So geschieht es uns auch an unserem zweiten Platz, voll mit Brasilianern, die anscheinend ihren ganzen Hausstand mitgebracht haben, vom Kühlschrank angefangen bis hin zu Tischen, Stühlen und dem dazugehörigen Generator und was natürlich nicht fehlen darf, laute Musik rund um die Uhr. Um vier Uhr in der Früh wird die Musik abgeschaltet; sobald der Erste die Augen aufmacht, in diesem Fall um sieben, geht’s weiter. An anderer Stelle kann es dann aber auch ganz anders zugehen. Tagsüber reger Betrieb, des nachts aber ruhig. Hier treffen wir Dario und seine Familie, Brasilianer mit deutschen Vorfahren. Er bemerkt unser Kennzeichen und spricht uns an, auf Deutsch mit Hunsrücker Dialekt, wie er es nennt. Dario steigen Tränen in die Augen als er uns erzählt, er habe seit sechzehn Jahren keinen Deutschen mehr getroffen, geschweige denn Deutsch gesprochen. Als wir uns verabschieden, müssen wir ihm versprechen, ihn beim nächsten Mal zu Hause zu besuchen.

Sieben Tage später stehen wir schon wieder an der Grenze bei Chuy, um wieder nach Uruguay einzureisen. Wir bekommen weitere drei Monate für Uruguay. Der Papierkram ist innerhalb einer ½ Std. erledigt, keiner kontrolliert irgendetwas und tschüss.

Uruguay empfängt uns mal etwas anders als bei unserem Besuch zuvor. Nicht weit hinter der Grenze besuchen wir in La Coronilla eine Wasserschildkröten-Auffangstation. Hier werden schwache oder verletzte Tiere wieder aufgepäppelt und später wieder ausgesetzt. Man erzählt uns, dass mittlerweile Plastik sowie Fischernetzte der größte Feind der Wasserschildkröten sind. Entweder sie verletzen sich in den Netzen oder sie fressen den Plastikmüll, verenden oder aber sie werden von chinesischen Schnecken befallen, die sie sich bei ihrer Reise durch die Weltmeere einfangen. Die Schnecken fressen sich durch ihre Panzer und ernähren sich von ihrem Wirt, bis der das Zeitliche segnet. Am Abend suchen wir uns einen Übernachtungsplatz, werden aber fortgeschickt, weil dieser Platz nicht als Stellplatz ausgewiesen sei. Wir finden einen anderen, an dem sich Musiker kurze Zeit später direkt hinter uns breit machen, ein stark qualmendes Feuer entfachen und auf ihre Trommeln hämmern; für uns sieht es aus wie Absicht !? Also im Halbdunkel alles zusammen gepackt und wohin jetzt? Wir landen im Dunkeln an einer viel befahrenen Piste, ich kann nur sagen, eine Scheißnacht.

Einen Tag später landen wir in dem kleinen, schnuckeligen Örtchen Barra de Valizas, zumindest ist es das außerhalb der Saison. Jetzt boxt hier der Papst. Tausende von Backpackern werden hier mit Bussen angekarrt und die wollen Party machen, was wir eben nicht wollen. Schlussendlich landen wir wieder auf unserem altbekannten Parkplatz am Meer in La Paloma. Hier werden wir wohl die Zeit bis etwa Mitte Februar verbringen, da wir auf Dr. Uli und Kerstin mit ihrem MAN warten. Sie sind gerade mit dem Schiff auf dem Atlantik unterwegs und haben uns eine WhatsApp geschickt, dass sie sich um ca. zwei Wochen verspäten werden. Langweilig wird es uns hier jedenfalls nicht. Täglich treffen Urlauber aus den umliegenden Ländern wie Argentinien und Brasilien ein. So kommt es, dass wir unter anderem Sofia und Oscar aus Argentinien mit ihrem Wohnmobil kennenlernen. Als sie uns nach 1 ½ Wochen verlassen, müssen wir auch ihnen versprechen, sie in Argentinien zu besuchen. Wenn das so weiter geht, kommen wir aus Südamerika nicht mehr weg!

Dann hält eines Tages eine BMW 1200 GS neben uns. Als Fahrer und Beifahrer die Helme abnehmen, erkennen wir zu unserer großen Überraschung, Eva und Václav Havel aus der Tschechischen Republik. Wir trafen uns vor etwa 2 ½ Jahren auf einem Camping in Malawi. Eva war Goliath aufgefallen und sie hatte sich erinnert, dass wir nach Südamerika wollten und nun stehen sie hier. Die Welt scheint manchmal wie ein Dorf zu sein.

Ansonsten bringe ich an meinem kleinen Klapprad die Kette zum Glühen, indem ich es und mich täglich rund um La Paloma quäle. Mittlerweile habe ich schon mehr als 3500 Kilometer damit abgespult. 

Und dann ist da noch der deutsche Hobbyfunker Willi zu nennen. Er taucht eines Tages auf und bietet uns spontan seine Waschmaschine an. Willi hat sich vor vier Jahren in La Paloma niedergelassen. Er hat nur eine „Macke“, er meint, Wäsche müsse im Vier-Stunden-Programm gewaschen werden. Damit uns beiden die Zeit dazwischen nicht zu lang wird, fährt er jedes Mal Bier und Wodka auf. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich mit meinem Klapprad, behangen mit zwei großen Tüten Wäsche am Lenker, in Schlangenlinien die vier Kilometer zu unserem Stellplatz zurück eiere. Erwähnenswert finde ich noch, Willi hat es als erster Hobbyfunker geschafft, den Mond als Reflektion für seine Funkwellen zu nutzen, um mit einem Kollegen in Südafrika Kontakt aufzunehmen. Das Ganze funktioniert aber nur zweimal im Jahr und das auch nur für jeweils zehn Minuten. Was es nicht alles gibt!?

Seit kurzem haben wir auch eine neue Errungenschaft, die sich Brotbackautomat nennt. Der eine oder andere wird sich nun denken, jetzt spinnen die komplett. Unter größten Schwierigkeiten konnte ich einen Platz im „Keller“ freimachen, um das Teil unterzubringen. Jetzt aber mal im Ernst, hier in diesen Gegenden ist es häufig sehr windig, Holz und Holzkohle zudem unglaublich teuer. So wie wir bislang unser Brot gebacken haben, nämlich draußen in der Glut eines Feuers, ist es dann meistens von einer Seite verbrannt und von der anderen Seite noch nicht gar. Zum anderen sieht es nach dem Kneten in unserer Behausung aus als wäre eine Bombe eingeschlagen. Aber jetzt, alles easy, kein Dreck, keine Arbeit und die Maschine macht alles allein, Solarmodulen sei Dank! Die andere Alternative lautet, die überall angebotene Weißbrotpappe zu essen, ist aber nicht unser Ding.

In Villa Soriano stehen wir ein paar Tage am Rio Uruguay und bekommen eines Tages einen mindestens drei Kilo schweren Fisch von freundlichen Fischern geschenkt, die hier jeden Tag ihren Fang an Land bringen. Nachdem Marion sich mit dem Viech abgekämpft hat und er endlich in der Pfanne landet, schmeckt das Ding so, als wenn man ihn mit einer Schaufel Erde gewürzt hätte, absolut zum Kotzen!!!!! Ich bin sowieso kein Fischliebhaber, aber jetzt ist mein Bedarf an Fisch für lange Zeit erst mal wieder gedeckt.

Kurze Zeit später parken wir wieder irgendwo am Rio Uruguay, wieder ein kleiner, netter Ort. Hier könnten wir es einige Tage aushalten, so denken wir. Auch hier kommen wieder die Fischer mit ihrem Fang an Land. Doch hier ist es eben anders. Hier nimmt man die Fische nicht auf dem Fluss aus und man entsorgt auch nicht den Beifang im Fluss, sondern man entsorgt alles in der kleinen Anlegebucht. In der Nacht sammelt sich dann, durch die Strömung bedingt, alles am Strand vor unserer Haustür. Nach drei Tagen mit Temperaturen von 35° erübrigen sich alle Fragen, oder? Wir flüchten, im wahrsten Sinne des Wortes, und landen auf einem großräumigen Truckerparkplatz, zu bestimmten Stoßzeiten etwas laut, dafür aber ohne Fischgestank, lärmende Mopeds und die nervtötende Musik der Uruguayer. Ja, und morgen haben wir den 25.02.. Marion wird zum zweiten Mal 27 Jahre alt, da lassen wir’s wieder mal richtig krachen!!!!

Wenige Kilometer vor der Stadt Salto kommen wir auf dem Hochplateau mit dem Namen Meseta de Artigas vorbei. Man hat hier einen schönen Ausblick auf den Rio Uruguay. Auf dem dazugehörigen, weitläufigen Camping, der übrigens mal wieder kostenfrei ist, stehen wir eine Woche und warten das Ende der Ferien in Uruguay ab.

Danach sollte es an den Thermen von Arapey mit etwas Glück ruhiger zugehen, auf dessen Weg wir uns gerade befinden. Und richtig, der Campingplatz der Thermen ist max. zu 10 % belegt. Jedoch erscheinen uns die 600 Pesos/Tag für den Stellplatz zu viel. Die große Anlage war sicher mal in seiner Blütezeit ein Hingucker, aber jetzt ist es wie in Afrika, einmal gebaut und nie jemals auch nur einen Gedanken an Instandsetzung verschwendet. Soll heißen, die ganze Anlage ist runtergekommen. Der Campingplatz ist ungepflegt, übersät mit Plastikmüll und Knochen. Die Sanitärblocks benutzen wir jedenfalls nicht. Die Sanitärblocks der einzelnen Thermalbecken sind ebenfalls in desolatem Zustand, wie z.B. fehlende Duschköpfe, nicht verschließbare oder nicht vorhandene Türen, laufende Wasserhähne usw. Ich glaube man muss hier geboren sein, um diese Zustände nicht zu sehen. Und zu guter Letzt. Vorm Betreten der einzelnen Thermen steht jeweils in großen Lettern geschrieben, man solle sich aus Gründen der Hygiene vor Benutzung der Becken duschen. Wir sind gerade im Wasser, da kommt die Reinigungskraft aus dem Sanitärbereich, entsorgt das dreckige Wasser auf dem Rasen und geht an den Pool und schöpft sich den „siffigen“ Eimer wieder mit frischem Wasser voll, um mit der Arbeit fortzufahren!?

Wir machen uns auf nach Tacuarembó. Jedes zweite WE im März findet hier ein großes Gaucho-Festival statt. Doch bevor wir die Stadt erreichen, fahren wir über die schönsten Pisten, die wir bislang in Uruguay gesehen haben. Wunderbar staubig, hügelig und einsam. Geplant war eigentlich am Freitag dort anzukommen, doch die Strecke verlangt uns alles ab, sodass wir sehr schleppend vorankommen und an der Piste übernachten müssen. Als wir in Tacuarembó endlich eintreffen, ist es bereits Mittag und der große Festumzug mit all den geschmückten Pferden und ihren herausgeputzten, stolzen Reitern in den letzten Zügen. Wir können nur noch einige wenige Fotos schießen, wirklich schade! Dafür entschädigt uns ganz in der Nähe ein wunderschöner, kleiner See, an dem wir einige Tage stehen bleiben.

Schon wieder sind wir auf dem Weg nach Brasilien, unser Diesel geht zur Neige. Doch bevor wir den Grenzübergang bei Rivera erreichen, machen wir noch einen Stopp im Valle Lunarejo. Der gleichnamige, ruhig dahin plätschernde Fluss lädt bei zurzeit herrschenden Temperaturen von 35° zum Baden ein. Am nächsten Morgen zeigt das Thermometer allerdings nur noch schlappe 7°. Der Fluss dampft, der morgendliche Kaffee ebenso und ich genieße allein den anbrechenden Tag, da Marion noch in süßen Träumen liegt.

Unser letzter Stopp ist die Goldmine von Cuñapirú – seit langer Zeit schon ein Museum. Ohne Probleme kann man hier durch die alten Maschinen und Lagerhallen stöbern. Siemens lieferte die Stromgeneratoren und Deutz die dazugehörigen Diesel-Antriebsaggregate, wobei an Sicherheit hier keiner denkt. Nicht selten tun sich ohne Absperrungen dunkle Löcher im Boden auf oder Decken hängen bedrohlich herunter, als wollten sie den Besuchern jeden Moment auf den Kopf fallen. Der dazugehörige freie Campingplatz ist eigentlich ganz nett, aber gerade gibt es kein Wasser, dementsprechend sehen die Toiletten aus. Strom gibt es auch, man muss sich allerdings die frei herum baumelnden stromführenden Kabel selbst an seinen Stecker „frickeln“. Eigentlich sollte es hier Totenstill sein, da ja keine Ferien mehr sind. Wir machen aber mal wieder den berühmten Griff ins Klo. Wir stehen noch nicht ganz, da kommt eine Großfamilie und sobald sie den Strom an ihren Ghettoblaster gebastelt haben, geht’s nur noch Bumm Bumm Bumm. Wir entscheiden uns für den Parkplatz des Museums. Im Nachhinein eine weise Entscheidung.

Am 28.03.2018 machen wir uns auf zum 90 Kilometer entfernten Grenzübergang. Es wird wohl vorerst das letzte Mal sein, dass wir Uruguay besuchen. Aber was sind schon Pläne?!

Hasta luego amigos. Los 2.