Bolivien

 

Reisezeit: 31.08.2018 – 06.10.2018

Visum: 30 Tage an der Grenze, Verlängerung möglich für weitere 30 Tage (5 Tage vor Visumsablauf).

Carnet de Passages: Man bekommt ein landeseigenes TIP für 90 Tage an der Grenze.

Währung: Boliviano. 1 € = 7,90 Bol.

Diesel: 3,72 Bol/l für Bolivianer. Für Touristen verlangt man einen Preis von 8,90 Bol/l.

Manchmal lohnt es sich dennoch an einer kleinen Tanke außerhalb nachzufragen. Wenn man Glück hat, bekommt man Treibstoff zum niedrigen, subventionierten Preis oder aber zu einem leicht erhöhten Preis. Manchmal bekommt man aber auch keinen Sprit, weil der Tankstelle mit dem Touristenpreis erheblicher Papierkram verbunden ist. Eine andere Variante ist, einen oder mehrere Kanister gebraucht kaufen (20 l ca. 15 Bol ). Einen Taxifahrer anheuern und ihm 100 Bol/Kanister anbieten, wenn er für dich Diesel kaufen geht. Etwas umständlich, hat aber recht gut funktioniert. Da wir überwiegend über 250 l getankt haben, haben wir nie mehr als 5 Bol. bezahlt.

Benzin: 3,74 Bol/l.

Bargeld: An vielen ATM mit Visa bis zu 3000 Bol. pro Transaktion, Master ist nicht besonders verbreitet.

Kreditkarten: An vielen Geschäften steht oft das Visa/Master-Zeichen, aber aus den verschiedensten Gründen werden sie häufig nicht akzeptiert. An Tankstellen in den Städten ja, außerhalb ist Bares lieber gesehen.

Fahrzeugversicherung: Wir haben zuvor eine für die Mercosur-Staaten abgeschlossen. An der Grenze war es jedenfalls nicht möglich eine separate Versicherung für Bolivien abzuschließen.

Straßengebühr: Fast auf allen Routen wird eine Straßengebühr in unterschiedlicher Höhe verlangt (bei uns lag sie zwischen 8 und 35 Bol.). Aber Vorsicht! Uns hat man permanent versucht zu bescheißen. Sie versuchten uns immer in eine höhere Kategorie einzustufen (Kategorie 5 – 13-16 To.). Wir haben uns mit Kategorie 4 zufriedengegeben. Korrekt wäre Kategorie 3 bis 10 Tonnen gewesen. Für 2949 gefahrene Kilometer haben wir 161 Bolivianos bezahlt (20,38 €).

 

Am 31.08.2018 stehen wir an der Grenze zu Bolivien. Seit kurzem haben Paraguay und Bolivien ihre Grenzposten zusammengelegt. Nun ist es wesentlich einfacher. Hat man die Ausreise für Paraguay erledigt, geht man einfach eine Tür weiter und macht seine Einreise für Bolivien. Normalerweise würde dieser Vorgang 10 Minuten dauern, wenn da nicht gerade vor und hinter uns jeweils ein Bus mit einheimischen Reisenden gestoppt hätte, um auch die Grenze zu überqueren. Auf einen solchen Ansturm hat man anscheinend an diesem Morgen nicht gerechnet. Die einzigen drei Zöllner sind erst mal damit beschäftigt den mobilen Scanner, der aussieht wie eine deutsche Currywurst-Bude auseinander zu falten. Sämtliche Gepäckstücke müssen den Scanner durchlaufen, um sie auf Drogen zu durchleuchten. Bis man sich dann endlich erbarmt unsere Papiere auszufüllen, sind sage und schreibe vier Stunden vergangen. Wir werden so gut wie gar nicht kontrolliert. Hier mal eine Klappe aufmachen, dort ins Bad geschaut, fertig. Obst, Gemüse, Fleisch, hat keinen interessiert.

 

Vieles hat sich im Land geändert, seit wir vor etwa 11 Jahren hier waren. Unter anderem haben sich die Straßenverhältnisse verbessert, sehr zu meinem Leidwesen. Viele Kilometer Asphalt sind hinzugekommen. Umfassende Straßenbauarbeiten sind im Gange und die Straßengebühr ist erheblich teurer geworden. Was einen aber am meisten verärgert, sind die Treibstoffpreise nur für Touristen. Hier verlangt man von uns mehr als das Doppelte. Eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit! Allem Anschein nach ist der selbstfahrende Tourist nicht mehr gern gesehen. Beim Alten ist allerdings geblieben, dass man immer noch bei der  Maut versucht dich zu bescheißen, nach der Devise, großes Fahrzeug, noch größere Reifen, macht Kategorie 5, 13 -16 To. Weiterhin hat sich das Umweltbewusstsein immer noch nicht geändert, Müll wird achtlos in der Natur entsorgt. Dafür gibt es nun unzählige Schilder wie: kein Müll in der Natur entsorgen oder kein Auto im Fluss waschen. Halten tut sich jedoch keiner dran. Und zu guter Letzt gibt es immer noch die „Moscas“, winzig kleine Fliegen, die einem unbemerkt kleine Stücke aus der Haut beißen, was daraufhin fürchterlich brennt, juckt, sich vielfach entzündet und dieser Zustand über einige Tage anhalten kann.

 

Kurz nachdem wir Bermejo hinter uns gelassen haben, stockt das erste Mal der Verkehr, direkt am Abzweig zur argentinischen Grenze. Genau an dieser Stelle haben wir vor 11 Jahren im Streik von Arbeitern der Zuckerrohrfabrik für mehrere Tage festgesteckt. Diesmal lässt man uns aber schon nach vier Stunden weiterfahren. In Zukunft werden wir Bermejo großräumig umfahren!

 

Auf dem Weg zur Minenstadt Potosí bewegen wir uns lange Zeit in 3000 m ü.d.M., bis es dann innerhalb weniger Kilometer bis auf 4300 Meter hochgeht. Goliath schwächelt etwas aufgrund fehlenden Sauerstoffs, raucht schwarz und quittiert später die Anstrengungen mit einem Verbrauch von 30 Liter/100 km. Unser Dieselvorrat schwindet somit schneller als erwartet und wir fahren vorsichtshalber einige Tankstellen an. Alle, bis auf eine, weigern sich die Vorgaben der Regierung zu unterwandern. Gerade diese eine liegt außerhalb eines kleinen Ortes, es ist gerade kein anderer Kunde anwesend. Die Tankwärtin will uns auch hier den sauteuren Sprit verkaufen. Zwanzig Minuten rede ich mit Engelszungen auf die Dame eine, bis sie endlich ihren Chef anruft. Auch erst, als ich ihm offenbare, dass ich etwa 350 Liter brauche, kann man das Rattern in seinem Oberstübchen hören und er wird schwach und wir bekommen den edlen Saft zum Preis von 0,46 €/l. Danach offenbart mir die Dame noch, ich hätte mir auch einen 20-Liter-Kanister besorgen können, neben die Tanke fahren, den Kanister zum niedrigen Preis füllen lassen, um dann mein Fahrzeug von Hand zu befüllen. Muss man das verstehen?! Aber auch das funktioniert nicht immer!

 

Eigentlich wollen wir um Potosí herum übernachten. Als wir dann einen Übernachtungsplatz gefunden haben und langsam zur Ruhe kommen, klagt Marion plötzlich über Übelkeit und heftige Kopfschmerzen und muss sich kurz darauf übergeben, ein sicheres Zeichen für   beginnende Höhenkrankheit. Die einzige Alternative ist in tiefere Regionen zu kommen, immerhin befinden wir uns noch in 4300 m ü.d.M. Das Blöde ist nur, es wird gleich dunkel. Höhenkrankheit ist allerdings nicht zu unterschätzen und kann zum Tod führen. Gutes Licht ist hier mal wieder von Nöten, denn Hunde, Esel, Menschen, wenig oder gar nicht beleuchtete Fahrzeuge, alles tummelt sich auf der Straße. Wir müssen etwa 100 Kilometer im Dunkeln hinter uns bringen, bis wir einen Aussichtspunkt mit Parkplatz bei ca. 3000 m ü.d.M. finden. Marions Beschwerden sind auch wieder verschwunden.

 

Von nun an lassen wir es langsamer angehen. Eine Woche verbringen wir in der schönen Stadt Sucre in 2700 Metern. Danach machen wir max. 500 Höhenmeter am Tag und suchen uns dann eine Übernachtungsmöglichkeit. Manchmal geschieht das auch schon nach nur 30 Kilometern, aber die Gesundheit ist uns wichtiger. Man hat eh schon mit einer Menge an Problemen zu kämpfen, bedingt durch die Höhe und die trockene Luft. Ich zum Beispiel habe übelste Schlafstörungen. Wenn ich drei Stunden am Stück schlafe, ist das viel. Aufgrund niedriger Luftfeuchtigkeit (50-60%) trocknen Nasen- und Rachenschleimhäute aus. Häufiges Naseputzen führt zu Nasenbluten usw.  

 

Nach sieben Tagen Aufenthalt in Sucre, machen wir uns auf über Ocuri nach Maragua.  Die Piste über Tinguipaya bis Yocalla ist da schon eher was für mich. Landschaftlich wunderschön, mit hunderten von Haarnadelkurven sowie steil abfallenden Hängen. Für größere Fahrzeuge wie dem unserem hat die Strecke allerdings einen Haken! Wenige Kilometer hinter Maragua kommt ein kleiner Felsüberhang und die Piste ist dort sehr eng und steil abfallend. Mit mehr als 3,50 Meter Höhe ist hier das Ende der Fahnenstange erreicht, es sei denn, man will sich im freien Fall üben, weil evtl. die brüchige Felskante nachgibt.

 

Ab Tinguipaya sind umfassende Straßenbauarbeiten im Gange und ich schätze, in nicht allzu ferner Zukunft wir dieses Teilstück asphaltiert sein. Dann gibt es da noch die Knalltüten, die im iOverländer schreiben, für diese Strecke sei 4x4-Antrieb von Nöten. Ich kann nur sagen, das ist eine Lachnummer!!!! Wenn die hier schon den Allrad einschalten, dann brauchen die in Bolivien nirgens mehr hinfahren.

 

Anstatt das Drecksloch Potosí ein zweites Mal zu durchfahren, machen wir uns nordwestwärts auf zum Vulkan Tunupa, direkt am Salar de Uyuni gelegen, dem größten Salzsee der Erde. Man kann den 5400 Meter hohen Vulkan auf einer äußerst üblen Piste umrunden, wird dafür aber mit einem traumhaften Blick auf den Salar belohnt. Auf dem Weg zurück, kommen wir wieder durch den Ort mit dem schönen Namen Salinas de Garci-Mendoza. Hier gibt es auch eine Tankstelle und wir fragen mal so rein interessenhalber nach, ob der Tankwart vielleicht bereit wäre uns Diesel günstiger als von der Regierung festgelegt zu verkaufen. Nach einigem Zögern willigt er ein, uns den Liter für 5 Bolivianos zu überlassen. Der Haken ist, es stehen einige Fahrzeuge vor uns, die den Sprit bunkern. Da wird dann 200 Liter für den Nachbarn, 400 Liter für den Bruder und für wen auch immer eingekauft. Zwischendurch kommen dann noch die 127 ?! Mopeds angefahren, die auch noch alle Sprit brauchen. Alles in Allem verlassen wir die Tanke nach 1 ¾ Stunden mit vollen Tanks. Stellt euch das mal in Deutschland vor! Wir brauchten zwar nur 240 Liter, das Warten hat sich aber dennoch gelohnt, für den Tankwart wie für uns. Der Tankwart sackt sich mal eben knapp 40 Euro nebenher in die Tasche und wir kriegen den Sprit immerhin noch für 0,64 Euro. Das nennt man glaube ich eine Win-Win-Situation. Mit einem Lachen auf den Lippen sausen wir beschwingt los. Plötzlich ruft mein Navigator, ich hab eine Abkürzung nach Uyuni gefunden! Also rein in die Piste. Anfangs noch ganz nett, dann schlechter und zum Schluss bleibt nur noch eine Traktorspur der übelsten Sorte übrig. Beide Navis beschließen fast gleichzeitig, hier gibt es keine Piste mehr und zeigen keinen weiteren Streckenverlauf an, dennoch haben wir noch zirka 120 Kilometer vor uns. Na, eine schöne Scheiße! Wir wursteln uns dennoch durch, mit einem Schnitt von 20 km/h. Später beschließt wenigstens unser Smartphone  wieder eine Richtung anzugeben. Wir schaffen es aber nicht an diesem Tag bis Uyuni. Wofür hat man schließlich sein Haus dabei, Handbremse angezogen, Flasche Wein geköpft, Pippi machen ab ins Bett.

 

Der nächste Tag bringt uns nach Uyuni. Man, wie hat sich diese Stadt verändert! Der Verkehr besteht aus 50 % Toyota Land Cruiser, die die Massen an Touristen über den trockenen Salzsee karren. Wir wollen jedenfalls nicht auf den See. Ich habe noch recht gut in Erinnerung, wie Goliath unter der Salzpampe zu leiden hatte, obwohl er direkt nach dem Besuch auf dem Salar gewaschen wurde. Uyuni hat sich unserer Meinung sehr zum Nachteil verändert, deshalb werden wir hier nur unsere Vorräte auffüllen, unser Visum verlängern und dann nix wie weg hier.

 

Fast jeder Reisende hat uns bislang gefragt, seit ihr schon die Lagunenroute gefahren? Ne, sind wir noch nicht und wenn wir gewusst hätten, was auf uns zu kommt, hätten wir’s auch gelassen. Ich bin wirklich ein begeisterter Offroader, aber ich habe auch selten eine so beschissene Piste befahren. Von Uyuni sollte es eigentlich über die Lagunenroute bis zum chilenischen Grenzübergang Ollagüe gehen. Sollte, das war der Plan. Die ersten 150 Kilometer geht’s auf gutem Untergrund schnell und langweilig bis zu unserem Pistenabzweig. Noch nicht ganz in die Piste eingebogen, geht die Scheiße auch schon los, Wellblech vom Feinsten und ohne Unterbrechung. Nach 100 Kilometern frage ich mich: „Walter, hast du noch alle Schweine im Rennen, dir so was anzutun?“ Hört das Wellblech mal auf, dann ist die Piste gespickt mit harten Löchern oder Steinen. Man findet keinen Rhythmus, die max. Geschwindigkeit beträgt 40 km/h. Am Eingang vom Nationalpark besitzt man dann noch die Frechheit uns 150 Bol/Person (etwa 20 €) abzuknöpfen und du denkst nun wird alles gut……. gar nix wird gut! Du hast eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder du hoppelst mit 20 Sachen übers Wellblech und kommst nicht voran oder du versuchst es bis auf mind. 70 km/h zu kommen, um das Ganze unbeschadet zu überstehen, was aber oft wegen fehlender Leistung nicht klappt. Wir bewegen uns ständig zwischen 4200 – 4900 Metern Höhe. Wir können in diesem ganzen Schlamassel aber auch unseren persönlichen Rekord verzeichnen. 4940 Meter ist bislang der höchste Punkt, den wir auf unseren Reisen bezwungen haben. Die Nächte, die wir meistens bei 4400-4500 Meter verbringen, sind äußerst kalt und liegen fast immer bei -5 bis -10°. Dementsprechend hat Goliath morgens permanenten Würfelhusten, bis er endlich rund läuft. Die Lagunen selbst sind zwar schön, aber sind nichts, was man in Chile oder Argentinien zum großen Teil umsonst haben kann.

 

Das Wellblech fordert seinen Tribut. Eine Pinkelpause bringt’s ans Tageslicht. Unser Hydrauliktank hat zum wiederholten Mal ein Leck. Allerdings haben wir bislang nur etwa 20 Liter verloren. Wir stehen wirklich am Arsch der Welt in 4600 Meter Höhe und keine Hilfe ist in Sicht. Der Wind bläst uns in Sturmstärke um die Ohren und wir bekommen ein Hautpeeling vom aufgewirbelten Sand, zudem ist es arschkalt. Im Schweinsgallopp werden alle verfügbaren Behältnisse zusammen gesucht, um die restlichen 70 Liter aufzufangen. Nachdem der Tank leer und von außen gesäubert ist, kommt die gute alte Zwei-Komponenten-Knetmasse zum Einsatz, die wir von einem einheimischen Fahrer bekommen, der gerade des Weges kommt, um den etwa 12 Zentimeter langen Riss abzudichten. Wir entschließen uns kurzerhand wieder nach Uyuni zurückzufahren, um den Tank schweißen zu lassen. Bis dahin liegen aber noch viele Kilometer der übelsten Sorte vor uns. Also heißt es, Arschbacken zusammen kneifen und durch, und hoffen, dass das geflickte Leck bis dahin hält. Wir kommen bei Emilio unter, der sich sofort bereit erklärt uns den Tank zu schweißen.

 

Am 05.10.18 verlassen wir Uyuni, um zum Grenzübergang Ollagüe zu fahren und nach Chile auszureisen. Aber zuvor versuchen wir noch einmal unsere Tanks zu füllen. Und siehe da, nachdem der Tankwart hört, dass wir etwa 260 Liter brauchen, wird er schwach und überlässt uns den Liter Diesel für fünf Bolivianos. Die letzte Nacht verbringen wir noch mit Conny und Roger aus der Schweiz am Logo Turquin in 4300 Meter Höhe, um am nächsten Tag nach Chile auszureisen.

 

Fazit: Bolivien ist nach wie vor ein wunderschönes Reiseland, aber für uns hat sich das Land sehr zum Nachteil verändert. Im Gegensatz zu unserem Besuch vor etwa 11 Jahren, sind die meisten Bolivianer nun sehr unfreundlich und distanziert, zum anderen macht einen der ewige Kampf und das Feilschen um günstigen Treibstoff müde. Anscheinend setzt die Regierung eher auf  Massentourismus, der mehr Geld in die Kassen fließen lässt. Wir als Individualtouristen haben das Nachsehen. Für uns ist auf jeden Fall sicher, wir nutzen Bolivien max. noch als Transitland, aber nicht mehr, um uns hier länger aufzuhalten.

 

Bis die Tage in Chile. Die 2.

 

Video von Bolivien