Südafrika - Lesotho 

 

 

Reisezeit: 02.01.2017 – 09.03.2017

 

 

Visum: 90 Tage kostenfrei, an der Grenze erhältlich.

 

Carnet de Passages: Ja.

 

Währung: Rand. 1 Euro = 14,50 Rand.

 

Diesel: 11,40 – 13,00 Rand/l.

 

Bargeld: An vielen ATM bis zu 5000 Rand pro Abhebung.

 

Kreditkarten: Große Akzeptanz bei Visa/Master.

 

Road Tax: An wenigen neuralgischen Punkten. Können aber vielfach auch umfahren werden.

 

Versicherung: Siehe die letzten Berichte von Südafrika.

 

 

Da stehen wir nun am 02.01.2017 am südafrikanischen Grenzübergang Two Rivers. Gut gelaunt stehen wir am Einreiseschalter, weil wir ja der Meinung sind: neues Kalenderjahr, weitere 90 Tage Aufenthalt. Überall unter den Reisenden gilt dieser Tenor, manche behaupten, es seien sogar nur 90 Tage im Jahr, jedoch niemand ist sich hundertprozentig sicher. Der Beamte blättert in unseren Pässen und sagt, leider können sie nicht nach Südafrika einreisen, denn sie waren schon im Land. Uns entgleiten die Gesichtszüge. Wir entgegnen, es sei doch ein neues Kalenderjahr angebrochen und wir hätten daraufhin Anspruch auf weitere 90 Tage. Freundlich, aber bestimmend, erhalten wir eine Unterweisung über die gesetzlichen Bestimmungen der Einreise nach Südafrika. Fakt ist: Südafrika erlaubt eine kostenfreie Einreise für 90 Tage. Eine erneute Einreise ist offiziell nur möglich, wenn man in sein Heimatland ausreist und wieder einreist oder man beantragt von vornherein eine längere Aufenthaltsgenehmigung. Alle anderen Gerüchte sind schlichtweg falsch. Für uns würde das bedeuten, offiziell könnten wir nie wieder nach Südafrika einreisen ohne vorher nach Deutschland auszureisen. Aber, sagt der Beamte, der offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht hat, das ist der offizielle Gesetzestext. Viele andere Beamte würden diesen Text manchmal gar nicht kennen, anderen sei es schlichtweg egal und wieder andere ließen sich bestechen, das sei traurige Wahrheit. Dann schaut er nochmals in unsere Pässe und sagt, nun ja, ich sehe sie sind schon mehrere Jahre unterwegs, haben anscheinend genug Bargeldreserven, um dem südafrikanischen Staat nicht auf der Tasche zu liegen und rums bekommen wir nochmal 90 Tage. Deutlich hörbar entweicht uns die Luft aus den Lungen, die wir schon länger angehalten hatten. Das zum offiziellen Gesetzestext. Jedoch hängt wieder einmal alles vom Grenzbeamten ab, den man gerade erwischt.

 

Erleichtert machen wir uns teils über Asphalt und ein Großteil über üble Wellblechpiste auf nach Kimberley. Auf dieser Piste verirrt sich eine lange Schraube in einem unserer betagten Hinterreifen und verursacht einen schleichenden Plattfuß. Wir müssen ihn wohl oder übel bei immerhin noch 40 °C am Pistenrand wechseln. 

 

Kurz vor Kimberley kommen Wolken auf, die Temperatur sinkt auf 18° und die nächsten Tage schüttet es fast 24 Stunden durch. Eigentlich repariere ich meine Plattfüße selbst, aber unter den bestehenden Wetterbedingungen bin ich ehrlich gesagt zu bequem und wir fahren deshalb eine Reifenbude an. Reifen von innen flicken inklusive Montage macht 8,30 Euro beim derzeitigen Wechselkurs. Da sollten sich unsere Reifenschmieden in Deutschland mal ein Beispiel dran nehmen! Gleichzeitig ist auch mal wieder Gas auffüllen angesagt. Das macht bei einer 11 Kg Flasche gerade mal 17,30 Euro, immerhin 10 Euro weniger als in Namibia oder auch in Deutschland.

 

Am 09.01.2017 stehen wir am südafrikanischen Grenzposten bei Ficksburg, um nach Lesotho auszureisen. Unsere Pässe werden zwar gestempelt, aber der Aufenthalt in Lesotho wird uns beim südafrikanischen Visum mit angerechnet. Auf beiden Seiten herrscht ein geordnetes Chaos. Viele wollen nach Lesotho und viele, viele mehr wollen nach Südafrika. Eine nicht endend wollende Menschenschlange schiebt sich der südafrikanischen Grenzabfertigung entgegen. Eigentlich wollen wir noch in Südafrika tanken, doch der nette Tankwart macht uns darauf aufmerksam, doch besser in Lesotho zu tanken, denn dort sei es wesentlich billiger, wegen niedriger Steuern. Was für ein netter Tankwart! Wenn das der Chef wüsste!

 

Am Grenzposten in Lesotho bekommen wir ein vierwöchiges Visum kostenfrei und nachdem wir die 90 Rand Straßenmaut entrichtet haben, kann’s losgehen. Wir hätten auch in Loti (LSL), der heimischen Währung bezahlen können, aber sie kann nur im Land verwendet werden und kann in keinem anderen Land umgetauscht werden. Jedoch kann man überall mit südafrikanischen Rand bezahlen und entspricht im Wert 1:1. Wegen des hier bestehenden Grenzchaos verzichten wir allerdings auf’s Tanken, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellt, denn das Tankstellennetz in Lesotho ist äußerst begrenzt und die Pisten sind zum Teil so schlecht, dass ein äußerst langsames Fortkommen vorprogrammiert ist, mit entsprechend hohem Spritverbrauch. Bereits auf den ersten Kilometern stellen wir fest, Lesotho besteht aus fast ausschließlich, unglaublich schöner Gebirgslandschaft, die mit samtig grünem Gras bedeckt ist. 

 

Auf gutem Asphalt fahren wir auf die Maluti Berge zu. Als wir den Mafika Lisiu Pass mit seinen bis zu 15-prozentigen Steigungen in 3090 Metern Höhe erreichen, sind wir von dem Ausblick hier oben so begeistert, dass wir prompt beschließen hier die Nacht zu verbringen, obwohl es erst 13.30 Uhr ist. Als wir am frühen Abend in der „Heia“ liegen, fängt Goliath an zu schaukeln, erste Regentropfen fallen auf’s Dach, dann ist plötzlich Weltuntergangsstimmung angesagt. Es rüttelt und schüttelt uns durch und der Regen prasselt so laut auf unser Haus, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Irgendwann, spät in der Nacht, wir sind gerade nach Stunden eingenickt, hupt es Sturm neben uns. Oh man, was ist das jetzt für eine Flitschbirne. Es ist nur die Polizei, der unser Goliath etwas komisch vorkommt. Nachdem wir bestätigen, alles sei in Ordnung, ziehen sie wieder ab. 

 

Video: Wer Pisten liebt, ist in Lesotho richtig

 

Am nächsten Tag sind wir wie gerädert, kaum ein Auge haben wir zugetan. Unser Thermometer zeigt nur noch 6°C an, ein Temperatursturz von 36° in den letzten sieben Tagen. Erwachsene Menschen entgegnen uns zurückhaltend und freundlich, aber Kinder betteln ausschließlich. Ich glaube, die nehmen das schon mit der Muttermilch auf. Einige heben auch ab und an schon mal Steine auf, um sie zu werfen, doch keiner hat es letztendlich wirklich gemacht. 

 

Die extreme Berg- und Talfahrt hat ordentlich an unseren Spritreserven gezehrt. Am Katse Damm, den wir sowieso besuchen wollen, soll es eine Tankstelle geben. Diese entpuppt sich allerdings als ein 200-Liter-Fass; nein danke. Also fahren wir auf gut Glück weiter. Vom Katse Damm aus quälen wir uns auf größtenteils übelster Löcherpiste in Richtung Sani Pass. Die Kilometer ziehen sich unendlich, der Spritverbrauch ist extrem, da wir uns ständig in unzähligen Serpentinen die Berge rauf ackern und auf der anderen Seite im Schritttempo wieder runter schleichen. Dann am Flussbett entlang, um den nächsten Berg zu erklimmen. 

 

In Thaba-Tseka, so haben wir gehört, soll es eine Tankstelle geben. Luftlinie zeigt unser GPS 15 Kilometer an, wir brauchen allerdings ganze drei Stunden, um den Ort zu erreichen. Und tatsächlich, da erscheint sie vor uns, die langer sehnte Zapfstelle. Ohne diese Tankstelle währen wir jämmerlich im Nirgendwo gestrandet, denn bis zur südafrikanischen Grenze kommt nicht eine einzige Tanke mehr und der Weg ist noch sehr lang und sehr anspruchsvoll. 

 

Wild campen ist an vielen Stellen möglich, meistens wird man auch in Ruhe gelassen, aber wirklich allein ist man eigentlich nie. Dann kommt die Überraschung, ein komplett und perfekt neu asphaltierter Pass liegt plötzlich unter unseren Rädern. Wir schrauben uns bis auf 3240 Meter hoch und rollen wenig später und einige Meter tiefer auf die Lesotho-Grenze zu. Auf südafrikanischer Seite empfängt uns wieder Piste, die nach wenigen Metern jäh in einen tiefen Abgrund zu fallen scheint. Fast senkrecht, und in unzähligen, sehr engen Serpentinen, schraubt sich eine extrem schlechte Piste ins Tal. Nicht wenige Male will Goliath nicht beim ersten Mal um die engen Kurven. Loses Geröll sowie scharfe Steine erschweren zusätzlich die Abfahrt. Der 4x4-Antrieb ist permanent zugeschaltet, um die rutschenden Hinterräder zu unterstützen und um die Hinterreifen gegen evtl. Beschädigungen zu entlasten. Die Abfahrt ist so steil, dass der 1. Gang nötig ist, um allein mit der Motorbremse zu bremsen und selbst das reicht häufig nicht aus. Dann ist der südafrikanische Grenzposten in Sicht. Kurz danach schlagen wir uns in die Büsche und machen ziemlich erledigt Schluß für heute. Mensch und Maschine sind genug beansprucht worden.  

 

Video: Der Sani-Pass    

 

Am nächsten Morgen rufen wir unseren Freund Shannon in Pinetown an; er freut sich schon riesig uns wiederzusehen. Bei ihm können wir Kleinigkeiten an Goliath in Angriff nehmen, denn Shannon hat alle Maschinen und Materialien, die das Schrauberherz höher schlagen lässt. Zudem kommt noch, daß fast alles, was wir benötigen, um ein Vielfaches billiger ist als in Deutschland, angefangen von Schrauben bis hin zu Motoröl. Shannon produziert auch nebenbei mit seinen vier Mitarbeitern, irgendwelche Blechteile in großer Stückzahl. Eines unglücklichen Tages verletzt sich einer seiner Arbeiter schwer, indem er einen seiner Finger unter eine 40-Tonnen-Presse hält. Der Finger ist natürlich Matsche und der Junge fällt für geraume Zeit aus. Shannon ist unter Zeitdruck, die Ware muß pünktlich geliefert, so springen wir ein. Glück im Unglück, es kann rechtzeitig geliefert werden.

 

Schweren Herzens verlassen wir Shannon und seine Familie nach einiger Zeit in Richtung Lake Eland Nature Reserve, das wir bereits am Anfang unserer Afrikareise besucht haben. Wir unternehmen ausgedehnte Wandertouren, inmitten Zebras, Gnus, Giraffen und vielen Antilopenarten. Auf unserem Campingplatz steht eines Morgens Jemma, ein mehr oder weniger zahmes Blessbock-Weibchen. Sie lässt sich von mir streicheln und kraulen und genießt es offensichtlich. Nach einiger Zeit wird sie aber immer fordernder und attackiert mich schließlich, bis ich keinen anderen Ausweg mehr sehe als mich auf’s Klo zu retten. Marion macht sich fast vor Lachen in die Hose. Nach einiger Zeit hat Jemma ein anderes Opfer gefunden und ich kann mich aus meiner misslichen Lage befreien. Bei unserer Abfahrt machen wir noch einen Abstecher zur nahegelegenen Oribi-Schlucht, um danach nach East London am Indischen Ozean weiter zu fahren. Hier jedoch herrscht für uns ein ekelhaftes Klima. Fast 35°C bei 90 % Luftfeuchtigkeit. Am nächsten Tag schon flüchten wir wieder ins Landesinnere.

 

Video: Afrika

 

So langsam wird es für uns Zeit unsere Verschiffung anzugehen. Nachdem wir Seabridge schon vor einiger Zeit angeschrieben hatten, dass wir gegen Mitte März Afrika verlassen wollen, bekommen wir nun einen exakten Termin genannt, wann wir Goliath in den Hafen bringen sollen. In der Zwischenzeit stehen wir auf dem Pine Lodge Camping gut und günstig, nur einen Steinwurf entfernt vom Indischen Ozean. Normalerweise liegt der Preis pro Campsite bei 230 Rand, der mit max. vier Personen und einem Fahrzeug belegt werden kann. An der Rezeption allerdings schaut mir die Dame tief in die Augen und auf meinen mittlerweile grau werdenden Bart und fragt mich: „Sie sind doch bestimmt Rentner?“ und ich stammele: „Äh, ja natürlich!“ „Ja dann bekommen sie einen Rentnertarif, der bei 140 Rand pro Tag liegt.“ Ich will mich jetzt natürlich nicht beschweren, wär ja auch dumm, oder?! Also verbringen wir hier die letzten 2 Wochen, unsere Falträder dürfen auch mal wieder auf die Piste und so radeln wir mehrmals täglich zum wenige Kilometer entfernten Leuchtturm, direkt an der Küste entlang. Selbst zum Einkaufen sind es nur vier Kilometer und Goliath kann sich wohlverdient ausruhen. 

 

Wie für eine bei Seabridge übliche und problemlose Abwicklung üblich, fahren wir Goliath am Morgen des 08.03.2017 in den Sicherheitsbereich des Hafens von Port Elizabeth und beziehen am Nachmittag ein Bed and Breakfast von Jacky und Dolph, nur wenige Autominuten vom Flughafen entfernt. Die beiden haben wir mal irgendwo auf dem Weg kennengelernt. Sie boten uns an, eine Nacht bei ihnen umsonst zu übernachten, wenn es uns nach Port Elizabeth verschlagen sollte. Dieses Angebot kommt uns natürlich sehr gelegen, da wir für den 08.03. keinen geeigneten Rückflug nach Deutschland bekommen können und erst am nächsten Tag einen Flug ergattern. 

 

Und nun verabschieden wir uns endgültig aus Afrika, die Reisetaschen sind gepackt, das Taxi bringt uns gleich zum Flughafen. Also bis die Tage. Marion und Walter.  

 






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