Reisezeit: 10.03.2017 - 01.10.2017

 

Kurzbesuch in Deutschland.

 

In Südafrika sind wir von einem Gate zum anderen gescheucht worden. Falsche Abflughallen, falsche Flugsteige und geänderte Flugzeiten, von denen wir nicht in Kenntnis gesetzt worden sind, lassen uns schlussendlich genervt in unsere viel zu engen Sitze der „Holzklasse“ fallen. Der Platz in den neuen fliegenden Ferkelkisten der Airlines scheint auch immer weniger zu werden, an Schlaf ist kaum zu denken. Und diese ganzen Pannen scheinen wohl eher an Afrika zu liegen?! Nach etwa 21 Stunden landen wir in München. Von München müssen wir noch nach Köln, die Schwiegereltern besuchen. Aber die Deutschen scheinen es auch nicht auf die Kette zu kriegen, einem die richtige Abflughalle zu nennen. Wir sind eh schon zu spät dran, da der Flieger von Johannisburg Verspätung hatte. Wir kommen in der vorgeschriebenen Abflughalle an und, ne von hier geht kein Flieger nach Köln, sie müssen ans andere Ende des Flughafens. Dort angekommen, alles dicht und auch absolut nichts auf den Anzeigetafeln zu sehen. Ab zur Information. Ach je, sagt die Dame, ich glaube der Flieger ist schon weg, aber ich ruf mal eben an. Am anderen Ende der Leitung sagt jemand, man habe schon die Tür zur Gangway geschlossen, wenn wir ganz schnelle Schuhe anhätten würden sie nochmal die Tür aufschließen. Aber wir stehen schon wieder in einer falschen Abflughalle. Marion flitzt wie eine Irre los und ich einfach in schnellem Schritt hinterher, sollen sie doch ohne mich fliegen, ich bin ziemlich angepisst. Wir erreichen den Flieger in letzter Sekunde, man will gerade die Gangway abkoppeln, was für ein Stress!

 

In Köln hüten wir zehn Tage das Haus der Schwiegereltern, die gerade auf Mallorca sind. Als die beiden endlich eintreffen, haben sie eine äußerst üble Virusgrippe im Gepäck. Marion und ich können uns kaum noch daran erinnern, wann wir das letzte Mal krank waren, aber jetzt haut es uns aus den Schlappen. Fast eine Woche liegt die gesamte Familie im Bett. Welcome in Germany!

 

Nach einer weiteren Woche, wenn auch immer noch nicht ganz genesen, machen wir uns auf zu meinem langjährigen Freund an die Nordseeküste. Von ihm aus ist es nicht weit nach Bremerhaven, wo Goliath ankommen soll. Kurz drauf bekommen wir von Seabridge die Nachricht, Goliath sei am 06.04. zur Abholung bereit. Die Auslieferung im Hafen geht etwas schleppend voran, aber ansonsten geht alles glatt. Ohne jegliche Beschädigungen können wir unser rollendes Zuhause entgegennehmen. Der Zoll macht auch keine Zicken, es wird nur das Carnet abgestempelt, das war’s. Und nun zum nächstgelegenen TÜV, so lautet das Gesetz. Nur wenige Kilometer entfernt hat die DEKRA einen Sitz. Als der Prüfer unser Fahrzeug untersucht, ist er sichtlich überrascht, in welch gutem Zustand sich Goliath nach mittlerweile 20 Jahren noch befindet. So ist die Mängelliste auch nicht besonders lang, zu meiner Überraschung, muss ich ehrlich gestehen. Nachdem wir vier Jahre dem technischen Überwachungsverein ferngeblieben sind, liest sich der Mängelbericht so: Ein ausgefranster Scheibenwischer links, zwei durchgerostete Schutzblechhalterungen hinten und die fehlende Gasprüfung, ist alles was er zu beanstanden hat. Wir bekommen zwar den TÜV-Stempel nicht, aber wir bekommen vier Wochen Zeit die Mängel zu beheben. Da Goliath ein Saisonkennzeichen hat, was uns erlaubt ihn im April und Mai zu bewegen, machen wir uns auf in unsere Gastheimat Utgast an der Nordseeküste.

 

Das Wiedersehen mit meinem Freund „Snoopy“ und seiner Familie wird ausgiebig gefeiert. Schließlich besteht unsere Freundschaft mittlerweile seit mehr als 35 Jahren. Auch Olly der Sandkuhlenbesitzer und seine Frau Insa, die in der Nachbarschaft wohnen, sind uns im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen. In einer seiner großen Fahrzeughallen kann ich nach Herzenslust an Goliath schrauben. Auf unserer To-do-Liste steht unter anderem ein Besuch in Amsterdam, wo wir noch niemals waren. Die 350 Kilometer von der Küste aus sind schnell abgeraspelt. Wir stehen zentrumsnah auf einem Wohnmobilstellplatz und kommen uns ein wenig fehl am Platz vor, zwischen all dieser „Weißware“ wie Hymerchen, Concord und Co. Mehrere Tage unternehmen wir ausgedehnte Touren zu Fuß oder mit unseren Falträdern in die Innenstadt. Bei letzterem bricht allerdings nicht wirklich Begeisterung aus. Die Amsterdamer Rad- und Rollerfahrer scheinen sich wenig an Gesetze zu halten und verhalten sich eher wie angeschossene Wildsäue. Deshalb stellen wir das Radfahren auch umgehend ein und bewegen uns ab sofort mehrheitlich zu Fuß. Dennoch hat Amsterdam viel zu bieten. Die unzähligen Kanäle, die alten sowie schön restaurierten Häuser begeistern selbst mich als Kulturbanause. Mir sind allerdings eindeutig zu viele Menschen dort. Tausende organisierte Touristengruppen, die hinter einer roten Fahne herdackeln und irgendwelche Informationen in ihre Funkkopfhörer gebläddert kriegen sowie der katastrophale Verkehr sind mir persönlich doch etwas zu viel des Guten. Jahrelanges Stehen im Nirgendwo, mehr oder weniger allein, haben zumindest bei mir Spuren hinterlassen. Marion sieht das allerdings nicht ganz so krass.

 

Danach steht meine Heimatstadt Warstein auf der Liste. Von hier aus kann ich einiges besser organisieren, weil ich mich hier besser auskenne und gleichzeitig kann man ja auch noch bekannte und Familie besuchen. So bekommen wir unter anderem bei unserem Bekannten Tobias zwei neue Solarmodule mit doppelter Leistung auf‘s Dach sowie zwei neue Gelbatterien. Nach langer Zeit gönnen wir uns endlich mal wieder eine vernünftige Matratze für‘s Bett, die extra für uns angefertigt wird. Vier neue Michelin XZL werden als Ersatzdecken bestellt, damit wir sie in Südamerika nicht kaufen müssen. Ja, ihr habt richtig gelesen, uns zieht es wieder dorthin. Der Dampfer für Goliath und uns ist für Ende September 2017 gebucht. Wir begleiten ihn zirka 4 Wochen lang über den Atlantik bis nach Montevideo/Uruguay.

 

Meine Nichte Melanie und ihr Mann Christian haben zudem auch noch in unserer Abwesenheit beschlossen die Familie zu vergrößern und ein süßes Mädchen zur Welt gebracht. Ein Besuch bei der neuen, kleinen Familie darf natürlich auch nicht fehlen. Wo wir uns allerdings schon lange drauf freuen, ist mal wieder zur Allrad- und Offroad-Messe nach Bad Kissingen zu fahren. Weniger wegen der Messe an sich, sondern um alte Reisebekanntschaften zu treffen. Die Messe ist mittlerweile völlig abgehoben. Die Preise für Fahrzeuge und Zubehör sind meiner Meinung nach völlig aus dem Ruder gelaufen, für Normalsterbliche unerschwinglich, mit einem „Schnickschnack“, den kein Mensch braucht. Aber gerne würde ich eines dieser Fahrzeuge nach mehreren Jahren auf der Piste mal treffen, in wie weit es sich dann in seine Bestandteile zerlegt hat. Technikfreaks sind sicherlich von dieser Entwicklung begeistert. Wir haben jedenfalls feststellen müssen, dass die ganze Elektronik auf einer langen Reise nicht verlässlich ist. Fast jedes Gerät hat sich im langjährigen Test als nicht standhaft erwiesen und wir schleppen mittlerweile alle relevanten Geräte doppelt mit, das ist leider die traurige Wahrheit. Im WhatsApp-Zeitalter mag das wie ein Dinosaurier klingen, aber mein altes Klapphandy mit dem ersten Akku funktioniert nach mehr als zehn Jahren immer noch tadellos und ich kann sogar damit telefonieren! Nach dem ganzen Bad Kissingen-Stress zieht es uns eine Woche zum Radfahren und Weintrinken an die Mosel. Als letztes geht es für einen Besuch bei meinem Schwager Rolf und seiner Frau Hanni an der belgischen Grenze bei Malmedy vorbei, um dann endlich wieder bei unserem freundlichen Holztransportunternehmen „Hotel Kruse“ in Warstein einzutreffen.

 

Strom, Toilette und Dusche können wir nutzen und nachdem alle Arbeiten am Fahrzeug beendet sind, begleite ich den Seniorchef, um eine Ladung Langholz aus dem schönen Harz zu holen. Wir sind mit einem 560 PS starken Iveco unterwegs, der beladen die Berge raufgeht, wo Goliath nur von träumen kann. Mit seinen 74 Jahren sitzt der Senior immer noch nahezu täglich auf dem LKW und unterstützt seine beiden Söhne, das Holz aus den Wäldern zu holen, anders fiele ihm die Decke auf den Kopf, so sagt er selbst. Mir hat es jedenfalls großen Spaß gemacht.     

 

Mit einer kleinen Fotopräsentation unserer Tour, bei Bratwurst und Bier, runden wir hier in Warstein unseren Aufenthalt endgültig ab. Als letztes ruft uns noch das AMR-Treffen zu sich, bis wir schlussendlich wieder bei meinem Freund an der Nordseeküste eintreffen. Hier sind mittlerweile unsere vier neuen Reifen eingetroffen, die wir als Ersatzdecken mitnehmen sowie Öl- und Filterwechsel sind noch fällig. So können wir mit ruhigem Gewissen Südamerika unter die Räder nehmen. Der voraussichtliche Ankunftstermin unseres Dampfers, der Grande Brasile, hat sich bislang schon um etwa zwei Wochen nach hinten verschoben. Jetziger Termin ist der 01.10.17. In wenigen Tagen werden wir uns in Richtung Hamburg aufmachen, um am Tag der Verladung Gewehr bei Fuß im Hafen zu stehen, um Goliath in den Schiffsbauch zu fahren. Ein weiteres Mal werden wir Südamerika unter die Räder nehmen. Wir würden uns freuen wenn ihr uns weiterhin im World Wide Web verfolgt und erfahren könnt, wie es uns auf der Überfahrt ergangen ist.

 

Also bis dahin. Marion und Walter  

 

 






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