Sambia.

 

Reisezeit: 01.12.2015 - 04.03.2016

 

Visum: Visa on Arrival, für 1 Monat, 50 US$/Person.  An jeder Immigration-Behörde kann das Visum kostenfrei jeweils um 4 Wochen verlängert werden, insgesamt auf 90 Tage. Man sollte 2-3 Tage vor Ablauf zur Verlängerung des Visums vorstellig werden. In Lusaka dauerte die Verlängerung nur wenige Minuten.

Carnet de Passages: Ja.

Währung: Sambia Kwacha. 1 Euro = 12,60 ZKw

Diesel: 8,59 ZKw. Einheitspreise für Diesel und Benzin im ganzen Land.

Benzin: 9,87 ZKw

Bargeld: An vielen ATM bis 2000 ZKw pro Abhebung.

Kreditkarten: Große Akzeptanz in Städten, auf dem Land ist eher nur Bares Wahres.

Fahrzeugversicherung: Pflichtversicherung ist an der Grenze abzuschließen. In unserem Fall 304 ZKw für drei Monate.

Road Tax: 30 U$ für 30 Tage (Die Road Tax kann an den zahlreichen Wiegestationen für Lkw verlängert werden). Im Hauptbüro in Lusaka teilt man uns mit, dass die Mautgebühr für 3 Monate gültig ist. Die Road Tax scheint an den verschiedenen Grenzübergängen willkürlich erhoben zu werden. Wir sollten anfangs 356 US$ bezahlen, von anderen Reisenden haben wir gehört, dass man von ihnen 160 US$ verlangt hat und man sich nach langen Diskussionen auf 90 US$ geeinigt hat. Am Grenzübergang Chipata/Mchinji hat man uns sogar gefragt, ob wir in den nächsten drei Monaten wieder einreisen würden. Wir haben gesagt, dass das möglich wäre und somit hat man handschriftlich ein Datum auf dem Beleg notiert. Bei unserer Wiedereinreise bei Chipata/Mchinji haben wir die Road Tax nicht mehr bezahlt. An den Wiegestationen und bei der Ausreise bei Kazungula wurde nichts beanstandet und wir mussten nicht nachzahlen. Also hätten wir die Road Tax sogar für 1/2 Jahr nutzen können. Ob das allerdings an jedem Grenzübergang gleich gehandhabt wird, wissen wir nicht. Einfach nachfragen.

Carbon Tax (Abgassteuer): 200 ZKw für 3 Monate.

 

Nachdem wir am 01.12.2015 mehr oder weniger fluchtartig Simbabwe über die Brücke des Sambesi bei Victoria Falls verlassen haben, stehen wir am gleichen Tag bei Livingstone, um nach Sambia einzureisen. Eigentlich hätte alles ganz schnell vonstattengehen können, aber der zuständige Beamte für die Road Tax will mir doch allen Ernstes für 30 Tage 356 US$ abknöpfen. Da es keine Kategorie für Wohnmobile zu geben scheint, kommt für ihn nur die Kategorie Zweiachser-Lkw in Frage. Es kostet mich geschlagene 30 Minuten ihn davon zu überzeugen mich in die Kategorie „Vanette“ einzustufen, ansonsten würde ich sofort kehrtmachen und nach Simbabwe zurückfahren. Der Beamte gibt sich geschlagen, man wolle sich ja schließlich nicht die wenigen Touristen, die mit eigenem Fahrzeug hier einreisen, auch noch vergraulen.  

Natürlich brauchen wir uns auf sambischer Seite die Victoria-Fälle nicht antun, denn der Sambesi hat auf dieser Seite auch nicht mehr Wasser als in Simbabwe.

Hat uns in den letzten Wochen noch die extreme Hitze ordentlich zugesetzt und den Nordosten Südafrikas sowie ganz Simbabwe völlig verdorren lassen, dreht sich das Wetter mit einem Mal. Wenige Kilometer hinter der Grenze wird die Vegetation üppiger und urplötzlich leuchtend Grün. Genauso urplötzlich prasseln auch die ersten Regenschauer auf uns nieder. Man was tut das gut, kaum zu glauben, dass man sich mal so auf Regen freuen kann! Freuen kann man sich auch über billige Holzkohle. Wer gerne den Grill anwirft, der ist hier genau richtig. Mussten wir in Südafrika noch für 5 Kilo etwa 4 Euro bezahlen, so kannst du fast überall im Land 40 Kilosäcke für etwa zwei Euro bei den Straßenverkäufern erwerben. Sehr zum Leidwesen der Natur allerdings, denn viele Gegenden sind mehr oder weniger kahl rasiert. Also rauf aufs Dach mit dem Sack, wir können die Welt nicht retten! Auch der derzeitig günstige Wechselkurs lässt uns mit einem Grinsen das Land bereisen. Bekamen wir noch vor einem Jahr für einen Euro 7,70 ZKw, sind es heute 12,00 ZKw, was unserem Geldbeutel beim Tanken zum Beispiel erheblich entgegenkommt. Anstatt ca. 1,10 Euro/Liter, brauchen wir nun nur noch etwa 0,73 Euro zu bezahlen. Ab jetzt können wir auch wieder mehr unter freiem Himmel campen, dank freundlicher Menschen und wenig Kriminalität.

Wir erreichen Lusaka, hier wollen wir unsere Visa verlängern lassen. Man tut allerdings gut daran, nicht gerade am Montagmittag hier aufzuschlagen, denn der Verkehr ist die reinste Katastrophe. Schlimmer haben wir es bislang nur in Kairo und Ulan Bator erlebt. Geschlagene zwei Stunden brauchen wir von einem zum anderen Ende der Stadt, um das Pioneer Campsite zu erreichen, auf dem wir die nächsten Wochen stehen werden, um hier unter anderem Weihnachten und Silvester zu verbringen. Zuvor wollen wir aber eben noch unsere Dieselvorräte auffrischen, denn seit Eintritt in den Krüger-Park in Südafrika, haben wir nicht mehr getankt. 500-600 Liter sollten wir bunkern können, wer weiß schon, wann sich der Preis wieder ändert? Aber an vielen Tankstellen ist entweder Totentanz angesagt oder es haben sich lange Schlangen gebildet. Den Grund dafür erfahren wir, als wir an der sechsten Tanke endlich noch ein paar Tropfen ergattern können. Der Fahrer eines mit 40000 Litern Treibstoff beladenen LKW wurde ermordet und der LKW samt Ladung ist verschwunden. Nun streiken alle Tankwagenfahrer im Land und verlangen Aufklärung von der Regierung. Wir haben gerade noch Glück, mit schlappen 412 Liter saugen wir die Tanke leer, ist eben besser als nix.      

Wir arbeiten uns auf Weihnachten zu. Die Rinderfilets für etwa zehn Euro pro Kilo liegen im Kissmann-Kühlschrank, der im Übrigen tadellos funktioniert, im Gegensatz zum Waeco-Schrott, den wir vorher hatten. Am Heiligen Abend brutzeln die Filets bei 35° im Schatten auf unserem kleinen tragbaren Grill. Die letzte Flasche Wein aus Südafrika muss außerdem dran glauben. Wein ist im Übrigen hier sündhaft teuer, deswegen sind wir auf Bier umgestiegen. Silvester ist wie erwartet Totentanz, zehn Uhr „Pippi machen ab ins Bett“, irgendwann in der Nacht aufgewacht, dem Bettnachbarn ein schönes neues Jahr gewünscht und so schlafen wir uns ins Jahr 2016.

Anfang Januar machen wir uns auf zum Immigration Office, um unsere Visa für weitere vier Wochen ohne zusätzliche Kosten zu verlängern. Das ist mit einer Minute Aufwand die schnellste und unbürokratischste Visaverlängerung in unserer bisherigen Reisegeschichte. Die Verlängerung der Road Tax gestaltet sich dafür umso aufwendiger. Etwa eine Stunde stehen wir in einer langen Wartereihe, um uns dann sagen zu lassen, dass die Mautgebühr für angeblich drei Monate gilt. Wir hoffen nur, dass dieser Beamte recht behält. Wir werden es an der nächsten Wiegestation für LKW erfahren, denn da muss das Dokument jedes Mal abgestempelt werden. Wir werden zwar gewogen, jedoch interessiert sich keiner für das Gewicht. Als wir Lusaka Richtung Norden verlassen, kommt die erste Wiegebrücke und…… der Mensch an der Waage schaut nicht mal auf das Papier, stempelt es ab und Tschüss.

Einige Zeit später folgt mal wieder eine Polizeisperre, vor uns zwei Sattelzüge. Mein Vordermann, eine uralte amerikanische Mack-Mülltonne, hat seinen Vordermann scheinbar nicht bremsen sehen, latscht in letzter Sekunde in die Bremse, lenkt geistesgegenwärtig links an dem Volvo vorbei und kommt Nase an Nase mit ihm zu stehen, aber ohne irgendeine Bremsspur zu hinterlassen. Was will uns das sagen? Die Bremsen sind nicht die besten, aber das juckt hier niemanden. Wir werden heute aber angehalten, weil wir keine Reflektoren am Heck haben. Sie verlangen nach den riesigen, hässlichen, gelb-roten Reflektoren am Heck des Fahrzeugs, die hier alle LKW haben müssen und die über die gesamte Breite gehen und etwa 20 cm hoch sind. Keine Sau hat’s bislang interessiert, aber heute will man sie sehen. Man will mir eine Strafe aufbrummen und mir fällt plötzlich ganz brühwarm wieder ein, dass wir 2004 zwei ebenso hässliche, 40x40 cm große, rot-weiße Kuchenbleche gekauft haben, weil uns alle verrückt gemacht haben, da man diese in Italien an Wohnmobilen brauchte. Die blöden Dinger waren so sauteuer, dass ich mich heute noch darüber ärgere. Und seitdem schleppen wir das Zeug mit uns herum. Ich grabe eines der Warntafeln aus unserem Tiefkeller aus und befestige es mit Kabelbindern am Heck, was die Polizei gnädig stimmt. Zum Schluss verabschiede ich mich von ihnen mit den Worten: Bremsen an LKW müssen nicht funktionieren, aber wichtig sind Reflektoren rund ums Fahrzeug!

An diesem Tag landen wir auf einem Camping, da die wilden Stellplätze in dieser Gegend rar gesät sind. Als Marion in der Dämmerung zur Toilette will, wird sie mal wieder abrupt von einem „Pfffff“-Geräusch gestoppt. Da liegt doch vor ihr auf dem Weg eine junge, wunderschöne Puffotter und faucht sie an und macht sich danach ins nahegelegene Gras. Na, wenigstens macht sie sich vorher bemerkbar, ansonsten wären wir in ernste Schwierigkeiten geraten.

Unser Weg weiter nach Norden geht fast immer nahe an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo entlang. Auch hier kaum wilde Stellplätze, außer man stellt sich in die Dörfer. Als die Dörfer endlich weniger werden, breitet sich eine ausgedehnte Sumpflandschaft aus. Auch hier keine Chance zu stehen. Die Einzigen, die sich hier anscheinend wohlfühlen, sind Termiten. Über viele Kilometer hinweg haben sie sich ihre bizarren Behausungen errichtet.

Als die Sonne bereits lange Schatten wirft, erreichen wir den Ort Samfya am Lake Bengweula. Bei untergehender Sonne zeigt sich der See von seiner besten Seite. Malerische kleine Buchten mit fast weißem Sandstrand, der der Karibik bald ebenbürtig erscheint. Wir finden eine asphaltierte, lange Sackgasse nahe am Wasser, an deren Ende wir Goliath, nach fast 500 gefahrenen Kilometern an diesem Tag, zur Ruhe kommen lassen. Einige Tage stehen wir hier ohne dass uns irgendjemand behelligt und dann machen wir uns auf zum Lake Mweru.

Wir sind noch bis zum Örtchen Nchelenge auf Asphalt unterwegs, ab hier geht’s weiter auf einer Piste. Da wir nicht wissen, wann wir das nächste Mal Sprit kriegen, tanken wir nochmals voll. Aber auch das ist nicht selbstverständlich in diesem unterentwickelten Teil Sambias. Diese Tankstelle wird nicht immer beliefert und da wir die Streckenbeschaffenheit nicht kennen, denn in unserer Karte ist nur eine gestrichelte, graue Linie eingezeichnet, fühlen wir uns besser, wenn alles voll ist. Die nächste Zapfstelle ist erst mal nicht in Sicht. Ab hier ist aber auch erst mal Schluss mit Lustig, zumindest was die Pistenbeschaffenheit angeht. Wir haben es mit einer Piste der übelsten Sorte zu tun. Übersät mit Löchern, die uns einen Schnitt von 20 km pro Stunde erlaubt. Und bis zu unserem Ziel, Lake Tanganyika, sind es mindestens noch 160 Kilometer. Was einen für diese schlechte Piste entschädigt, sind äußerst freundliche Menschen, die uns fast ausschließlich zuwinken oder den Daumen hochhalten. Nach unserer ersten Etappe haben wir Muskelkater vom Winken und Gesichtslähmung vom Lachen.

 

Video: Über Pisten und durch Dörfer Sambias

 

Einige hübsche Häuser und gepflegte Hütten finden wir am Pistenrand. Als wir an einem kleinen Haus anhalten, um dem Besitzer zu sagen, dass wir sein Haus schön finden, wird sofort stolz die ganze Familie zusammengetrommelt und alles muss sich vorm Haus für ein Foto aufstellen.

Im Ort Nkosha biegen wir zum Lake Mweru Wantipa ab. Völlig durchgeschüttelt suchen wir uns einen geeigneten Übernachtungsplatz im Busch. Am nächsten Morgen treffen wir auf eine Gruppe Frauen, die, wie es für mich aussieht, an einem kleinen Tümpel Wäsche waschen wollen. Ich halte an und frage sie mit „Händen und Füßen“ – sie verstehen kein Englisch – ob ich ein Foto beim Waschen der Wäsche machen dürfe. Nach einer kleinen Debatte, bei der der eine am anderen vorbeiredet, stellen sich die Damen allesamt ins Wasser für das Foto, aber keine wäscht Wäsche, hä? Wenig später hab ich es dann auch kapiert, sie wollten nur Wasser holen, nix mit Wäsche waschen. Die Mädels haben bestimmt gedacht, dass ich nicht alle Schweine im Rennen habe.

Als wir zum Nationalpark Mweru Wantipa kommen, der ohne Gebühr zu durchfahren ist, erwartet uns eine perfekte, ebene Erdpiste, aber ohne erkennbares Wildleben. Bis auf einige Vögel scheint alles im Kochtopf gelandet zu sein?! Aber nicht nur hier, sondern auch im restlichen Sambia scheint es keine Wildtiere zu geben, die größer als ein Frettchen sind.

Als der Nationalpark endet, versuche ich nochmals mein Glück, ein Foto von einer Frau an einem Brunnen zu bekommen, wie sie gerade ihren Eimer aus dem Loch kurbelt. Sie steht gerade da mit ihren beiden Kindern. Diesmal haben wir uns zwar verstanden, aber als ich die Kamera hole, versammeln sich plötzlich mindestens 50 Menschen am Brunnen und wollen mit aufs Foto. O.k., dann eben mit dem ganzen Dorf! Begegnungen wie diese entschädigen uns zum großen Teil für die Strapazen, die wir uns hier auferlegt haben. Ansonsten sind die häufiger werdenden Militärkontrollen etwas nervig. Wir befinden uns maximal fünf Kilometer von der Demokratischen Republik Kongo entfernt. Aussteigen, Passdaten in ein vergilbtes Buch eintragen und meistens einen Blick in unsere Behausung werfen, mehr aus Neugier als alles andere, ist das übliche Procedere. Nachdem wir uns und Goliath heute 11 Stunden malträtiert haben, schlagen wir uns 10 Kilometer vorm Lake Tanganyika völlig ausgelaugt in die Büsche, da wir nicht wissen, ob der Camping am See noch existiert. Deshalb versuchen wir es am nächsten Morgen. Die Lodge Ndole Bay mit Camping will uns aber 15 US$ pro Person abknöpfen. Die Anfahrt ist katastrophal, der Preis völlig daneben, wir entschließen uns wieder für Buschcamping.

 

Video: Von Nkosha aus an der Grenze DRC entlang

 

Die Piste nach Mporokoso in Richtung Süden entpuppt sich als noch schlimmer, als die Piste zuvor. Die unzähligen Löcher, nicht wenige davon mehr als knietief, sind wegen des anhaltenden Regens alle randvoll mit schlammiger Brühe. Die Piste ist äußerst rutschig und macht ein schnelles Vorankommen zunichte. Für die 160 Kilometer brauchen wir zwei Tage. Als wir die D19 erreichen, sind wir froh, für die nächsten 85 Kilometer Asphalt unter den Rädern zu haben. Jetzt nur noch die 70 Kilometer Verbindungspiste, um auf die M1 Richtung Mbala zu kommen. Eigentlich wäre es die perfekte Piste, fast topfeben und ohne nennenswerte Löcher, wenn da nicht durch den anhaltenden Regen einige Abschnitte völlig aufgeweicht wären. Es gleicht einem Eiertanz, um nicht in die morastigen Randbereiche abzurutschen. Manchmal stehen wir urplötzlich fast quer zur Fahrtrichtung, weil Goliath‘s  „Hintern was anderes will als die Schnauze“. Nach rund 650 Kilometern, mehrheitlich katastrophaler Piste, ist endlich die M1 in Sicht.          

Auf der M1 machen wir uns nochmals auf nach Norden. Nicht dass ihr jetzt denkt, wir seien plötzlich gläubig geworden, nein, aber in Mpulungu, direkt am Lake Tanganyika, steht die älteste Kirche von Sambia. So steht es jedenfalls in unserer Karte. Leider stehen von der Niamkolo-Kirche nur noch die Außenwände und das ist nicht mal ein Foto wert. Auf dem Weg zurück, machen wir noch einen Stopp in Mbala, um uns das Moto Moto-Museum anzuschauen. Ja und was ich zu Museen zu sagen habe, weiß wahrscheinlich jeder mittlerweile. Der Eintrittspreis von 30  Kwacha pro Person ist gerade genug, dass man sich nicht ärgern muss. Gleichzeitig finden wir in Mbala auch ein Immigration Office, wo wir unsere Pässe für die letzten 4 Wochen Sambia-Aufenthalt stempeln lassen können. Wir haben zwar noch zwei Wochen Zeit bis unser zweiter Monat abläuft, aber der Officer stempelt uns den dritten Monat ohne weiteres ein. Etwa 90 Kilometer vor Mpika verlassen wir die M1 und nehmen die Querpiste, die uns auf die T2, die Great North Road, bringt, die von Tansania kommt.

Auf dieser Querpiste gibt es eine Lodge mit Camping, auf deren Gelände sich die heißen Quellen von Kapishya befinden. Auch hier versuchen sie dir wieder mit 15 US$ pro Person das Fell über die Ohren zu ziehen, nö, da machen wir uns lieber unser eigenes heißes Wasser.

Aber zurück zu den Hauptverbindungsstraßen M1 und T2. Wer hier unterwegs sein will, sollte genug Bargeld dabei haben, nur für den Fall, dass er tanken muss. Die zahlreichen Tankstellen akzeptieren allesamt keine Kreditkarten. Zum anderen ist hier viel LKW-Verkehr. Hunderte von Tanklastzügen passieren diese Route täglich. Anscheinend wird der gesamte Treibstoffbedarf aus Tansania eingeführt.

Einen Versuch machen wir noch. Kurz vor Kanona biegen wir zu den Kundalila-Wasserfällen ab. Nach etwa 15 Kilometern gut zu befahrener Piste erreichen wir den vorgelagerten Parkplatz. Keine Menschenseele hat sich hierhin verirrt, außer der Kassierer und wir. „Ja“, sagt der, „der Preis von 150 Kwacha pro Person und 50 Kwacha für das Fahrzeug sei zwar etwas hoch aber………“ Wie bitte? Was hat ein Sambier zu bezahlen? Die Antwort: 5 Kwacha. Uns bleibt die Spucke weg, na dann noch einen schönen Tag und Tschüss. Die Unverfrorenheit, mit der in vielen Ländern Afrikas versucht wird Touristen abzuzocken, hat definitiv auch Sambia erreicht und dieser Virus breitet sich scheinbar weiter Richtung Süden aus.

Ja und seit einiger Zeit haben wir ein kleines, aber nicht unerhebliches Problem. Bei unserem letzten Aufenthalt in Lusaka haben wir unseren Holzkohlesack für mehrere Tage auf dem Boden stehen lassen, ein fataler Fehler, wie sich nun herausstellt. Ich steh also auf dem Dach vom Fahrerhaus und will Holzkohle zum Grillen aus dem Sack holen. Eine breite Ameisenstraße hat sich vom Sack zu unserer Wohnstube gebildet. Als ich den Sack öffne, scheinen mehr Ameisen als Holzkohle drinnen zu sein. Hilfe, das ist fast Horrorfilm tauglich! Der Sack fliegt hochkant vom Dach, aber das Problem bleibt. Abertausende dieser verdammten Viecher haben sich mittlerweile irgendwo in unserer Hütte breit gemacht und versuchen sich an unserer „Haferkiste“ gütlich zu tun. Marion räumt einen ganzen Tag lang unsere Vorratskisten aus und schlägt mit der chemischen Keule zu. Zum Glück haben wir die meisten Lebensmittel in luftdichten Behältern verpackt. Lassen wir nach dem Abendbrot Messer oder ähnliches in der Spüle liegen, hängen morgens hunderte Ameisen dran. Also immer alles sofort abspülen, um ihnen ja keine Gelegenheit zu geben sich den Bauch voll zu schlagen. Des Nachts haben wir sie im Bett und das ist nicht lustig.

Nun haben wir uns für einige Tage auf einem Camping am Lake Kariba eingebucht. Aber hier kommen wir vom Regen in die Traufe. Der komplette Campingplatz ist mit Ameisen bevölkert und die versuchen mit dem schon bestehenden Ungeziefer zu sympathisieren und machen sich über Goliath her. Ich sowieso schon angepisst, weil man nachts nicht mehr schlafen kann, weil es überall krabbelt, hole zum Gegenschlag aus. Einen alten Pinsel ausgegraben sowie eine Fettkartusche, und bestreiche unsere Reifen nahe am Boden mit einer dicken Fettschicht und ……… es hilft. Die von oben können nicht mehr runter und die anderen nicht mehr rauf. Ha, man kann ruhig blöd sein, man muß sich nur zu helfen wissen! Eine Woche später sind wir wenigstens schon mal soweit, daß wir wieder einigermaßen schlafen können, nachdem wir dem Feind mit Unmengen Gift auf die Fühler gerückt sind. Und wenn wir mal nicht gerade gegen Ameisen kämpfen, sitzen wir draußen bei Temperaturen um die 38° und fragen uns mehr als einmal, wer eigentlich in diesen Backofen wollte.

 

Video: Was für ein Leben

 

Aber es gibt auch schöne Dinge von hier zu berichten, so z.B. Moto Moto, unser hauseigenes Flusspferd, an dem wir uns täglich erfreuen, oder aber an einem etwa 4 Meter langen Krokodil, das uns eines Tages am Ufer besucht und in seinem riesigen Maul entweder einen toten Hund oder eine Ziege anschleppt, und es vor unseren Augen in der Luft zerreißt und in seinem furchteinflößenden Schlund verschwinden lässt. Und genau in dem Moment hat man keine Kamera parat, denn das wären spektakuläre Aufnahmen geworden.

Ende der zweiten Wochen sind wir, wie es aussieht wieder ameisenfrei, nachdem wir im Haus vier Dosen Insektenspray versprüht haben. Oh wie ist das schön, endlich wieder durchschlafen zu können, ohne das es krabbelt und juckt.

Als wir Chipata, die Grenzstadt zu Malawi erreichen, gehen wir ein letztes Mal in Sambia auf einen Camping, um am nächsten Morgen früh an der Grenze zu sein.

Das Mama Rula Campsite ist nur ein Beispiel für zu hohe Preise sowie absolut miesem Standard. Kein Strom- und Wasseranschluss in der Nähe der einzelnen Stellplätze. Duschen sind dreckig, Duschvorhänge sind so alt und schmierig, daß allein der Gedanke einen anekelt, dass das Ding beim Duschen am Hintern kleben könnte. Das Wasser läuft im Abfluss kaum ab, sodass man mehrere Zentimeter im Wasser steht. Toiletten und deren uralten, versifften Holzdeckel werden vielleicht mal oben drauf und nur ansatzweise geputzt. Die Unterseite, muß man die auch putzen? Dass da noch keine Pilze wachsen ist ein Wunder. Vor einem Jahr konnte man hier noch für 45 ZKw pro Person übernachten, was eigentlich schon zu viel war. Nun versucht man den Touristen mit 9 US$ pro Person abzuzocken, was beim derzeitigen Stand etwa 120 ZKw pro Person sind.

Entgegen vorangegangener Pläne, ein weiteres Mal nach Sambia zurückzukehren, haben wir uns entschlossen, dass dies der letzte Aufenthalt in diesem schönen Land mit seinen freundlichen Menschen war. Jedoch können oder müssen Pläne schnell und immer mal wieder geändert werden. Offensichtlich scheint der Virus aus benachbarten Ländern auch hier überzugreifen, ausbleibende Touristen, sowie Misswirtschaft und Korruption durch höhere Preise zu kompensieren. Ich für meinen Teil bin es leid, dass man jeden Tag versucht die Kuh zu melken, nur weil sie weiß ist oder weil das Fahrzeug ein ausländisches Kennzeichen hat.        

 

Bis dahin. Die 2.





Unser Buchtipp!