Namibia.

 

Reisezeit:  05.08.2016 – 04.11.2016

Visum: Visumsfrei und kostenlos 90 Tage im Kalenderjahr an der Grenze.

Carnet de Passages: Ja.

Währung: Namibia Dollar. 1 Euro = 16 N$.

Diesel: 10,40 – 11,00 N$/l.

Bargeld: An zahlreichen ATM bis zu 6000 N$.

Kreditkarten: Weit verbreitet.

Road Tax: 612 N$ für drei Monate, wobei das vom Grenzer abhängt. Mal zahlt man mehr, mal weniger.

 

Am 05.08.2016 stehen wir erneut an der Grenze Namibias, diesmal bei Velloorsdrift. Unsere Pässe sind bereits eingestempelt, nur die Straßengebühr ist noch fällig. Doch die zuständige Dame meint, dass wir bei der letzten Ausreise die Gebühr für die gefahrenen Kilometer nicht entrichtet hätten und sie uns nun ohne die Begleichung der Rechnung nicht ins Land lassen könne. Uns hat aber tatsächlich noch nie jemand danach gefragt. Das lässt sie allerdings unbeeindruckt, ohne Zahlung kein Namibia! Da wir aber nicht mehr nachweisen können, wie viele Kilometer wir zurückgelegt haben, errechnet sie den direkten Weg vom Grenzübertritt zum Austritt und kommt auf 850 Kilometer, die uns zusätzlich 60 N$ kosten. Dies ist zwar keine nennenswerte Rechnung, aber die Art und Weise wie sie eingefordert wird ist, nun ja, sagen wir mal, etwas unorthodox. Ich sage der Beamtin, es sei doch wohl ein Witz, dass ich ihre Kollegen darauf aufmerksam machen müsse, dass wir noch eine Rechnung offen hätten. Sie antwortet darauf, wenn ihre Kollegen schlafen würden, wäre das nicht ihr Problem, hier würden sie jedenfalls nicht schlafen und fertig, Thema erledigt!

 

Nachdem wir eine Nacht wie üblich am Pistenrand übernachten, machen wir uns am nächsten Tag auf zum Fish River Canyon. Wir steuern einige Aussichtspunkte an und machen  Spaziergänge. Gegen Mittag suchen wir uns einen Platz direkt an der Abbruchkante des Canyons, holen Tisch und Stühle raus und genießen die überwältigende Kulisse bei einem wohl temperierten Glas Wein. Die nächste Nacht ist wieder Pistenrandcamping angesagt, bis wir unsere Bekannten in Lüderitz erreichen.

Von Lüderitz aus machen wir uns auf nach Swakopmund, wo wir Ina und Erwin ein letztes Mal besuchen wollen. Leider sind die beiden gerade in England, um ihre Kinder zu besuchen. Dafür können wir uns aber von hieraus die Genehmigungen für den Namib Naukluft Park besorgen, in dem wir uns eine Woche aufhalten wollen. Im Park fahren wir verschiedene Campingplätze an, allerdings ohne jegliche Versorgung; nur ein Plumpsklo ist vorhanden. Außer einigen Zebras und Oryx-Antilopen, die am Abend zur nahegelegenen Wasserstelle kommen, kommt uns manchmal eine Hyäne besuchen, um auszukundschaften, ob vielleicht beim Grillen was Fressbares übriggeblieben ist. Aber so schnell wie sie im Dunkel lautlos auftaucht, ist sie auch wieder verschwunden. Menschen sehen wir nicht, denn die brauchen meistens ihre Versorgung wie Wasser und Strom. 

 

Nach einer Woche der völligen Abgeschiedenheit und Ruhe sind wir auf dem Weg nach Windhoek, um bei unseren Freunden Christoph und Claudia unsere dort gelagerten Reifen abzuholen. Als wir aufs Urban Campsite rollen, trauen wir unseren Augen nicht. Zuerst teffen wir nach sechs Jahren Edy und Brigitte wieder, die, als sie mit ihrem Robusto aus Südamerika zurückkamen, uns in Deutschland besucht haben. Wenige Tage später treffen wir Ton und Anneke. Sie haben wir 2005 in Ägypten getroffen, als sie mit ihrem Hymer-Mobil auf Mittelmeerumrundung waren. Sie haben mittlerweile allerdings ihren Plastikbomber gegen einen MAN eingetauscht. Wie klein die Welt doch ist. 

 

Von Windhoek machen wir uns auf in den Norden von Namibia. Unter anderem wollen wir nach Kamanjab. In diesem kleinen Ort, in dem sich Schakale und Springböcke gute Nacht sagen, gibt es eigentlich nichts Nennenswertes zu berichten, außer, dass es etwa 65 Kilometer vom Etosha Nationalpark entfernt liegt und dass es hier das Oppi Koppi Campsite gibt, auf dem das Übernachten für Langzeitreisende umsonst ist. Mit Bar, Pool und gutem Restaurant ausgestattet, lässt es sich hier einige Tage aushalten.

 

Von hieraus wollen wir nochmals in den Etosha Nationalpark. Allerdings haben uns Reisende berichtet, dass sich die Preise für Übernachtungen im Park geändert haben. Als wir das neu eröffnete Galton Gate im Südwesten erreichen, bestätigen sich die Nachrichten der Reisenden. Der Eintritt fürs Fahrzeug mit 10 N$ und die  80 N$ pro Person sind zwar stabil geblieben, dafür haben sich die Übernachtungen auf den Campingplätzen verändert. Musste man letztes Jahr noch 220 N$ für den Stellplatz begleichen und 121 N$ pro Person, so sind es jetzt nur noch 250 N$ pro Person ohne zuzügliche Stellplatzkosten. Dafür ist ein Großteil der Pisten im Park in katastrophalem Zustand. Aber warum sollte das hier auch besser sein als im restlichen Namibia, denn dort sind die Pisten mittlerweile vielfach in erbärmlichem Zustand. So gibt es mal wieder eine Planänderung. Wir übernachten also nicht im Park, sondern fahren nur bis zum Olifants Rus Camping, an dem auch Tagesgäste eine Pause einlegen können. Das Besondere hier ist, dass es einen Aussichtspunkt direkt an einer Wasserstelle hat. Und gerade als wir dort ankommen, trotten zwei große Elefantenbullen auf die Badewanne zu, um ein Schlammbad zu nehmen und um Wasser aufzutanken. Die Frechheit ist allerdings, dass Touristen beim Verlassen des Parks auf mitgeführtes, rohes Rind- und Wildfleisch kontrolliert werden und dieses konfisziert wird. Normalerweise wird dies beim Betreten des Parks gemacht.

 

Der nächste Tag führt uns bis zur Khowarib-Schlucht. Bei 38° und nur 50 % Luftfeuchtigkeit erreichen wir am späten Nachmittag den kommunalen Campingplatz. Am Abend sitzen wir direkt an der Abbruchkante zur Schlucht, in der das ganze Jahr ein kleiner Bach fließt. Alles rundherum ist grün bewachsen, was zurzeit eher ein seltener Anblick ist. Unter anderem kommen Paviane und Kudu-Antilopen in der untergehenden Sonne zum Trinken. Da schmeckt doch der Sundowner doppelt gut!

 

Opuwo nutzen wir nur zum Tanken, Einkaufen und um uns mit frischem Geld zu versorgen. Dreck, Staub, viele undurchsichtige Gestalten und bettelnde Kinder laden nicht gerade ein sich hier länger aufzuhalten. Da wir es wie üblich lieben die einsamen Strecken zu fahren, wählen wir die Piste D3703 um nach Epupa zu gelangen. Rückblickend betrachtet, eher eine schlechte Wahl. Wenige Kilometer hinter Opuwo wird die Strecke wegen Kanalbauarbeiten durch ein Flussbett geleitet. Auf der anderen Seite führt eine weichsandige Piste schräg nach rechts abfallend zum Flussbett wieder auf die normale Strecke. Nach wenigen Metern sind wir mit dem rechten Hinterrad soweit abgerutscht, dass das linke Vorderrad in der Luft steht, bei 35° Grad Schräglage. Nicht gerade die beste Ausgangssituation, um wieder auf die Piste zu kommen. Sandbleche, Allrad und Sperren befreien uns nach einer Stunde wieder aus dem Schlamassel.

 

Video: Piste von Etanga nach Epupa Falls

 

Bis Etanga ist die Piste noch in gutem Zustand. Ab hier bis Otjitanga ist es einfach zu schmal für uns, wegen eng stehender Büsche und vielen scharfkantigen Steinen sowie herausstehenden Wurzeln, was uns wieder mal einen komplett zerstörten Hinterreifen beschert, der allerdings kurz vor der Entsorgung stand, also nicht ganz so schmerzlich. Spätestens hier hätten wir uns für einen geordneten Rückzug entscheiden sollen. Ab Otjitanga ist die Piste einfach nur noch beschissen. Mit eingeklappten Spiegeln müssen wir uns nur noch über dicke Steine und Felsen quälen. Es ist gerade mal so breit wie unsere Spur und wir brauchen für den letzten Kilometer etwa 1 ½ Stunden. Nachdem wir uns noch über zwei weitere Hügelketten quälen, machen wir eine  kurze Krisensitzung und einstimmig beschließen wir umzukehren. Heute bekommen wir es allerdings knüppeldick. Auf dem Weg zurück nach Opuwo kommt Sturm auf. Aufgrund der völligen Überweidung durch Rinder, Ziegen und Schafe, wächst weit und breit kein einziger Grashalm mehr und die Bodenerosion nimmt ihren Lauf. Es wirbelt so viel Staub auf, dass wir mehrmals gezwungen werden für Minuten stehen zu bleiben, weil wir nicht einen Meter Sicht haben.

 

Video: Offroad in Namibia

 

Wieder in Opuwo angekommen, nehmen wir nochmals die Epupa-Wasserfälle in Angriff, diesmal auf der Hauptpiste. Auf einem Camping direkt am Kunene-Fluss, gegenüber der angolanischen Grenze, hängen wir fünf Tage einfach nur ab und schauen den riesigen Krokodilen beim Nichtstun zu.

 

Bei Zumkwe, im Norden Namibias gibt es ein Buschmann-Dorf zu besichtigen. Die San, einst ein Normadenvolk der Jäger und Sammler, wurden von der Regierung gezwungen sesshaft zu werden. Sie durften plötzlich nicht mehr jagen und gleichzeitig wurde die Schulpflicht eingeführt. Nun sind sie ihrer Lebensgrundlage beraubt, wobei sie verzweifelt versuchen einen Weg zwischen Tradition und Moderne zu finden, was ihnen aber meiner Meinung nicht zu gelingen scheint. An der Rezeption, bestehend aus einem schattigen Baum mit Campingtisch, werden dem Touristen verschiedenen Aktivitäten angeboten. Wir entscheiden uns erst einmal für das Übernachten auf deren Camping im Busch sowie eine Besichtigung des Dorfes. Das Campsite ist für uns ein Traum. Kein Strom, kein Wasser, dafür aber ein Plumpsklo und so gut wie keine nervigen Fliegen und gänzlich ohne Moskitos. Lange sitzen wir abends am Lagerfeuer unter einem grandiosen Sternenhimmel.

 

Der Besuch des angeblich traditionellen Dorfes ist jedoch ein Griff ins Klo. Eine lose Ansammlung von runtergekommenen Hütten, die mehr oder weniger nur noch aus Plastikplanen bestehen, ist sein Geld nicht wert. Der Müll wird einfach rund um die Hütten verstreut und keinen stört es, außer den Touristen. Alkoholmissbrauch ist weit verbreitet. So hat Namibia, neben den Himbas, einen weiteren Volksstamm in die Abhängigkeit des Staates gezwungen, der nun regelmäßig nach Unterstützung ruft. Lohnenswert ist dagegen der angebotene Bush Walk. Mit einem älteren Buschmann, der sein eigenes Alter nicht kennt, wandern wir 1 ½ Stunden durch die Wildnis. Er erklärt uns giftige und heilende Pflanzen, wie Tiere, bis hin zu Giraffen, erlegt wurden und wie man Wasser findet, einfach genial!

 

Nicht ganz so genial sind die Tagestemperaturen, sie haben sich seit einiger Zeit zwischen 40-46° eingependelt, jedoch bei nur noch 45 % Luftfeuchtigkeit. Scheiße ist das heiß!

 

Kurz nach dem Verlassen des Dorfes, müssen wieder an dem Veterinär-Kontrollpunkt anhalten, der uns nun wie im Etosha Nationalpark auch, auf die Herausgabe von rohem Fleisch auffordert, obwohl uns bei der Einfahrt in das Dorf niemand aufgeklärt hat. Jedoch hat man das Recht das Fleisch an Ort und Stelle zu kochen, um es dann mitzunehmen oder zu verzehren. Die Beamtin reagiert sichtlich sauer, ist es doch kurz vor Mittag und ein leckeres Filet hätte sich doch heute gut auf dem Tisch gemacht. Welthungerhilfe fällt allerdings heute aus, oder glaubt jemand, dass unser Fleisch in der Tonne gelandet wäre?! Todsicher nicht! Wir haben auch dazu gelernt. 

 

Zum ersten Mal bereisen wir die Caprivi-Region im Nordosten Namibias, die an Angola, Sambia und Botswana grenzt. Auf den ersten Blick sind diese Gegend und seine schnurgerade Asphaltstraße stinklangweilig. Palmen wachsen auf dem sandigen Boden entlang der Straße, aber auch ausgedehnte Buschlandschaft bestimmt das Bild. Die letzten großen, dicken Bäume werden rigoros für Feuerholz oder Souvenirs niedergemacht. Die eigentliche Schönheit Caprivis kommt aber erst zum Vorschein, wenn man sich die Zeit nimmt, einige der vielen Campingplätze oder Lodgen anzufahren, die sich alle am Okavango-Fluss angesiedelt haben. Hier kann man direkt am Ufer des Okavango die Seele baumeln lassen, sowie Hippos, Krokodile und unzählige Vogelarten beobachten. Am Abend kommen Einheimische in ihren Einbäumen  ans Ufer gepaddelt und verkaufen den Fisch, den sie tagsüber in brütender Hitze gefangen haben. Häufig bieten uns die Campingplätze allerdings wenig Schatten und die extreme Hitze macht uns zu schwer zu schaffen. Eigentlich wollten wir hier die letzten drei Wochen noch in Namibia genießen, aber Spitzentageswerte von über 47° ziehen uns den Stecker, wir beschließen nach Windhoek zurückzufahren, sind ja nur schlappe 1500 Kilometer.

 

In Windhoek angekommen, sind auch hier mittlerweile die Temperaturen auf 40 Grad gestiegen, jedoch ist die Luftfeuchtigkeit auf unter 40 Prozent gesunken. Wäsche kannst du in 30 Minuten wieder von der Leine holen. Straßenkarten oder anderes Papier sind so knochentrocken, dass man das Gefühl hat, es würde jeden Moment zwischen den Fingern zerbröseln. Besonders Nasen- und Mundschleimhaut leiden unter Staub und Trockenheit, ständig ist die Nase dicht. Hier wirst du zum Permanentnasenbohrer, weil die "Mümmel" ja irgendwie raus müssen. Aber außer Nasenbohren haben wir ja auch noch andere Dinge zu tun, wie zum Beispiel saufen und grillen.

Wir treffen hier so viele alte und neue Reisende. Einer ist Alex, mein erster und ehemaliger Motorradreisepartner, mit dem ich viele Male in der Sahara unterwegs war. Er ist auch auf MAN umgestiegen.

 

Dann wären da noch die Schweizer Gebi und Marion, die wir schon mehrmals getroffen haben und mit denen wir gerne mehr Zeit verbracht hätten. Leider stehen sie vor ihrer Abreise zurück in die Schweiz.

 

Und dann trifft man auf Kuriositäten wie Patrick und Greet, Belgier, auf Teneriffa lebend, die mehrmals im Jahr mit ihrem MAN TGM auf Achse gehen, wie gerade jetzt in Namibia, aber Piste fahren, das geht gar nicht, sie fahren lieber auf Asphalt. "Offroadfahren, nein danke, da fällt nur der Fernseher von der Decke und der Backofen rappelt aus der Verankerung", sagen sie. Wir verbringen fast eine Woche mit den beiden und haben selten so viel gelacht. Genauso gut trifft man aber auch auf Idioten, die neben dir auf dem Platz stehen und die ganze Zeit die Zähne nicht auseinander kriegen. Ich mein, man muss sich ja nicht lieben, aber die Tageszeit könnte man sich schon rausquetschen, oder?

 

Ja, und was einige von euch vielleicht schon wissen, wir machen nächstes Jahr eine Stippvisite in Deutschland, sozusagen Urlaub vom Urlaub. Da die Verschiffungspreise direkt von Südafrika nach Südamerika so unverschämt hoch sind, haben wir beschlossen ein halbes Jahr nach Deutschland zu kommen und dann nach Südamerika zu verschiffen, ist zwar immer noch scheißteuer, aber zum gleichen Preis.

 

So verbringen wir hier die letzten Wochen und verlassen Namibia am 04.11.2016 in Richtung Botswana.

 

Bis dahin grüßen euch „Die 2“.

 

P.S.: Dass wir in letzter Zeit wenig Mails zur Info, zu Geburtstagen oder anderen Anlässen versandt haben, liegt nicht etwa daran, dass wir euch vergessen haben oder nichts mit euch zu tun haben wollten, sondern weil unser Laptop den Geist aufgegeben hat, nachdem Walter ihn endgültig kaputt repariert hat. Desweiteren suchen wir nicht ständig nach einem Internet-Café, sondern nutzen diese so wie sie sich ergeben. Wir könnten Walter’s acht Jahre altes Notebook noch nutzen, aber das ist sooooo langsam, dass wir in der Zeit des Hochladens schon mehrfach in der Shopping Mall die Geschäfte abgeklappert haben. Ein neues Laptop werden wir uns wohl erst kaufen, wenn wir nach Deutschland kommen. Also, jetzt wisst ihr Bescheid, warum wir uns etwas rar gemacht haben.

 





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