Malawi

 

Reisezeit: 04.03.2016 - 01.04.2016

 

Visum: Für Deutsche für 75 US$ für 4 Wochen an der Grenze erhältlich. Verlängerung bis zu 3 Monate in jedem Immigration Office möglich. Jedoch kostet jeder weitere Monat nochmals 5000 MKw.

Carnet de Passages: Nicht unbedingt nötig, es wird auch ein landeseigenes TIP ausgestellt.

Währung: Kwacha. 1 Euro = 800 MKw.

Diesel: 722 MKw (in Lilongwe).

Benzin: 711,90 MKw.

Bargeld: An zahlreichen ATM bis max. 40000 MKw.

Kreditkarten: Gute Akzeptanz.

Road Tax: Richtet sich nach der Route die man fahren will. Uns wurde für die Strecke Mchinji-Lilongwe-Senga Bay-Blantyre 49 U$ berechnet.

Versicherung: Ist Pflicht und an der Grenze abzuschließen. Wir wurden als Minibus eingestuft. 18000 MKw/4 Wo. – 19500 MKw/2 Mo. – 22500 MKw/3 Monate.

 

Am 04.03.2016 stehen wir also an der malawischen Grenze. Ohne Stress und Hektik bringen wir unsere Grenzformalitäten hinter uns. Allein die 75 US$ pro Person fürs Visum und die im Voraus anzugebende Reiseroute, nach der die Straßengebühr berechnet wird, trüben den Grenzübertritt allerdings beträchtlich. Wir haben erst mal die Strecke bis Blantyre angegeben, weil wir weiter nach Mosambik wollen. Für uns hat es den Anschein, als hätte Malawi den Schritt zur verbesserten Lebensqualität verpasst. Entlang der Straße bis in die Hauptstadt Lilongwe begleitet uns große Armut sowie Dreck und Müll. Nur wenige Menschen besitzen ein Auto und wenn sie Glück haben, können sie ein Fahrrad ihr Eigen nennen. Mehrheitlich sieht man die allgegenwärtigen Minibusse und LKW, der Rest ist zu Fuß unterwegs. Die meisten Lasten werden neben LKW jedoch auf den Fahrrädern oder den Köpfen der Frauen befördert. Letztere beiden sehen nicht selten so aus, als würden sie jeden Moment unter den unglaublichen Lasten zusammenbrechen.

Die Hauptstadt Lilongwe empfängt uns mit geschäftlichem Treiben und viel Elend. Zerlumpte und behinderte Menschen stehen oder liegen an neuralgischen Verkehrsknotenpunkten auf dem Mittelstreifen oder auf Verkehrsinseln und betteln. Es stinkt nach Abgasen, denn die unzähligen Busse rauchen wie alte Lastkähne. Und ich dachte, Goliath wäre wegen seiner Euro Null ein Stinker. Weit gefehlt, wenn hier alle Fahrzeuge so wenige Abgase rauswerfen würden wie Goliath, würde man sich fühlen wie auf einer grünen Wiese inmitten unberührter Natur! Lange wollen wir uns hier nicht aufhalten, nur so lange, bis wir unser Mosambik-Visum in der Hand halten. Also steige ich in eines der zahlreichen, dreirädrigen Tuk Tuk und lasse mich zur Mosambikanischen Botschaft fahren. Dort angekommen, lässt man mich aber nicht rein, weil nur lange Hosen erlaubt sind. Der Mann am Tor lässt sich nicht erweichen, dass seien eben die Gesetze. Der nette Wachmann hat allerdings eine Idee. Er habe da in seinem Wachhäuschen eine alte Fahrradregenhose, die er mir leihen würde. Ich also die Wurstpelle übergestülpt und rein in die Botschaft. Das Ding sitzt wie eine zweite Haut, weil mein Hosenverleiher um einiges schmaler ist als ich. In der Botschaft bin ich der einzige Gast. Eine Angestellte teilt mir mit, sie könne mir kein Visum ausstellen. Weil zwischen Regierung und Opposition mal wieder Unstimmigkeiten sind und man sich nicht einigen kann, hat die Opposition beschlossen, auf sämtlichen Hauptverbindungsstrecken, von Nord nach Süd und von Ost nach West, Anschläge zu verüben. Mehrere Tote sind bereits zu beklagen, weil Heckenschützen auf Fahrzeuge schießen. Während ich da so am Botschaftstresen stehe, fange ich an zu kochen, aber nicht aus Wut wegen dieser Hiobsbotschaft, sondern weil ich immer noch in diesem Bratenschlauch stecke und mir gerade der Saft in meine Schlappen läuft. Verständlich bei 33 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit. Noch zwei Minuten länger in dieser hautengen Tüte und die hätten in der Botschaft mit einem Wischmopp hinter mir herlaufen müssen. Also mal wieder eine Planänderung, zum x-ten Mal. Sowie es gegenwärtig aussieht, müssen wir doch wieder zurück nach Sambia und nochmals durch Simbabwe und das stinkt mir gewaltig!!!!!!!!!

 

Video: Afrikanische Magier und Tänzer.

 

Also gibt es keinen Grund länger hier in Lilongwe zu bleiben und wir machen uns auf zum Malawi See. In Senga Bay fahren wir einige Campsites an, um Preise zu vergleichen, denn wir wollen uns hier ein bis zwei Wochen aufhalten. Bis auf zwei Plätze sind alle anderen aus dem Rennen, unter anderem wegen zu schmaler Einfahrten oder exorbitanter Preise. Die Safari Beach Lodge will bei einem Ameisen verseuchten Platz allerdings immer noch 10 US$ pro Person haben und sie sind nicht bereit uns einen Preisnachlass zu geben, obwohl wir eventuell zwei Wochen hier stehen wollen. Also auf zum letzten und benachbarten Platz. Volltreffer, drei Euro pro Person, freies Internet, 30 Meter Swimmingpool (gegen Gebühr), 400 Meter gepflegter Sandstrand, dieses Angebot können wir einfach nicht ausschlagen und wir sind ganz allein auf dem Platz, jedoch auch mit den allgegenwärtigen Ameisen. Jeden Nachmittag kommen kleine Fischerboote zum Strand und verkaufen frischen Fisch. So kann man’s aushalten.     

Eine Woche stehen wir bereits hier und es ist Sonntag vor Ostern. Ich habe gerade den Marmorkuchen zum Backen in die Holzkohleglut gestellt, da öffnet der Himmel mal wieder seine Schleusen. Mit einem Schirm bewaffnet versuche ich den Regen von der Glut fern zu halten. Ich lass mir doch nicht meine Freude auf den Sonntagskuchen versauen! Ich bin zwar anschließend triefend nass, dafür ist der Kuchen gelungen. Währenddessen bildet sich am Horizont mitten auf dem See ein Tornado. Man kann ganz deutlich erkennen wie sich am schwarzen Himmel ein dunkler Schlauch bildet, der immer länger wird und letztendlich die Wasseroberfläche erreicht. Zum ersten Mal in unserem Leben können wir miterleben wie ein Tornado entsteht.

Ein weiteres Nuturereignis finde ich erwähnenswert. Hierzu passt der Song von Deep Purple „Smoke on the Water“. Wobei es sich hier nicht wirklich um Rauch auf dem Wasser handelt. Aber tagtäglich zum Neumond steigen Milliarden von Büschelmückenlarven vom Grund des Sees auf, schlüpfen und versammeln sich an der Wasseroberfläche zu riesigen, dichten Wolken, nur um sich wiederum zu paaren. Die daraus sich entwickelnden Larven sinken wieder auf den Grund des Sees, um nach vier Wochen den Zyklus zu wiederholen. Allerdings haben wir mittlerweile Vollmond und was will uns das sagen, dass selbst die Mücken beim „Poppen“ die Zeit vergessen.

 

Video: Malawi - Ein lebhaftes Land

 

Nun sind wir in Zomba angekommen, am gleichnamigen Zomba Plateau. Wir entscheiden uns dafür, dass wir nicht mehr weiter nach Süden fahren wollen, hier umdrehen und wieder Richtung Sambia fahren. Da wir aber gerade in die Ostertage geraten sind, sitzen wir die Tage auf einer netten Backpacker Unterkunft mit Camping ab. Am Dienstag nach Ostern gehen wir zum Immigration Office, um unsere Visa zu verlängern. Und entgegen vorheriger Aussagen von der Grenze, das Visum sei umsonst zu verlängern, will man pro Monat nochmal 5000 MKw haben. Wir überlegen kurz, es bleiben uns noch vier Tage, entweder wir verlängern oder wir müssen raus. Wir entscheiden uns fürs Verlängern und beantragen von Malawi aus unser neues Carnet de Passage. Von unserem Camping aus schickt mich Marion mit meinem Radel zum Tomaten kaufen. Bei meinen etwa täglichen zwanzig Kilometern, die ich mir auferlegt habe, komme ich durch mehrere kleine Dörfer und stelle fest, sterben ist hier recht billig. Ein Sarg ist hier für rund 35 Euro zu haben und er sieht auf den ersten Blick gar nicht mal so schlecht aus. Gleich nebendran kann man sich gleichzeitig für ganz kleines Geld mit einer Portion Pommes versorgen oder sich das lebende Hähnchen fürs Mittagessen aussuchen. Unterwegs komme ich dann auch an besagten langen Ständen mit Tomaten vorbei. Zentnerweise sind sie hier auf Tellern zu Türmchen aufgebaut, jeder hat etwa 2 Kg oder mehr. Ich sage der Dame, ich hätte aber gerne nur ein Kilo, weil alles andere nur schlecht würde. Darauf die Verkäuferin, nein, entweder 2 Kilo oder keine Tomaten, und sie bleibt standhaft. Für so einen Schwachsinn fehlen mir echt die Worte!!!!!! Ich muß also tatsächlich weiterradeln, bis ich einen Stand finde, der aufgehäufte Tomaten mit einem Kilo anbietet. Und das ist nicht das erste Mal, dass mir das passiert. Ähnlich widerfährt es mir auch mit anderem Gemüse. Ich könnte jetzt einiges dazu sagen, aber die „Afrikaversteher“ würden mich teeren und federn, also belasse ich es dabei. Abschließend sei gesagt, Malawi macht es einem nicht gerade leicht sich hier wohl zu fühlen und um es in unsere Favoritenliste aufzunehmen, ist es meilenweit entfernt. Also machen wir uns am 15.04.2016 mal wieder auf nach Sambia, obwohl wir nicht nochmal hierhin wollten.

 

Bis die Tage. Die 2.

 




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