Botswana

 

Reisezeit: 05.11.2016  bis  02.01.2017

 

Visum: 90 Tage im Kalenderjahr kostenfrei an der Grenze. Aber wie so oft, neuer Officer, neues Glück.

Carnet de Passages: Ja.

Währung: Pula. 1 Euro = 11,80 Pula

Diesel: 7,30 Pula/l

Bargeld: An zahlreichen ATM.

Kreditkarten: Große Akzeptanz mit Visa und Master.

Road Tax: Muss an der Grenze abgeschlossen werden und setzt sich zusammen aus Road Tax, MV Insurance und Road Fund, für drei Monate.

Versicherung: 50 Pula für drei Monate und ist scheinbar in der Road Tax enthalten.

 

Bei der Ausreise aus Namibia kommt es wie wir erwartet hatten. Wir lassen unsere Pässe ausstempeln, ignorieren den Zoll und bemühen uns auch nicht die Mautgebühr nachzuzahlen und fahren zum Grenzposten nach Botswana. Es scheint tatsächlich so zu sein, wie es die bissige Beamtin bei unserer letzten Einreise nach Namibia erklärt hat, dass man sich selbst drum kümmern muss, sein Geld loszuwerden. Man sollte allerdings wissen, dass Fahrzeugdaten von großen Fahrzeugen, wie dem unseren, im Computer gespeichert sind und bei einer erneuten Einreise die Straßenmaut nachgefordert werden kann. Da wir jedoch nicht vorhaben nach Namibia zurückzukommen, hat sich das für uns erledigt.

 

In Botswana werden wir völlig überraschend mal äußerst freundlich empfangen, was eher nicht der Regel entspricht. Und auch hier ist es, wie in anderen afrikanischen Ländern vorher auch schon, neuer Grenzübergang, andere Beamte, neue Regeln. Beim letzten Mal hatte man uns genau die Tage nachgezählt, die wir schon im Land waren, jetzt hätte man uns nur noch etwa 70 Tage geben dürfen, wenn man von den offiziellen 90 Tagen im Kalenderjahr ausgeht. Nein, eine gut gelaunte Beamtin und rums wieder 90 Tage in diesem Kalenderjahr. Und auch die Beamtin hinterm Schalter für die Road Tax scheint uns gut gesinnt zu sein, denn wir brauchen anstatt der üblichen 270 Pula diesmal nur 150 Pula zu bezahlen. Hier soll mal einer schlau raus werden!?

 

Wir sind noch nicht weit gekommen, fällt auch schon der lang ersehnte Regen, den man in anderen afrikanischen Ländern seit Jahren vermisst. Eine willkommene Abwechslung bei den gerade herrschenden Temperaturen von um die 40°.  Wie es der Zufall so will, liegt mitten auf der Fahrbahn eine wunderschöne, todbringende Puffotter. Allerdings ist dies ein sehr gefährlicher Ort für eine Schlange. Wir starten also eine Rettungsaktion, fahren nah an sie heran und sie versucht in Goliaths Schatten zu kriegen, denn die Sonne hat sich gerade wieder einen Weg durch die Wolken erkämpft. Wieder ein Stück zurück und sie hinter uns her, bis wir den Straßenrand erreichen. Im selben Moment rauschen auch schon die ersten LKW an uns vorüber, dass wär‘s dann gewesen mit diesem schönen Geschöpf, denn kein Mensch bremst hier für eine Schlange. Man hält eher noch drauf zu, nach dem allgemeinen Tenor, nur eine tote Schlange ist eine gute Schlange!

 

Vorsicht, Raubüberfälle auf Campingplätzen in Maun!

 

In Maun angekommen, fahren wir auf das uns altbekannte Sedia Riverside Hotel mit Camping. Wir wollen hier einige Tage stehen, da wir Zeit abbummeln müssen, weil wir erst im neuen Jahr zurück nach Südafrika können, wegen dieser angeblichen 90 Tage im Kalenderjahr. Ein bekanntes Schweizer Paar gesellt sich zu uns. Eines Morgens wachen sie auf und sind völlig verblüfft ausgeraubt worden zu sein. Ihr Zelt ist aufgeschlitzt worden und alle Wertgegenstände sind weg, während sie schliefen. Leider ist es nicht das erste Mal, wir wissen mittlerweile gesichert von zwei weiteren Überfällen, an Weihnachten der letzten zwei Jahre.

                        

Wir sind wieder einmal auf dem Weg nach Nata, um von hieraus nach Kasane zu gelangen. Noch all zugut sind unsere Erinnerungen, als wir vor etwa zwei Jahren von Sambia kamen und unglaublich viele Wildtiere zu Gesicht bekamen. Wir fahren wieder diese Plätze an, doch es ist Totentanz angesagt, fast wie ausgestorben. Auf den rund 280 Kilometern bis Kasane bekommen wir vielleicht fünf Elefanten zu sehen. Trotzdem bleiben wir an manchen unserer Übernachtungsplätze einige Tage stehen. Bis auf kleinere Tiere, wie Impalas, Schakale und Vögel, bleibt die Ausbeute gering.

 

In Kasane angekommen, wollen wir uns wieder in den frei zugänglichen Wildlife Korridor stellen, der den Chobe-Nationalpark mit dem Chobe-Fluss verbindet, damit die Wildtiere Zugang zu Wasser haben. Wir haben allerdings mal wieder nicht auf den Wochentag geachtet, es ist ausgerechnet Wochenende. Freie Plätze sollten an diesen Tagen in Afrika generell gemieden werden. Anstatt ihre wundervolle Natur und seine Tiere zu genießen, kommen sie in Scharen in Autos mit dröhnender Musik, schreien so laut in ihre i-Phones, dass sie ihr Gesprächspartner auch ohne Telefon verstanden hätte. Zurückbleiben wird am Ende des Tages nur der Müll, verstreut in der Gegend. Nachdem wir mittlerweile an einem schattigen Baum umzingelt sind von Autos mit offenen Türen und lärmender Musik, flüchten wir. Bei dieser Randale lässt sich hier garantiert kein Elefant blicken. Armes Afrika!

 

Wir suchen uns wenige Kilometer außerhalb Kasanes, unweit der Straße, einen Übernachtungsplatz ohne lärmende Menschen. Marion sagt, lass uns schnell duschen, wer weiß was heute noch alles passiert. Wir sind gerade fertig, kommen schwer bewaffnete Ranger der Nationalparkbehörde und fordern uns auf den Platz zu verlassen. Hier sei es zu gefährlich wegen der Löwen, Elefanten und Wilderer. Auf der anderen Straßenseite könnten wir unser Lager aufschlagen. Auf meine Frage, ob dort keine Löwen, Elefanten und keine Wilderer seien, weil ja kein Zaun die beiden Gebiete abtrennt, kommt die Antwort, doch, aber die andere Seite läge nicht mehr in ihrem Zuständigkeitsbereich. Noch Fragen? Mittlerweile sind wir so angefressen, dass wir beschließen so weit zu fahren, bis unser GPS uns sagt, dass hier definitiv kein Nationalpark mehr ist. Also rein in die Büsche. Eine Giraffe sucht schnell das Weite. Mit skeptischem Gesicht sagt Marion plötzlich zu mir, von hieraus sind es nur noch 3 Kilometer bis zur Grenze nach Simbabwe, wenn das mal keinen Ärger mit Grenzpatrouillen gibt. Na, wie soll’s auch anders kommen. Der Gedanke ist noch nicht ganz ausgedacht, da sind sie schon im Anmarsch, getarnt und bewaffnet wie Rambo in seinen besten Tagen. Bevor sie aber nur den Mund aufmachen können, sind wir schon wieder auf dem Weg, ab in die Dämmerung, zum nächsten Stellplatz.

 

Und jetzt sind sie plötzlich alle wieder da, die wilden Tiere und versuchen in letzter Minute noch die Fahrbahn zu überqueren. Im Zickzack eiern wir über den Asphalt, hier mal einer Giraffe ausweichend, dort ein Elefant oder eine Antilope, bis wir endlich unseren „sicheren“ Übernachtungsplatz erreichen. Mehrmals zuvor war dies schon ein ruhiger Platz für uns. Wieder stehen wir unter unserem altbekannten Baum auf dem sich aber heute Nacht eine Eule niedergelassen hat, um von hieraus ihre Jagdangriffe zu starten. Wir haben die Augen noch nicht ganz zu, da landet sie auch schon auf unseren geöffneten Dachfenstern, mit dem für Eulen lauten Gekreische. Nach Stunden, wir sind gerade mal wieder eingenickt, brüllen die Löwen los. Da ist die Nacht auch schon rum. Nur mehrere starke Kaffee können unsere schweren Augenlieder an diesem Tag davor retten zuzufallen. Ich sag euch, dies war ein Samstag, der hätte nicht besser verlaufen können!

 

An diesem Tag fahren nur wenige Kilometer bis zum nächsten Wasserloch. Allerdings ist nur wenig Wasser vorhanden. Diese Wasserstelle, wie viele andere auch, ist entstanden beim Bau der A33. Hier wurde Bodenaushub zum Straßenbau verwendet. Ringsherum sind kaum noch Sträucher oder Bäume, somit haben wir einen perfekten Blick auf das Wasserloch und die umliegende Umgebung. Es gibt uns auch die Möglichkeit, uns etwas weiter vom Fahrzeug weg zu bewegen. Hier können wir z.B. Löwen schon aus größerer Entfernung erkennen und uns in unsere sichere Behausung flüchten. Aber schon in der ersten Nacht hören wir neben unserem Schlafzimmerfenster das typische dunkle Magengrollen eines Elefanten. Daraufhin wandert er zum Wasserloch und legt das Loch trocken. Da in den folgenden Tagen so gut wie kein Regen mehr fällt, bleibt auch die Wasserstelle trocken und es gibt für die Tiere keinen Grund mehr hier anzuhalten.     

 

Insgesamt halten wir es hier neun Tage aus. Jeden Tag schauen wir flehend zum Himmel, es möge doch eine Abkühlung geben, jedoch nur einmal kommt eine nennenswerte Menge an Regen runter und verschafft uns für diesen und den darauffolgenden Tag eine kleine Abkühlung. Nachdem sich in der Tierwelt herumgesprochen hat, dass Jumbo den See leergesoffen hat, kommen kaum noch Wildtiere hierher, weswegen wir beschließen nach Nata auf einen Campingplatz zurückzukehren. Hier kann man sich schließlich freier bewegen, ohne ständig das Gefühl zu haben, es würde jeden Moment ein Raubtier an deinem Hintern nagen.

 

Hier lernen wir die Schweizer Gabi und Peter kennen. Sie sind mit ihrem Globi unterwegs, einem Dreiachser MAN TGX mit 540 PS, ein unglaublich imposantes Fahrzeug, und sie bringen den lang ersehnten Regen mit. Aber nicht nur deswegen sind sie uns so sympathisch. Nach zwei Tagen verlassen sie uns allerdings wieder. Schade wir hätten gern mehr Zeit mit ihnen verbracht!

 

Video: Wild Life in Afrika

 

Nachdem wir drei Wochen auf dem Camping abgebummelt haben, machen wir uns langsam auf nach Südafrika. Doch zuvor wollen wir noch dem Rooiputs Camp im Transfrontier Nationalpark in Botswana einen Besuch abstatten. Besagtes Camp besteht aus sechs einzelnen und großräumig angelegten Campsites, aber das Besondere daran ist, es gibt keine Zäune. Also buchen wir am Eingang des Parks gleich vier Tage, indem wir uns gleich einen Südafrikaner krallen, der hier schon ein Jahr im Voraus gebucht hat und wir uns pro Forma mit ihm den Platz teilen. Andernfalls hat man hier kaum eine Chance, einen der äußerst begehrten Plätze zu ergattern. Auf den ersten Kilometern im Park liegt bei schlappen 42° schon ein Gepard hechelnd in der Mittagshitze. Andere Wildtiere wie Gnus, Impalas, Giraffen und Oryx-Antilopen tun es ihm gleich. Nach 24 Kilometern kommt unser Abzweig zum Camp und genau dort taucht ein Löwenpaar unter einem schattigen Baum auf. Ja, und wir beziehen etwa 200 Meter Luftlinie unseren Standplatz für die nächsten vier Tage. Etwas komisch ist uns schon zumute, so ganz ohne Sicherheitszaun und so!

 

Es ist der 30.12.2016. Nachdem wir an diesem Tag permanent die Gegend beobachten, ob da nicht plötzlich ein Löwe auftaucht, sind wir einen Tag später, am Silvestertag, schon ziemlich relaxt. Allein meine holde Gattin hat mal wieder mit ihrem Heuschnupfen zu kämpfen und steht ziemlich neben der Spur, während ich unter einem schattigen Unterstand der Hitze trotze. Marion geht es im Laufe des Tages aber immer schlechter, weswegen wir unsere Silvesterfeier mit Lagerfeuer auf den 1. Januar verlegen wollen. So liegen wir also an diesem Tag schon früh in der „Heia“ und schnorcheln vor uns hin, als wir genau um 23.30 Uhr abrupt aus unseren Träumen gerissen werden. Mit rasender Pumpe sitzen wir kerzengerade in der Kiste. Liegt da doch etwa zehn Meter neben unserem Schlafzimmer ein ausgewachsener Löwe und brüllt seinem Kollegen etwas zu, der nicht weit entfernt im Gras liegt. Das Blitzlicht unserer Kamera kann ihn gerade noch so ablichten. Ich sage euch, dieses Geräusch, so laut, so eindringlich, dass es einem durch Mark und Bein geht, werden wir nie wieder vergessen. Und nun ja, ein gutes hatte der verschobene Silvesterabend, oder? Wir stellen uns gerade vor wie wir so locker flockig am Lagerfeuer sitzen, ordentlich einen in der Lampe haben und………………….?!

 

In den folgenden Nächten hören wir sie immer wieder brüllen und sehen ihre Pfotenbdrücke, wie sie an Goliath vorbeigezogen sind und sich irgendwo in der Landschaft verlaufen. Völlig lautlos sind sie scheinbar an uns vorbeigeschlichen. Das wird uns für immer ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

 

Am 02.01.2017 machen wir uns zur südafrikanischen Grenze auf, in der Hoffnung, ein weiteres Mal nach Südafrika einreisen zu können.

 

Man sieht sich und bis dahin „Die 2“.

 





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