Simbabwe

 

Reisezeit: 01.12. – 11.12.2015

 

Visum: Visa on Arrival, 30 Tage Aufenthalt, 30 Euro/Person.

Carnet de Passages: Ja.

Währung: US$. 1 € = 1,10 US$.

Diesel:  1,13 – 1,19 US$

Benzin: 1,30 – 1,36 US$

Fahrzeugversicherung: Die an der Grenze abzuschließende Abgassteuer (Carbonsteuer), beinhaltet angeblich auch eine Fahrzeugversicherung. Wie und was versichert ist??? Wir haben versucht an der Grenze eine separate Versicherung abzuschließen, aber das Büro hatte auf unbestimmte Zeit geschlossen.

 

Noch auf südafrikanischer Seite gehen wir mit ungutem Gefühl zur Passkontrolle, da ich noch immer nicht meine Visumsverlängerung im Pass habe. Und wie erwartet macht die Beamtin des Home Affairs eine Riesenwelle. Alle Erklärungen meinerseits und mit allen Papieren, die ich habe, auf denen ich beweisen kann, dass mein Visum bis vor wenigen Tagen verschwunden war, zeigt die Beamtin kein Erbarmen. Mit den Worten: „Ich werde ihnen eine Einreisesperre verpassen“, schließt sie ihren letzten Satz. Mein letzter Trumpf ist die Telefonnummer eines hohen Tieres beim Home Affairs in Kapstadt. Unwillig nimmt sie die Nummer entgegen und ……… Scheiße, am anderen Ende nimmt keiner ab. So langsam rinnt mir der Schweiß von der Stirn und nicht nur, weil es draußen mehr als 35° hat. Ich rufe unseren Freund Brian in Kapstadt an, der wiederum schickt Mr. Mackay eine SMS, weil der gerade in einer Sitzung ist und nicht ans Telefon geht. Mr. Mackay verlässt daraufhin augenblicklich die Sitzung und ruft die Beamtin an. Nach kurzer telefonischer Debatte fliegt mein Pass mit offiziellem Ausreisestempel über den Tresen, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Auch Marion kriegt noch ihr Fett ab mit den Worten: Es sei der vorletzte Tag um aus Südafrika auszureisen, viel Zeit bliebe ihr nicht mehr. Wir denken nur, du dumme Nuss, was glaubste warum wir hier stehen!

Erleichtert verlassen wir Südafrika und fahren auf die Grenze von Simbabwe zu. Welch chaotische Verhältnisse uns hier erwarten kann man kaum beschreiben. Alle Schalter sind mit langen Schlangen belegt und alle zwei Minuten quatscht dich ein nerviger Schlepper an, der dir bei den Grenzformalitäten helfen will, gegen Bezahlung versteht sich. Nach etwa 2 ½ Stunden können wir nach Simbabwe einreisen. Dies war einer der schlimmsten Grenzübertritte, die wir seit 2004 hinter uns gebracht haben! Ich glaube schlimmer war nur Nicaragua.

Wenn auch die meisten Grenzbeamten sehr unfreundlich gewesen sind, können wir das von der normalen Bevölkerung nicht behaupten. Von überall erhalten wir Zurufe wie: Welcome in Simbabwe, oder die Menschen halten den Daumen hoch usw. Mein Navigator hatte im Vorfeld schon einen Camping wenige Kilometer hinter der Grenze ausfindig gemacht, der mit moderaten 120 Rand p.P. zu Buche schlagen sollte. Nun hat der Betreiber mal eben den Preis auf schlappe 20 U$ p.P. raufgesetzt, bei schlechtem Standard versteht sich. Normalerweise checken wir die ersten Tage in einem neuen Land erst einmal die neuen Gegebenheiten ab, jedoch in diesem Fall legen wir den Rückwärtsgang ein, schlagen uns unweit des Wuchercampings in den Busch und verbringen eine herrlich ruhige Nacht, die nix kostet. Unser Gefühl sagt uns auch sehr schnell, daß man an vielen Stellen wild übernachten kann, auch in der Nähe von menschlichen Behausungen, da die Menschen äußerst freundlich sind, und dieses Gefühl hat uns bislang noch nie getäuscht. Auch der zweite Tag in Simbabwe bestätigt uns wieder, dass alle Staatsangehörigen, in diesem Fall die Polizei, allem Anschein nach zum Lachen in den Keller geht. Wir sind mit 7 km zu schnell, erlaubt waren 60 km/h, was uns unsere ersten 10 U$ kostet. Weitere acht Mal werden wir an diesem Tag aus dem Verkehr gezogen, allerdings nicht, weil wir zu schnell waren, nein, weil da eine Kuh kommt, die man melken kann und das kotzt einen schon an diesem zweiten Tag ziemlich an. Das geht an jedem Tag ähnlich so weiter, häufig wollen sie auch nur den Führerschein sehen, aber bei anderen Kontrollen sind sie richtig gehässig und suchen gerade danach dir eins auszuwischen. So ein Tag ist heute. Mindestens drei Mal sind wir schon wieder rausgezogen worden und ich dementsprechend angepisst.

Polizist: „Die drei Unterlegkeile sind nicht richtig befestigt, kostet 15 U$."

Ich: „Ich bezahle nicht."

Polizist: „Sie wollen nicht bezahlen?“

Ich: „Nein.“

Fünfmal dieselbe Frage, fünfmal dieselbe Antwort, blödes Spiel, oder?

Polizist: „Ok, aber die weißen Reflektoren in Front sind nicht durchgängig, kostet 20 U$.“

Ich: „Die Kuh wird heute nicht gemolken und außerdem scheinen ihre Kollegen vor ihnen alles Idioten zu sein, denn die haben keine Mängel festgestellt und alles für gut befunden. Und außerdem brauche ich noch ihren Namen und Dienstgrad, denn wir sind auf dem Weg nach Harare, wo ich mich bei ihrer Dienststelle beschweren werde.“

Ich bekomme meinen Führerschein wieder und er wünscht uns noch eine schöne Zeit in Simbabwe. Diesmal ist es nochmal gut gegangen, aber wenn das so weiter geht, sind wir schnell wieder raus hier.

Als wir bei den Ruinen von Great Simbabwe ankommen, bin ich auch schon wieder etwas angefressen, weil der blöde ausländische Tourist den dreifachen Preis abdrücken muß. Als wir uns beschweren, steht ein weißer Simbabwer neben uns und meint, aber sein Land sei doch wunderschön, so nach dem Motto, daß kostet eben etwas mehr. Ich antworte ihm, er könne gerne unsere 30 US$ übernehmen, er würde nicht gerade arm aussehen mit seinem V8 Toyota Landcruiser nebst Fahrer. Daraufhin wirft er seinen Hintern beleidigt rum und verschwindet. Alles in allem hat sich der Besuch für uns nicht gelohnt. Zum Teil liegen die alten Mauern nur noch als Ansammlung loser Steine auf einem Haufen oder aber Restaurationen sehen so stümperhaft aus, als wenn man hier eine Vorschulklasse rangelassen hätte. Und auf dem angrenzenden Camping müssen wir uns von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang mit Affenhorden von bis zu 60 Tieren rumschlagen, die alles Essbare klauen, was du mehr als 2 Sekunden aus den Augen lässt und das nur, weil fast jeder Tourist, sei es einheimisch oder ausländisch, diese süßen kleinen Monster füttert, obwohl große Schilder aushängen, bitte nicht füttern. Kommt dann mal nichts mehr, werden sie sehr schnell äußerst aufdringlich und stehlen es einfach. Aber wenn sich dann wie in vielen Fällen auch noch die Paviane  dazugesellen, dann ist es eben nicht mehr nur lästig, sondern wird äußerst gefährlich. Es soll schon Campingplätze gegeben haben, die aufgrund einer solchen Affenplage schließen mussten.   

Einen Tag später. Stell dir vor, du gehst im afrikanischen Busch spazieren und neben dir  spazieren zwei Löwen?! Kein Scheiß, dass kann dir passieren, wenn du bereit bist, dir den Spaß 79 US$/Person kosten zu lassen. Die beiden niedlichen Katzen heißen Alica und Africa, sind beide 17 Monate alt und etwa 90 Kilo schwer. Sie gehören zum Antelope Park in Simbabwe. Nachdem wir morgens um 6.15 Uhr einige Verhaltensregeln erklärt bekommen, wie z.B.: sich nicht von vorne nähern, nur von hinten; nicht im Gesicht und an Ohren berühren; keine hektischen Bewegungen machen; nur streicheln nicht kraulen, usw., machen wir uns mit drei Begleitern auf den Weg, jeder nur mit einem Holzstock bewaffnet, der unser Löwenpaar auf Abstand halten soll. Beide sind noch sehr verspielt und an Menschen gewöhnt und trotzdem stellen sich uns bei jedem Annährungsversuch die Nackenhaare auf. Alica und Africa gehören zu einem Zucht- und Auswilderungsprogramm des Parks. Da die Löwenpopulation in Afrika stetig abnimmt, hat man hier dieses Programm ins Leben gerufen, angeblich mit Erfolg. Bis zu 18 Monaten nehmen sie an diesem Wanderprogramm Teil, danach festigen sie ihren Charakter und sie werden für den Menschen zu gefährlich. 1 ½ Std. sind wir mit ihnen unterwegs und mehrmals dürfen wir miterleben, wie Alica, die Löwin, ihrem Jagdinstinkt folgt und Impalas hinterherjagt, aber bislang ohne Erfolg. Auf dem Rückweg zeigen beide starke Ermüdungserscheinungen, legen sich einfach hin, versuchen auszuruhen, aber unsere Begleiter treiben sie immer wieder an, bis wir wieder an ihrem Gehege angekommen sind. Wir fragen nach, warum sie so schnell ermüden. Die Antwort: Löwen haben eine sehr kleine Lunge, die nur für kurze Sprints oder kleine Wege ausreichen, um den Körper genügend mit Sauerstoff zu versorgen, danach bauen sie sehr schnell ab. Sie jagen max. 1 Std. am Tag und der Rest des Tages wird mit schlafen oder ausruhen verbracht. Dieser „Wandertag“ gehört unbestritten zu den eindrucksvollsten Tiererlebnissen, die wir bislang hatten. Am gleichen Tag erleben wir noch eine Fütterung von ausgewachsenen Löwen, die einen auch nicht ganz unbeeindruckt lässt, wie unser Video zeigt.

Video: Löwenfütterung

Dem Löwenwandertag folgt ein Elefantenwandertag. Vier etwa 28 Jahre alte Elefanten wurden dem Park vor einigen Jahren übergeben, die Farmer bei der großen Dürre 1992 als Babys gerettet hatten. Da sie an Menschen gewöhnt und sehr zutraulich sind, eignen sie sich eben gut für dieses Programm. Es geht über Stock und Stein, durch Büsche und hohes Gras. Unsere vier Elefantenbegleiter geben Ton und Richtung an, was aber nicht immer funktioniert, denn die Leitkuh setzt öfter mal ihren eigenen Kopf durch und wir „dackeln“ brav hinterher. Während sie fressen, können wir ihnen auf Tuchfühlung nahe sein, sie füttern oder auch anfassen. Während unseres Spaziergangs erfahren wir nebenbei viel über das Leben der Elefanten. Manchmal sind wir ihnen so dicht auf den Fersen, dass wenn einer der Vier einen „Fahren“ lässt, einem die Haare nach hinten wehen. Wann wird einem so etwas schon geboten?

Video: Wandern mit Elefanten

Nach drei Tagen verlassen wir den Antelope Park, um einen kleinen Abstecher zum Lake Kariba zu machen, jedoch starten wir hier nach zwei Tagen auch schon wieder durch. Zum einen macht uns die immer noch anhaltende Hitze schwer zu schaffen, zum anderen haut uns die Gegend nicht gerade vom Hocker. Leider müssen wir heute um unseren letzten Continental Reifen trauern, der mit seinen 90000 Kilometern in die ewigen Jagdgründe  eingefahren ist. Das Profil hätte er mindestens noch für weitere 20000 Kilometer gehabt, aber ein langer Riss im Inneren des Reifens, quer zur Fahrtrichtung, machte ihm vorzeitig den Garaus.

Wir sind auf dem Weg nach Victoria Falls, um hier nach Sambia auszureisen. Aber Präsident Mugabe ist gerade zu einer Konferenz hier eingetroffen und die Stadt ist zum Bersten voll, alles ist in Partylaune. Die Victoriafälle brauchen wir von dieser Seite auch nicht besuchen, weil nur ein kleines Rinnsal aufgrund der großen Dürre die Schlucht hinabstürzt. Also nix wie raus aus diesem Abzockerland !

 

Fazit: In der kurzen Zeit, in der wir dieses eigentlich schöne Land durchreist haben, haben wir durchweg freundliche Menschen angetroffen. Die Möglichkeit wild zu übernachten war für uns fast überall gegeben und wir haben uns in dieser Beziehung nirgendwo unwohl gefühlt. Jedoch starke Restriktionen seitens der Regierung sowie die häufigen Polizeikontrollen mit seinen äußerst unangenehmen Beamten, machen einem den Entschluss leicht, dass Land schleunigst wieder zu verlassen. Andere Gründe wie z.B. die Road Tax, die mit 70 US$ zu Buche schlägt, endet bereits nach 2 Wochen, obwohl das Visum für einen Monat gilt. Zum anderen muß bereits an der Grenze die exakte Reiseroute festliegen, da aufgrund dieser Route die Road Tax bezahlt wird. Abweichungen werden empfindlich bestraft. Lodgen und Campingplätze haben zum großen Teil jeglichen Bezug zur Realität verloren, was Preis und Ausstattung angeht, deshalb sind wir mit Sicherheit das erste und letzte Mal in Simbabwe gewesen.  

 

Bis dahin. Die 2.

 

Video: Geschickter Vogel





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