Südafrika – Eine landschaftliche Schönheit.

 

Reisezeit: 01.09. – 06.10.2015

 

Visum:  Wir haben beim Department of Home Affairs (nur noch online möglich) eine Visumsverlängerung für weitere 90 Tage beantragt. Kosten dafür: 1775 Rand/Person.

Carnet de Passages: Ja.

Währung: Rand. 1 Euro = 15,30 Rand.

Diesel: 10,95 Rand/l.

Benzin: 11,50 Rand/l.

Bargeld: An zahlreichen ATM.

Kreditkarten: Große Akzeptanz.

Fahrzeugversicherung: Personenschäden sind über eine Abgabe beim Treibstoff geregelt, eine Fahrzeugversicherung kann separat abgeschlossen werden.

 

Dienstag, 01.09.2015, unser Treffen mit dem Tourismusminister war wie erwartet ein Griff ins Klo. Außer ein bisschen Small Talk und Shake Hands, wir seien ein Beispiel für die schlecht arbeitenden Behörden, welches man in Zukunft in den Griff bekommen müsse und bla bla bla, typisch Politiker halt. Das einzig Gute an diesem Treffen sind die leckeren Törtchen und der Kaffee, aber dafür hätten wir keine 80 Kilometer fahren müssen. Und unsere sehnlichst erwarteten Visumsverlängerungen bekommen wir an diesem Tag auch nicht. Erst am Ende der Woche bekommt Marion Bescheid, sie könne ihr Visum in Kapstadt abholen, von meinem Visum keine Spur. Es heißt also weiterhin warten. Unsere „Schlafsäle“ in Deutschland sind ja bekannt für ihre behäbige Arbeitsweise, aber was hier im Land abgeht spottet jeder Beschreibung. So gut wie jeder beklagt die schlampige und unqualifizierte Arbeitsweise in südafrikanischen Behörden und nicht wenige sehen schon ein zweites Simbabwe auf sich zukommen, bestes Beispiel ist der tägliche Verfall der Währung. Das ist allerdings ein kleines Trostpflaster für uns, denn unser Aufenthalt hier wird immer billiger. Am Montag den 07.09. bietet unser Bekannter Nic uns an, bis zu unserer Abreise auf seinem Firmengelände zu stehen und er stellt uns gleichzeitig für die gesamte Zeit eines seiner Firmenfahrzeuge zur Verfügung, damit wir Marions Visum schon mal abholen können. Wenigstens das haben wir schon mal im Sack.

Endlich kommen wir auch dazu unsere Bekannten Jacquie und Wolfi zu besuchen, die wir seit 9 Jahren nicht mehr gesehen haben. Von ihnen aus ist es nur ein Katzensprung bis nach Simonstown, von wo aus man organisierte Bootstouren zu den Weißen Haien unternehmen kann. Ich möchte gerne diese wunderschönen Tiere unter Wasser sehen – im Käfig natürlich!

 

Video: Fahrt durch Simonstown

 

Aber auch hier hat uns die lange Wartezeit bei MAN einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die meisten Touranbieter geben erstaunlicherweise eine ehrliche Auskunft, es sei keine gute Zeit um die großen Weißen zu sehen. Die beste Zeit sei von Mai bis Ende August. Ein guter Grund für uns, nochmal wieder zu kommen.

Mittlerweile haben wir den 14.09.2015 und mein Visum ist immer noch nicht in Sicht. Unser Freund Brian bimmelt mindestens zwei Mal am Tag beim Department of Home Affairs an, um irgendwelche Neuigkeiten zu erfahren. Man sei auf der Suche nach meinem Visum, versichert man ihm, man werde sich heute noch melden. Diese Aussage haben wir allerdings nur allzu oft schon gehört. Das ist genauso eine windige Aussage wie, wir machen einen Plan – soll wahrscheinlich auf südafrikanisch heißen, du kannst mich mal!!! Natürlich bekommen wir keine Nachricht mehr an diesem Tag.

Ganz in der Nähe gibt es einen Schmetterlings- sowie einen Löwenpark, den wir besuchen wollen. Im Schmetterlingspark gibt es nicht nur allerhand Schmetterlinge, sondern auch anderes Getier, wie unter anderem eine Vielzahl von Papageien, die sich hier mehr oder weniger frei bewegen können. Einige landen einem auf der Schulter, knabbern dir am Ohrläppchen oder zupfen dir die Barthaare, andere geben sogar Küsschen. Anschließend geht’s zum Löwenpark. Hier werden zurzeit durch Spendengelder 29 Löwen und zwei Bengalische Tiger gehalten. Die Tiere kommen häufig mit schweren gesundheitlichen Schäden aufgrund schlechter Ernährung aus aller Welt; entweder aus Zoos oder schlechter privater Haltung, vor allem aus Rumänien. Hier können sie ihr Rentendasein in geräumigen Gehegen bis ans Ende ihrer Tage genießen. Jedes dieser imposanten Tiere hat seine eigene Leidensgeschichte und es ist für uns unfassbar zu welchen Dummheiten und Grausamkeiten der Mensch fähig ist.

Nach weiteren 11 Tagen des Wartens auf mein Visum bei unserem Freund Nic, entschließen wir uns endlich aufzubrechen. Unser Plan ist, solange weiterzufahren, bis ich Bescheid bekomme, dass mein Visum in Kapstadt abgeholt werden kann, wir dann den nächstgelegenen Flughafen ansteuern und ich nach Kapstadt fliege.

Bis Montagu sind wir auf Asphalt unterwegs, man muß sich ja schließlich an das neue Fahrgefühl mit dem neuen Verteilergetriebe gewöhnen und ich muß sagen, es fühlt und hört sich gut an. Der Caravanpark in Montagu ist perfekt dazu geeignet, um ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen. Mit seinen beheizten sowie kalten Swimmingpools und den vielen Wanderwegen ist er gut geeignet, den Stress der letzten Wochen abzubauen. Marion macht das auf ihre Art, indem sie zwei Mal am Tag in dem arschkalten Außenpool ihre Bahnen zieht. Ich bin mittlerweile eher das Weichei geworden und ziehe den 29°C warmen Innenpool vor.

Die Cango-Grotten stehen als nächstes auf dem Plan. Dieses mehrere Kilometer lange unterirdische Höhlensystem sollte man sich nicht entgehen lassen. Riesige Grotten mit unzähligen Stalagtiten und Stalagmiten werden hier wegen der außergewöhnlichen Akustik für Musikveranstaltungen genutzt.

Wie schon bereits des Öfteren hier schon erwähnt, ist Marion für die Routenplanung zuständig. Heute steht die Old Seven Passes Road auf dem Programm und was wir gar nicht glauben können ist, daß Südafrika so viele und schöne staubige Pisten zu bieten hat. Nicht immer kann man diese auch durchgehend befahren. In unserem Fall ist wenige Minuten vor uns ein voll beladener Sattelzug in einer engen Kurve von der Piste gerutscht und blockiert nun unseren Weg. Wir müssen umdrehen, denn warten hat in diesem Fall keinen Sinn; bis hier geeignetes Bergegerät auftaucht, kann Tage bis Wochen dauern.

 

Videos: Huis Se Hoogte Pass ; Prince Alfred Pass ; Prince Alfred Pass

 

Als kleines Trostpflaster hat Marion uns am nächsten Tag den Prinz Alfred Pass auserkoren. Einige Stunden sind wir schon auf traumhaften Bergpisten unterwegs, bis ein Schild uns bremst: über 10 Tonnen verboten. Aber was machen 2 Tonnen mehr oder weniger schon aus?! Also weiter geht’s. Nach wenigen Kilometern wird die Piste allerdings immer schmaler, bis es nur noch einspurig weitergeht. Steil abfallende Hänge, zu allem Unglück auch noch auf Marions Seite; Spitzkehren, die ich so gerade ohne zurücksetzen meistern kann und deren Ränder entweder weggebrochen oder notdürftig mit Felsbrocken geflickt sind, lassen die Laune meiner Frau auf ein neues Tiefstniveau sinken. Als uns dann noch PKW entgegen kommen, die dann zurücksetzen müssen, bis eine geeignete breite Stelle gefunden ist, damit wir gefahrlos aneinander vorbeikommen, belegt sie sich mit Selbstflüchen, wie sie so dämlich sein kann, solch eine Strecke auszusuchen und ähnliche Sachen. Ich lass sie in dieser Situation ruhig vor sich hinfluchen, ich komme dafür voll auf meine Kosten.

Auf einer dieser schönen Pisten fahren wir auf einem Teilstück, wo das Farmland mal nicht eingezäunt ist. Dämme sowie kleinere Teiche, die als Viehtränken dienen, werden von vielen Tieren genutzt, unter anderem von den hier sehr zahlreich vorkommenden großen Landschildkröten. Die mehr als 50 cm großen Tiere scheinen sich heute zu einem gemeinsamen Stelldichein zusammengefunden zu haben. Auch auf den zum Teil schnellen Pisten sind sie häufig unterwegs und nicht selten muß ich Goliath abrupt zum Stehen bringen, um sie nicht zu einer Briefmarke zu verwandeln. Marion trägt sie dann von der Straße und setzt sie wieder auf sicherem Gelände aus.

Wenig später suchen wir uns einen Nachtplatz unweit der Piste. Am späten Nachmittag hält Brian, ein hier ansässiger Farmer bei uns an. Er meint, es sei keine gute Idee hier zu übernachten, da mit seinem Nachbar nicht zu spaßen sei. Er würde uns womöglich in der Nacht bewaffnet mit einem Gewehr in der Hand aus den Federn werfen oder sogar die Polizei rufen. Um diesem möglichen Ärger aus dem Weg zu gehen, bietet uns Brian an, auf seinem Grundstück zu übernachten. Wenig später lernen wir seine Frau Stacy, seine beiden kleinen Söhne sowie die vier Wachhunde kennen. Bei einem gemütlichen Grillabend mit reichlich Wein werden wir eingeladen einige Tage bei ihnen zu verbringen. So könne man uns morgen einen Teil ihrer 10000 ha großen Farm zeigen, um einen kleinen Einblick in das Farmerleben zu bekommen. Wir nehmen dankend an.

 

Video: Landschildkröten im Liebesrausch

 

Am nächsten Morgen brechen wir auf. Nebenbei bemerke ich, daß 10000 ha doch ganz schön viel Land sei und Brian lacht. Dabei sei er nicht mal einer der Größten, es gebe Farmen mit 40000 ha Land und mehr. Der größte Teil seiner Farm wird als Weideland für die etwa 5000 Merinoschafe genutzt, ein kleiner Teil für einige Rinder und wenige Angoraziegen. Das gesamte Land ist in verschiedene eingezäunte Sektionen eingeteilt, in denen die Tiere sich aufhalten. Es gibt normale mit Maschendraht und andere Umzäunungen, die unter Strom stehen. Letztere werden genutzt, wenn die Schafe ihre Jungen zur Welt bringen, um sie vor Luchsen und Schakalen zu schützen. Weiterhin werden die Herden von mehreren anatolischen Hütehunden bewacht. So reduziert sich die Zahl der getöteten Jungtiere auf etwa 40 im Monat, andernfalls wären es doppelt so viele. Die meisten Farmer gehen aber den einfacheren Weg – sie schießen die „Räuber“ einfach ab. Brian glaubt, daß das der falsche Weg ist, schließlich sind die Menschen die Eindringlinge und man müsse so gut es geht im Einklang mit der Natur leben.

Auf unserem Weg kommen wir an einem Gehege vorbei, indem etwa 500 Schafe untergebracht sind, einige haben gerade Junge bekommen. Brian ist beunruhigt, nach seiner Rechnung sollte diese Gruppe erst in 4 Wochen ihre Jungen zur Welt bringen. Auf dem schnellsten Weg fahren wir nach Hause, um in seinen Notizen nachzuschauen und siehe da, er hat sich um einen Monat verrechnet. Er sagt, dass wir etwas unternehmen müssen. Im Moment sind es nur 4-5 Junge, morgen sind es 50-100, fünf Tage weiter sind es mindestens 500 neugeborene Schafe. Wir müssen die Herde in einen gesicherten Bereich treiben, ansonsten werden nur einige wenige überleben. Ein einziger Luchs könne bis zu 20 Lämmer am Tag töten, wobei er nur eines frisst. Es ist Samstag, seine eigenen Leute sind nicht auf der Farm, so fahren wir in das 40 Kilometer entfernte Dorf und trommeln etwa zehn Leute zusammen, die noch nüchtern genug sind, um diesen Job zu erledigen. Es ist schon dunkel geworden und die Herde ist endlich im gesicherten Bereich. Etwa 30 Lämmer sind unterwegs zur Welt gekommen, sie werden auf der Ladefläche des Pickup transportiert und später den Müttern zurückgegeben. Eine Inspektion am nächsten Tag zeigt, es war allerhöchste Zeit, denn an diesem Morgen hat sich die Zahl der Jungtiere auf etwa 150 erhöht, wovon im ungesicherten Bereich wahrscheinlich nur wenige überlebt hätten.

Brian ist enttäusch, als wir uns nach vier Tagen entschließen wieder aufzubrechen. Zurzeit müssten einige Kilometer Zaun erneuert werden und er braucht noch jemanden, der seine Leute beaufsichtigt, wobei Marion sich mit Stacy rund ums Wohnhaus zu schaffen machen könnte. Es reizt uns schon, aber mehr als drei Monate Stillstand in Kapstadt reicht uns fürs Erste.

 

Videos vom Addo Nationalpark: Elefanten ; Kudus ; Geparden ; Webervögel sind Künstler im Nestbau ;

 

Also machen wir uns zum zweiten Mal auf, den Addo NP zu besuchen. Am Gate kaufen wir uns die „Wild Card“. Mit dieser Eintrittskarte kommen wir innerhalb eines Jahres in mehr als 80 Nationalparks und Naturreservate in Südafrika. Vier Tage bleiben wir im Park, aber das Highlight für uns ist eindeutig der dritte Tag. An dem Aussichtspunkt, an dem wir uns letztes Jahr über das Hinweisschild „Vorsicht Löwen, aussteigen auf eigene Gefahr“ gewundert haben und auf einer Bank bei einer Tasse Kaffee die schöne Aussicht genossen haben, liegen heute zwei ausgewachsene Löwenmännchen und halten ihren Mittagsschlaf. Nachdem wir sie etwa 2 Stunden beobachtet haben, fahren wir weiter. Keine Hundert Meter entfernt sitzen plötzlich drei Geparden im Gras und beobachten die Gegend. Und zum guten Schluss, wir sind schon wieder auf dem Weg zum Ausgang, kommen wir um eine scharfe Kurve, und da kommt uns ein Elefant auf der Piste entgegen, der  keine Anstalten macht in die Büsche auszuweichen. Ich halte dicht am Pistenrand, schalte den Motor ab und dieser riesige Bursche trottet gemächlich 1 ½ Meter an uns vorbei. Ein unbeschreibliches Gefühl und wir sind heute voll auf unsere Kosten gekommen.

 

Video: Elefant im Addo

 

Bis dahin. Die 2.