Südafrika - Unfreiwilliger Zwangsurlaub.

 

Reisezeit: 04.06.2015 – 31.08.2015

 

Visum: Bis zu 90 Tage im Kalenderjahr an der Grenze erhältlich.

Carnet de Passages: Ja.

Währung: Rand. 1 Euro = 14,80 Rand.

Diesel: 11,49 Rand.

Bargeld: Fast an jeder Ecke am ATM. Die Standard Bank spuckt bis zu 5000 Rand aus.

Kreditkarten: Große Akzeptanz von Visa und Master.

Fahrzeugversicherung: Personenschäden beim Unfallgegner sind automatisch über den Spritpreis abgesichert. Gegen Fahrzeugschäden braucht man eine Extraversicherung.

 

Am 04.06.2015 stehen wir an der Grenze zu S-Afrika bei Vioolsdrift. Durchweg freundliche Beamte bearbeiten unsere Papiere in Windeseile, was man von unserer Ausreise aus Namibia nicht gerade behaupten konnte. Die Dame, die unsere Pässe bearbeitet, fragt uns: Wie lange möchten Sie sich in S-Afrika aufhalten? Na ja, wenn sie uns so fragen, dann hätten wir gerne 6 Monate. Ok, sagt sie, ich gebe ihnen 90 Tage. Der Stempel knallt in unsere Pässe und schon stehen wir wieder einmal in S-Afrika. Wir wollen nach Kapstadt, um Jacquie und Wolfie zu besuchen. Sie haben uns 2006, in der Zeit als unsere Verschiffung nach Argentinien näher rückte, viel geholfen und wir freuen uns, sie endlich wiederzusehen. Am schnellsten geht es natürlich über Asphalt, aber da uns die Piste über den Cederberg so gut gefallen hat, als wir letztes Jahr S-Afrika verlassen mussten, beschließen wir diese Strecke noch einmal zu fahren, eben nur in die andere Richtung. Vorbei an wunderschön gelegenen Weingütern, die sich in die herrliche Bergwelt eingepasst haben. Auch unseren alten Übernachtungsplatz finden wir wieder, inmitten des Leopardenschutzgebietes. Aber auch diesmal läuft uns keiner über den Weg. Dafür verbringen wir mal wieder eine Null-Grad-kalte Nacht. Ist halt eben Winter hier.

Irgendwann kommt ein Abzweig zum Bain‘s Kloof Pass, unser Navi warnt uns, keine großen Fahrzeuge erlaubt. Na, was heißt schon große Fahrzeuge? Sind wir schon groß? Am Abzweig macht uns ein Hinweisschild aufmerksam: Fahrzeuge bis max. 9 Meter Länge und 3,87 Meter Höhe dürfen hier durch. Also abgebogen und los geht’s. Eigentlich ist die Straße viel zu schmal für uns. Die meiste Zeit nehmen wir die andere Straßenseite mit in Beschlag, um nicht in das steil abfallende Flusstal zu rutschen. Die paar Steine, die als Begrenzung dienen sollen, würden uns sowieso nicht aufhalten. Marion stehen schon wieder die Nackenhaare hoch, krampfhaft klammert sie sich fest, als wenn das was nützen würde!? Irgendwo in der Mitte der Strecke merkt man dann auch warum die Höhenbegrenzung von 3,87 Meter ist. Ein Felsüberhang erstreckt sich fast über die gesamte Fahrbahnbreite. Bei uns bleiben noch etwa 30 cm Platz. Wir tasten uns langsam drunter durch, denn nicht immer ist solchen Maßangaben zu trauen. Das einzig gefährliche an dieser Strecke sind einfach nur die entgegenkommenden Fahrzeuge, die auf diesen Serpentinen nicht mit uns rechnen. Aber am Ende geht alles gut. Ich hatte meinen Spaß, Marion nicht so wirklich. Meiner Meinung nach sollte man sich diese landschaftlich besonders schöne Strecke nicht entgehen lassen.

 

1. Bain's Kloof Pass ; 2. Bain's Kloof Pass ; 3. Bain's Kloof Pass .

 

Mit Schrecken und Enttäuschung vernehmen wir seit einiger Zeit immer wieder mal Geräusche aus unserem Verteilergetriebe, sodass wir unseren Plan, unsere Bekannten zu besuchen, vorerst über den Haufen werfen und erst einmal MAN in Kapstadt anfahren. Hier hatten wir vor etwa 10 Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht. Logischerweise können auch sie keine Ferndiagnose stellen, also wird unser VTG zum dritten Mal innerhalb eines Jahres ausgebaut und zur Überprüfung zum Getriebespezialisten ZF gebracht, da man bei MAN keine Zeit hat. Das Resultat ist fast unglaublich, aber war. Da haben die Idioten in Windhoek einige Monate zuvor, zwar das defekte Lager ausgetauscht, aber genau so verkehrt wieder eingebaut wie die Weihnachtsmänner etwa ein Jahr vorher in Südafrika. Daraus haben sich mittlerweile größere Folgeschäden entwickelt. Gleichzeit hat man einige gravierende Schäden beim ersten Mal übersehen oder nicht beachtet, woraus auch wieder Folgeschäden entstanden sind. Für uns allerdings Glück im Unglück, da wir noch rechtzeitig zwei Monate vor Ablauf der einjährigen Garantie hier ankommen. Die endgültige Rechnung beläuft sich auf mind. 180000 Rand, was beim derzeitigen Umrechnungskurs etwa 13300 Euro bedeutet. Die Getriebefirma Cabris, die von MAN in Pinetown angeheuert wurde, um den Schaden zu reparieren, stimmt letztendlich auf massiven Druck von MAN zu die gesamten Kosten zu übernehmen. Allerdings ergibt sich ein kleines aber nicht unerhebliches Problem. Vier Teile der langen Liste sind angeblich nirgends mehr aufzutreiben. Unser Freund Harald in Deutschland wusste von unserem Problem und verweist mich auf Toni Maurer; er soll einige neuere Versionen von VTG rumliegen haben, die bei uns evtl. passen könnten. Ein Anruf bei Maurer bestätigt es. Die Fa. Cabris stimmt dem Deal zu, wohlwissend, dass sie bei dieser Geschichte wesentlich billiger wegkommt, als die Ersatzeile zu besorgen. Aber ab jetzt beginnt eine Odyssee, die an Unglaublichkeit nicht mehr zu toppen ist. Alles, aber auch restlos alles, was schief laufen kann, läuft schief. Angefangen von Verständigungsschwierigkeiten bis hin zu Bequemlichkeit und angeblicher Nichtzuständigkeit von Seiten Deutschlands sowie Südafrikas, braucht unser VTG  sage und schreibe sieben Wochen, um seinen Bestimmungsort in Kapstadt zu erreichen.

Wir vertreiben uns derweil auf dem MAN-Gelände die Zeit mit Grillen, Weintrinken und Radfahren. Einige Male werden wir zum Grillen eingeladen, wie z.B. von Anita und Nic. Nic fährt jeden Morgen auf dem nahegelegenen Freeway auf dem Weg zu seiner Firma an MAN vorbei. Plötzlich steht er eines Tages vor uns, mit den Worten, er sei an uns und unserem Fahrzeug interessiert. Er habe morgen Geburtstag und würde sich freuen, wenn wir an seiner Feier teilnehmen würden. Auch an den Transport habe er schon gedacht, drückt uns den Schlüssel seines fast neuen Ford Pickups in die Hand und ist auch schon wieder verschwunden. So ganz nebenbei könnten wir das Fahrzeug, welches am Montag wieder abgeholt würde, auch noch am bevorstehenden Wochenende benutzen. Wie bitte? Kann man das glauben, oder gibt’s hier einen Haken? Versteckte Kamera oder so? Wir verbringen eine nette Geburtstagsfeier in netter Gesellschaft.

Aber auch Derick und seine Frau Nadia sind zwei von der netten Sorte. Auf der Suche nach einem zweiten Klapprad für Marion, gerate ich in einem Fahrradladen an Derick, der hier versucht Fahrräder an Mann und Frau zu bringen. Auch bei ihnen verbringen wir letztendlich mehrere schöne Abende, allerdings in dicken Winterklamotten. In seinem Haus ist es so arschkalt, dass selbst der gemütlich wirkende Kamin die Hütte nicht aufwärmen kann. Einfachverglasung, fehlende Isolierung und offene Ritzen, durch die man eine Faust stecken kann, scheint bei südafrikanischen Hausbesitzern Standard zu sein. Trotzdem haben wir die Abende mit ihnen genossen, leckeres Essen und Rotwein haben nicht unerheblich dazu beigetragen.    

Exakt nach 7 Wochen und einem Tag trifft endlich unser VTG ein. Es ist ein Dienstagmorgen, aber anstatt sich die Jungs an die Arbeit machen das Ding endlich einzubauen, liegt es wieder bis Freitag rum, ohne dass etwas passiert, bis uns der Kragen platzt. Wir beschweren uns beim obersten Chef über den Werkstattmeister, der uns – warum  auch immer – mit immer neuen Ausreden versucht hinzuhalten. Wir haben das Gefühl, er hat massive Angst die Verantwortung für diesen Umbau zu übernehmen. Es müssen komplett neue Halterungen angefertigt sowie Kardanwellen verlängert oder gekürzt werden und einiges mehr. Da sich die heutigen Fahrzeugfirmen zu reinen Teileaustauschern ohne jegliche Ideen und Innovationen degradiert haben, muß nun eine Firma im Schweinsgalopp antanzen, die sich auf solche Sachen spezialisiert hat. Der Typ ist zu Recht sauer, als er hört, daß unser Getriebe schon seit einer Woche hier rumliegt. Er muß nun eine Samstagsschicht einlegen, weil die Trottel bei MAN der Lage offensichtlich nicht gewachsen sind. Gleichzeitig fängt uns der Kittel an zu brennen, weil in drei Wochen unsere Visa ablaufen. Wir haben eine Verlängerung beantragt. Die wurden aber mit der Begründung abgelehnt, dass Verlängerungen von Touristenvisa nur im Heimatland beantragt werden können! Die 3550 Rand Gebühr haben sie aber erst mal eingesackt; ob wir sie wiederbekommen, steht in den Sternen. Wir werden sie MAN auf jeden Fall in Rechnung stellen.  Das ruft Brian auf den Plan, ein hiesiger und äußerst hilfsbereiter Fuhrunternehmer. Sein Freund und Nachbar sei der Tourismusminister und den werde er einschalten und Dampf machen. Heute erfahren wir allerdings die Krönung der Geschichte. Der Werkstattmeister hat uns bewusst mit falschen Terminen gefüttert, um die Zeit hinauszuzögern. Hiermit hat er das Fass zum Überlaufen gebracht. Morgen geht eine massive Beschwerde über ihn und allgemein über MAN Kapstadt an die oberste Leitung von MAN in Südafrika und an MAN in Deutschland. Ob’s was bringt…………..?  Na ja, eines hat’s auf jeden Fall gebracht, plötzlich rennen alle wie aufgescheuchte Karnickel um Goliath herum, um Sachen zu erledigen, die sie schon während der letzten 8 Wochen hätten erledigen können. Am 13.08. ist unser VTG in seiner endgültigen Position verschraubt und eine weitere Firma wird beordert, um die Kardanwellen auszumessen. Es scheint voranzugehen, jedoch immer noch keine Nachricht über unsere Visaverlängerung und uns bleiben nur noch 2 ½ Wochen. Unsere Beschwerde scheint Wirkung gezeigt zu haben, MAN Deutschland ruft mich an. Man werde sich unser annehmen und einen Ingenieur aus Johannesburg schicken. Er soll die Lage begutachten und gleichzeitig entscheiden, ob ein Querträger, der eigentlich als Halterung für das alte VTG diente, weggelassen oder versetzt werden kann. Natürlich kommt der aber nicht mehr vor dem Wochenende, also vergehen wieder wertvolle Tage, an denen nichts läuft. Montag der 17.08., der Ingenieur trifft ein. Er schnappt sich den Manager, faltet ihn mit den Worten zusammen, in drei Tagen reise ich wieder ab, bis dahin rollt dieses Fahrzeug aus der Halle! Daraufhin bietet uns der Manager für die letzten Tage ein Hotel an, weil man die nächsten Tage und Nächte durcharbeiten wolle. Meine Antwort lautet, es kommt wohl alles etwas zu spät, wir bleiben beim Fahrzeug, man habe in den letzten Wochen so viel „Scheiß“ gebaut, deshalb wollen wir das Finale im Auge behalten. Der Ingenieur befindet den versetzten Querträger für gut, gleichzeitig treffen die neu angefertigten Kardanwellen ein. Am Mittwoch rollen wir, nach 10 ½ Wochen vom MAN-Parkplatz in Kapstadt. Der Flächenbrand, den wir durch unsere Beschwerde entfacht haben, hat mehr als Wirkung gezeigt. Neben dem ganzen Ärger, den wir hatten, hat es auch sein Gutes. Wir haben ein nagelneues Verteilergetriebe der aktuellsten Generation, nagelneue Kardanwellen u.v.m. und es hat uns nicht einen einzigen Euro gekostet. Abschließend sei aber gesagt, MAN Kapstadt können wir auf keinen Fall weiterempfehlen. Öl- und Filterwechsel kriegen sie noch hin, wer aber mit speziellen Sachen hier aufkreuzt, ist verraten und verkauft!!!!!!  Aber vielleicht ändert sich ja was an der Arbeitsweise, nachdem wir die Beschwerde geschrieben haben.

Heute ist der 23.08., noch 10 Tage bis unsere Visa ablaufen, die immer noch in Pretoria liegen und wahrscheinlich schon Wurzeln geschlagen haben. Wir müssen uns langsam Gedanken über Plan B machen, wenn unsere Verlängerung nicht fruchtet. Aber auch Plan B verwerfen wir schon wieder nach kurzer Zeit, indem wir die etwa 2500 Kilometer bis nach Zimbabwe fahren und dorthin ausreisen. Wir entscheiden uns fürs Risiko, Plan C soll nun in Kraft treten. Die ganze Woche noch warten bis vielleicht doch noch eine positive Entscheidung über unsere Visaverlängerung fällt; falls nicht, den kürzesten Weg nach Namibia wählen, die drei Tage Transit nehmen, die uns von Namibia telefonisch zugesichert worden sind, auf dem schnellsten Weg nach Botswana, da auch wieder um Transit bitten und im Schweinsgalopp nach Sambia ausreisen, so die Theorie. Aber zuvor tätige ich noch einen Anruf bei Matthias Müller, oberster Chef von MAN Südafrika.

Wir sind ihm mittlerweile durch unsere Beschwerde, die riesige Wellen sowohl in Deutschland als auch in Südafrika geschlagen hat, sehr wohl bekannt. Ich verlange die 3550 Rand für unsere Visaverlängerung zurück, da es MAN schließlich versemmelt hat, daß wir hier so lange auf dem Abstellgleis standen. Herr Müller sichert uns zu, daß das Geld auf unser Konto überwiesen wird. Wenn jetzt noch unsere Visaverlängerung in Gang käme – uns bleiben noch 7 Tage. Freitag der 28.08., noch drei Werktage bis unser Visum abläuft, wir bekommen eine SMS von unserem unermüdlichen Helfer Brian, die wie folgt lautet: Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden, daß ich euch mitteilen kann, daß eure Visaverlängerung die letzte Hürde überwunden hat und ihr euch legal weitere drei Monate in Südafrika aufhalten könnt. Willkommen in meinem Heimatland. Wir sind über diese bewegenden Worte fast zu Tränen gerührt. Am Dienstag den 01.09., einen Tag bevor unsere Visa ablaufen, werden wir gebeten unsere Visa im Büro für innere Angelegenheiten in Kapstadt abzuholen. Gleichzeitig würde Südafrikas Tourismusminister und die Presse zugegen sein. Na, das wird ein Spaß!

Reisende, die wir vor einiger Zeit getroffen haben, hatten diesen netten Spruch auf Lager: Am Ende wird alles gut und ist nicht alles gut, so ist es noch nicht das Ende! Bei uns scheint sich das bewahrheitet zu haben. Ende gut alles gut.

Wir freuen uns, euch weitere drei Monate aus Südafrika berichten zu können.

Walter und Marion.