Namibia - Teil 4

 

Reisezeit: 17.04. bis 04.06.2015

 

Wir verlassen nach einigen Tagen den Namib Naukluft Park, um über den Us-Pass weiter nach Norden zu fahren. Oben auf dem Pass wollen wir die Nacht verbringen. War es tagsüber noch an die 40°C, so geht die Temperatur in der Nacht auf 0°C runter. So kalt hatten wir es seit Russland nicht mehr!

Auf unserem weiteren Weg sucht Marion uns – wie fast immer – einen Übernachtungsplatz abseits der Hauptrouten und wir kommen auf der D3714 nahe einem trockenen Flussbett zum stehen. Es ist noch früh am Nachmittag und nichts los auf der nahegelegenen Piste sowie im umliegenden Buschland. Im späteren Tagesverlauf jedoch kommt Leben in unsere Umgebung. Plötzlich tun sich um uns herum unzählige, kleine Löcher im Erdreich auf. Zigtausende Termiten strömen plötzlich heraus und gehen ans Werk, um Futter in den Bau zu bekommen. Es wird nach Hause geschleppt, was der Busch so hergibt. Von Samen über Grünzeug, kleine Hölzer, Nadeln von Bäumen, kaum etwas wird verschmäht. Das größte Problem scheint zu sein, alles durch die winzigen Eingänge zu bekommen, riesige Staus ergeben sich. Doch zu gegebener Zeit kommt Ordnung in das für uns scheinbare Chaos. Nach etwa 2 Std. ist der ganze Spuk auch schon wieder vorbei. An jedem Loch bezieht ein „Maurer“ Stellung und mauert den Eingang wieder zu. Es sieht aus, als sei hier niemals was geschehen. Die meisten der Hausbewohner schaffen es bis „Ladenschluss“, wer allerdings zu spät kommt, den bestraft das Leben. Innerhalb von zehn Minuten sind alle Eingänge abgedichtet. Das wiederum ruft die Rüsselspringer auf den Plan, die sich für die Spätheimkehrer interessieren. Für sie sind die Termiten ein Leckerbissen. Diese putzigen Tiere haben hier in dieser einsamen Gegend anscheinend noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht, was wiederum gut für uns ist. Ohne Scheu laufen sie uns um die Füße und saugen die Termiten mit ihrer rüsselartigen Nase an und verstauen sie danach in ihren Backentaschen. Wie so oft hat uns die Natur mal wieder ein spannendes Erlebnis geboten. Es müssen ja nicht immer die Big Five sein, die einem über den Weg laufen.

 

Video vom Rüsselspringer - etwas ganz Besonderes auf dieser Reise

 

Eigentlich sollte unser nächstes Ziel das Brandbergmassiv sein, aber z.Z. herrscht hier starker Wind. Durch alle Ritzen dringt der Staub in unser Haus, draußen mag man sich nicht aufhalten und die Pisten sind hier sowas von schlecht, dass wir eine Planänderung vornehmen und an die Skelettküste fahren. Über einen Teilabschnitt von etwa hundert Kilometer des Nationalparks führt eine öffentliche Straße, für die man keine Genehmigung braucht. Noch nie haben wie so eine einsame Gegend gesehen, kein Tier, kein Strauch, nicht mal die sonst allgegenwärtigen Insekten, wie Ameisen oder Fliegen, gibt es hier. So stellen wir es uns auf dem Mond vor.

Als letztes steht noch der Gamsberg Pass auf unserem Plan. Oben auf 1800 Meter angekommen offenbart sich uns eine atemberaubende Landschaft, was uns dazu veranlasst, kurzum an einem Aussichtspunkt, direkt neben der Piste, die Handbremse zu ziehen und ein paar Tage den Ausblick zu genießen. Aber nicht nur der Ausblick ist einmalig, nein auch die Tierwelt ist schön. So sehen wir jeden Tag Paviane, Oryx- und Kudu-Antilopen und eines Nachts werden wir von einer Herde Zebras geweckt, die bei Vollmond das Gras um uns herum mäht. Dafür lässt man sich doch gerne aus dem Schlaf reißen, oder?

Am 04.05. treffen wir wieder in Windhoek ein, denn am 05.05. sollen unsere Reifen in Walvis Bay eintreffen, so die Info von unserer Spedition aus Hamburg. Wirklich da sind sie aber erst eine Woche später. Dann braucht es aber nochmals eine Woche, bis wir sie endlich in Windhoek übernehmen können. Besondere Erwähnung findet hier Transworld Cargo und im Speziellen Michaela Katzer, die sich meiner angenommen und mich permanent über jeden Schritt informiert, sowie den ganzen Papierkram erledigt hat. Mal abgesehen von der kleinen Verspätung, hat alles einwandfrei geklappt. Jetzt stünde unserer Abreise eigentlich nichts mehr im Wege, wenn da nicht der ADAC vergessen hätte unser neues Carnet abzuschicken. Erst eine erneute Anfrage in München lässt die Herrschaften dort wach rütteln. O.K. dann warten wir eben noch ein paar Tage, ist ja nicht so, dass wir keine Zeit hätten. In der Zwischenzeit lagern wir zwei der neuen Reifen bei unserem Freund Christoph ein, damit wir nicht wieder vier Ersatzreifen spazieren fahren. Wir werden sie in den nächsten 1-2 Jahren wieder bei ihm abholen. Unsere Anfrage beim ADAC hat Früchte getragen, Montagmorgen angemailt und Mittwochnachmittag steht der DHL Bote schon vor unserer Tür. Am nächsten Tag brechen wir unsere Zelte auf dem Urban Camp in Windhoek ab, diesmal wahrscheinlich für längere Zeit und wir machen uns auf nach Lüderitz. Dort wollen wir Beate und Günter besuchen, die dort ein Gästehaus betreiben und uns eingeladen haben. Natürlich wäre der schnellste Weg über Asphalt, aber wie ihr uns kennt, nehmen wir natürlich die kleinen Pisten. So kommen wir über den Spreetshoogte Pass. Da dieser für uns wieder einmal einen Aussichtspunkt mit einer außergewöhnlichen Aussicht bereithält, na ja, was macht man dann, stehen bleiben und einige Tage die schöne Aussicht genießen. Tiere sehen wir zwar außer einigen Vögeln keine, aber die Landschaft entschädigt uns für alles andere. Als nächstes kommt uns der Tsaris Hoogte Pass unter die Räder. Im Vergleich zu den anderen Pässen die wir schon befahren haben, haut uns dieser nicht aus den Schlappen. Außer ein paar Vögel ist auch hier weit und breit kein einziges Tier auszumachen und landschaftlich, so lala. Trotzdem bleiben wir hier eine Nacht stehen, 10 Meter neben der Piste am Farmerzaun. Obwohl es eine relativ viel befahrenen Piste ist, kehrt nach Einbruch der Dunkelheit Ruhe ein. Am nächsten Tag erreichen wir im Zickzack-Kurs das Örtchen Betta. Eine Tankstelle mit hohen Spritpreisen, sowie einen Camping und ein kleines Café wird einem geboten. Wer nicht gerade mit leerem Tank hier anrollt, sollte hier besser nicht tanken, aber im Café sollte man den vorzüglichen Kuchen bei einer Tasse Kaffee oder Cappuccino genießen. Ein besonderes Highlight ist für uns die Piste D707, nicht nur weil sie einsam ist und von guter Beschaffenheit, nein, sie ist landschaftlich ein Traum, mit unglaublich schönen Farben. Besonders die Gräser die gerade wachsen, lassen die Gegend wie einen zarten Teppich in Grün und Weiß erscheinen. Hunderte von Oryx-Antilopen tummeln sich deshalb hier. Lüderitz kommt in Sicht. Es scheint noch immer das kleine, verschlafene Hafenstädtchen zu sein, dass es vor zehn Jahren schon war, als wir das erste Mal hier waren. Wir suchen das Gästehaus „Alte Loge“, dass von unseren Freunden Beate und Günter geführt wird. Das 1909 erbaute Haus haben sie vor einiger Zeit käuflich erworben und zu einem schnuckeligen Gästehaus umgebaut. Wir sind zwar nicht im Gästehaus untergebracht, denn wir stehen vor ihrer Tür, aber wir können mit ruhigem Gewissen sagen, dass es eine der besten Adressen in Lüderitz ist um zu übernachten. Zu unserem Leidwesen müssen wir feststellen, dass Günther auch noch ein begnadeter Hobbykoch ist. In der einen Woche, in der wir hier stehen, haben wir garantiert einige Pfunde zugelegt. Unsere Zeit in Namibia läuft langsam ab und wir machen auf nach Süd-Afrika. Eigentlich wollen wir mit der Fähre über den Oranje River, aber die trägt nur Fahrzeuge bis 6 to. So entschließen wir uns durch den Nationalpark Ai-Ais entlang des Oranje Rivers zu fahren. Obwohl auch diese öffentliche Piste nur für Fahrzeuge bis max. 6 to ist, befahren wir sie trotzdem. Unterwegs kommen uns sogar Dreiachser Kühlfahrzeuge entgegen, die bestimmt schwerer sind als Goliath. Die letzte Nacht in Namibia verbringen wir im Park nahe des Oranje Rivers, um am nächsten Morgen die letzten Kilometer bis zur südafrikanischen Grenze hinter uns zu bringen. So stehen wir am 04.06.2015, zwei Tage bevor unser Visum in Namibia abläuft, wieder einmal am Grenzübergang Vioolsdrift, um ein weiteres Mal nach S-Afrika einzureisen.

Bis dahin die 2.