Botswana.

 

Reisezeit: 19.01.2015 - 07.03.2015.

 

Visum: 3 Monate visumfrei an der Grenze.

Carnet de Passages: Ja.

Währung: Pula. 1 Euro = 1o,50 Pula

Diesel: 8,28 Pula/l.

Benzin: 6,17 Pula/l.

Bargeld: An fast allen ATM-Automaten, 3000 - 6000 Pula.

Kreditkarten: Zum Tanken fast nur bei Shell, ansonsten große Akzeptanz in Supermärkten wie Spar oder Shoprite.

Fahrzeugversicherung: Wir haben keine abgeschlossen.

 

Schlimmer geht’s nimmer, haben wir uns gedacht, zumindest was die Regenfälle angeht. In Sambia hat es teilweise schon heftig geschüttet, aber was uns hier erwartet, bricht alle Rekorde. Nun stehen wir nahe der Grenze bei Kasane, direkt am Fluss Chobe. Hier hat man zwischen Kazungula und Kasane einen kleinen Wildkorridor eingerichtet, damit die Tiere aus dem Chobe-Nationalpark Zugang zum gleichnamigen Fluss haben. Nachdem wir uns erst einmal mit günstigem Diesel versorgt und im gegenüberliegenden Spar-Supermarkt die Vorratslager aufgefüllt haben, entdecken wir auf der Rückfahrt diesen Wildkorridor. Ausgefahrene Fahrzeugspuren weisen uns den Weg bis hin zum Fluss. Keine Schilder „Übernachten verboten“ oder sonstiges. Also, schattiges Bäumchen ausgesucht, Motor aus und fertig ist’s. Wenn einer was von uns will, wird er sich schon melden. Ich nehm es mal vorweg, keine Sau hat’s interessiert. Also die Regenfälle, sie konzentrieren sich bislang auf den Spätnachmittag oder die Nacht. Tagsüber ist es häufig sonnig oder auch bedeckt, aber trocken. Am Nachmittag ziehen sich dann die Wolken zusammen und bilden eine dunkle und bedrohliche Masse auf breiter Front. Manchmal zerschneiden bis zu zehn Blitze auf einmal den dunklen Himmel. Es fängt an zu stürmen, dass einem der Draht aus der Mütze fliegt. Bei den ersten wenigen Tropfen die runter fallen, musst du schleunigst alle Luken schließen, denn du hast nur noch Sekunden Zeit. Dann prasselt das Unwetter auch schon auf dich nieder, man kann allerdings noch seine Umwelt erkennen. Kurze Zeit später schiebt sich eine graue, undurchsichtige Wand auf dich zu, die alles in sich verschluckt. Es rüttelt und schüttelt dich durch, man kann kaum einen Meter weit sehen und man glaubt die Welt geht unter. In kürzester Zeit hat sich jedes Loch mit Wasser gefüllt, reißende Flüsse entstehen, einfach alles steht für kurze Zeit unter Wasser. Eine ½ bis 1 Stunde, dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei.

In den wenigen Tagen, in denen wir hier stehen, kommen einige Elefanten zum Fluss oder an die gefüllten Wasserlöcher, um zu trinken oder um sich ein Schlammbad zu genehmigen. Das geschieht in unserem Fall allerdings fast nur nachts. Am Morgen sehen wir anhand der Spuren, dass sie sich auf leisen Sohlen in unmittelbarer Nähe an uns vorbeigeschlichen haben. Manchmal werden wir auch geweckt von ihrem dunklen Grollen oder ihrem Tööröö, aber sehen können wir sie nicht. Man kann nur erahnen wo sie sind. Ein tolles und unbeschreibliches Gefühl.

Wir starten wieder durch und befinden uns auf der A33 Richtung Süden, die Strecke, die wir schon auf dem Weg nach Sambia gefahren sind. Hier waren uns viele schöne Stellen zum Übernachten aufgefallen, die Marion ins Navi eingegeben hat. Nun sind wir dabei sie zu testen. Der erste Punkt, eine einsam abgehende Piste, kommt uns gelegen für eine Kaffeepause. Als wir aussteigen, können wir deutlich frische Spuren von Löwen oder ähnlichem Getier im Sand erkennen. Na, wenn das nicht der geeignete Platz für uns ist, um unser Nachtlager einzurichten. So warten wir auf die Dinge die da kommen!

Der 100-Meter-Abstand der Wildtiere. Diesen Abstand scheinen alle Tiere, die uns hier besuchen kommen, einzuhalten. Am ersten Abend sehen wir kein einziges Tier. Am zweiten Abend gesellt sich eine große Giraffe zu uns, bleibt aber im Abstand von 100 Metern stehen und beobachtet uns nur neugierig oder aber auch misstrauisch, so genau können wir es nicht deuten. Als nichts passiert, zupft sie ein paar Blätter von den umliegenden Bäumen und verschwindet später in der Dunkelheit. Am dritten Tag kreuzt eine große Gruppe Paviane unseren Weg, dem sich noch einige Warzenschweine angeschlossen haben. Sie scheinen eine friedliche Koexistenz zu bilden, um sich vielleicht gegenseitig zu warnen, falls Gefahr in Verzug sein sollte. Eine kleine Gruppe Zebras kommt noch hinzu. Auch sie halten diesen 100-Meter-Abstand ein und schlagen danach einen anderen Weg ein. Eigentlich wollen wir am vierten Tag weiterziehen. Jedoch hören wir früh morgens, während der Dämmerung, deutliches Löwengebrüll. Deswegen haben wir ja schließlich hier unser Lager aufgeschlagen.

Ranger, Militär und Angehörige von Lodgen halten bei uns an, weil sie denken, wir haben ein Problem. Wir sollen sehr vorsichtig sein, nicht ins hohe Gras gehen und ja nicht während der Dunkelheit zu Fuß unterwegs sein, viele Löwen seien in dieser Gegend. Na, dann bleiben wir doch noch einen weiteren Tag hier stehen. Vielleicht läuft uns ja doch noch einer über den Weg? Löwen bekommen wir zwar nicht zu Gesicht, jedoch kommt am nächsten Morgen ein Serval des Weges und flüchtet dann ins hohe Gras, als er uns bemerkt.

Wenn auch keine Löwen, dennoch eine schöne Ausbeute an anderen Tieren! So fahren wir unsere verschiedenen GPS-Punkte ab. Mal fahren wir 60 Kilometer und übernachten wild, ein anderes Mal kommen wir nur 14 Kilometer. Hier ist ein riesiges Wasserloch mit wenig Wasser, aber vielen Spuren. In den Tagen, in denen wir hier stehen, passiert kaum Nennenswertes. Eine große Herde Paviane kreuzt mehrmals täglich unseren Weg, sie bleiben aber auf Abstand.

Seit langer Zeit hole ich mal wieder mein Klapprad raus und radele nach dem Frühstück mehrere Kilometer die Straße auf und ab. Ich hoffe nur, dass die Löwen auch schon gefrühstückt haben?! Eine Übernachtung folgt der anderen. Am 12. Tag unserer Buschcampingtour kommen wir wieder nur wenige Kilometer weit, am Morgen um 7.30 Uhr aufgebrochen und um 8.00 Uhr stehen wir schon wieder. Eine weitläufige Grasfläche mit mehreren Wasserlöchern tut sich neben der Straße auf. Wir stellen uns etwa 50 Meter entfernt an die erste Wasserstelle. Kein Tier ist auszumachen. Aber ab 9.30 Uhr geht’s hier dann plötzlich zu wie auf einem Bahnhof. Als wenn sich alle abgesprochen hätten, kreuzen mehrere Gruppen von Elefanten auf und geben sich die Klinke in die Rüssel. Zuerst kommt der Späher, der die Lage checkt und innerhalb von Minuten tauchen weitere 30 Elefanten auf. Ein unbeschreibliches Gefühl, man weiß nicht, wo man zuerst die Kamera hinhalten soll. Bis zum Abend zählen wir mindestens 4 Gruppen von Elefanten mit insgesamt 30 Tieren. Einem Bullen gefällt es scheinbar besonders hier, er bleibt immer in unmittelbarer Nähe zu uns, sodass ich mich nicht einmal mehr traue draußen pinkeln zu gehen und meine Gedanken, mal wieder mein Radel vom Dach zu holen, wenn er uns mal gerade sein gewaltiges Hinterteil zudreht, kann ich gleich wieder in die Tonne treten, denn es kündigt sich schon wieder eine weitere Herde an. Wenn’s hier am Tage schon so zugeht, wie soll dann erst die Nacht werden?


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Nicht nur die Elefanten meinen es gut mit uns, nein auch das Wetter zeigt sich uns von seiner besten Seite. Seit fünf Tagen hat es nicht mehr geregnet. Jeden Tag fast strahlender Sonnenschein mit Temperaturen bis zu 37°C. Ab 17.00 Uhr hören wir auf die Rüsseltiere zu zählen, wir können aber ohne Übertreibung sagen, als der Tag sich mit einem traumhaften Sonnenuntergang von uns verabschiedet, haben mindestens hundert Dickhäuter dieses offensichtlich begehrte Wasserloch besucht.

Während der Dämmerung kommen dann noch einige ganz Neugierige, dass wir tatsächlich unsere Haustür schließen müssen, weil uns die Sache zu heikel wird. Zum krönenden Abschluss kommt noch eine einzelne Giraffe zum trinken. Sie braucht allein eine halbe Stunde, bis sie die Lage gepeilt hat, um sicher trinken zu können. Wir sind ihr offensichtlich nicht ganz geheuer. Um an das begehrte Nass zu gelangen, muss sie ihre Vorderbeine soweit spreizen, dass man das Gefühl hat, sie würde jeden Moment auseinanderbrechen. Unsere Nacht verläuft relativ ruhig, man hört hin und wieder mal einige Dickhäuter am Wasserloch gurgeln, aber ansonsten geht alles glatt.

Wir machen uns am nächsten Tag schleunigst aus dem Staub, denn dies war uns erst einmal genug Nervenkitzel. Nächster Tag, sechzig Kilometer weiter. Wir stehen in einem sandigen Seitenweg, nichts passiert. Mir wird’s zu langweilig, also Radel aus der Garage und ab auf die A33. Drei Kilometer geht alles gut. Dann kreuzt eine Herde Elefanten von links nach rechts. Ich lasse ihnen natürlich in sicherer Entfernung den Vortritt. Als sie alle auf der anderen Seite sind und friedlich die Blätter von den Bäumen mümmeln, trete ich wieder in die Pedale. Zwei von diesen grauen Riesen mögen anscheinend keine Radfahrer, fangen an zu trompeten, stellen die Ohren auf und stampfen auf mich zu. Ich hab schon fast eine Bremsspur in der Hose, da rettet mich ein Scania-LKW. Er hupt hinter mir und gibt mir Handzeichen, er würde mir Geleitschutz geben, worauf sich die Elefanten geschlagen geben und sich ins nahegelegene Buschwerk verdrücken. Lieber Trucker, ich bin dir auf ewig dankbar. Der ein oder andere wird nun denken, der hat doch nicht alle Bananen an der Staude. Na ja, ganz Unrecht habt ihr nicht!

Als wir das Gate von Kukonje Island erreichen, kommt erst mal unsere obligatorische Frage nach der Beschaffenheit der Salzpfanne, über die wir geschätzte sieben Kilometer rüber müssen. Ach, das sollte möglich sein, es hat schon länger nicht geregnet, so die Antwort des Rangers. Also pflügen wir durch einige Matschlöcher auf die Pfanne zu. Was hat der gesagt, wann hat es das letzte Mal geregnet? Marion läuft einige hundert Meter voraus und checkt die Lage, der Untergrund scheint hart zu sein, ganz wohl ist uns aber nicht. Und wie könnte es anders sein, nach hundert Metern bereits, stehen wir links etwas schräger, als wir eigentlich sollten und weiter voran geht’s auch nicht mehr. Wir stecken mal wieder tief in der Scheiße. Aber bei genauerem Hinsehen ist es nicht ganz so dramatisch. Unsere Spaten haben schon längst Rost angesetzt und es ist an der Zeit sie wieder mal zu benutzen. Pro Rad etwa 10 Minuten gebuddelt, sodass die Sandbleche untergelegt werden können, gleichzeitig die Luft bis auf 1,5 Bar aus den Reifen gelassen und nun sollte es was werden. Und siehe da, es tut sich was, wir sind wieder draußen. Ich war schon drauf und dran die Sandbleche abzuschaffen, da wir sie so gut wie nie gebraucht haben oder wir so tief in der Scheiße gestanden haben, dass sie uns nichts mehr genützt haben. Ich glaube, wir behalten sie!

Wir fahren unseren Nachtplatz von letzter Nacht noch einmal an, der nur 20 Kilometer entfernt liegt. Gleichzeitig zeigt unser Thermometer einen Rekord an, seit wir afrikanischen Boden betreten haben. Schlappe 40°C im Schatten, selbst um 19.00 Uhr haben wir immer noch 37°C in unserer Hütte und kein Regen in Sicht, der uns vielleicht etwas Abkühlung bringen könnte. So bleibt es auch in den nächsten Wochen, heiß am Tag und wenig Abkühlung in der Nacht. Fast täglich ziehen bedrohliche Gewitter auf, aber als wenn die Unwetter Angst vor uns hätten, kreisen sie um uns herum. Überall ist Weltuntergangsstimmung, nur bei uns bleibt es heiß und trocken.

Wir sind auf dem Weg zum Khama Rino Park. Der Park ist in privater Hand und die etwa 50 Euro für Eintritt und Camping/Tag erscheinen uns akzeptabel. Es soll hier viele Nashörner geben, wir sind gespannt. Unsere erneute Frage nach der Machbarkeit mit der Größe unseres Fahrzeugs wird uns gesagt, sollte kein Problem sein. Die Kohle hätten wir uns sparen können. Max. 15% des Parks waren für uns machbar, für alles andere hätten wir einen Panzer gebraucht. Äußerst ungepflegte Pisten mit viel zu tief hängenden Ästen sowie ausufernden Büschen. Der Park ist allerhöchsten was für PKW und selbst dann müssen ihre Besitzer schmerzfrei sein, was Kratzer angeht. Unsere bitterböse, schriftliche Beschwerde beim Parkmanagement wird wohl zum Lagerfeuer anzünden benutzt werden. Also liebe Leute mit großen Fahrzeugen, bleibt hier bloß weg.

Ähnlich geht es uns im Kgalagadi Tranfrontier NP. Für uns eigentlich der einzige Nationalpark, der in Botswana mit unserer Fahrzeuggröße bezahlbar ist. Jedoch auch hier ist es für uns mal wieder der berühmte Griff ins Klo. Die ersten 30 Kilometer bis zum offiziellen Übernachtungsplatz erreichen wir nur mit eingeklappten Spiegeln und unendlich vielen Kratzern am Fahrzeug sowie im permanenten 4x4-Betrieb, Untersetzung und nicht wenige Male mit Zuhilfenahme beider Sperren. Viele Male müssen wir die vorgegebene, sandige Piste verlassen, weil die Strecke noch schmaler wird als sie eh schon ist und wir uns unseren eigenen Weg durchs Buschwerk pflügen müssen. Ziemlich gefrustet erreichen wir unseren Übernachtungsplatz. Unsere Gesichter erhellen sich ein wenig, als wir sehen, dass unser Platz übersät ist mit Löwenspuren. Sollten wir endlich Glück haben? Also locken wir sie mal an, Stühle raus, dass heißt einen, Marion zieht es vor im Haus zu bleiben. Während ich fasziniert den Sonnenuntergang betrachte, raschelt es neben mir in einem drei Meter entfernten Busch. Ne, nix da Löwen und trotzdem scheiß ich mir vor Schreck fast in die Hose, als eine etwa 1,5 Meter lange, sehr nervöse Schlange versucht von besagtem Busch in den Baum neben uns zu gelangen. Da sie anscheinend genauso viel „Schiss“ vor mir hat, wie ich vor ihr, zieht sie es vor in einen anderen Busch zu kriechen. Marion schafft es noch einige unscharfe Fotos zu schießen und schon ist sie auch schon wieder aus unserem Blickfeld verschwunden. Die anschließende Suche in unserem mitgeführten Schlangenbuch sagt uns, dass es sich wahrscheinlich um eine Boomslang gehandelt haben könnte. Soll bedeuten, äußerst giftig und meistens tödlich, wenn nicht schnellsten Hilfe naht. Nun ja, das ist das einzig nennenswerte Ereignis, was zu berichten wäre. Ansonsten ist hier im Park Totentanz angesagt, draußen haben wir mehr Tiere gesehen als drinnen.

Nach zwei Tagen versuchen wir einen weiteren Übernachtungsplatz anzusteuern, der etwa 40 Kilometer entfernt liegt. Nach drei Kilometern allerdings geben wir auf, wir haben die Schnauze voll von dieser katastrophalen Piste und drehen um. Zu allem Übel schlitzen wir uns auch noch wenige Kilometer vorm Ausgang einen weiteren Reifen auf. Na herzlichen Glückwunsch! Gerade jetzt kann ich unser Reserverad nicht runterlassen, da vor einigen Tagen eine altersschwache Hydraulikleitung ihren Geist aufgegeben hat, die ich beim nächsten Besuch in Windhoek erneuern will. Das heißt also, Reifenwechsel unter verschärften Bedingungen. Löwen können hier überall und jeden Moment auftauchen und kaum Platz auf der tief ausgespurten, weichsandigen Piste. Aber auch das können wir meistern. Nach zwei Stunden in brütender Hitze erreichen wir das Gate. Ich weiß zwar nicht ob die Streckenbeschaffenheit in anderen NP Botswanas besser geeignet sind für große Fahrzeuge, jedoch bei Preisen von 200 US Dollar und mehr pro Tag, nur allein für ein Fahrzeug unserer Größe, hat sich das für uns erübrigt.

Unsere Zeit in Botswana ist zwar noch nicht ganz abgelaufen, trotzdem machen wir uns langsam auf in Richtung Namibia. Einige Tage verbringen wir noch neben einer abgelegenen Piste im Busch, um dem langweiligen, asphaltierten Transkalahari-Highway zu entgehen, der zum Grenzort Mamuno führt, um am 07.03.2015 wieder nach Namibia einzureisen.

 

Bis dahin. Die 2.