Südafrika.


Reisezeit: 12.08.2014 – 17.09.2014


Die Südafrikaner scheinen auf den ersten Blick recht stur oder scheu zu sein, aber das ist wirklich nur der erste Eindruck. Spätestens am dritten Tag haben sie ihre Öltemperatur erreicht und laufen zur Höchstform auf, sie rennen uns fast die Bude ein und attackieren uns mit neugierigen Fragen. Wir sammeln eine Einladung nach der anderen ein, sie doch zu Hause zu besuchen. Gleichzeitig sind sie völlig von den Socken, wie wir zum drei Kilometer entfernten Supermarkt kommen, sei es zu Fuß, mit dem Minibus oder mit dem Fahrrad. Ein weißer Südafrikaner würde das aus Angst überfallen zu werden niemals tun. Paranoia lässt grüßen!

Auf unserem Weg nach Süden fahren wir das Lake Eland Game Reserve an. Von dessen Camping aus hat man einen hervorragenden Blick über einen Teil des 2500 Hektar großen Parks und der dort lebenden Tiere. Fleischfresser, die dem Menschen gefährlich werden könnten, sucht man hier vergeblich. Man kann sich also getrost zu Fuß, mit dem Auto oder Fahrrad auf den Weg machen um Gnus, Springböcke, Giraffen, Affen und die großen Eland-Antilopen in freier Wildbahn zu erleben. Es ist schon ein irres Gefühl, wenn unser Walter auf seinem neuen Klapprad daher kommt und eine Herde Gnus und Zebras in wilder Flucht davonrasen.


Video 4x4 Trail


Ein weiteres Highlight im Park, ist die 4,5 Kilometer lange Zip Line. Man bekommt ein Sicherheitsgeschirr angelegt, befestigt dieses an einer Stahlrolle, die auf einem Stahlseil läuft und ab geht die Post mit bis zu 60 Sachen in schwindelerregender Höhe. 14 Haltestellen sind angelegt, an denen die Rolle auf ein anderes Seil gelegt werden muss. Der geilste Abschnitt ist für mich ein über 500 Meter breiter und mehr als 300 Meter tiefer Canyon. Gebremst wir übrigens nach afrikanischer Art, mit der rechten Hand, die das Stahlseil umgreift, allerdings stecken beide Hände in dicken Lederhandschuhen, die an den Innenflächen nochmals dicke Lederlappen eingenäht haben. Nach etwa 1 ½ Stunden ist dieser einzigartige Spaß vorbei. Marion hat es wegen ihrer Höhenangst vorgezogen am Boden zu bleiben und Bilder zu schießen. Sie hat am Tag zuvor ihre persönliche Mutprobe schon bestanden. Sie hat eine 100 Meter lange und wackelige Hängebrücke zu einem Aussichtspunkt mit ordentlich „Fracksausen“ bewältigt.


Video: Kobra plustert sich vor uns auf


Seit je her ziehen uns Schlangen in ihren Bann und die ein oder andere fühlte sich von uns auch angezogen, wie es die Vergangenheit gezeigt hat. Der Pure Venom Reptilienpark liegt auf unserem Weg und natürlich machen wir dort einen Stopp. Der Park behauptet von sich, es sei der größte seiner Art in Afrika. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, denn hier kann man sich mal wieder mit den Giftschlangen Afrikas vertraut machen, die einem über den Weg kriechen können. Uns bereitet es jedenfalls immer wieder eine Gänsehaut, diesen äußerst gefährlichen Tieren, nur durch eine Glasscheibe getrennt, gegenüber zu stehen. Schwarze Mamba, Cobra, Puffotter und Gaboon-Otter sind nur einige, die da zu erwähnen wären, aber auch den bis zu 10 Meter langen Pythons sollte man in freier Natur besser aus dem Weg gehen. Nach wie vor gehen aber immer noch die meisten tödlichen Schlangenunfälle in Afrika auf das Konto der Puffotter.

Um das Hole in the Wall, das Loch im Felsen, wird meines Erachtens viel zu viel Wirbel gemacht. Die Piste, über die wir dorthin gelangen, müsste eigentlich mehr Erwähnung finden. Die ganze Attraktion ist ein riesig langer und hoher Felsen, der in der Meeresbrandung steht. In seiner Mitte befindet sich ein etwa 50 Meter großes Loch, durch das sich die tosenden Wellen drücken. Auf jeden Fall sollte man sich nicht bis auf das dort ansässige Hotelgelände leiten lassen, denn hier bezahlt man 30 Rand für den Besuch des Felsenloches, es sei denn man will auf dem dortigen Caravanplatz mit seinen eher schlechten Sanitäreinrichtungen übernachten, dann ist der Besuch des Felsens umsonst. Man kann das Hotelgelände auch umfahren, dann ist der Besuch so oder so umsonst.

Der Addo Nationalpark liegt auf unserem Weg Richtung Süden. Wir statten ihm einen Besuch ab, um uns langsam wieder an die afrikanische Tierwelt zu gewöhnen. Elefanten sehen wir Anfangs nur aus größerer Entfernung. Springböcke, Warzenschweine sowie die großen Antilopenarten grasen fast neben der Piste. An einem Aussichtspunkt machen wir eine Kaffeepause. Auf Hinweisschildern werden wir vor Löwen gewarnt. Danke für den Tipp, wir wussten nicht mal, dass sich Löwen im Park befinden. Vielleicht sollte man doch besser erst die Broschüre lesen, die man am Eingang bekommt. Wir bekommen jedenfalls nicht einen zu Gesicht. Und auch erst gegen Ende unseres Parkbesuches wird es dann etwas spannender. An einer Pistenkreuzung informiert uns ein Südafrikaner, wenn wir Elefanten sehen wollen, dann sollten wir nach rechts abbiegen, dort käme uns eine größere Gruppe auf der Piste entgegen. Auf den ersten Kilometern sehen wir auf der schmalen Piste allerdings nur tonnenweise Elefantenscheiße. Doch dann stehen sie plötzlich am Pistenrand und man sieht sie genüsslich Gras und Blätter in sich hineinstopfen. Wir stellen den Motor ab und bewundern diese schönen Tiere aus nächster Nähe. Nach etwa 20 Minuten beschließt die Herde allerdings weiterzuziehen und kommt direkt auf uns zu. Der PKW vor uns macht sich schleunigst aus dem Weg, indem er auf der Piste dreht und das Weite sucht. Auch wir sind uns nicht ganz sicher, was wir machen sollen, denn ein Teil der Herde kommt direkt und selbstsicher auf uns zu. Als sie nur noch wenige Meter von uns entfernt sind, legen auch wir den Rückwärtsgang ein und ziehen uns zurück, bis sie sich dann endgültig in die Büsche verdrücken und die Piste freigeben. Nachdem wir den Park am späten Nachmittag am südlichen Ausgang verlassen haben, schlagen auch wir uns unmittelbar hinter dem Gate in die Büsche und verbringen eine herrlich ruhige Nacht.

An der Laguna Knysna verbringen wir einige Tage auf einem Caravanpark. Die riesige Lagune ist zum Meer hin durch eine kleine Bergkette abgeschottet. Zwei Mal am Tag füllt sich die Lagune mit Meerwasser, weil die Natur im Berg einen Spalt gelassen hat, durch den sich die Gezeitenströmungen drücken. Von unserem Camping aus haben wir einmal eine Seenlandschaft und beim nächsten Mal einen Flickenteppich aus Gras und Wasser vor uns. In mitten der Lagune befindet sich die Insel Leisure Island, hier haben die Schönen und Reichen ihre Grundstücke. Über einen Damm gelangt man auf die Insel. Man beschäftigt hier eine Armada von Hausangestellten, die die Grundstücke pflegen, damit die Besitzer ihrem Hobby frönen können – sehen und gesehen werden. Da wird gejoggt auf Teufel komm raus, im Cabrio um die Insel gefahren, auf dem Rücksitz der Fiffi mit Schleifchen im Haar, oder man führt seinen Kampfköter an der Strandpromenade spazieren und ich dazwischen mit meinem Klappdrahtesel.

Nicht allzu weit entfernt liegt Kap Agulhas, der südlichste Punkt Afrikas, welchen wir bei kühlem Wind und Nieselregen erreichen. Man befindet sich hier nicht nur an der Südspitze Afrikas, sondern hier treffen der Indische und der Atlantische Ozean aufeinander. Um das obligatorische Foto schießen zu können, brauchen wir fast eine halbe Stunde, denn Busladungen von Touristen werden hier angekarrt und jeder möchte natürlich ein Erinnerungsfoto haben.

Von hieraus geht unsere Route nur noch landeinwärts, Richtung Norden, weil wir in einer Woche aus Südafrika raus müssen. Mein Navigator Marion hat uns eine traumhafte Strecke ausgearbeitet. Es führt uns durch Weinanbaugebiete sowie Obstplantagen, letztere stehen gerade in der Blüte. Straßenränder und nicht bewirtschaftete Flächen sind von blühenden Wildblumen in den schönsten Farben bewachsen, ein unglaubliches Farbenspiel.

Wenig später fahren wir durch das Naturschutzgebiet Cederberg. Die gute Asphaltstraße geht später in eine herrlich staubige Piste über. Auf Informationstafeln werden wir darauf hingewiesen, dass hier freilebende Leoparden beheimatet sind. Das Einzige, was wir zu Gesicht bekommen, sind mehrere Gruppen von Pavianen. Aber dennoch ist es für uns die richtige Gegend, um sich einen netten Übernachtungsplatz zu suchen und den Tag im Campingstuhl bei einer heißen Tasse Kaffee verstreichen zu lassen. Je weiter wir nach Norden kommen wird es wärmer und die Luftfeuchtigkeit sinkt mit jedem Tag. Bei Tagestemperaturen von 31°C und einer Luftfeuchtigkeit von 30 % gestaltet sich das Leben wieder angenehm, ohne das einem der Saft aus allen Poren läuft. Wäsche kann nach einer halben Stunde auf der Leine zusammengefaltet und im Schrank verstaut werden. Tür und Fenster können den ganzen Tag geöffnet bleiben, ohne dass lästige Moskitos über einen herfallen wie in Asien. Seitdem wir in Südafrika sind, kann man endlich mal wieder bei moderaten Temperaturen draußen sitzen, ohne sich vorher mit Mückenschutzmitteln von Kopf bis Fuß eingeschmiert zu haben.

Das Reisen macht wieder Spaß! Nach knapp 3 Monaten Aufenthalt verlassen wir Südafrika bei Vioolsdrift in Richtung Namibia.

 

Bis dahin. Die 2.

 

Tirendo, das Magazin mit Neuigkeiten und Tipps rund ums Auto, haben bei uns um einen kleinen Artikel angefragt. Hier könnt ihr den Bericht und noch vieles mehr auf der tollen Informationsseite nachlesen: http://www.tirendo.de/blog/mit-einem-man-kat-auf-weltreise/