Südafrika - Paranoia oder traurige Wirklichkeit?

 

Reisezeit: 25.06.2014 – 11.08.2014 

 

Visum: 90 Tage visumfrei am Flughafen oder an der Grenze. Seit 01.06.2014 gibt es nur noch einen 90 Tage visumfreien Aufenthalt pro Kalenderjahr. Eine kurzzeitige Ausreise z.B. nach Namibia, Lesotho usw. und Wiedereinreise nach ZA ist nicht mehr möglich, es sei denn man besorgt sich ein Visum im Heimatland oder einem Nachbarland.

Carnet de Passages: Erforderlich.

Währung: Rand. 1 Euro = 14,5 Rand.

Diesel: 13,6 Rand/l.

Benzin: 1,.9 Rand/l.

Jeden ersten Dienstag im Monat werden die Treibstoffpreise im ganzen Land korrigiert. Kurz vorher kann man sich an den Tankstellen oder in der Zeitung erkundigen, in welche Richtung der Preis gehen wird.

Bargeld: An vielen ATM. Bei der ABSA-Bank bis zu 6000 Rand. Bei anderen Bankenautomaten des Öfteren auch wesentlich weniger.

Kreditkarten: Große Akzeptanz mit Visa- und Master-Card an Tankstellen und in Städten.

Fahrzeugversicherung: Über den Kraftstoffpreis sind Personenschäden versichert, sonst nichts. Man kann separat eine Kfz-Versicherung abschließen.

 

Am 25.06.2014 landen wir mit South African Airways, nach etwa 20 Stunden Flugzeit und einigen Zwischenstopps, auf dem Internationalen Flughafen von Durban. Heilfroh, endlich dem asiatischen Brutkasten entflohen zu sein. Hier in Südafrika herrscht tiefster Winter, mit Tagestemperaturen um die 25°C eine echte Wohltat für unsere geschundenen Körper. Goliath steht zurzeit noch in Singapur im Hafen und wartet auf seine Verschiffung und soll am 13.07.2014 hier in Durban eintreffen. Derzeit haben wir uns in einem kleinen Cottage im Stadtteil Berea eingenistet. In den nächsten Tagen sinken die Temperaturen allerdings noch um einige Grade und teilweise stellt sich auch Regen ein. Alles, was wir an wärmenden Klamotten dabei haben, kramen wir aus unserem Gepäck, aber selbst das scheint uns manchmal nicht ausreichend wärmespendend zu sein. Außerdem ist unser kleines Cottage nicht mit einer Heizung ausgestattet und wenn die Sonne nicht direkt hereinscheint ist es „rattenkalt“, zumindest kommt es uns so vor. So ist Bewegung angesagt. Erst mal erkunden wir zu Fuß die umliegende Gegend. Nette kleine Cafés liegen entlang der Straßen, wo wir uns bei Cappuccino und Kuchen in der Sonne aufwärmen. Jedoch kommt man sich nach einigen Tagen vor wie in einem Hochsicherheitsgefängnis. Fast jedes Grundstück, ist mit mindestens einer zwei Meter hohen Mauer oder Gitterstäben umgeben. Rein kommt man nur durch ein Rolltor, das per Fernbedienung geschaltet wird. Auf Mauern und Toren sind entweder Glasscherben eingearbeitet oder sie sind mit scharfen Metallspitzen versehen. Kameraüberwachung scheint ebenso üblich zu sein. Hinter den Mauern oder Gitterstäben lauert fast immer ein zähnefletschendes Monster von Hund. Die vollkommen „Durchgeknallten“ und das sind nicht wenige, haben oben auf ihren Toren und Mauern sogar S-Draht sowie Hochspannungsdrähte verlegt. So gut wie jedes Haus verfügt über eine Alarmanlage, die mit einer Sicherheitsfirma verbunden ist. Bei ausgelöstem Alarm stehen in kurzer Zeit schwer bewaffnete Sicherheitsleute vor der Tür. Jedes Auto ist mit einer Alarmanlage ausgestattet und den lieben langen Tag hört man irgendwo eines dieser Autos heulen, weil vielleicht eine Katze aufs Auto gesprungen ist oder eine Fliege den Bewegungsalarm ausgelöst hat, aber keine Sau interessiert‘s. Verhaltensregeln werden uns mit auf den Weg gegeben. Bloß nicht im Dunkeln zu Fuß unterwegs zu sein und geh selbst nicht am Tag in diese oder jene Gegend. Hier bringt man dich erst um und fragt dann, ob man dich deiner Wertsachen entledigen kann! Haben die alle einen Sprung in der Schüssel oder ist das tatsächlich traurige Wahrheit?! Ich möchte hier auf jeden Fall nicht einmal tot über‘m Zaun hängen. Wir verhalten uns, wie wir es immer tun, ganz speziell in großen Städten. Ein gewisses Maß an Vorsicht hat noch niemandem geschadet.

Etwa eine Woche bevor Goliath ankommen soll, haben wir uns auf eine Agentin eingeschossen, die unser Fahrzeug aus dem Hafen holen soll. Vivian wurde uns unter anderem von Malaysia aus empfohlen und unser Gefühl sagt uns, sie ist die Richtige. Eigentlich wollten wir die ganze Hafenprozedur selbst in Angriff genommen haben, aber Vivian erklärt uns, warum wir gut daran getan hätten uns für einen Agenten zu entscheiden. Sie sagt, man benötigt ein sogenanntes Hafenkonto, über welches alle finanziellen Transaktionen laufen, hast du das nicht, lässt man dich warten und das kann richtig teuer. Drei Standtage im Hafen sind frei, aber ab da ziehen sie dich über den Tisch. Da südafrikanische Hafengebühren zu den teuersten der Welt gehören, hätten wir ab dem vierten Tag etwa 200 Euro pro Tag abdrücken müssen, da auch hier nach der Größe des Fahrzeugs abgerechnet wird. Wenn du Pech hast, kommt dein Fahrzeug Freitags an, deine Kiste steht dann schon mal bis Montag so oder so, Montag kommt alles langsam in Gang ………., so kann schon mal der ein oder andere Tausender den Bach runtergehen, kein Einzelfall übrigens, wie wir im Nachhinein mitbekommen.

Da wir im Vorfeld alle erforderlichen Papiere bei Vivian abgegeben haben, konnte sie schon alles in die Wege leiten. Sonntagnacht wird Goliath ausgeladen, Montagnachmittag nehmen wir ihn ohne ein Problem und ohne einen Kratzer entgegen.

Zwei Nächte parken wir noch vor unserem Cottage, wir sollen Goliath bloß nicht in der Nacht unbeaufsichtigt lassen heißt es, deshalb will Marion sich opfern in unserem rollenden Heim zu schlafen. Na besser die wird geklaut als ich! Am Morgen des zweiten Tages gibt es allerdings etwas Lustiges zu berichten. Eine Gruppe junger Leute kommt vorbei, wobei einer ruft: Look at this truck, looks like real strong shit!

Am Abreisetag bewegen wir uns jedoch nur etwa 20 Kilometer weiter bis nach Pinetown. Hier bei MAN wollen wir ein schon länger bestehendes „Klacken“ im Verteilergetriebe abklären. Bangkok war, wie schon berichtet, der absolute Reinfall und Malaysia hat uns mit seiner Arbeitsweise auch nicht vom Hocker gerissen.

Hier in Pinetown treffen wir auf Steven, er ist Ingenieur bei MAN und für die Prototypen zuständig, die in Südafrika getestet werden. Vor uns steht eine der neusten Kreationen von MAN, ein traumhaft schöner TGX 550 mit Reihensechszylinder und 15,2 Liter Hubraum. Ausgestattet mit allen technischen Raffinessen, die z.T. noch nicht auf dem Markt zu haben sind, wie eine Klimaanlage, die tagsüber die Kälte speichert und nachts wieder abgibt, ohne großen Stromverbrauch. Weiterhin werden Auffahrsensoren sowie Seitensensoren getestet und vieles mehr. Beladen ist der Sattelauflieger mit Betonquadern, die allein schon 56 t wiegen. Zwei Mann Besatzung fahren jeden Tag eine bestimmte Strecke hin und zurück. So kommen in acht Monaten 200000 Kilometer zusammen. Danach wird der TGX, der übrigens schon mit Euro 6 unterwegs ist, aufs Schiff gefahren und anschließend in München in seine Einzelteile zerlegt, um sie auf Verschleiß und etwaige Schäden zu untersuchen.

In unserem Fall werden Getriebespezialisten hinzugezogen und wie erwartet können sie natürlich keine Diagnose treffen ohne unser Verteilergetriebe auseinander zu nehmen. Dann kommt die ernüchternde und eigentlich schon von mir erwartete Nachricht, einiges sei im Argen. Nachdem es mehr als eine Woche den Anschein hat, Ersatzteile seien nicht mehr aufzutreiben, versuchen wir auf eigene Faust, evtl. ein gebrauchtes Getriebe ausfindig zu machen und möchten uns ausdrücklich beim Allrad-Forum für die vielen hilfreichen Tipps sowie Adressen bedanken, die sie für uns zusammengetragen haben, um ein passendes Verteilergetriebe zu bekommen. Jedoch nach weiteren Tagen des Wartens kommt hier in Südafrika Bewegung ins Spiel. Scheinbar hat man alle Teile gefunden und sie könnten von Deutschland geordert werden, sofern wir unser ok geben. Da aber unsere Suche nach einem gebrauchten Getriebe bislang ergebnislos geblieben ist, entscheiden wir uns besser für den Spatz in der Hand, als für die Taube auf dem Dach und geben unser ok für die Bestellung.

In der Zwischenzeit liest man uns hier bei MAN fast jeden Wunsch von den Augen ab. So oft wir wollen stellt man uns ein Fahrzeug nebst Fahrer zur Verfügung um Besorgungen zu tätigen. Jason, ein freundlicher Angestellter, lädt uns sogar am Wochenende ein, mit ihm ins wenige Kilometer entfernte Durban zu fahren, um das absolut sehenswerte Aquarium zu besuchen. Gleichzeitig werden Einladungen zu Grillfesten ausgesprochen oder es klopft abends an der Haustür und wir bekommen ein leckeres Abendessen angeboten. Wir können wohl sagen, dass uns hier mit Abstand der beste sowie freundlichste Service aller MAN -Werkstätten zuteilwird. Um jedoch nicht die ganze Zeit mehr oder weniger untätig rumzuhängen, habe ich meinem Rettungsring am Bauch den Kampf angesagt und mir ein Faltrad zugelegt, mit dem ich nun des Öfteren unterwegs bin. Einkaufen wird nun zum sportlichen Ereignis und nicht selten habe ich die Lacher auf meiner Seite, wenn ich vor dem Supermarkt mein Rad zusammenklappe, um es im Einkaufswagen zu verstauen, damit es nicht geklaut wird.

Der erste Ankunftstermin unserer Teile Ende Juli ist verstrichen und nichts ist passiert. Jetzt sollen sie am Dienstag den 05.08. in Johannisburg ankommen, am nächsten Tag hier in Pinetown sein, zwei Tage bei den Getriebeleuten zum Zusammenbau und einen halben Tag um das Ganze wieder einzubauen. Sollte es sich tatsächlich bewahrheiten? Es kommt wie vorhergesagt, Freitagmittag liegen die Jungs von der Firma Cabris unter Goliath und bauen unser Verteilergetriebe wieder ein.

Am Samstag starten wir wieder durch, jedoch nicht besonders weit. Wir steuern einen Campingplatz an, denn hier haben wir uns mit den Holländern Sjors und Monique verabredet, die mit ihrem DAF in Südafrika unterwegs sind. Wir kennen sie bereits aus Marokko, als wir den Winter 2012 dort verbracht haben. Die Zeit wird uns nicht langweilig, bereits am zweiten Tag haben wir das Glück Buckelwale beobachten zu können und einen Tag darauf sehen wir eine Gruppe Delphine. Am nächsten Tag schon wieder Wale, einfach toll! Sie kommen um diese Zeit an der Küste entlang, um sich an den großen Sardinenschwärmen satt zu fressen. Sie schaffen es sogar näher an die Küste zu gelangen, indem sie unter den Hainetzen herschwimmen, die zur Sicherung von Surfern und Schwimmern angelegt sind. Studien zufolge gehören große Haie, wie unter anderem der weiße Hai, nicht zu den hellsten Kerzen auf der Torte, um es den Walen gleich zu tun.

 

Wir sehen uns wieder zum zweiten Teil in Südafrika.

 

Die 2.