Malaysia.

 

Reisezeit: 23.04.2014 – 24.06.2014

 

Die schäbigen Gewächshäuser lassen wir hinter uns. Von nun an überziehen Teepflanzen die hügelige Umgebung wie einen samtenen Fleckenteppich. Über eine kurvenreiche Straße fahren wir durch den Dschungel, bis wir die Cameron Highlands verlassen und es zügig über die Hauptverbindungsstrecke nach Rawang geht, wo sich eine MAN-Werkstatt befindet. Seit einigen Tagen ergießen sich heftige Regenschauer über uns, wobei wir schon an den Monsun-Regen denken. Man klärt uns auf, dass es so nicht stimmt. Die eigentliche Regenzeit sei schon vorbei, aber wie überall auf der Welt, scheinen sich die klimatischen Bedingungen zu verändern und der Regen hält verstärkt an. Der Monsun-Regen beginnt allerdings erst wieder im November, sagt man uns. Vielleicht haben wir ja Glück. Dennoch bringt uns der heftige Regen obendrein Abkühlung, die wir gerne annehmen, denn wir haben keine Klimaanlage.

Bei MAN steht der normale Service an. Öle werden gewechselt und ein weiterer Versuch mit den erneut nach 20000 Kilometern ausgelutschten Federlagern wird unternommen. Für Letzteres müssen wir allerdings unsere Aufenthaltsposition wechseln.

Am Montag werden wir von einem sehr freundlichen Inder abgeholt, der uns zur zirka 20 Kilometer entfernten Werkstatt eines Chinesen begleitet. Wir fahren unter einem geöffneten Schlagbaum hindurch und glauben nicht richtig zu sehen. Der Straßenbelag ist bröckelig und vollkommen ölverschmiert. Ein komisches Gefühl macht sich in unserer Magengegend breit. Sind wir hier richtig? An der Straße entlang stehen Unfallfahrzeuge, die ausgeschlachtet werden, Stahl, Alu und Blech liegt in jeder Variation herum. Bei einem Blick hinter die mit Wellblech zusammengeschusterten Trennwände liegen massenhaft Achsen, Radnaben, Motoren, Karosserieteile und vieles mehr. Wir sehen ölverschmierte Arbeiter jeglicher ethnischer Herkunft. Muslime, Hindus und Buddhisten werkeln für 15 Euro pro Tag auf dem dreckigen Boden herum und zerlegen die Autos in ihre Einzelteile. Wir fahren die schmuddelige Straße weiter, unser Gefühl im Magen wird nicht besser. Immer tiefer fahren wir in das Herz dieses „Industriegebietes“ hinein, wo sich Schlosser, Schrauber, Mechaniker und die Geburtsstätte der Fast-and-Furious-Bastler befindet. Und tatsächlich haben wir schon mehrere Honda gesehen, die exakt dem Modell in dem Film nachgebaut sind. Es ist schon unglaublich wie diese Kinofilme eine ganze Nation so in Faszination versetzen. So ziemlich am Ende kommen wir vor der Firma des Chinesen zu stehen. Auch hier ist alles ölig und dreckig, in einer Rinne werden Teile gereinigt und alles fließt … ja wohin denn eigentlich? Ich weiß es nicht. Der Chef begrüßt uns und nachdem Goliath an seinem Platz steht, besprechen der Chef und Walter nochmals die Details. Noch während des Gesprächs ertönen bereits die Schlagschrauber. Vier bis fünf Mechaniker machen sich über unseren Goliath her und Walter rennt wie ein aufgescheuchtes Eichhörnchen herum, weil er nicht mehr weiß, wo er zuerst kontrollieren soll. Die Mechaniker arbeiten so schnell, als wären sie bei der Formel I beschäftigt. Die ersten Ergebnisse zeigen sich am Abend und das flaue Gefühl in der Magengegend verschwindet. In dieser Werkstatt bekommt unser Reisegefährt in den folgenden Tagen ein Face- und Bodylifting verpasst. Zu unserer Überraschung setzt uns der Chef als oberste Priorität an, was die Mechaniker wundert, denn der Betrieb steht voll mit Fahrzeugen, die repariert werden müssen. Wir seien die ersten Touristen in seiner Reparaturwerkstatt und dementsprechend ist der Chef erpicht, dass die Mechaniker gute Arbeit leisten und wir jeglichen Service bekommen. Das geht soweit, dass man uns ein Fahrzeug mit samt Chauffeur stellt, wenn wir in die Stadt zum Einkaufen möchten oder sonst irgendetwas zu erledigen hätten. Das ist Service am Kunden, den wir noch nirgendwo auf der Welt in irgendeiner Werkstatt genossen haben. Zudem versichert uns der Chef immer: „No problem, I can. Was immer du benötigst, dass besorge ich dir.“

An einem Abend werden wir vom Chef zum Essen eingeladen. Wir gehen in ein typisch chinesisches Restaurant, in dem vor allem Spezialitäten aus dem Meer angeboten werden. Auf unserem Tisch steht ein Teller geröstetes Hühnchen in Orangensoße, eine Pfanne mit Meeresfrüchten, ein Teller mit Gemüse und eine weitere Pfanne mit Muscheln sowie in Essig eingelegte Chilischoten. Das erste Mal in unserem Leben essen wir Seegurke und Fischmagen, für Walter ist es zudem das erste Mal, dass er Muscheln ist. Dazu wird Reis gereicht, die Männer trinken japanisches Bier. Tapfer hält sich Walter und der Abend war sehr amüsant. Als ich ihn später auf die Muscheln hin anspreche, da meint er nur: „ Sie schmecken gut, aber gut, dass ich meine Brille nicht aufhatte und somit nicht gesehen habe, was ich da esse.“

In Kuala Lumpur wollen wir eine Versicherung für unser Fahrzeug abschließen. Dazu wird Walter um neun Uhr von einem Werkstattmitarbeiter zur Zurich Insurance gebracht, von der wir von anderen Reisenden wissen, dass sie ausländische Fahrzeuge versichert. Während Walter in der betreffenden Etage versucht, die richtige Kontaktperson zu finden, lassen ihn alle mit der Bemerkung, dass sie nicht zuständig sind, abblitzen. Als er dort herumsteht und niemand sich verantwortlich fühlt, tritt Angie vor ihn und fragt, ob sie ihm helfen kann. Sie hat gerade frei und kann sich seiner annehmen. Zurich Insurance ist nicht der richtige Versicherer und so gehen sie zu Uni Asia, wo sie fündig werden. Nachdem die Daten des Fahrzeuges und des Halters soweit notiert sind, beginnt das Warten. Und sie warten und warten und warten. Nach vier geschlagenen Stunden des Wartens bekommt er endlich die nötigen Papiere in die Hand gedrückt. Ein Taxi hier zu bekommen ist unwahrscheinlich, steckt ihm Angie, und so bringt sie ihn ohne lange zu überlegen zurück zur Werkstatt. Um 18 Uhr treffen sie endlich ein.

Am folgenden Tag machen wir uns nach 1 ½ Wochen auf den Weg nach Kuala Lumpur. Wer eine asiatische, verträumte Märchenstadt erwartet, der liegt falsch. Kuala Lumpur ist eine moderne, pulsierende 1,6-Millionen-Einwohner-Metropole mit gewaltigen Hochhäusern und den berühmten Petronas Twin Towern, und sie wächst ständig weiter. In dem Straßenlabyrinth Kuala Lumpurs suchen wir einen Parkplatz. Zunächst steuern wir den KL Tower an. Dort oben ist das 24-Stunden-Parken allerdings verboten. Der etwas tiefer liegende Parkplatz ist komplett belegt. Nicht ein Fahrzeug findet noch Platz. Also geht die Suche weiter. An der Straße Salang Mapang werden wir schlussendlich fündig. Der Parkplatz kostet 12 Ringgit Malaysia für 24 Stunden, ist laut, aber er liegt sehr zentral zwischen den Petronas Twin Towern und dem KL Tower. Hier finden wir alles, was wir nötig haben. Es gibt eine Bäckerei mit sehr gutem französischem Baguette, gute Restaurants mit Speisen zu günstigen Preisen, Geschäfte von Gucci, Dior, Prada, Harley Davidson und viele mehr. In Kuala Lumpur ist Geld. Das kann man deutlich erkennen. Lamborghini, Ferrari, Maserati, Audi und Mercedes sehen wir mehrfach. Leise gleiten sie durch die Straßen. Fahrzeuge, die laut brüllen, sind getunte 08-15-Autos von der Stange. Erstaunlich ist, dass man inmitten des Hochhausdschungels noch einige ruhige Fleckchen in den Parkanlagen findet, wo sich der Mensch ein wenig von dem Großstadtlärm erholen, joggen oder mit seinen Kindern spielen kann.

Nach einer guten Woche KL verabschieden wir uns von Angie und fahren durch eine üppige Dschungellandschaft über die Genting Highlands gen Norden. Am Stausee Tasik Kenyir bleiben wir für zwei Tage zur Erholung stehen.

Ein Highlight sind die Wasserschildkröten, die wir uns an der Ostküste ansehen möchten. Die Saison hat allerdings noch nicht richtig begonnen. Einige Schildkröten finden sich dennoch schon ein. Am Tage kann man ihre Spuren im Sand deutlich erkennen. Der Strand ist absolutes Schutzgebiet. Hier darf man sich von 18 Uhr bis 6 Uhr nicht aufhalten, weil die Schildkröten sonst beim Eierlegen gestört werden könnten. Sogar am Tage ist hektisches Treiben wie Joggen verboten. Wir besichtigen die kleine Hilfsstation in Cherating, die das Leben der Schildkröte und den Schutz der Meerestiere erklärt. Die Green Turtle, besser bekannt als die Suppenschildkröte, ist hier hauptsächlich vertreten, die Lederschildkröten sind rar. In der Station werden kleine und große Schildkröten zu Anschauungszwecken in Becken gehalten. Wenn die großen Schildkröten sechs Jahre alt sind, werden sie ins Meer ausgesetzt. Ein Nest kann bis zu 150 Eier beherbergen und bis die Kleinen das Tageslicht erblicken, vergehen an die 50 bis 60 Tage. Ob die Schildkröte ein Männchen oder Weibchen wird, hängt von der Temperatur ab. Kalter Sand erzeugt Männchen, warmer Sand Weibchen. Schon lustig, oder? Auf jeden Fall sehr interessant und allemal lohnenswert diese wunderschönen Schildkröten zu schützen.

Die nächsten Tage verbringen wir an den schönen Stränden der Ostküste Malaysias. Hier ist es wesentlich ruhiger als auf der Westseite.

In Kuala Terengganu besichtigen wir den Islamic Heritage Park, wo sich die schöne Kristallmoschee, die ihren Namen wegen der vielen Kristallspiegel erhielt, befindet, und die 2006 bis 2008 auf dem Wasser erbaut wurde und 700 Gläubigen Platz bietet. Sie ist die Hauptattraktion in diesem Park, was sich an der Zahl der Besucher deutlich macht.

Pünktlich am 01.06.2014 sind wir an der Grenze Malaysia/Thailand. Hier wollen wir das Carnet de Passages abstempeln lassen, welches wir uns zwecks Verschiffung von Deutschland schicken lassen haben. Der Beamte ist sehr freundlich, weist uns nochmals darauf hin, dass man ohne Carnet eigentlich nicht einreisen dürfte und stempelt es aber ohne weiter zu zögern ab. Das ging ja wirklich einfach. Noch auf malaysischer Seite drehen wir unser Reisegefährt und fahren wieder zurück. Zum Glück bietet sich ein riesiger freier Platz entlang der Strecke an, um dort eine ruhige Nacht zu verbringen. Von nun an geht es zurück nach Kuala Lumpur, um unsere Verschiffung zu koordinieren.

Am 06.06.2014 treffen wir uns mit Shanti, einer Agentin, die uns bei den Formalitäten behilflich ist. Sie ist ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Wie wir schon zuvor gehört haben, bewahrheitet es sich, dass die Fahrzeuge im Innenbereich von persönlichen Dingen leergeräumt werden müssen. Wir bemängeln das sofort und fragen nach einer Lösung. Die gibt es. Wir müssen alle persönlichen Dinge auflisten. Anschließend unterschreiben wir, dass die Schifffahrtsgesellschaft für keinerlei Schäden oder Verlust an diesen Dingen aufkommt. Da wir keinen Durchstieg haben, die Wohnkabine zusätzlich doppelt verschlossen ist und wir bislang noch keine schlechte Erfahrung mit einer RoRo-Linie hatten, vertrauen wir darauf, dass alles gut gehen wir. Sogar Shanti versichert uns, dass es bislang noch keine Beanstandungen gegeben hat.

Unsere nächsten Tage verbringen wir mit unserem Reisegefährt an einem Küstenabschnitt zwischen Port Dickson und Melakka. Auf dem Weg dorthin, fällt uns auf, dass im ganzen Land mehr und mehr die Urwälder gerodet werden, damit Ölpalmen angepflanzt werden können. Soweit das Auge blicken kann, sieht man gewaltige Plantagen. An unserem Stellplatz ist es ausgesprochen ruhig, es ist der ruhigste Platz, den wir bislang in Malaysia hatten. Hier lernen wir Man kennen, der beim Sicherheitsdienst eines Resorts arbeitet. Er fährt jeden Tag mit einem Roller eine Kontrollrunde, hält bei uns an und unterhält sich mit uns. Er nimmt sogar unsere Wäsche mit und gibt sie bei dem Wäscheservice des Resorts ab. Er ist ein sehr netter und hilfsbereiter Mann.

An unserem letzten Tag werden wir noch ganz besonders überrascht. Noch während wir frühstücken vernehmen wir ein Knacken und Rascheln in den Bäumen. Bei unserem Blick aus dem Fenster, springt eine große Brillenlegurenfamilie durch die Baumkronen. Einige von ihnen werden auf uns aufmerksam und sehen uns mit ihren Brillenaugen gespannt entgegen. Was für ein Erlebnis. Lange Rast machen sie nicht. So schnell wie sie aufgetaucht sind, so schnell sind sie auch wieder verschwunden.

Am 18.06.2014 fahren wir mit allen nötigen Dokumenten in den Hafen Westport. Am Eingang besorgen wir uns den nötigen Gate-Pass (Passierschein) und fahren direkt zum Giga Car Terminal. Dort weiß erst einmal keiner so recht etwas mit uns und unserem Reisegefährt anzufangen. Es wird telefoniert und telefoniert. Dann endlich geht alles schnell. Wir werden zu dem abgesicherten Bereich für Fahrzeuge begleitet. Unser Reisegefährt wird inspiziert und Ersatzreifen, Feuerlöscher usw. auf einem Dokument notiert. Wir machen noch einige Fotos von unserem Fahrzeug, damit bei einem verursachtem Fremdschaden durch den Transport Ersatzanspruch erhoben werden kann, und fahren mit unserem Taxifahrer, der uns den ganzen Weg begleitet hat, zurück in das kleine Hotel Setia Inn.

Am 20.06.2014 soll unser Goliath den Hafen Westport mit einem Schiff der Höegh-Gesellschaft verlassen, Singapur ansteuern und von dort aus direkt nach … verschifft werden, wo wir ihn hoffentlich am 12.07.2014 unversehrt in Empfang nehmen werden.

 

Bis dahin. Wir sehen uns in ...? Das möchtet ihr alle gerne wissen? Hier ein kleiner Tipp. Dort, wo wir hinfliegen, liegen die Temperaturen gerade um die 17°C, also 20 Grad weniger als in Malaysia. Wir werden uns den Hintern abfrieren - so viel ist klar.

 

Die 2

 

P.S. Diesen Bericht habe zur Abwechslung mal ich (Marion) verfasst, weil Walter so frustriert war. Hoffe, er hat euch gefallen. Ach ja, und bevor wir es noch vergessen. Auch wenn wir dem einen oder anderen Asien-Liebhaber jetzt vor den Kopf stoßen, bis auf die Mongolei ist Asien definitiv nicht unser Favorit.