Malaysia.

 

Reisezeit: 12.04.2014 – 22.04.2014

 

Visum: Für Deutsche besteht keine Visumspflicht. Wir bekommen an der Grenze 3 Monate Aufenthalt (kostet nix).

Carnet de Passages: Ja.

Währung: Ringgit Malaysia (RM). 1 Euro = 4,4 Ringgit.

Diesel: 2 RM/l. Benzin: 2,10 RM/l. Die Diesel- und Benzin-Preise sind in ganz Malaysia Einheitspreise.

Bargeld: Bei allen Banken am ATM.

Kreditkarten: Akzeptanz an den meisten Tankstellen sowie Einkaufszentren und vielen Geschäften.

Fahrzeugversicherung: An unserem Grenzübergang war keine Möglichkeit eine abzuschließen.

 

Am 12.04.2014 stehen wir an der Grenze zu Malaysia bei Wang Kelian. Hier sind, wie eben noch zuvor in Thailand, die Zustände chaotisch. Auch hier müssen wieder Verkaufsstände, Mopeds und diverse Gegenstände zur Seite geräumt werden, damit wir überhaupt zur Grenzstation gelangen können. An der Immigration haut man uns in einer Minute den Visumsstempel für drei Monate in den Pass und weiter geht es zum Customs-Office. Und hier hätten wir sagen können, das war der schnellste Grenzübertritt aller Zeiten, wenn wir ein Carnet de Passages gehabt hätten. Wir versuchen den Zöllnerinnen zu erklären, dass schon viele Reisende an anderen Grenzübergängen ohne Carnet de Passages die Grenze nach Malaysia passieren konnten. Die Antwort: "Hier aber nicht". Außerdem hätte man den Vordruck der temporären Einfuhrgenehmigung nicht hier und es sei Wochenende. Aha, es gibt ihn immerhin!? Nach einigem Hin und Her werden die Damen dann etwas entspannter und geben uns zu verstehen, wir könnten ja einreisen, aber Goliath bleibt draußen oder wir müssten bis Montag warten. Ok, dann warten wir halt, aber nicht ohne unser Haus! Die Damen haben ein Einsehen, eskortieren uns schließlich zu einem Parkplatz eines nicht weit entfernten State-Park. Hier sollen wir warten und uns am Montag um acht Uhr wieder an der Grenze melden. Außer, dass es hier heiß ist wie in einem Backofen und jeder Aufenthalt im Freien ohne Mückenschutzmittel mit zahlreichen Stichen quittiert wird, ist es ein schöner Platz. Umgeben von Dschungel und deren fremdartigen Geräuschen. Zum Abend gesellen sich sogar einige Affen und ein malaysisches schwarzes Rieseneichhörnchen zu uns in die umliegenden Bäume.

Am Montag fahren wir zurück zur Grenze. Jedoch bekommen wir kein Papier für die vorübergehende Einfuhr unseres Fahrzeugs, sondern wir sollen bloß eine Liste aller im Fahrzeug befindlichen Dinge erstellen. Unsere Frage nach der temporären Einfuhrgenehmigung wird uns erklärt. Alle erforderlichen Fahrzeugdaten seien im Computer gespeichert und das würde ausreichen. Die ganze Aktion dauert etwa 3 Stunden, wobei wir uns mit den Zollbeamten aber mehr über private Dinge unterhalten. Auch der angebliche Agent, der unsere Liste mit der im Fahrzeug befindlichen Sachen nach Kuala Lumpur faxen muss und der mit 46 US$ entlohnt werden soll, ist plötzlich verschwunden und keiner fragt mehr nach dem Geld. Na, uns soll es recht sein!

Wie dem auch sei. Wir machen uns auf den Weg, wir brauchen Sprit. Wir haben unseren Vorrat sehr knapp berechnet, da wir wussten, dass der edle Saft in Malaysia bedeutend billiger ist als in Thailand. Jedoch hat uns niemand erzählt, dass ein scheinbar neues Gesetz besteht, dass Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen im Umkreis von 50 Kilometern maximal 20 Liter tanken können oder bis zu 40 Ringgit. An jeder Tankstelle hängt ein Auszug aus diesem Gesetzestext. Allerdings scheint man es mit zunehmender Entfernung von der Grenze mit diesem Gesetz nicht mehr ganz so ernst zu nehmen.

In Alor Setar, immer noch in der 50-Kilometer-Zone, bekommen wir jedenfalls schon mal bis zu 225 Liter. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber bei einem Dieselpreis von 0,45 Euro fällt einem das nicht besonders schwer. Walter hätte noch weitere 35 Mal angehalten, um unsere Fässer voll zu kriegen!

In Alor Setar stellen wir uns, wie schon viele Reisende vor uns, auf den Parkplatz gegenüber der Zahir Moschee. Allerdings erleben wir hier eine der beschissensten Nächte, die wir je erlebt haben. Nicht für eine Minute haben wir schlafen können. Scheinbar wird der Parkplatz nachts für allerlei Aktivitäten genutzt, wie Rollerrennen, lautstarke Diskussionen und nicht zu vergessen hunderte von Liebespaaren, die in ihren klimatisierten Autos sitzen und die Motoren laufen lassen, weil es ja so heiß ist. Die einzig nette Begegnung haben wir, als eine Gruppe von Musikern uns einlädt im nebenan stehenden Turm Balai Nobat, in dem das königliche Orchester seinen Sitz hat, ihrer Musik zu lauschen. Sie veranstalten diese Zeremonie jeden Abend zu Ehren des Königs. Leider dürfen wir ohne amtliche Genehmigung keine Fotos von den Musikern im Inneren des Gebäudes machen. Am frühen nächsten Morgen unternehmen wir einige Besichtigungen, um dann aber endgültig dieser 24 Stunden lärmenden Stadt den Rücken zu kehren.

Auf dem Berg Gunung Jerai finden wir einen Parkplatz, der uns in luftiger Höhe etwas Abkühlung verschafft. Hier lernen wir Wan kennen, der sich mit uns unterhält und uns einen weiteren Parkplatz zeigt, auf dem es noch angenehmer sei zu stehen. Wan, der mit einem Roller unterwegs ist, hat uns schon während der serpentinenreichen Fahrt auf den Berg interessiert zugesehen. Hier oben leben Affen, die sich jeden Morgen und Abend über Essensreste hermachen, die die Besucher aus dem Fenster ihres Autos werfen. Abkühlung bekommen wir wirklich hier oben. Jeden Abend zieht ein heftiger Gewitterschauer über uns hinweg und lässt nachts das Thermometer auf unter+23°C sinken.

Wir kommen Butterworth immer näher und von dort aus geht es über die Penang-Brücke zur Insel Penang. Schon während unserer Überfahrt werden wir erschlagen von Wolkenkratzern, die sich an der Ostküste der Insel wie eine gewaltige Mauer entlang ziehen und das von Nord nach Süd. In Georgetown erwartet uns das absolute Verkehrschaos. Kein Wunder, denn immerhin sollen auf der Insel, die überwiegend an der Ostküste besiedelt ist, über 1,5 Millionen Menschen wohnen. Dementsprechend ist der Verkehr. Die kostenpflichtigen Parkplätze liegen direkt an der Straße und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es hier in der Nacht ruhig zugeht. Zudem sind alle Plätze bis auf den letzten Stellplatz mit Pkw belegt. Für unser Reisemobil ist da kein Platz mehr vorgesehen. So fahren wir einen Platz nach dem anderen ab und werden nicht fündig. Die letzte Möglichkeit ist der Parkplatz von der Nationalparkverwaltung. Dort hängt ein dickes Stromkabel so tief,

dass wir nicht darunter herpassen. Außerdem wird gerade rundherum gebaut. Auch hier keine Möglichkeit die Nacht ruhig zu verbringen. Wir fahren also die Straße weiter, bis wir an einen Adventure-Park kommen, der gegenüber eine riesige Parkfläche besitzt. Ich frage einen jungen Mann, der prompt einwilligt. Kein Problem, meint er, er würde in der Chefetage Bescheid geben. Na denkste! Gegen Abend – es wird bereits dunkel – tauchen die Uniformierten auf. Die Nachtwächter wollen uns vom Platz haben. Erst als ich erkläre, dass man eingewilligt hat, lässt man uns in Ruhe. Doch die Nacht wird alles andere als ruhig. Mopedfahrer rasen die mit einem Lineal gezogene Straße hoch und runter. Der eintretende Regen hält sie auch nicht davon ab. Ganz im Gegenteil; diese Abkühlung scheint ihnen gerade recht zukommen. Erst als der Regen heftiger wird, fahren sie knatternd nach Hause. Morgens um 7 Uhr klopft es bereits an unsere Tür. „Ihr müsst hier weg, die Busse kommen gleich“, ruft uns der Wachmann in die Kabine. In einer ½ Stunde haben wir alles eingepackt, fahren bis an das verlassene Kulturzentrum zurück, um dort in Ruhe zu frühstücken.

In der Schmetterlingsfarm, unweit vom Kulturzentrum, gönnen wir uns eine Auszeit. Wir sehen uns Eidechsen, Käfer und vor allem Schmetterlinge an. Diese zaghaften Geschöpfe schweben durch die Lüfte und laben sich an den Ananasstücken und den mit Zuckerwasser getränkten Blumenblüten, die zusätzlich ausgelegt werden. Nach diesem Besuch, der uns die Hektik auf der Insel etwas vergessen lassen hat, fahren wir die kurvenreiche Bergstrecke um die Insel herum, kommen an der zweiten Penang-Brücke raus, die übrigens stolze 24 Kilometern lang ist, und verlassen die Insel auf dem schnellsten Weg.

Uns ist aufgefallen, dass Malaysia recht sauber gehalten wird. Es gibt ausreichend Mülltonnen und Container, die auch genutzt werden. Natürlich sieht man auch hier und da mal etwas rumliegen, aber das ist bei uns in Deutschland ja mittlerweile auch schon normaler Alltag. Grünanlagen werden gepflegt, Fußgängerwege gefegt und der Müll beseitigt, der am Abend zuvor von Jugendlichen arglos fortgeworfen wurde.

Von nun an geht es weiter Richtung Süden. In Taiping machen wir einen kurzen Stopp an dem Garden Lake, um uns von den letzten unruhigen Nächten zu erholen. In Malaysia können wir uns seit langer Zeit mal wieder richtig unterhalten, denn die Malaysier sprechen Englisch. So lernen wir auf dem Platz viele Menschen kennen, unter anderem zwei Jugendliche im Alter von 16 Jahren. Auf ihre Frage hin, wie lange wir an diesem See stehen möchten, antwortet Walter, wenn es ruhig ist, dann einige Tage. Daraufhin offenbaren die beiden uns, dass hier in der Nacht Autorennen bis früh morgens stattfinden. Wir verdrehen die Augen. Beim Abendessen wird uns dann vorgeführt, was in der Nacht auf uns zukommen würde. Die Malaysier haben definitiv zu viele Spielfilme von „The Fast and The Furious“ gesehen. Mit quietschen Reifen driften die Möchtegern-Rennfahrer zwischen den parkenden Fahrzeugen her. Ihre Autos sind so tief gelegt, dass unter dem Frontspoiler kaum ein Steinchen hindurchgeht und die Auspuffrohre sind größer als bei anderen die Schornsteine am Haus. Die Motoren dröhnen tiefer und lauter als die Bässe der Musikanlagen der Thailänder. Für uns steht fest: Nichts wie weg hier! In Windeseile packen wir alles ein, denn es ist bereits nach 18 Uhr und wir wollen nach Möglichkeit nicht in der Dunkelheit fahren. Wir erreichen Kuala Kangsar und fahren bis an das Sultanspalast-Museum, wo wir endlich eine ruhige Nacht verbringen können.

Am nächsten Morgen spazieren wir zu der wunderschönen Ubudiah-Moschee und wundern uns über das hohe Aufkommen an patrouillierenden Motorradpolizisten. Nur wenige Meter von unserem Stellplatz ruhen sich diese in der aufkommenden Sonne unter einem Pavillon aus. Walter fragt, warum sie denn so viel Streife fahren würden, woraufhin sie antworten, dass der König in der Stadt sei, um seinen 87. Geburtstag in einem ihm gebührenden Rahmen feiern zu können. Vor der riesigen Moschee versammeln sich Frauen, die festlich gekleidet sind, Stühle werden gebracht und Pavillons werden aufgebaut. Auf dem Rückweg kommen wir am pompösen Sultanspalast Istana Iskandariah vorbei, wo der König residiert. Der Palast liegt uns gegenüber und heute Abend stoßen wir auf das Wohl des Königs an. Was für ein ehrwürdiger Tag. Wenige Tage später informiert man uns, dass jeder Distrikt in Malaysia einen Sultan hat und alle fünf Jahre wird der Reihe nach im Wechsel ein Sultan zum König des Landes gekürt. Der jetzige König, aufgrund seiner vielen Lebensjahre nicht mehr ganz so rüstig, ist bereits das zweite Mal Herrscher des Landes.

Es ist ein Katzensprung von Kuala Kangsar nach Ipoh, wo es einige buddhistische Tempel geben soll, die sehenswert sind. Uns interessiert vor allem der Sam Poh Tong Tempel, der wie die anderen in eine Felswand gebaut wurde. Vor dem Tempel liegt ein wirklich sehr schön angelegter Garten mit einem Fischteich, in dem auch Wasserschildkröten leben. Große Felsbrocken sind in den Teich wie kleine Inseln integriert. Auf ihnen wachsen Bonsai-Bäumchen und mit Figuren wird ein wenig das Leben der Chinesen auf dem Lande dargestellt. Die typischen chinesischen Pagoden und die Buddha-Figuren verzieren die Umgebung. Durch eine Höhle gelangt man ins Innere des Tempels. Hier gibt es einige Gebetsstätten mit liegenden und sitzenden Buddhas. Geht man weiter erreicht man einen Innenhof, der umgeben ist von hohen und bewachsenen Felswänden. Vor der Felswand steht ein Tempel, ihm gegenüber ist ein Tümpel angelegt, in dem wiederum Wasserschildkröten leben, die als Symbol für Langlebigkeit gelten. Und weil die Zeit schon vorangeschritten ist, stellen wir unseren Goliath auf dem Parkplatz gegenüber vom Tempel ab.

Von Ipoh aus biegen wir in die Cameron Highlands ab. Über eine sehr kurvenreiche Bergstraße fahren wir bis auf 1477 Meter hoch. Die Luft wird kühler und angenehmer. Dschungel umgibt uns, riesige Baumfarne und wilde Orchideen wachsen am Straßenrand. Auf einem Stück der Strecke haben gewaltige Erdrutsche stattgefunden. Große Baumaschinen und Kräne versuchen die Strecke wieder in Ordnung zu bringen. Mit einem Mal bekommen wir einen Schreck. Riesige Flächen des Dschungels werden gerodet. Kilometerweit überblicken wir Flächen, die übersät sind mit Gewächshäusern, in denen hauptsächlich Blumen und Erdbeeren angepflanzt werden. Es scheint kein Ende zu nehmen. Wir fahren noch viele Kilometer durch eine Gewächshausgegend. In der Umgebung von Tanah Rata prägt ein Hotelkomplex neben dem anderen die Cameron Highlands und es wird immer noch weiter gebaut. Wenn die Malaysier so weitermachen, dann gibt es bald die Beton-Highlands. Auffallend sind die vielen Land Rover, die ihrem Aussehen nach vor vielen Jahren in die Cameron Highlands als Ausschussware eingeführt wurden. Hier lebt das Herz eines jeden Land-Rover-Fahrers auf und wer Ersatzteile sucht, der ist hier richtig.

In Tanah Rata wollen wir auf dem Rasengrundstück des Father’s Guesthouse übernachten, aber die mussten wohl wegen eines neuen Kirchenbaus weichen und haben keinen Platz mehr für Fahrzeuge. Schade, denn es soll ein schöner Garten auf einem Hügel gewesen sein. Von anderen Reisenden haben wir den Hinweis auf einen kostenlosen Parkplatz direkt im Ort. Ab 22 Uhr versammeln sich leider wieder die jungen Menschen und spielen mit dem Gas ihrer fahrbaren Untersätze. Jetzt fackeln wir nicht lange. Erneut packen wir alles zusammen und fahren in der Nacht auf einen Hügel, wo es ein Hotel mit einem großen Busparkplatz gibt. Mit freundlicher Genehmigung des Chefs verbringen wir dort eine ruhige Nacht.

Von Tanah Rata aus fahren wir am nächsten Morgen bei schönstem Sonnenschein wenige Kilometer zurück bis zum Ye Olde Smokehouse. Hier scheint die Zeit irgendwie stehen geblieben zu sein. Rustikales, stilechtes Mobiliar prägt das Herz des im englischen Landhausstil errichteten Hauses, in dem man sich gleich von Beginn an wohlfühlt. Hier gönnen wir uns ein englisches Frühstück in beeindruckender Atmosphäre. Mit viel Liebe ist der Garten angelegt. Moose beranken Mauern und Gartenaccessoires aus Holz und Stein, Blumen blühen reichlich, eine Sonnenuhr und sogar eine alte Kanone schmücken den Garten. Hier lassen wir es uns richtig gutgehen.

 

Wir sehen uns zum zweiten Teil von Malaysia.

 

Bis dahin. Die 2