Ein Traum wird wahr - Der Baikalsee.

 

Reisezeit: 23.05. bis 06.06.2013

 

Nachdem wir die Nacht noch auf dem Gelände der Tiefbaufirma verbracht haben, die uns aus dem Dreck gezogen hat, machen wir uns am nächsten Morgen auf nach Tomsk. Es gibt eine Straße in Tomsk, in der alte russische Holzhäuser stehen sollen, unter anderem das deutsch-russische Haus und das Haus Feuervogel. Auf dem Parkplatz vom Hotel Tomsk, gegenüber dem Bahnhof, können wir für 400 Rubel zwei Tage bewacht stehen. Zu Fuß machen wir uns am nächsten Tag auf, die ca. drei Kilometer entfernten Holzhäuser zu besichtigen. Wir kommen gerade wieder auf unserem Parkplatz an, da macht der Himmel seine Schleusen auf, das auch noch den nächsten Tag so bleiben soll, als wir uns auf den Weg Richtung Irkutsk machen.

An einem kleinen Froschteichtümpel, versuche ich die schlammigen Spuren an unseren Klamotten zu entfernen, die bei unserer Bergungsaktion entstanden sind. Die nasse Wäsche lasse ich draußen hängen. Der nächste Morgen, ich will die Sachen reinholen, können wir singen, leise rieselt der Schnee. Es ist rattenkalt und die Wäsche bretthart gefroren. Ist das zu fassen, es ist der 24.05. und man friert sich hier den Ars….. ab. Dafür haben wir am nächsten Tag +10°C und strahlenden Sonnenschein. Bei diesem Wetter lockt es auch die Straßenverkäufer nach draußen.

 

Unser Honig ist ausgegangen.

Da steht plötzlich ein Verkäufer an der Straße und es sieht so aus als verkaufe er Honig. Wir halten an. Da wir aber nicht wissen was Honig auf Russisch heißt, fragt Marion den Mann, ist das von einer „Bsssssss“? Der Mann lacht und antwortet: „Da, da, da.“ Na geht doch!

 

In Irkutsk angekommen, suchen wir das Hotel Irkutsk auf, auf dessen Hinterhofparkplatz wir gegen eine Gebühr von 300 Rubel/Tag stehen können, inklusive Wasser und Toiletten. Die Stadt ist schön anzusehen mit ihren vielen Denkmälern und imposanten Gebäuden. Es geht nicht so hektisch zu wie in den Städten zuvor und es ist sehr viel sauberer und gepflegter.

Auf dem Hotelparkplatz spricht mich Rastum an. Er fährt einen Dreiachser-Kamaz mit Kranaufbau und arbeitet gerade auf dem Parkplatz an einer Baustelle. Er ist ein ganz netter und er ist sehr an unserem Fahrzeug interessiert. Wir vergleichen unsere Fahrzeugdaten. MAN, 12 t, 2 Achsen, 250 PS, Reihensechszylinder, 6,9 Liter Hubraum, Turbolader und Luftfedersitz. Er sitzt Probe und bekommt feuchte Augen. Dann steigt er aus, tritt dreimal mit Wut vor sein linkes Vorderrad und zeigt mir seine Daten. Kamaz, V8, 19 t, 3 Achsen, 218 PS, zwei Turbolader, kein Federsitz und ständige Rückenschmerzen.

Von Irkutsk aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Baikalsee, wenn man vergleicht, was wir bis hierhin an Kilometern zurückgelegt haben. Seit Irkutsk hat sich die Landschaft vom tristen Ackerbraun in grüne, hügelige Wiesen verwandelt und es ist für uns die schönste Gegend seit wir Russland unter die Räder genommen haben.

Am 30.05. erreichen wir nach 9536 Kilometern den Baikalsee und zugleich den Fähranleger zur Insel Olchon. Mit einer maximalen Tiefe bis zu 1642 Metern ist er der tiefste See der Erde und unser erstes großes Etappenziel auf dieser Reise. Zu unserer Verwunderung ist die zirka 20-minütige Überfahrt umsonst. Auf der Insel geht es auf staubiger Piste weiter bis Chužir, mit 1400 Einwohnern der größte Ort auf der Insel. Hier haben wir uns mit Barbara und Uwe verabredet, die wir in Bolivien getroffen haben. Doch zuvor sollte man sich aber bei der Parkverwaltung anmelden (N53°11‘33.4“ E107°20‘59.0“). Gegen eine Gebühr von 350 Rubel (Fahrzeug/Tag) und 60 Rubel (Person/Tag) kann man fast überall frei stehen. Bislang die beste Investition in Russland, für die man durch herrliche Landschaft belohnt wird. Die Insel Olchon wird die Perle des Baikalsees genannt und ist wirklich traumhaft schön. Hier kann man relaxen und die großartige Natur genießen. Das Eis, das sich noch am Ufer sammelt, knistert und klirrt. Marion sagt, sie spielen die Ballade vom Baikalsee. Die Sandstrände laden zu Spaziergängen ein und auf den Grassteppen spielen die Erdhörnchen. Ende Mai blühen die vielen Rhododrendonbüsche unter den Lärchen.

Nach vier Tagen verlassen wir wieder diese schöne Insel und kommen ein zweites Mal durch Irkutsk, denn wir wollen nach Listvyanka. In unserem Reiseführer beschrieben als die Riviera des Baikalsees. Für uns allerdings ein absoluter Flopp, weswegen wir uns auch am nächsten Tag zum dritten und letzten Mal Richtung Irkutsk aufmachen.

Zirka 20 Kilometer hinter Listvyanka besuchen wir noch das Freilichtmuseum Talzy. Hier hat man alte russische Holzhäuser wieder aufgebaut, jedoch hat man das ein oder andere irgendwie schon mal gesehen. Ein bisschen sauer stoßen mir aber die verschiedenen Eintrittspreise auf. Touristen bezahlen mehr als Einheimische. Aber man kann`s verstehen, neben uns auf dem Parkplatz stehen die armen Russen mit ihren Toyota Land Cruiser V8 und BMW X6 und Hummer H3.

Am Abend erreichen wir den südlichsten Zipfel des Baikalsees. Morgen werden wir noch eine Zeitlang in Sichtweite des Sees entlangfahren, bis wir uns von ihm in Richtung Süden entfernen, auf dem Weg nach Ulan-Ude und mongolischer Grenze.

Am 06.06.2013, nachmittags um 15.00 Uhr, stehen wir bei Kyakhta, um Russland wieder zu verlassen. Doch zuvor sehen wir zu, dass wir unsere Rubel so gut wie es geht noch vertanken können. Wenige Hundert Meter vor dem russischen Grenzposten kommt noch eine Tankstelle. 50 Liter Diesel passen noch rein bis unsere Tanks randvoll sind.

 

Video von der Insel Olchon

 

Also stellen wir uns anschließend in eine Reihe von wartenden PKW. Kaum zu glauben, wir werden durchgewunken und können zur Passkontrolle. Ich lege dem Beamten alle Papiere auf den Tisch. Pässe sind o.k., aber ein Zettel vom Grenzeintritt fehlt. Na, das hätte ich mir ja denken können, dass nicht alles glatt geht. Also, ich bin mir sicher, keinen zusätzlichen Zettel bekommen zu haben. Es wird viel telefoniert und plötzlich wird der Zettel von Hand geschrieben und das tut‘s dann wohl auch. Dann muss sich Goliath noch einer Röntgenkontrolle unterziehen. Zwei verdächtige Objekte werden beanstandet, die ich aber schnell aufklären kann. 1. Unser Kettenzug, den ich zum Runterholen der Reserveräder brauche und in einem der hinteren Ersatzräder verstaut habe. 2. Eine Thermoskanne unter dem Bett. Alles in allem brauchen wir aber doch zwei geschlagene Stunden, um Russland verlassen zu können.

So, nun aber ab zu den Mongolen, denn angeblich machen die die Grenze um 17.00 Uhr dicht.

Und auf der rechten Seite gibt es noch einige Fotos exklusiv für "Hotel Kruse", unser freundliches Langholzunternehmen mit herzlichen Grüßen aus Russland.

Übrigens haben wir uns in keinster Weise unwohl gefühlt, wenn wir wild gecampt haben und die russische Küche ist sehr gut. Also Leute, wir hoffen wir können euch demnächst auch aus der Mongolei berichten.

 

Bis dahin. Die 2.