Mongolei - Teil 2

 

Reisezeit: 23.06.2013 – 18.07.2013

 

Am nächsten Tag nach dem Naadam-Fest kommen wir noch einmal durch Dalandzadgad. Wir füllen unsere Versorgungskisten auf, denn ab jetzt sind wir für geraume Zeit im Nirgendwo unterwegs. Wir finden hier auch eine Tankstelle, die Visa akzeptiert (N 43°34‘36.3“ O 104°25‘28.9“), allerdings für schlappe 1870 Tugrik/l, wobei andere Tankstellen auch nicht günstiger sind, aber eben keine Kreditkarten akzeptieren.

Von hier aus haben wir nur wenige Kilometer bis zum Yolyn Am Canyon im Gurvansaikhan Nationalpark, in dem sich viele Bartgeier tummeln sollen. Nachdem wir die Nacht vor dem Tor des Parks verbracht haben, starten wir Goliath, um am frühen Morgen die ca. 10 Kilometer bis zum Canyon hinter uns zu bringen. Ein kleiner Tipp, wenn man den Canyon allein für sich haben will, sollte man um 8.00 Uhr einfahren, weil erstens ab 10.00 Uhr viele Touristen angekarrt werden und zweitens ab Mittag das Wetter sich verschlechtern und Regen fallen kann.

Vom Parkplatz vor dem Canyon geht‘s dann zu Fuß weiter. Wir sind völlig allein unterwegs, rechnet man die tausenden von putzigen Nagetieren nicht mit, die einem fast über die Füße laufen, da sie keine Scheu vor dem Menschen haben. Pünktlich um 9.00 Uhr scheint die Thermik gut zu sein und die Geier erheben sich wie auf Befehl in die Luft. Sie sind allerdings so hoch, dass man sie selbst mit einem guten Teleobjektiv nur schwer aufs Bild bekommt. Aber selbst wenn man diese schönen Vögel nicht näher sehen kann, entschädigt einen die grandiose Landschaft.

In einer Biegung des Canyons in der die Sonne nie den Boden erreicht, treffen wir sogar noch auf ein großes Eisfeld, welches aus dem letzten Winter scheinbar übrig geblieben ist. Nachdem wir etwa 3 Kilometer im Canyon gewandert sind, machen wir uns wieder auf den Rückweg und wie wir es vermutet haben, kommen uns Scharen von Touristen entgegen. Wir müssen denselben Weg zum Eingang zurück (Sackgasse). Es kursieren unter den Reisenden Gerüchte, man könne durch den Canyon hindurch fahren, alles Quatsch, nach ca. 2 ½ - 3 Kilometer wird es so eng, dass gerade mal ein Gaul durchpasst.

Zusammen mit Barbara und Uwe machen wir uns auf zu den „Singenden Dünen“ im Park, die im Übrigen in der Wüste Gobi liegen. Zuerst ist die Piste noch gut befahrbar, aber ab Bayandalai wird‘s richtig übel und erlaubt einen max. Schnitt von 20 km/h und wir haben öfter mal das Gefühl, als wolle unser fahrbarer Untersatz auseinander brechen. Es ist schon eine beeindruckende Gegend, aber hätten wir vorher gewusst, welch eine Tortur es ist dieses Ziel zu erreichen, hätten wir uns den Weg erspart. Und wer schon einmal in Nordafrika oder in Namibia war, den haut es nicht wirklich vom Hocker. Ein Highlight ist es allerdings, als völlig überraschend eine Herde wilder Antilopen unsere Piste quert und in Richtung Dünen verschwindet. Bedingt durch die Anstrengungen der letzten Tage, gönnen wir uns hier ein paar Tage Rast, um die Gegend zu Fuß zu erkunden.

Nachdem wir einige Tage an den „Singenden Dünen“ im Gurvansaikhan-Nationalpark verbracht haben, brechen wir auf Richtung Bogd. Für uns die landschaftlich schönste Strecke, die wir bislang gefahren sind. Die Piste ist bis auf kleine Abschnitte recht zügig zu befahren und heute schaffen wir sogar einen Geschwindigkeitsrekord von 72 km/h, aber nur ganz kurz, danach bremst uns wieder ein Flussbett aus.

 

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In einer riesigen Ebene treffen wir plötzlich auf Wasser. Ein kleines, flaches Rinnsal fließt leise vor sich hin. Man könnte mal wieder Wäsche waschen?! Also Waschmaschine runter vom Dach, ein Loch im lockeren, sandigen Bachbett gegraben, damit man den Eimer besser füllen kann. Es nähert sich eine Herde Kamele. Als wenn sie es gerochen hätten, machen sie sich über die frisch ausgehobene Wasserstelle her, weil man hier Wasser saufen kann ohne ständig Sand im Maul zu haben. Ich habe alle Hände voll zu tun, meine Wasserstelle zu verteidigen. Den letzten Spülgang verlagere ich allerdings aufs Dach, um am Abend mit dem Wasser eine nette Dusche im Nirgendwo zu nehmen. Ich mache den Eimer wieder voll, lasse ihn aber stehen, um die Waschtonne wieder aufs Dach zu verfrachten, da säuft mir ein ganz vorwitziges Kamel den Eimer leer. Na klar, ist ja auch einfacher, als sich zum Flussbett zu bücken.

 

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Der letzte Waschgang schaukelt vor sich hin, bis…………. ein außergewöhnliches Geräusch uns zum Anhalten zwingt. Na prächtig, gerade ist wieder Sandsturm angesagt und ich muss ausgerechnet jetzt nach draußen, bei Windstärke 9 oder so. Tolle Wurst, der Auspuffkrümmer ist direkt am Topf abgebrochen. Also Werkzeug raus und den Topf abgeschraubt. Der feine Sand knirscht schon zwischen den Zähnen, die Augen brennen, überall Sand und Staub. Aber was macht ohne Auspuff in der Wüste Gobi? Man fühlt sich wie im Renntruck bei der Paris-Dakar, wenn auch nicht so schnell, aber so laut. Einen kleinen Trost hat das Ganze, immerhin hat der Topf 17 Jahre gehalten. Das lose Krümmerrohr wird mit Rödeldraht befestigt und weiter geht‘s bis nach Arvaikheer zum Schweißen.

Es ist ein kleiner, sauberer, beschaulicher Ort. Hier scheint es keine Hektik zu geben. Wir finden eine kleine Reparaturwerkstatt, hier aber, so gibt mir der Chef zu verstehen, könne er mir nicht helfen. Wir sollen im folgen und landen bei ihm zu Hause. Hier hat er ein geeignetes Schweißgerät und das nötige Blech und Rohr, das wir benötigen. Nachdem er seine Arbeit zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigt hat, werden wir von seiner Frau zum Tee eingeladen, Hausbesichtigung inklusive. Wir sind erstaunt, wie westlich man sich hier eingerichtet hat.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Barbara und Uwe, denn wir schlagen eine andere Richtung ein. Wir wollen nach Nordwesten, nach Khovd. Die ersten 220 Kilometer bis Bayankhongor sind mittlerweile fast komplett asphaltiert. Überrascht sind wir von den vielen Adlern und anderen großen Greifvögeln, die am Wegesrand sitzen und erst das Weite suchen, als wir anhalten und versuchen ein Foto zu schießen. Auch sehen wir zum ersten Mal eine riesige Herde Yaks, die eher aussehen wie Kühe mit Wintermantel. In Bayankhongor bekommt man auch mal wieder Diesel zu akzeptablen Preisen (1750Tugrik), ansonsten hat der Ort nicht viel zu bieten.

Zuweilen ist es in der Mongolei schwierig an größere Mengen Trinkwasser zu kommen. Ein bis fünf Liter Mineralwasser bekommt man fast überall zu kaufen, aber mal eben 100 oder 500 Liter zu bunkern ist nicht so einfach. Außer in den großen Städten wie Ulan Bator, haben die Haushalte kein fließendes Wasser, selbst Tankstellen haben in der Regel keinen Anschluss ans fließende Nass. Gerade heute Morgen ist einer unserer Wassertanks leer geworden. Wir haben zwar immer noch 240 Liter, aber da wir in den nächsten 4 Wochen nicht nach Ulan Bator zurückkommen, halten wir die Augen auf, wo wir unseren Tank wieder füllen können. Weil wir unsere ursprüngliche Piste auf dem Weg nach Westen irgendwie aus den Augen verloren haben, rumpeln wir im Schritttempo irgendwo über irgendwelche Berge und stoßen auf das kleine Dorf Bömbögör (N46° 12‘ 24.5“ E99° 35‘ 57.9“). Als ich aus einem kleinen Lädchen komme, in dem ich Brot gekauft habe, sehen wir drei Mädchen mit einem Handkarren, beladen mit Kanistern. Pfiffig wie wir sind, schalten wir sofort, die wollen bestimmt Wasser holen. Ich frage die Mädchen ob sie Us (Wasser) holen gehen. Freundlich wie die Mongolen sind, machen die Mädels eine Handbewegung, wir sollen ihnen folgen. So schleichen wir im Kriechgang durch das halbe Dorf, wie bei einer Prozession, hinter ihnen her, bis zu einer zentralen Wasserstelle, wo Grundwasser aus der Erde gepumpt wird. In einem kleinen Häuschen, in dem die Pumpe steht, wacht eine Frau über die richtige Verteilung. Eine kleine Warteschlange hat sich gebildet und wir reihen uns ein. Wenig später haben wir unseren Wasservorrat wieder aufgefüllt und wir müssen 1500 Tugrik bezahlen. Heute haben wir gelernt: „Und ist das Dörflein noch so klein, irgendwo wird die Wasserstelle schon versteckt sein.“ Und genauso ist es auch. Keines dieser Dörfer ist an fließendes Wasser angeschlossen, aber alle brauchen Wasser. Einen Vorteil hat so eine zentrale Wasserstelle, man geht sparsamer mit dem Wasser um.

Wer die Strecke über Altai nach Khovd wählt und noch Piste fahren will, sollte sich beeilen, denn bald wird dieser Streckenabschnitt asphaltiert sein, wie manch andere Abschnitte auch. Ich muss allerdings zugeben, die Strecke ist auf vielen Kilometern so schlecht, dass selbst ich als Pistenliebhaber froh war, wieder einen ebenen Untergrund unter den Rädern zu haben.

 

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Als wir kurz vor Mankhan uns nicht wie sonst in die Büsche schlagen, es sind diesmal keine da, fahren wir in die Berge und man glaubt es kaum, werden wir von Heerscharen von ausgehungerten Mücken attackiert. Das Positive daran ist, seit wir Deutschland verlassen haben, ist es der erste Kontakt mit diesen äußerst überflüssigen Viechern. Jedoch glauben wir, dass sie uns nun einige Zeit begleiten werden, was das Reisen allerdings nicht angenehmer macht.

Bei Mankhan zweigt auch die Piste ab zu den Höhlen von Tsenkher mit seinen Felsmalereien. Aber das Einzige, was sich lohnt dorthin zu fahren, ist die grandiose Landschaft. Alles andere kann man getrost in die „Tonne hauen“. Man sollte aber ein hochrädriges Fahrzeug haben. Es kommen auf dem Weg zwei Flüsse, die durchquert werden wollen, in denen dicke, äußerst glitschige Flusskiesel lauern und der Wasserstand je nach Jahreszeit ziemlich ansteigen kann. Drei Österreicher, zwei mit einem normalen PKW und einer mit Motorrad, sind wieder umgedreht. Die mit dem Auto haben mit der Ölwanne aufgesetzt und der Motorradfahrer wollte in den reißenden Fluten kein unfreiwilliges Bad nehmen.

Eigentlich wollen wir in Khovd tanken, aber hier verlangen sie unverschämte 2040 Tugrik/Liter. Deshalb fahren wir weiter bis Ulaangom, hier liegt der Sprit bei 1900 Tugrik/Liter. Und hier ist auch unser Wendepunkt, was unsere Reise im Westen der Mongolei angeht. Ab hier geht‘s wieder Richtung Osten und viele Kilometer an einer im Bau befindlichen Asphaltstraße entlang. Allerdings ist die Strecke sooooo beschissen, dass wir uns wünschen wieder einmal Asphalt unter die Räder zu bekommen. Endloses Wellblech, welches eigentlich eine Geschwindigkeit von mind. 50 km/h erfordert, wir sie aber nicht erreichen können, weil die Bodenwellen so heftig sind, dass es uns bei max. 40 km/h schon aus den Federn hebelt. Also bleiben wir unter den besagten 40 Sachen und lassen schön den Mund zu, dass wenigstens die Plomben nicht rausfallen. Zurzeit ist bei uns beiden Frustration angesagt, unser Goliath löst sich langsam wegen dieser beschissenen Pisten in seine Einzelteile auf. Zum Teil finden wir auch deswegen keinen richtigen Rhythmus. Trauriger Rekord heute, 32,8 km/h im Durchschnitt. Das macht nicht wirklich Spaß. Vor ein paar Tagen trafen wir zwei ältere Reisende in einem Toyota. Sie berichteten uns, dass sie wegen der schlechten Pisten mit 15-20 km/h unterwegs seien. Nein danke, dann drehen wir lieber um!!!!!! Ein kleiner Trost, seit zwei Tagen, seit ca. Ulaangom, sind wenigsten die Mücken wieder verschwunden, sodass man wenigstens wieder draußen sitzen kann.

Heute, wir sind seit Stunden mal wieder mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs, sehen wir auf einer entfernten Piste einen Landrover fahren. Sie haben uns auch entdeckt und holpern uns querfeldein entgegen. Es handelt sich um David und Stefan aus Österreich. Wir unterhalten uns eine Weile als zwei mongolische PKW neben uns anhalten. Unsere Fahrzeuge werden bestaunt, Fotos werden gemacht. Die Tochter einer der Fahrer spricht Englisch und fragt uns, ob wir eine Straßenkarte der Mongolei besitzen, sie seien im Urlaub, wissen aber nicht mehr, ob sie auf der richtigen Piste sind. Das wird ja immer schöner, jetzt müssen wir schon den Mongolen den richtigen Weg weisen. Auf jeden Fall war es eine nette und lustige Begegnung.

Einige Tage später fahren uns Peggy und Hendrik mit ihrer Dolmetscherin Batma und Fahrer Naidan über den Weg. Naidan fragt mich, ob alles in Ordnung sei mit unserem Fahrzeug, weil doch die Pisten hier so schlecht seien. Ich versuche ihm dank Batmas Hilfe klar zu machen, dass wir uns noch mit unseren ausgeschlagenen Federlagern, die wir erst vor 16000 Kilometern inklusive neuer Parabelfedern bekommen haben, noch bis Ulan Bator retten wollen, um da Hilfe zu organisieren. Eines der Gummilager ist schon dermaßen ausgeschlagen, dass es im Federauge Geräusche macht. Naidan sagt, das kommt überhaupt nicht in Frage und sei viel zu gefährlich, denn bis Ulan Bator seien es noch ca. 800 Kilometer. Er bietet mir seine Hilfe an, diese Geschichte auf mongolische Art zu beheben. Wir treffen uns zwei Stunden später an einem Flusslauf und gehen an die Arbeit. Drei Stunden später ist das neue Lager eingebaut und das Alte halte ich in meiner Hand. Das so ein Schrott in Deutschland verbaut werden kann, ist mir ein Rätsel und ich bin maßlos enttäuscht und gleichzeitig froh, einen Naidan getroffen zu haben, der mit unglaublichem Improvisationstalent hier zu Werke gegangen ist. Und ich habe heute eine Menge dazu gelernt. Vielen Dank Naidan !!!!!!!! Den Abend lassen wir mit einem gepflegten Bierchen ausklingen.

 

Bis dahin. Die 2.