Mongolei - Wind, Wind und nicht enden wollende Landschaft.

 

Reisezeit: 06.06.2013 bis 22.06.2013

 

Visum: Wir haben unsere Visa für drei Monate in Berlin bekommen.

Carnet de Passages: Nicht erforderlich.

Währung: 1 Euro = 1875 Tugrik.

Diesel: 1750 Tg/l (Ulan Bator), 1870 Tg/l (Dalandzadgad) bis 2080 Tg/l im Westen.

Benzin: 1700 Tg/l, im Westen 2000 Tg/l.

Bargeld: An vielen Automaten sind bei uns mit Visa bis 800.000 Tugrik möglich. Aber auch Master und Maestro werden akzeptiert.

Kreditkarten: Akzeptanz von Visa und Master in Ulan Bator, in vielen Geschäften und Supermärkten. An Tankstellen so gut wie gar nicht.

 

Am 06.06.2013 stehen wir nach 10800 Kilometern an der mongolischen Grenze, in der Nähe der Stadt Sükhbaatar. Was einem sofort auffällt ist, hier können oder dürfen die Menschen wieder lachen. Die Passkontrolle verläuft schnell und freundlich, und für die Desinfektion des Fahrzeugs werden 4000 Tugrik berechnet. Weiter zur Zollabfertigung. Hier bekommen wir eine Art Laufzettel, auf dem wir vier Stempel benötigen, die abgearbeitet werden müssen. Ein Englisch sprechender, netter Beamter hilft uns bei der Zollabnahme des Fahrzeugs. Alles in allem sind wir in einer Stunde fertig. Mit unserem Laufzettel fahren wir zur letzten Instanz, die Schranke geht hoch und Stopp. Da kommt eine Dame aus einem Büro geflitzt und hält die Hand auf für eine Tax (Steuer) von 10.000 Tugrik. Weitere 50 Meter wieder Stopp. Wieder hält eine Frau die Hand auf und will 64.000 Tugrik für eine vierwöchige Fahrzeugversicherung. Jetzt aber öffnet sich die letzte Schranke, wir sind in der Mongolei angekommen.

Wir steuern auf eine 90-Grad-Kurve zu und wenige Meter dahinter, auf der rechten Seite, versorgen wir uns erst einmal an einem Bankautomaten mit Bargeld. Vorsichtig versuche ich es mit 600.000 Tugrik, danach Marion mit 700.000, später versuchen wir es in Ulan Bator mit 800.000 Tugrik, aber mehr ist nicht drin. Wenige Kilometer weiter biegen wir von der Straße ab, stellen uns auf eine Wiese und hoffen auf eine ruhige Nacht.

Und ja, es war eine ruhige Nacht, obwohl wir uns an eine relativ viel befahrene Pistenkreuzung gestellt haben. Die meisten vorbeifahrenden hat es nicht gestört, andere haben nur neugierig geschaut. Die Asphaltstraße bis zur Hauptstadt ist anfangs recht gut, jedoch im späteren Verlauf in sehr schlechtem Zustand. Frostschäden ohne Ende, die zum Teil eine Geschwindigkeit von max. 50 km/h zulassen.

Die ersten Orte, die wir durchfahren, verlangen eine Straßenmaut, die zwischen 2000 und 4000 Tugrik variiert. Als wir uns Ulan Bator nähern, nimmt der Verkehr dramatisch zu. Die meist unbeschrankten Bahnübergänge werden ignoriert, obwohl Züge nahen. Der Zugführer hupt bis die Rohre glühen, keinen stört es. Erst ca. 20 Meter bevor ein Güterzug die Blechlawine zusammen zu schieben droht, huschen alle noch irgendwie zur Seite, in den Graben oder sonst wohin. Und sie sind stolz noch vor dem Zug über die Schienen gekommen zu sein.

Kurz vor der Stadt treffen wir auch Hans-Jürgen mit seinem Ford Transit, Andreas und Lothar auf ihren Motorrädern wieder, die wir bereits in Russland getroffen haben. Sie sind auf dem Weg nach Vietnam, um dort den Ford im Rahmen eines Hilfsprojekts von World Vision zu übergeben. Gemeinsam quälen wir uns durch den Verkehr. Die Stadt ist ca. 15 Kilometer lang und wir müssen bis ans andere Ende. Wir brauchen 2 ½ Stunden. Drei Spuren stehen eigentlich zur Verfügung, fünfspurig wird die Straße genutzt. Ohne Scheiß, es ist ständig Zentimeterarbeit, um nicht seine Mitstreiter zu tuschieren, aber irgendwie klappt‘s und wir kommen ohne Blessuren am Oasis Guesthouse an, bei N 47°54,695‘ und E 106°58,868‘. Von hier aus wollen wir versuchen unsere chinesischen Visa zu bekommen.

Hans-Jürgen hat sich am nächsten Morgen im nahegelegenen Supermarkt Milch für sein Müsli geholt und im letzten Moment feststellen müssen, dass er anstatt normaler Milch vergorene Stutenmilch gekauft hat, die er nun versucht unters Volk zu bringen. Wir probieren dieses edle Gesöff natürlich. Nun ja, was sollen wir sagen, schmeckt wie alkoholische Buttermilch mit ein bisschen Pferd drin. Man muss es allerdings nicht jeden Tag haben.

Am Montag nehmen wir uns ein Taxi und werden bei der chinesischen Botschaft vorstellig. Sein eigenes Fahrzeug sollte man tunlichst nicht benutzen, es sei denn man will sich seine Kupplung ruinieren, denn die Stadt ist ständig dem Verkehrskollaps nahe. Wichtig sei hier bei der Beantragung zu erwähnen, dass der Pass auf dem Antragsformular steht, der das mongolische Visum hat. Wir hatten den Pass mit dem russischen Visum eingetragen und das fand die Dame in der Botschaft gar nicht lustig und überhaupt, sie dürfen doch nicht mehrere Pässe besitzen, usw. Obwohl in großen Lettern in der Botschaft steht, gegen eine zusätzliche Gebühr von 20 US$/Person kann man sein Visum drei Tage später abholen, lässt sich „Mei Ling“ nicht erweichen und verweist uns bestimmend auf den nächsten Montag. Dann eben nicht!

Das Oasis ist eine gute Adresse, um die Zeit hier zu überbrücken. Übrigens hat uns die Chefin Sibylle gesteckt, dass das Oasis verkauft ist und Anfang September in schweizerisch/mongolische Hände übergeht.

Unser Montag ist gekommen. Wir bestellen ein Taxi und werden wieder bei der chinesischen Botschaft vorstellig. Fünf Minuten später sind wir auch schon wieder draußen, mit unseren Visa für China. Marion informiert die chinesische Reiseagentur, mit der wir durch China fahren wollen und überweist den restlichen, fälligen Betrag an US-Dollar und nun dürfte unserer Einreise nach China nichts mehr im Wegestehen. Aber zunächst stehen uns erst einmal noch 2 ½ Monate Mongolei zur Verfügung.

 

Video 1

 

Am nächsten Tag brechen wir von Ulan Bator auf nach Süden, Richtung Dalandzadgad, um nicht weit entfernt davon die singenden Dünen vom Gurvansaikhan Nationalpark zu besuchen. Wir bewegen uns ständig in Höhen von ca. 1300 Metern. Die hügelige Gegend sieht aus als sei sie mit Samt überzogen. Feines Gras bedeckt den Boden, auf dem Kamele, Ziegen und Schafe weiden. Die Piste, auf der wir unterwegs sind, lässt eine Geschwindigkeit von max. 60 km/h zu und selbst das ist auf unzähligen Abschnitten viel zu schnell. Eh wir uns versehen, heben wir mehrmals mit allen Rädern vom Boden ab. Für kurze Zeit ist die Schwerkraft außer Kraft gesetzt und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, schwebt im Fahrerhaus einen halben Meter in der Luft, um dann mit beträchtlichem Getöse wieder zu Boden zu krachen, allerdings nur nicht da, wo es hin soll. Also, wieder einmal stehen bleiben, alles einsortieren und weiter geht`s. Man kommt sich hier so klein und verlassen vor, denn überquert man einen dieser unzähligen Hügel, blickt man auf eine weitere, mehrere Kilometer weite Ebene. Immer wieder trifft man auf menschliche Behausungen wie die Gers, die typischen Rundhütten der mongolischen Nomaden.

Unglaublich ist auch, was hier alles über die Pisten rollt. Ich habe beileibe alle Hände voll zu tun unseren Goliath immer in der richtigen Bahn zu halten, doch die mongolischen LKW-Fahrer sind hier mit überladenen Sattel- oder Hängerzügen unterwegs. Man sieht die LKW häufig am Wegesrand stehen, mehrere Fahrer und Beifahrer sitzen in einer Runde auf dem Boden, trinken Tee oder essen. Nicht selten

versagt einer dieser altersschwachen Vehikel einfach seinen Dienst. So sehen wir unter anderem einen liegengebliebenen, russischen Kamaz. Der ölverschmierte Fahrer ist gerade dabei, eine Zylinderkopfdichtung an seinem Achtzylinder zu wechseln. Alles liegt verteilt im Dreck, aber er ist guter Dinge diese Sache zu Ende zu bringen. Die Kopfdichtung hat er natürlich dabei, wie viele andere Ersatzteile auch. Wir hätten von dieser Situation gern ein Foto gemacht, jedoch wollte der Fahrer nicht mitspielen. Wir respektieren dies und fahren weiter, denn Hilfe will er nicht.

 

Video 2

 

Bei unserer heutigen Nachtplatzsuche haben wir uns ohne weiter darauf zu achten, neben einen, na nennen wir es mal, „Wüstenmaushamsterbau“ geparkt. Ihren richtigen Namen kennen wir nicht. Eigentlich ist es nicht weiter verwunderlich, denn die halbe Mongolei ist von diesen Nagern untertunnelt. Marions Interesse ist in Kürze geweckt und nun sitzt sie seit geraumer Zeit vor dessen Bau und versucht ein geeignetes Foto zu erhaschen. Es ist unglaublich, bereits ½ Std. weiter sind diese putzigen Gesellen so zutraulich, dass Marion sich ihnen bis auf wenige Zentimeter nähern kann.

Am nächsten Morgen liegt plötzlich ein schöner, zotteliger Hund in wenigen Metern Abstand vor unserer Haustür. Er wedelt freundlich mit dem Schwanz und unser hundefreundliches Herz fängt an zu bluten. Als ich ihm ein Stück Wurst hinhalte, kann er nicht nein sagen. Das Wasser, welches ich ihm anbiete, säuft er wie eine Kuh. In weniger als zwei Minuten hat er einen Liter Wasser in sich rein geschlabbert. Als wir losfahren, bellt und jault dieser Hund, als wollte er sagen, bitte nehmt mich mit und rennt noch mindestens zwei Kilometer hinter uns her. Nein, nein, nein, keinen Hund mehr auf unseren Reisen, müssen wir uns immer wieder einreden! Schweren Herzens lassen wir diesen Hund im Rückspiegel kleiner werden.

In der Nähe des Örtchens Bulgan findet am 22.06. das Naadam-Fest statt. Hier werden Ringkämpfe, Bogenschießen und Pferderennen ausgetragen und wir sind auf dem Weg dorthin.

Am frühen Morgen treffen wir dort ein, nachdem wir gemeinsam mit Barbara und Uwe wenige Kilometer entfernt übernachtet haben. Uns wurde gesagt, ab 7.00 Uhr geht‘s los, um 10.00 Uhr regt sich langsam etwas. Es werden Pferde auf Kleinlastwagen angekarrt, andere kommen per Hufe in die riesige Ebene, wo das Fest stattfindet. Kinder werden von ihren Eltern auf die Huftiere gehoben und ca. 50-70 Pferde samt ihren kleinen Reitern versammeln sich singend in der Mitte des Platzes. Danach geht es in langsamen Gang, 18 Kilometer in die Steppe hinaus, um dann mit Vollgas wieder zurückzukehren.

 

Video 3 ; Video 4

 

In der Zwischenzeit finden Ringkämpfe statt. Nach einer ganzen Weile kann man am Horizont eine Staubwolke erkennen. Die Zuschauer bilden einen Trichter, der gleichzeitig Zieleinlauf ist. Die Kleinen werden lautstark im Ziel begrüßt. Während des mongolischen Sommers finden überall im Land diese Veranstaltungen zu verschiedenen Terminen statt und mindestens eine sollte man besuchen.

 

Wir sehen uns wieder. Die 2.