Kambodscha – Kurztripp mit Intensivprogramm.

 

Reisezeit: 10.12.2013 bis 19.12.2013

 

Visum: 30-Tage-Visum an der Grenze erhältlich. Wir bezahlen 800 thailändische Baht/Person.

Carnet de Passages: Ja.

Währung: Kambodschanischer Riel. 1 Euro = 5560 Riel. Der US$ wird gleichzeitig als Währung anerkannt. 1 US$ = 4000 Riel.

Diesel: 4200-4900 Riel/l.

Benzin: 4500-5000 Riel/l.

Bargeld: An vielen ATM, man bekommt aber nur US$ ausgezahlt. Wechselgeld bekommt man in US$ oder auch Riel zurück.

Kreditkarten: In den Touristengebieten große Akzeptanz, z.B. Siem Reap.

Fahrzeugversicherung: Nicht obligatorisch, an der Grenze aber auch nicht möglich abzuschließen.

 

Am 10.12.2013 stehen wir an der kambodschanischen Grenze bei Osmach. Wir bekommen ein 30-Tage-Visum und können mit thailändischen Baht bezahlen, aber auch der US$ wird gern genommen. Unseren blinden Passagier Achim haben wir der Veterinärkontrolle mal unterschlagen. Etwa 500 Meter weiter kommt der Zoll. An einem kleinen Steinhaus, das als Customs Office ausgeschildert ist, halten wir an. Hinter der Hütte liegen die Zöllner in Hängematten oder spielen Schach – scheint wenig los zu sein?! Wo denn unser Carnet de Passages sei, fragt einer der Beamten. Nun ja, wir haben keins. In diesem Fall müsste eigentlich ein Papier für die vorübergehende Einfuhr eines Fahrzeugs aus Phnom Penh vorliegen, haben wir aber auch nicht. Na ja, sagt der Beamte, dieses aber anzufordern würde ja viel zu lange dauern. Er macht kurzerhand Fotos von unserem Fahrzeugschein und meint, eigentlich sei das illegal, aber das sei nicht so tragisch, wir sollen nur schön vorsichtig fahren, an diesem Grenzübergang wieder ausreisen und uns bei der Ausreise wieder bei ihm melden. Er gibt uns noch seine Telefonnummer für den Fall, dass jemand Fragen stellen sollte. Das heißt jetzt, von uns Vieren sind nun zwei illegal im Land: Achim und Goliath. Na, das kann ja heiter werden. Eine Fahrzeugversicherung können wir an der Grenze nicht abschließen und obendrein ist sie auch nicht erforderlich, also fahren wir erst mal ohne.

 

Video: Fahrt durch Kambodschas Nordwesten.

 

Die Landschaft ändert sich auch nicht viel, denn auch hier musste der schöne Wald großen Agrarflächen weichen, auf denen unter anderem Reis, Zuckerrohr und Maniok angebaut werden. Die Kambodschaner leben in einfachen Holzhütten, oftmals auf Stelzen errichtet und der Umgang mit Müll ist noch schlimmer als in Thailand. Hier entsorgt man ihn einfach direkt neben dem Haus.

Wir fahren heute auf fast durchweg gutem Asphalt bis Anlong Veng und quartieren uns für 1 US$/Person im Guesthouse Sokharith ein. Auch unserem blinden Passagier „Achim“ scheint es noch gut zu gehen. Als die Sonne untergeht unterhält er sich lautstark mit seinen kambodschanischen Artgenossen von unserem Dach aus, ein Gecko auf Urlaub eben.

 

Video: Fahrt nach Angkor ; Video: Fahrt durch Siem Reap

 

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Siem Reap, von wo aus man Touren ins Tempelareal von Angkor organisieren kann, wobei Angkor Wat nur einer von zahlreichen Tempeln ist. Aber erst mal muss ein Standplatz gefunden werden, auf dem wir auch mehrere Tage halbwegs sicher stehen können. Am Ticketcenter erwerben wir ein Drei-Tage-Ticket für 40 US$/Person, welches eine Woche gültig ist. Tagestickets für 20 US$, sowie 7-Tage-Tickets für 60 US$ sind ebenfalls möglich. Hier fragen wir auch nach einem evtl. Standplatz. Man sagt uns, wir sollen doch bei der Touristenpolizei direkt nebenan nachfragen, dort hätten schon öfter große Fahrzeuge gestanden. Und richtig. Die freundlichen Beamten weisen uns einen Platz direkt vorm Eingang zu, gleichzeitig würde man ein Auge auf unseren Goliath haben, was will man mehr?

Ein pfiffiger Tourguide hat uns gleichzeitig seinen Bruder als Tuk Tuk-Fahrer vermittelt, mit dem wir am frühen Morgen die erste Tempeltour machen wollen. Die zunächst verlangten 20 US$ scheinen uns allerdings zu hoch und wir einigen uns später auf 12 US$ für den ganzen Tag, was anscheinend ein gängiger Tarif ist. Am nächsten Morgen um 7.00 Uhr brechen wir auf zu unserer etwa 15 Kilometer langen Tour, wobei unser erster Stopp Angkor Wat ist. Fast unglaublich, was Menschen bereits vor 800 Jahren alles bewerkstelligt haben. Jeder einzelne Stein von Hand gefertigt, zu einem enormen Bauwerk zusammen gefügt, mit einer Präzision, dass man nicht einmal ein Blatt Papier in die Zwischenräume schieben kann und gleichzeitig ohne Verwendung von Zement oder gar Beton, denn beides gab ja bekanntlich damals noch nicht. Selbst Dächer und Kuppeln sind aus riesigen Felsblöcken zu wasserdichten Gebilden zusammen gefügt. Fast jeder Stein ist mit Reliefbildern mit meist kriegerischen Bildern für die Nachwelt eingemeißelt worden. Schade nur, dass man sich diese einzigartigen Tempel mit abertausenden, lärmenden Touristen teilen muss, denn Zeiten in denen es evtl. ruhiger ist gibt es nicht. Ab 5.30 Uhr, bis hin zum späten Abend ist hier die Hölle los. Unsere Runde beenden wir mit dem Ta Prohm Tempel. Einige Mauern und Gänge sind zwar zusammengefallen und bislang noch nicht restauriert, jedoch strahlt dieser Tempel etwas ganz Besonderes aus. Die Wurzeln mächtiger Urwaldriesen halten zum Teil diesen Tempel fest umschlungen. Obwohl uns die Füße brennen und wir eigentlich für heute Schluss machen wollen, überredet uns unser Fahrer, doch noch zur 20 Kilometer entfernten „Floating Village“ zu fahren. Anfangs fahren wir noch auf Asphalt, jedoch ändert sich der Streckenverlauf auf abenteuerliche Weise. Unser Fahrer hat alle Hände voll zu tun, um uns heil bis an den Bootsanleger zu bringen, denn Sand und Morast behindert uns. Wir müssen sogar das ein oder andere Mal aussteigen um zu schieben oder weil wir drohen umzufallen.

Eigentlich wollten wir diese Tour mit Goliath machen, sind aber im Nachhinein froh es nicht gemacht zu haben. Schmale Pisten, tief hängende Äste sowie am Bootsanleger kaum vorhandenen Parkraum hätten es sehr schwierig gemacht.

 

Video: Bootsfahrt durch ein schwimmendes Dorf

 

Mit 20 US$/Person erkaufen wir uns eine VIP-Tour auf einem abenteuerlichen Boot. Dieser Holzkahn, ausgerüstet mit einem 4-Zylinder-Dieselmotor besitzt keinen Auspuff, mehrmals verlieren wir irgendwelche Keilriemen oder Seilzüge der Lenkung rutschen aus ihren Umlenkrollen und behindern unseren Skipper beim Manövrieren. Nach 45 Minuten erreichen wir ein Dorf, das mitten im See errichtet ist. Alle Häuser sind auf 4 Meter hohen Stelzen erbaut, alles Leben spielt sich auf dem Wasser ab und seine Nachbarn kann man nur mit dem Boot oder schwimmend erreichen. Im Schritttempo tuckern wir mit unserem laut knatternden Kahn durch die Hauptstraße. Kinder spielen, natürlich schwimmend, vor den Häusern und es riecht etwas streng nach Fisch und anderen Gerüchen. Ich frage mich, wo geht denn wohl all das „AA“ der Toiletten hin? Ich hoffe, wir fallen hier nicht aus dem Boot, ich hätte bestimmt meine empfindlichen Ohren auf Jahre hin geschädigt! Viele Häuser sind schön mit Blumen geschmückt, andere wiederum lagern Brennholz auf eigens hierfür errichtete Plattformen. Versorgt werden die einzelnen Haushalte mit kleinen „Tante-Emma-Booten“, die zwischen den Häusern hin und her paddeln. In einer Biegung am Ende des Dorfes steht sogar ein Hinweisschild mit „Slow down“, ansonsten landet man in den angrenzenden Büschen und Bäumen, die aus dem Wasser ragen. Sicherlich ein nicht ganz billiges Vergnügen, aber für uns kein rausgeworfenes Geld.

Unser zweiter Besuch in Angkor beschränkt sich hauptsächlich auf den Tempel Ta Prohm. Weil wir uns aber beim ersten Mal diesen urtümlichen Tempel mit zu vielen Menschen teilen mussten, haben wir heute beschlossen ihn zumindest eine Zeit lang für uns allein zu haben. Also ordern wir unseren TucTuc-Fahrer für 6.00 Uhr morgens. Es ist noch dunkel, als wir in die Tempelanlage fahren und erreichen gerade in der Dämmerung den Ta Prohm Tempel. Eine gespenstige Ruhe umgibt uns, wir sind tatsächlich allein, außer einigen bettelnden Hunden. Die Massen an Touristen formieren sich gerade alle zum Sonnenaufgang beim Angkor Wat Tempel. Die Ruhe wird nur von den Geräuschen des umgebenden Dschungels unterbrochen. Hunderte von kleinen Papageien fliegen kreischend in den mehr als 50 Meter hohen Urwaldriesen umher. Erst jetzt kann man eigentlich die Besonderheit dieser Tempelanlage genießen und auf sich wirken lassen. Der anfängliche Dunst verschwindet langsam und hier und da luken die ersten Sonnenstrahlen durch das riesige Wurzelwerk, das den Tempel zum Teil zusammenhält. Nach etwa einer Stunde fallen die ersten Touristen ein und es ist langsam aus mit der Ruhe. Zeit für uns wieder zu verschwinden.

Später lassen wir uns zum 20 Kilometer entfernten Minenmuseum fahren. Aki Ra, der Besitzer und Gründer dieses kleinen, privaten Museums, schildert hier seine eigene, kleine Geschichte, wie es dazu kam. Zu Zeiten des Krieges kämpfte er als Kindersoldat auf der Seite der „Roten Khmer“. Er wurde als Spezialist für das Auslegen von Minen ausgebildet. Häufig wurden hierfür aber auch Kinder missbraucht, welche bis zu 1000 Minen am Tag verlegen konnten. So wurden innerhalb weniger Tage riesige Gebiete mit diesen todbringenden Waffen bestückt. Später schlug Aki sich auf die Seite seiner Gegner. Nach dem Krieg setzte sich ein Sinneswandel in ihm durch. Jeden Tag sah er mehr und mehr Menschen, die getötet oder verstümmelt wurden, hauptsächlich Kinder oder Bauern, die ihre Arbeit auf den Feldern verrichten mussten. Er wurde vom einstigen Minenleger zum Minenvernichter. Hier kam ihm natürlich seine Ausbildung zugute. Er gründete eine kleine Organisation, deren Ausrüstung nicht mehr als ein Bambusstock war, um Minen freizulegen. Als Schutzkleidung trug man T-Shirt, Shorts und Badeschlappen. Damit seine kleine Organisation international anerkannt wurde, musste man sich gewissen Richtlinien anpassen. Ab jetzt arbeitete man mit Schutzkleidung und Metalldetektoren. Man schätzt, dass noch mehrere Millionen Minen allein in Kambodscha auf seine Opfer warten und dass es zwischen 120-150 Jahre dauern wird, um sie zu vernichten.

Die nachfolgenden Zeilen sollen nicht überheblich oder todessehnsüchtig klingen, aber die Frage, ob es gefährlich ist mit seinem eigenen Fahrzeug in Kambodscha zu reisen oder nicht, hat sich zumindest für uns und in dem Gebiet, welches wir in der kurzen Zeit bereist haben, nicht gestellt. Asphaltstraßen und große davon abgehende Erdpisten stellen unseres Erachtens keine Gefahr dar, da sie vorherschon mit großem Gerät bearbeitet worden sind. Kleinere Feldwege waren meist für Goliath zu schmal und die Gefahr hier mit seinem Fahrzeug im weichen Untergrund zu versinken, war um ein Vielfaches größer als auf eine Mine zu fahren. Aber auch Stellmöglichkeiten neben den Straßen oder Pisten, die sich uns boten, waren vorher schon mit Baumaschinen bearbeitet worden. Aber da wir ohnehin nicht die Sorte Touristen sind, die zu Fuß querfeldein durch den Dschungel oder in unwegsamem Gelände unterwegs sind, brauchten wir uns auch keine Gedanken um Landminen zu machen. Derjenige, der sich allerdings aufgrund nicht vorhandener Toilette in die besagten Büsche schlagen muss, dem sei gesagt, das Risiko von einer der zahlreichen, hier beheimateten Giftschlangen in den Hintern gebissen zu werden, ist größer, als von einer Mine ins Jenseits befördert zu werden.

Ein anderes, erfreulicheres Thema, ist ein Besuch einer Seidenfarm. Bei freiem Eintritt wird dem Touristen die Seidenproduktion näher gebracht. Wir wussten z.B. nicht, dass sich eine Seidenraupe zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens in einen Kokon einwickelt, dessen Seidenfaden etwa 50 Meter lang ist. Dieser Kokon wir dann gekocht, um den Seidenfaden besser abzulösen, welcher dann später zur Produktion von Stoffen verwendet wird. Bis es aber soweit ist, vergeht eine Vielzahl von Arbeitsschritten und eine Arbeiterin braucht mit einem handbetriebenen Webstuhl etwa eine Woche, um ein Tuch mit den Maßen 0,50 x 2,00 Meter herzustellen. Maschinenbetriebene Webstühle brauchen hierfür einen Tag. Der Lohn für die meist weiblichen Arbeiterinnen beträgt für eine Woche 15 US$.

Den vorletzten Tag unserer Kambodscha-Tour widmen wir dem Tempel Banteay Chhmar. Auf abenteuerlicher, löcheriger Erdpiste geht es bis zum Tempel. Zurzeit ist es trocken, aber eine kleine Vorstellung bekommt man wie es zur Regenzeit ist, wenn man schwere 5-achsige LKW im Schlamm stecken sieht und wenig Hilfe in Sicht ist. Aber auch diese Piste wird wohl bald eine Asphaltdecke erhalten. Umfangreiche Baumaßnahmen sind bereits im Gange. Dann wird es allerdings mit der Ruhe im und um den Tempel herum vorbei sein. Mit dem Eintritt von 5 US$ erkaufen wir uns eine Erkundungstour ohne jegliche andere Touristen. Nur einige wenige Trampelpfade weisen uns den Weg. Viele der Bauwerke liegen hier in Trümmern auf dem Boden zerstreut und oftmals müssen wir über die Jahrhunderte alten Gesteinsbrocken klettern. Wer hier seine Tempelruhe erhofft, kommt voll auf seine Kosten. Wenn in wenigen Jahren jedoch die Straße fertig sein sollte, wird es mit der Ruhe vorbei sein. Bislang traut sich noch keiner der zahlreichen Touristenbusse über diese Piste bis an diesen Ort.

 

Video: Fahrt im Nordwesten Kambodschas ; Video: Pistenfahrt in Kambodscha ; Video: Über Piste durch Kambodscha.

 

Als wir am nächsten Tag an der Grenze eintreffen, haben wir erst einmal eine Wartezeit von drei Stunden in Kauf zu nehmen. Gerade eben landet ein hochrangiger General der Armee mit einem Helikopter, um einen Besuch bei seinen Grenztruppen abzuhalten. Die Grenze wir aus Sicherheitsgründen kurzerhand dicht gemacht. Hier treffen wir auch unseren freundlichen Zollbeamten wieder. Er freut sich, dass wir unbeschadet wieder eingetroffen sind. Alle anderen Grenzformalitäten sind schnell gemacht. Ob unser Reiseabschnittsreptil „Achim“ sich immer noch auf unserem Dach befindet, wissen wir zurzeit nicht. Wir haben schon einige Tage nichts mehr von ihm gehört. In den Tagen um Angkor Wat herum hat es zwei Nächte heftig geregnet und wir hoffen, dass es ihn nicht vom Dach gespült hat. Vielleicht hat er es aber auch vorgezogen bei seinen verwandten Artgenossen in Kambodscha zu bleiben. Man wird sehen?!

Wir sehen und hören uns also wieder aus Thailand. Weihnachten und Sylvester werden wir wohl an unserem ruhigen See in Huthamnop verbringen. Wir wünschen allen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

 

Marion und Walter.

 

Marions Fazit: Kambodscha hat uns gut gefallen. Die Menschen sind sehr nett, vor allem in der nordwestlichen Region, die wir bisher bereist haben. Siem Reap ist dagegen schon touristisch ziemlich überlaufen und deshalb auch teuer. Unsere Übernachtungsplätze suchen wir uns mit Vorliebe im Freien und nicht in Städten. Leider gestaltet sich das in Kambodscha noch schwieriger als in Thailand. Die wenigen Wege, die wir abfahren konnten, und die vielen Reisfelder machten es uns nicht leicht. Dafür konnten wir seit langer Zeit mal wieder Piste fahren.