Deutschland, Polen und die Ukraine.

 

Reisezeit: 25.03. - 02.05.2013

 

März 2013. Das anhaltende Winterwetter und die damit verbundenen eisigen Temperaturen lassen unsere Laune auf ein neues Rekordtief sinken. Seit Wochen verharren wir in unserer kleinen Behausung und unsere Webasto schnurrt rund um die Uhr, um uns mit angenehmeren Temperaturen als draußen zu versorgen. Unsere Reisevorbereitungen laufen auf Hochtouren. Marion kümmert sich verstärkt um die Visa für Russland, die Mongolei und China, sowie um alle anfallenden Sachen, die mit diesen Ländern zu tun haben, und das ist nicht wenig.

Vor Jahren war ich mal auf einem Diavortrag über eine Motorradreise durch Afrika. Zum Ende des Vortrags sagte der Redner: „Wer Afrika bereist hat, schafft auch den Rest der Welt“. Mit den Erfahrungen von heute, können wir nur sagen, das war alles „Kindergeburtstag“, denn all der Wind, der uns bislang in Richtung China entgegen bläst, lässt einem die Lust am Reisen zum Teil verlieren.

Während ich mich um unser Fahrzeug kümmere, kommen noch eine Menge Schwierigkeiten hinzu, die im Zusammenhang mit unserem nicht festen Wohnsitz in Verbindung stehen. Hauptsächlich bläst uns ein starker Wind aus Richtung Behörden entgegen. Faulheit und Bequemlichkeit in deutschen Amtsstuben lassen uns nicht selten auf die berühmte Palme bringen. Nur so viel sei gesagt, zumindest was Führerschein, Fahrzeugum- und -abmeldung sowie Beantragung von Reisepässen bei nicht festem Wohnsitz angeht, sind wir um einiges schlauer geworden und werden dieses gesondert aufführen. Also, keine Angst bei der Abmeldung des festen Wohnsitzes, es gibt für alles eine Lösung, besser gesagt einen Paragraphen, man muss nur wissen wo er steht, dann stehen einem auch wieder alle Türen auf.

Nachdem wir all diese Hürden gemeistert haben, gibt es für uns in unserer Heimatstadt Warstein nichts mehr zu tun, außer uns von den wenigen verbliebenen Freunden zu verabschieden. Ende März verlassen wir unseren Stellplatz bei „Hotel Kruse“, unserem freundlichen Langholzunternehmen, auf dem wir monatelang gut und sicher gestanden haben.

Bevor wir jedoch Deutschland endgültig für die nächsten Jahre verlassen, machen wir noch einen Zwischenstopp bei unserem langjährigen und besten Freund Snoopy an der Nordseeküste, denn hierhin haben wir uns einen neuen Kühlschrank schicken lassen. Endlich können wir unseren alten Schrotthaufen von Waeco, MDC 90, in die Tonne hauen, der uns von Anbeginn unserer Reise nur geärgert hat. Wir haben uns diesmal für ein Kühlgerät der Marke Kissmann (KB100 ENI) entschieden und hoffen inständig, dass dieser uns in Zukunft mehr Freude bereitet und mit besseren Kühlergebnissen aufwartet.

Olly, ein weiterer Freund hier an der Küste, hat sich bereit erklärt, kurzerhand seine Caterpillar-Radlader aus seiner Halle rauszufahren, damit ich nochmal sämtliche Öle und Filter wechseln kann und ich bei den eisigen Temperaturen, die auch hier zurzeit noch herrschen, nicht unter Goliath festfriere.

Am 15.04.2013 verabschieden wir uns von unseren Freunden an der Küste und machen einen letzten Stopp bei unserem Freund Dennis in Sarstedt. Wir wollen noch einige Kleinigkeiten bei ihm an unserem Fahrzeug machen. Er ist hervorragend in seiner privaten Werkstatt ausgerüstet und hat pfiffige Ideen für Detaillösungen. Gegen Ende der Woche melden sich noch Harald und Andrea mit ihrem Actionmobil aus Krefeld an. Sie wollen uns noch einmal tschüss sagen, bevor wir für die nächsten Jahre verschwinden. Aber fast hätten wir noch eine unfreiwillige Pause einlegen müssen. Am letzten Tag müssen wir feststellen, dass ständig ein kleiner Vogel in unseren Kühlergrill fliegt. Da hat der doch tatsächlich ein fast fertiges Nest auf unserem Ölkühler gezimmert. Tut uns leid kleines Vögelchen, aber wir haben am 29.08.2013 einen wichtigen Termin an der chinesischen Grenze, den wir nicht verpassen dürfen.

 

Wir sind dann mal weg!

Am 22.04.13 sind alle Arbeiten erledigt und es wird Zeit hier die Zelte abzubrechen, aber nicht ohne das obligatorische Abschiedsfoto. Von links nach rechts: Andrea und Harald, die losfahren könnten, sie haben das richtige und fertige Fahrzeug, finden jedoch hunderte von Gründen, um noch hier zu bleiben. Dann unser Dennis. Er würde gerne sofort losfahren, aber seine Feuerwehr ist noch nicht fertig. Und zum guten Schluss wir, die einfach abhauen. Als wir in Höhe Dresden sind, endschließen wir uns noch kurz bei Lars und Dagmar vorbei zu schauen, man hat ja schließlich Zeit, oder? Die beiden haben wir 2008 in Kanada getroffen, als wir auf dem Weg nach Alaska waren.

 

Polen.

Jetzt geht`s aber endlich los und unser Weg führt uns über polnische Landstraßen. Ein guter Test für unsere neu montierten Parabelfedern. Bei den beschissenen Straßen hier springt unser Goliath wie ein Ziegenbock und wir bekommen einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns vielleicht noch erwartet. So fahren wir am 26.04.13 an einer ca. 10 km langen Schlange von parkenden LKW vorbei, die alle in die Ukraine wollen. 1½ Stunden brauchen wir allein um aus Polen auszureisen. Ein heilloses Durcheinander herrscht hier, jeder will der Erste sein. Dann die ukrainische Grenze, an der wir ca. 2 Stunden brauchen. Als die Grenzer feststellen, dass wir kein Wort der Landessprache mächtig sind, stellt man uns kurzerhand einen jungen Zöllner zur Verfügung, der ein wenig Englisch spricht, und „Schwupps“ sind wir in der

Ukraine.

 

Ukraine.

 

Diesel: Von 0,93 bis 1,08 Euro. Benzin: 1,12 Euro.

Währung: Ukrainische Griwna (UAH) 1 Euro = 10,55 UAH.

Kreditkarten: Visa, Master. An den Tankstellen ist es von der Straße aus nicht ersichtlich, welche Kreditkarten akzeptieren und welche nicht. Man kommt nicht umhin anzuhalten und nachzufragen. Falls sie Kartenzahlung akzeptieren, sollte man vorher genau wissen wie viel Sprit man benötigt, denn der Betrag wird vorher abgebucht und erst dann darf man sein Fahrzeug betanken. Das gleiche gilt übrigens für Barzahlungen.

 

10 Km hinter der Grenze, die erste Polizeikontrolle, der Scheriff sabbelt mir die Ohren voll und das Einzige, was ich verstehe, ist: „ Amphibienfahrzeug“. Er händigt mir meine Papiere wieder aus und wir können weiterfahren. Was die Kontrollen angeht, wird sich das in den nächsten Tagen zwischen 1-3 pro Tag einpendeln und beschränkt sich auf Pass und Fahrzeugpapiere kontrollieren, sowie Wohnungstür öffnen, einen Blick reinwerfen, Kopf schütteln und gut ist. Wir sind auf der N07 unterwegs, die bis nach Kiew geht. Eine spitzenmäßig ausgebaute, asphaltierte, zum Teil betonierte Straße. Die Gegend ist flach wie Holland, vorbei an kleineren Agrarflächen, die zum größten Teil mit Pferden bearbeitet werden und den menschlichen Behausungen nach zu urteilen, eine eher arme Gegend ist. Ansonsten wechseln sich ausgedehnte Wälder, die zum großen Teil knietief unter Wasser stehen, mit unbenutztem Boden und Sumpflandschaft ab. Nicht selten geht es über mehr als 20 Km schnurgeradeaus. Unsere Übernachtungsplätze liegen links und rechts der Straße, einfach irgendwo einen Feldweg eingebogen, bis man weit genug von der Straße weg ist und man schläft wie „Gott in Frankreich“. Ab und zu kommt mal ein Radfahrer oder Fußgänger vorbei, aber niemand stört es. Die Ukrainer sind eher zurückhaltend, keiner quatscht dich an, es sei denn, du gehst auf sie zu.

Die Vorstädte von Kiew sind schön gelegen, in Wäldern integriert, was man von der Hauptstadt selbst eher nicht behaupten kann. Ostblockmäßige Plattenbauten, in denen die Menschen hausen wie in einem Hühnermastbetrieb, bei gleichzeitig abbruchreifer Bausubstanz. Die Straßenzustände sind schlecht bis katastrophal. Sie sehen aus wie ein Flickenteppich, gespickt mit großen Löchern, die einem das Gebiss rausfallen lässt, falls die Haftcreme nicht optimal ist.

Aus Kiew raus, wird alles anders. Wir sind auf der P01 unterwegs zum russischen Grenzübergang bei Sumy. Die Stecke ist in äußerst üblem Zustand. Eine wellige Betonpiste, die eine Geschwindigkeit von max. 60 km/h zulässt, ansonsten schaukelt sich unser Fahrzeug so auf, dass wir drohen die Fahrbahn unfreiwillig zu verlassen. Da ich der einzige von uns beiden bin, der einen Luftfedersitz hat, bin ich gezwungen die Federung auszuschalten, da ich ansonsten ständig unterm Dach kleben würde. Und doch erlebt man bei den Ukrainern eine freundliche Geste, wenn auch bislang die einzige.

Als wir wieder einmal einen Feldweg abfahren, um uns ein Nachlager zu suchen, kommt ein Mann mit seinem Sohn vorbei. Wir versuchen ein wenig Konversation zu betreiben und der Mann schenkt uns spontan 1½ Liter frische Kuhmilch, abgefüllt in einer Colaflasche.

Die vorletzte Nacht verbringen wir im Ort Nedryhailiv. Inmitten 30 Meter hoher Kiefern machen wir schon nach ca. 120 Kilometern Schluss für heute. Wir waren etwas zu schnell unterwegs, denn wir können erst am 01.05.2013 über die russische Grenze, denn erst ab da gilt unser Visum. Vergebens mühe ich mich ab, auf der Suche nach einem Internet, aber der Spaziergang tat nach stundenlangem Sitzen der vergangenen Tage auf jedem Fall gut.

Am nächsten Tag haben wir es wieder nicht weit, wir wollen noch bis kurz hinter Sumy fahren und uns dann ein letztes Mal in die Büsche schlagen. Die russische Grenze ist nur noch ca. 40 Km weit entfernt.

So können wir morgen früh aufbrechen und sind zeitig an der Grenze. Ja, ja, zeitig an der Grenze? Wir haben mittlerweile 2 Std. Zeitversschiebung. Meine Uhr zeigt 9.00 Uhr, es ist aber schon 11.00 Uhr. Wie dem auch sei, der Grenzer auf der ukrainischen Seite will es dann auch noch ganz genau wissen, jede Schublade, jede Klappe, will er einsehen. Nach gut einer Stunde können wir in Richtung russischer Grenze weiterfahren. Ja, und hier sollte eigentlich der Bericht abgeschlossen sein und ich hätte geschrieben, wir sehen uns in Russland, jedoch hätte der dann folgende Bericht nur 3 Zeilen gehabt und das war mir zu blöde. Also, jetzt kommt der „Überknaller“. Wir fahren also zu den russischen Grenzformalitäten. Passkontrolle, kein Problem, Stempel rein, und nun zum Zoll. Sie suchen nach dem Fahrzeuggewicht, laut Fahrzeugschein 9,4 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Der Zöllner verschwindet eine Weile und kommt mit einer „Tante“ im Schlepptau wieder, die aussieht, wie eine vom KGB, kurze Haare, Bügelfalte in der Hose usw. Also, sie können wieder umdrehen, weil ihr Fahrzeug zu schwer ist. Häääää, wer ist tot, um diese Uhrzeit schon Wodka gehabt?! Sie zeigt uns ein Papier, auf dem steht, natürlich in Russisch, Einreise für Touristen nur mit Fahrzeugen mit max. 5 Tonnen Gesamtgewicht. Wir gucken die KGB-Olga an, als hätten wir gerade eine Erscheinung. Alles Lamentieren zeigt keine Wirkung, KGB-Olga hat heute scheinbar kein Herz für Weltreisende. Nach vier Stunden hin und her, stehen wir wieder an der ukrainischen Grenze. Na o.k. Olga hat vielleicht einen schlechten Tag gehabt, wir allerdings jetzt auch. Zum Glück haben wir ein Visum mit zweimaliger Ein-/Ausreise und werden uns morgen einen anderen Grenzübergang aussuchen und hoffen inständig, dass die nächste „Olga“ eine gute Nacht mit ihrem Mann hatte, sonst haben wir ein Problem.

Also stehen wir am nächsten Tag am Grenzübergang von Hlukhiv Richtung Kursk. Heute sind wir wirklich zeitig am Übergang, 9.30 Uhr schlägt die Stunde. Ein Vorposten stoppt uns, will eine Fahrzeugversicherung sehen, wir haben eine, ansonsten hätten wir vor Ort eine abschließen können. Nun ein Schlagbaum, der Beamte gibt uns zu verstehen, Touristen können erst ab 10.00 Uhr ausreisen. 10.00 Uhr, der Beamte will für den Durchlass 10 Griwna. Ich gebe ihm 50, weil ich es nicht kleiner habe. Der steckt sich die Kohlen ein und winkt uns durch. Ich frage nach dem Wechselgeld, er gibt mir den 50er wieder und lässt uns passieren. Ach so läuft hier der Hase!!!! Der Beamte an der Passstempelung bräuchte aber auch noch etwas Geld, und ich sage nur, für heute ist die Bank geschlossen und er gibt sich damit zufrieden. Dann sind wir auch schon wieder aus der Ukraine raus.

Weiter geht’s an die russische Grenze. Ob wir jetzt mit unserem Goliath rein dürfen oder nicht, erfahrt ihr im nächsten Bericht!

Es grüßen euch die 2.