China

 

Reisezeit: 05.09.2013 – 20.09.2013

 

Der 9. Tag unserer Chinadurchquerung führt uns nach Pingyao. Pingyao ist bekannt für seine historische Altstadt, dessen Besuch man sich nicht entgehen lassen sollte. Jerry quartiert uns auf dem nahegelegenen Parkplatz ein, er selbst besorgt sich ein Zimmer im Zentrum der Altstadt. Am Abend verabreden wir uns zum Essen. Um 19.30 holt er uns an einem der Eingänge, der von hohen Mauern umgebenen Altstadt ab. Zum Essen hält er eine Überraschung für uns bereit. Wir erreichen die kleine Pension, in der sich Jerry ein Zimmer gemietet hat. Ein Eingang führt uns in einen kleinen Innenhof, der von außen nicht einzusehen ist. Links und rechts liegen jeweils vier Doppelzimmer, die mit Gästen belegt sind. In familiärer Atmosphäre wird uns ein leckeres Abendessen zubereitet. Alle Gäste sitzen zusammen an einem Tisch, inklusive der Pensionsbesitzer. Allerlei vorher unbekannte Köstlichkeiten werden uns geboten, wie zum Beispiel Eselfleisch. Da Marion sich immer noch etwas schwer tut, mit Stäbchen zu essen, wird ihr von allen Seiten des Tisches geholfen, etwas auf den Teller zu bekommen. Jeder bedient sich mit Hilfe dieser hölzernen Esswerkzeuge an den vielen verschiedenen Gerichten auf dem Tisch. Dazu gibt es Tee, Bier und chinesischen, klaren Schnaps, bei dessen Genuss sich die Fußnägel hochklappen, so brennt er in der Kehle. Als wir zu späterer Stunde wieder unseren Parkplatz erreichen, ist der voll mit Menschen, die sich im Schein der Laternen, auf die eine oder andere Art sportlich betätigen. Eine Gruppe von etwa 30 Leuten hat einen CD-Player aufgestellt und versucht synchron nach der laufenden Musik zu tanzen, andere machen Ballspiele, wieder andere joggen oder gehen einfach nur spazieren. Um 22.00 Uhr wird bis auf wenige Laternen das Licht ausgeschaltet und es kehrt Ruhe auf unserem Übernachtungsplatz ein. Wieder einmal ein sehr gelungener Abend!

Am nächsten Tag und etwa 330 Kilometer weiter erreichen wir Xi‘an, ein weiterer Höhepunkt auf unserer Chinareise. Hier wurde 1974 von Farmern bei Bohrungen nach Wasser die Terrakotta-Armee entdeckt. Als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt, zieht es täglich Tausende von Menschen an. Auf dem Parkplatz unweit des Eingangs ist es ohne Probleme möglich zu übernachten.

Am Tag darauf gehen wir auf Shoppingtour in Xi‘an. Laut GPS gibt es in der Innenstadt einen Wal Mart und wir machen uns mit der Buslinie 914, die direkt von unserem Parkplatz aus startet, auf bis zum 35 Kilometer entfernten Hauptbahnhof - zum Spottpreis von 8 Yuan/Person. Allein das ist schon ein Abenteuer. Aber dies ist uns noch nicht genug Nervenkitzel. Wir nehmen uns ab hier ein dreirädriges TucTuc. Die Fahrer dieser Gefährte sind völlig schmerzfrei. Rote Ampeln kennt unser Fahrer nicht, entgegengesetztes Fahren der Fahrtrichtung ist normal und ständiges Hupen ist Pflicht, aber niemanden interessiert es. Wir schaffen es tatsächlich unbeschadet bis zum Wal Mart, obwohl es manchmal so aussah, als würden wir es nicht überleben.

Ein paar hundert Kilometer vor Xi‘an liegt die Stadt Houma, in der viel Schwerindustrie angesiedelt ist. Die Autobahn führt durch die Stadt, links und rechts gesäumt von Bergen. Die Sicht ist durch Abgase von Fahrzeugen und Verbrennung von Kohle so getrübt, dass man die Berge und die Stadt kaum erkennen kann, was sich auch Tage danach nicht ändert. Die Sonne hat kaum eine Chance diese Dunstglocke zu durchbrechen. Ich habe noch nie so lange so schlechte Luft geatmet.

In Hanzhong angekommen versuchen wir verzweifelt einen Nachtplatz zu bekommen. Kein Hotel oder irgendjemand anderes will uns haben. Bis uns der Kragen platzt und wir Jerry vorschlagen, wir schlafen am nahegelegenen Fluss und er sucht sich ein Hotel. Am Fluss ist alles kameraüberwacht. Wir stellen uns neben eine Kamera, Jerry verschwindet. Die Kamera dreht sich um 180 Grad, immer vor und zurück, vor und …………. Irgendwann bleibt sie auf uns gerichtet stehen. Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, fragen wir uns? Es ist bereits stockduster, plötzlich Blaulichter. Zwei Polizisten auf Elektrorollern klopfen an die Tür, wir verstehen nur „Chinesisch“. Über Funk rufen die sichtlich überforderten Beamten Verstärkung. Weitere Fahrzeuge, natürlich alle mit Blaulicht, treffen 30 Minuten später ein. Ein riesiges Durcheinander ist mittlerweile entstanden, bis ein junger Beamter sich als Chef der Truppe herauskristallisiert und fragt: „Where do you come from“ und ich antworte, Germany, was der aber scheinbar nicht versteht. Weitere 2 Mal fragt er mich, wo wir nun herkommen, bis mir die Hutschnur reißt und ich rufe Déguó. Ein Raunen geht durch die Menge und alles murmelt, aaahhh Déguó. Nachdem unsere Pässe und unser chinesisches Kennzeichen überprüft sind, scheint sich die Aufregung zu legen. Plötzlich sind alle wieder verschwunden und wir können endlich beruhigt schlafen gehen. Die Kamera ist jedoch bis zu unserer Abreise am nächsten Morgen weiter auf uns gerichtet.

In Mianyang, irgendeine Stadt auf der Durchreise, präsentiert uns Jerry einen Nachtplatz, direkt an einer viel befahrenen Straße, sein Hotel ist nebenan. Er habe sich erkundigt, zu späterer Stunde würde es ruhig. Wir bezweifeln das und geben ihm zu verstehen, dass wir nicht einverstanden sind, geben aber letztendlich nach. Die Nacht wird - wie erwartet - eine Katastrophe. Zum ersten Mal sprechen wir ein Machtwort. Er solle sich unterstehen uns noch einmal so einen Übernachtungsplatz anzubieten, ansonsten gibt‘s „Mecker“. Mal schauen wie es sich entwickelt?

 

Pandabären: Video 1 ; Video 2 ; Video 3.

 

Am 14. Tag unserer Reise kommen wir in Chengdu an. Auf einem der Parkplätze der Panda-Aufzuchtstation bleiben wir für zwei Tage stehen und erholen uns von der Katastrophennacht zuvor. Der Eintrittspreis von 60 Yuan pro Person ist verglichen mit anderen Eintrittspreisen gering. Wir haben rechtes Glück, denn auf der Neugeborenen-Station liegen zurzeit drei kleine Panda-Babys, die am 22. Und 23.08.2013 geboren sind.

Was das Wetter angeht, ist es seit einigen Tagen schwül und heiß, mit Tagestemperaturen von etwa 35°C. So bekommen wir vielleicht einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns weiter im Süden noch erwartet. Der 15. Reisetag ist auch gleichzeitig mit 507 Kilometern der längste auf dieser Tour. Da wir in den Tagen zuvor einen Tag rausgefahren haben und eines der vielen Kloster ausgelassen haben, die fast alle gleich aussehen, können wir die heutige Etappe halbieren.

Wir machen also einen Boxenstopp am Wumao Earth Forest mit der gleichzeitig ruhigsten Übernachtung auf dessen Parkplatz. Über Jahrmillionen sind hier in einem riesigen Gebiet bizarre Gebilde im weichen Boden entstanden.

Seit Hunderten von Kilometern sind wir auf Autobahnen unterwegs, die fast ausnahmslos auf Stelzen gebaut sind, da die Berghänge zu steil sind. Die Berge sind mit scheinbar undurchdringlichem Dschungel überzogen. Jedoch haben es die hier lebenden Menschen immer wieder geschafft, kleine Terrassen anzulegen, um Mais, Reis oder Gemüse anzupflanzen.

Unsere Turbo-China-Durchquerung nähert sich langsam dem Ende. Wir sind am 16. Reisetag angelangt und gleichzeitig hätte es auch unser letzter sein können. Irgendwo müssen wir wegen Bauarbeiten die Autobahn verlassen und uns ca. 80 Kilometer auf der Landstraße durchkämpfen. Über den chinesischen Verkehr und im speziellen dem Fahrstil der Chinesen könnte man allein einige Seiten widmen. Ein anderer Reisender hat es mal so beschrieben. Bei der Fahrt durch China werden all deine Sinne gefordert. Was mir dazu einfällt, ist allerdings für diese Homepage nicht geeignet. Mich wundert‘s nur, dass sich dieses Volk noch nicht selbst ausgelöscht hat.

Also, wir sind auf dem Weg zum Stone Forest bei Kunming. Auf einer Bergstrecke mit einer Fahrspur für jede Richtung versuchen wir einen schleichenden und hoffnungslos überladenen Kleinlaster zu überholen. Ich setze also den Blinker, schere aus, bin auf der Hälfte des Kleinlasters angelangt, da kommt von hinten ein „Weihnachtsmann“ in einem Minibus angerauscht und versucht in dritter Spur, die nicht vorhanden ist, noch links an uns vorbeizugehen. In Höhe unserer Front angekommen, fällt ihm plötzlich auf, dass eigentlich für ihn kein Platz mehr ist und für uns neben dem Kleinlaster auch nicht mehr. Irgendwie schafft er es aber dennoch, tuschiert uns an der Stoßstange, klappt mir noch den Spiegel um und schießt vor uns und dem Kleinlaster auf die rechte Straßenseite und hält an. Wir fahren weiter ohne anzuhalten. Mal schauen, ob wir bei Erreichen der Grenze in Ketten gelegt werden?!

Wir erreichen den Parkplatz am Stone Forest noch mit weichen Knien. Die nächste Überraschung hält sich bereit, da wollen die doch allen Ernstes 175 Yuan Eintritt haben plus 25 Yuan für das Elektrotaxi. Wir beißen in den sauren Apfel, jedoch rechtfertigt das Gebotene nicht den hohen Preis. Kein Vergleich mit dem Earth Forest zuvor, der nur 80 Yuan gekostet hat und man fast allein unterwegs war. Hier jedoch werden Massen von chinesischen Touristen herangekarrt, die mit einer Lautstärke unterwegs sind, die seinesgleichen sucht.

Einer unserer Trinkwassertanks, die wir noch mit mongolischem Grundwasser gefüllt hatten, neigt sich dem Ende zu. Auf einer Autobahnraststätte füllen wir diesen Tank aus einem Wasserhahn nach. Es wird uns bestätigt, es sei Trinkwasser. Der Geschmack lässt allerdings zu wünschen übrig und es ist das erste Mal, seitdem wir mit Goliath auf Reise sind, dass das Wasser nicht schmeckt. Ich werde ab jetzt wohl auch auf Mineralwasser umsteigen!

Kurz vor Yuanjiang befahren wir die angeblich mit 168 Metern höchste Brücke der Welt. Auf großen Lettern werden wir darauf aufmerksam gemacht. Kurz vor der Stadt gibt es einen Aussichtspunkt auf die Brücke und eine Parkplatz, auf dem wir übernachten können. Normalerweise sind Parkplatz und Aussichtsplattform kostenpflichtig, aber da wir zurzeit die einzigen Gäste sind, hat uns der Besitzer kurzerhand zu VIP auserkoren. Wir dürfen kostenlos übernachten und bekommen am nächsten Morgen eine Freifahrt zum Aussichtspunkt. Dafür werden einige Bilder von uns und Goliath geschossen, mit denen der Chef unter anderem seine Homepage neu gestalten will.

Zwei Tage haben wir noch bis Laos und es wird jeden Tag heißer. Mit Tagestemperaturen von über 40°C und einer Luftfeuchtigkeit von 90%, kann man die Tage nicht wirklich genießen. Selbst nachts sinken die Temperaturen nicht unter 28°C. Da wäre jetzt eine Klimaanlage nicht schlecht!!!!!

Am 20.09. stehen wir nach 23 Tagen Reise in Mohan, an der Grenze zu Laos. 4810 Kilometer sind wir von der mongolischen Grenze bis hierher gefahren und haben insgesamt 264 Euro an Maut bezahlen müssen. Wir müssen allerdings nochmals betonen, dass wir wesentlich mehr bezahlt hätten, wenn sich unser freundlicher und unermüdlicher Beifahrer Jerry sich nicht so für uns eingesetzt hätte. Unsere Ausreise benötigt trotz aller erforderlichen Papiere 2 ½ Stunden. Keiner kommt mit Ketten, also nix wie weg nach Laos.

 

Man sieht sich also wieder. Bis dahin, die 2.

 

Marions Fazit: Ich war von China völlig überrascht. Die Straßen waren zu 90% sehr sauber. Überall hat man Menschen gesehen, die sogar die Autobahnen von Müll frei halten. Zudem ist es streng verboten sich seines Mülls auf den Straßen zu entledigen. Die Autobahnen sind sauberer als bei uns in Deutschland und wesentlich schöner bepflanzt und gepflegt. Davon können sich die Deutschen eine gewaltige Schnitte abschneiden.

Den Verkehr fand ich allerdings grauenhaft. Die vielen Mopeds, die TucTuc’s, Fahrräder und auch alle anderen Verkehrsteilnehmer fahren wild durcheinander, Ampeln und Verkehrsschilder werden häufig ignoriert. Man muss im chinesischen Verkehr mit allem rechnen. TucTuc’s und Mopeds kommen einem auf der eigenen Spur entgegen und scheinen selbst vor unserer Fahrzeuggröße keine Angst zu haben.

Die Menschen waren sehr freundlich und an uns sowie unserer Reise sehr interessiert, die Kultur ist anspruchsvoll und das Essen eine Gaumenfreude. Schade nur, dass der Reisepreis so hoch liegt, denn sonst hätten wir bestimmt mehr Zeit in China verbracht und nicht alles im Schnellschritt erledigt. Das ursprüngliche China findet man nämlich nur neben den Landstraßen, aber dafür war unser gewähltes Programm aufgrund des erhöhten Preises einfach zu knapp.