China - Mit dem Féngshuǐ aus Déguó im Land des Lächelns.

 

Reisezeit: 29.08.2013 bis 04.09.2013

 

Visum: Wir besorgen uns die Visa für 3 Monate in Ulan Bator, Wartezeit 1 Woche.

Carnet de Passages: Nicht erforderlich – wir bekommen eine „Customs Declaration for Temporary Imported Passenger Vehicle“ für 30 Tage.

Währung: Yuan. 1 Euro = 7,86 Yuan.

Diesel: 7,40 Yuan/l

Bargeld: Wir tauschen Euro bei der Bank of China in Erenhot. Gleichzeit bekommen wir bis zu 3000 Yuan Bargeld mit Visa.

Kreditkarten: Keine Akzeptanz an Tankstellen!! Ansonsten verschwindend gering.

 

Unser hektischer, mongolischer Begleiter bringt uns bis zur chinesischen Grenze und verlässt uns dann. Marion wird gebeten allein zur Passkontrolle zu gehen, ich muss mit Goliath einen anderen Weg nehmen. Keiner weiß so richtig, was sie mit mir machen sollen. So steh ich hier mit meinem Féngshuǐ aus Déguó im Land des Lächelns. Da taucht plötzlich unser Reisebegleiter auf und ruft von weitem, Walter, bist du das? Ab hier nimmt alles seinen Lauf. Marion hat mich auch wieder gefunden – alles wird gut!

Unser Begleiter stellt sich uns als Jerry vor. Sein richtiger Name sei anders, aber für Nicht-Chinesen viel zu schwer auszusprechen. Wir kommen allerdings nicht wirklich weiter, denn Jerry wartet noch auf das versprochene chinesische Kennzeichen, dass angeblich von der Polizei gebracht werden soll. In der Zwischenzeit werden Fahrgestellnummer und Motornummer überprüft, Fahrerhaus und Koffer gecheckt - das war‘s. Nach einiger Zeit des Wartens auf das chinesische Kennzeichen, beschließt Jerry, dass wir uns vom Acker machen. Auf dem Weg zu unserem Hotelparkplatz überholt uns die Polizei und übergibt uns noch das Kennzeichen. Nun scheint endlich alles in trockenen Tüchern zu sein.

Das 4-Sterne-Hotel, auf dessen Parkplatz wir übernachten, übrigens ein 500-Betten-Bunker, wird zu unserer Überraschung mit Kohle geheizt inklusive der Warmwasseraufbereitung. Von Zeit zu Zeit bläst uns der Wind den üblen Geruch der verbrennenden Steinkohle herüber, dass einem das Pippi in die Augen treibt.

Bei einem abendlichen Spaziergang bin ich überrascht wie ordentlich und sauber es hier ist, kein Vergleich zur Mongolei. Mindestens 90% der Zwei- sowie Dreiräder sind elektrisch angetrieben und stehen im krassen Gegensatz zum kohlebetriebenen Hotel.

Wir wurden bereits von anderen Reisenden vorgewarnt, dass die Chinesen noch neugieriger seien als die Mongolen, was absolut zutreffend ist. Es vergehen kaum 10 Minuten, wo nicht jemand an unseren Außenspiegeln hängt. Ab 21.00 Uhr muss ich allerdings ein Machtwort sprechen, denn es kann einem zuweilen auf die Nerven gehen, wenn ständig die Hütte wackelt. Danach kehrt Ruhe ein.

In Jining legen wir nur einen Übernachtungsstopp ein, ohne dass etwas geplant ist. Am Nachmittag wollen wir drei einen kleinen Einkaufsbummel unternehmen. Ein Chinese aus Jerrys Hotel lässt es sich nicht nehmen uns die Stadt zu zeigen. Wir willigen schließlich ein und es stellt sich im Nachhinein heraus, dass es eine gute Wahl war. Zuerst geht‘s in einen Supermarkt. Wir werden bestaunt, als wenn wir vom Mars kämen. Unser freundlicher Tourguide Èrwén schießt von uns ein Foto nach dem anderen. Sehenswürdigkeiten, die wir sonst nicht zu Gesicht bekommen hätten, werden uns stolz von ihm präsentiert.

Zum guten Schluss sind wir alle hungrig geworden und wir kehren in ein typisch chinesisches Restaurant ein, das von den Chinesen gut besucht wird. Eine besondere Spezialität ist hier der Kuhmagen, garniert mit Gemüse und anderen undefinierbaren Beilagen. Jetzt heißt es, Augen zu und durch und siehe da, es ist richtig lecker. Weitere Köstlichkeiten werden uns serviert, die logischerweise mit den typischen Chop-Sticks (Stäbchen) gegessen werden, was uns anfangs einige Schwierigkeiten bereitet. Es ist ein absolut gelungener Tag, den wir bei einem chinesischen Bier ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen starten wir schon wieder durch Richtung Chinesische Mauer in Badaling, nicht weit entfernt von Peking. Wir sind unterwegs auf der Autobahn G6, die bis nach Peking führt. Sie hat eines der höchsten Verkehrsaufkommen im ganzen Land. Unterwegs überholen wir Tausende mit Kohle beladene Lkw, die auf dem Weg nach Peking sind. Jerry erklärt uns, dass Peking für den Winter vorsorgt, denn jedermann heizt mit Kohle. Die Lkw sind mit 55 bis 60 Tonnen Gesamtgewicht unterwegs und haben 290-400 PS. Dementsprechend langsam sind sie am Berg und verursachen endlose Staus. Überholt wird auf allen Fahrstreifen, einschließlich des Standstreifens. Hier musst du deine Augen überall haben!!!!

 

Video 1 - Dreister Lkw-Fahrer

 

In Badaling angekommen, stellen wir uns auf den Parkplatz unmittelbar in der Nähe der großen Mauer, wie sie hier genannt wird. Am nächsten Morgen stehen wir schon um 8.00 Uhr am Lift, der uns bis zur Mauer bringt. Für zwei Personen müssen wir schlappe 33 Euro berappen – ein nicht ganz billiges Vergnügen. Dafür ist der Muskelkater am nächsten Tag inklusive, denn die Chinesen haben hier Steigungen und Stufen eingebaut, die es wirklich in sich haben. Schafft man es 30 Minuten weit zu laufen, ist man fast völlig allein und man hat eine Aussicht auf einen Teil der Mauer, die sich in Schlangenlinien über die unzähligen, dicht bewaldeten Hügel windet, dass es einem die Sprache verschlägt. Sie ist über 8000 Kilometer lang und einst gebaut als Bollwerk gegen die Mongolen. Zwei Nächte stehen wir auf diesem Parkplatz, direkt gegenüber der Polizei, die selbst vorbeischaut und nach dem Woher und Wohin fragt. Lässt man allerdings die Tür auf, um Luft rein zu lassen, dauert es

keine fünf Sekunden und irgendein Chinese steckt neugierig den Kopf herein, um dann seinen Landsleuten zu erzählen wie es drinnen aussieht. Nach kurzer Zeit haben wir es allerdings raus, wir ziehen einfach unser Mückennetz vor – das hält sie ab. So ist ein Mückennetz nicht nur gegen Mücken gut, sondern auch gegen neugierige Chinesen!

Zwei Tage werden wir umringt von Menschen und ich muss unzählige Male für Fotos posieren. Marion hält sich eher im Hintergrund, sie wundert sich nur, dass ich so viel Geduld aufbringe. Mir macht es aber Spaß, mich mit ihnen zu unterhalten, denn viele Chinesen sprechen Englisch. Bei anderen muss es eben mit Händen und Füßen gehen. Sie sind wirklich ein nettes Volk.

Ein Glücksfall scheint es auch zu sein, dass wir Jerry als Guide erwischt haben. Er ist völlig unkompliziert, nett, hilfsbereit und freundlich, und wir sehen es eher als Bereicherung an, ihn dabei zu haben, und nicht als eine notwendige Last. Fast an allen Mautstellen hätten wir ohne ihn wesentlich mehr bezahlt, da man uns fast immer als Lkw einstufen will. Unermüdlich setzt er sich dafür ein, als Wohnmobil eingestuft zu werden, welches man hier so gut wie gar nicht kennt. Er besorgt Übernachtungsplätze, die entweder umsonst sind oder wenig kosten. Wir kommen zusammen mit ihm in Restaurants, die kein Tourist finden würde und das alles für ganz kleines Geld. Als Beispiel: Ein mehr als reichliches Essen für 4 Personen, mit Reis, Nudeln, Schweinefleisch, Hühnerfleisch, Kuhmagen, Hammelfleisch, alles reichlich garniert mit Gemüse und anschließendem chinesischen Bier, kostet um die 16 Euro.

Ein weiterer Stopp auf unserem Weg ist die Stadt Datong. 16 Kilometer entfernt gibt es die Buddha-Grotten von Yungang zu besichtigen. Wer auf Buddha steht, ist hier genau an der richtigen Adresse. In einem riesigen Park sind sie vor urlanger Zeit hier zu Hauf aus dem Stein gemeißelt oder in Grotten eingearbeitet worden. Die Buddhas gibt es in Größen von 10 cm bis hin zu 16 Metern Höhe.

Am Abend fahren wir ein zweites Mal auf den Parkplatz eines Hotels, dass gerade renoviert wird. Obwohl mitten in der Stadt gelegen, ist es ab 20.00 Uhr herrlich ruhig, keiner stört uns. Am nächsten Morgen holen wir unseren Jerry ganz in der Nähe an seinem Hotel ab, um zum hängenden Kloster zu gelangen. Zwischendurch und auf dem Weg gelegen, gibt es noch einen Stopp an der großen Holzpagode in Jincheng. Sie ist mit 67 Metern Höhe und einem Durchmesser von 30 Metern die größte und älteste Holzpagode der Welt. Den Eintritt von 60 Yuan kann man sich allerdings getrost sparen, denn die Pagode ist für Besucher nur in der Parterre zugänglich. Man kann ums sie herum laufen und seine Fotos schießen, was man aber auch vom nicht weit entfernten Eingang machen kann.

Das hängende Kloster ist in Prospekten nur über abenteuerliche, an senkrechten Felswänden befestigte Bretter zu erreichen. Aus Sicherheitsgründen wurde der Weg entschärft um die Massen an Touristen aufnehmen zu können. Für mich eine herbe Enttäuschung. Ich hatte mich schon auf wackeligen Brettern in schwindelerregender Höhe das Kloster erklimmen sehen.

 

Wir sehen uns wieder zum 2. Teil aus China. Die 2.