Marokko - Marrakesch, Jardin Majorelle und Kap Spartel.

 

Reisezeit: 26.12.2012 – 18.01.2013

 

Marrakesch empfängt uns lärmend, hektisch und von Abgasen geschwängert, dass einem fast die Augen tränen. Wir steuern den Camping Ferdaus, ca. 10 Kilometer vom Stadtzentrum an. Er lockt mit relativ günstigen Preisen und einen Busservice ins Zentrum. Jedoch stellt sich nach Kurzem heraus, dass man sich beim Shuttle-Service nicht an die preislichen Absprachen hält und uns über den Tisch ziehen will, was wir mit einem Verlassen des Campings quittieren, nachdem wir das für uns interessante gesehen haben, z.B.: Der Garten Majorelle, wo die Asche von Yves Saint Laurent beigesetzt ist. Eigentlich ein schöner, mit Kakteen, Palmen und Riesenbambus bewachsener Park, jedoch für mich mit 50 DH Eintritt zu teuer. Zudem kann man den Besuch nicht genießen, weil Unmengen von Touristen hier angekarrt werden.

Die Medina, die an ihren Eingangstoren pestilenzialisch nach menschlichen Ausscheidungen stinkt, wirkt auf mich eher abstoßend als einladend. Weiterhin kann man den Souk nicht wirklich genießen, da die Gassen unter anderem von zahllosen Mopeds bevölkert werden und man ständig zur Seite springen muss, wobei es nach Abgasen stinkt, dass einem die Luft wegbleibt. Am Platz Djemaa el Fna musst du aufpassen, dass du nicht nach Strich und Faden beschissen wirst. Im Grunde ist es nur noch ein riesiges Spektakel, für Touristen gemacht. Es ist natürlich nicht überall so wie gerade beschrieben und Marrakesch hat auch seine schönen Seiten, jedoch kann ich dieser Stadt persönlich nicht viel abgewinnen. Ich bin froh, dass wir am 31.12.2012 Marrakesch verlassen, wieder ab in ruhigere Gefilde. So stehen wir am Silvesterabend irgendwo in einem Flusstal auf dem Weg zum Tizi’n’Test-Pass.

Viel Abenteuerliches haben wir über diesen Pass schon gehört von: „Kannst du in dieser Jahreszeit wegen Schnee und Eis nicht befahren“; „Wegen zu niedriger Felsüberhänge für unser Fahrzeug nicht machbar“; „Für uns zu schmal“, usw. Wie schon so oft in der Vergangenheit, haben wir uns gesagt: Und jetzt erst recht!!!! Aber zuerst lassen wir es heute Nacht richtig krachen. Marion ist gerade dabei für die richtige Grundlage an Essen zu sorgen, mehrere Flaschen Wein stehen im Kühlschrank bereit und Chipstüten, die wir am Vormittag im Marjane-Supermarkt in Marrakesch noch eingekauft haben, warten darauf vernichtet zu werden.

01.01.2013. Das mit dem „Krachenlassen“ gestern hat nicht ganz so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben. Nach dem leckeren Essen haben wir träge ein Video ins Laptop eingeworfen, die erste Flasche Wein haben wir nicht mal ganz geschafft, den Film so gerade, dann wurden die Augen ziemlich schwer und „Pippi machen ab im Bett“. 1.00 Uhr wach geworden, frohes Neues Jahr gewünscht, das war’s. In unserem Tal herrschte Totenstille, kein Kracher, keine Raketen, nur das Rauschen des Gebirgsbaches.

Also. Wie schon erwähnt, sind wir auf dem Weg zum Tizi'n’Test-Pass. Die wildesten Geschichten haben wir gehört und wir werden ihn unter die Räder nehmen, oder müssen wir vielleicht umdrehen? Es ist schon eine elende Lenkraddreherei bis endlich die mysteriösen Felsübersprünge in Sicht kommen, die angeblich kaum zu bewältigen sind. Kurz vor der Engstelle bleiben wir stehen und hauen uns vor Lachen auf die Schenkel. Mit bloßem Auge ist zu erkennen, dass wir locker drunter durchpassen, wobei wir noch nicht mal auf den Fahrbahnrand ausweichen müssen, wir haben noch mindestens 80 cm bis dicht an den Abhang und nach oben sind es auch noch locker 50 cm Platz. Das ist nun wirklich eine Lachnummer und auch der Rest der Strecke ist relativ einfach zu befahren. Das einzig Gefährliche sind die Taxifahrer, die anscheinend alle im Namen Allahs unterwegs sind und sich auf Biegen und Brechen umbringen wollen, um im Jenseits von tausend Jungfrauen verwöhnt zu werden, oder vielleicht eine Handvoll Vierachser-Baustellenfahrzeuge, die einem entgegen kommen. O.k., dann wird es eng und einer muss zurücksetzten bis zu einer Ausbuchtung, aber das war’s! Gleichzeitig sind wir immer wieder erstaunt wie schlecht viele Reisende Situationen wie diese einschätzen können. Selbst mit „Hymerchen und Co.“ ist es ein Leichtes diese Strecke zu bewältigen. Landschaftlich ist es ein Traum und kein Marokkoreisender sollte sich dieses Erlebnis entgehen lassen.

 

Video vom Tizi'n'Test

 

Am späten Nachmittag erreichen wir Agadir. Ja, was soll ich euch sagen, hier möchte ich nicht tot über’m Zaun hängen!!!!!! Der Verkehr ist mindestens genauso wie in Marrakesch. Die Fahrzeuge stinken zwar nicht so, weil viele neue Autos hier rollen, dafür geht es aber etwas gesitteter zu. Oder liegt es an der großen Polizeipräsenz, weil der König gerade hier ist? Da wir erst spät am Nachmittag auf dem Municipal-Katastrophencamping ankommen, bleiben wir auch noch den nächsten Tag hier stehen. Katastrophe deswegen, weil er an einer sehr lauten, viel befahrenen Straße liegt und der Camping bis fast auf den letzten Platz mit „Frenchis“ belegt ist (ca. 300), und kostet die Frechheit von 100 DH mit Strom, der allerdings mindestens 15 Mal am Tag ausfällt. Als Ausgleich gibt es dafür eine kilometerlange, schöne Strandpromenade und alle die gesehen werden wollen, dackeln hier entlang. Nee, dass brauchen wir wirklich nicht!  Ganz im Gegensatz zu Essaouira, welches wir am nächsten Tag ansteuern. Hier kannst du überall locker entlang schlendern, ohne dass dir einer auf den „Sack“ geht und dir ständig was andrehen will. Der gebührenpflichtige Stellplatz nahe der Medina ist allerdings nicht mehr aktuell. Wir werden von der Polizei unfreundlich und unmissverständlich auf den Campingplatz vor der Stadt verwiesen. Einige 100 Meter vor der Stadt ist allerdings ein mit 40 DH kostenpflichtiger, bewachter Parkplatz, auf dem auch übernachtet werden kann. Unter anderem ist die Stadt bekannt geworden durch den Blitzbesuch von Jimi Hendrix im Jahre 1969, kurz vor seinem Woodstock-Konzert. Viele Gemälde in der Stadt zeugen von seinem Besuch.

Über Safi fahren wir weiter zu den Wasserfällen von Ouzoud und landen auf dem Camping „Zebra“, der von Holländern geführt wird. Ich erwähne ihn deshalb, weil es unserer Meinung nach mit Abstand der gepflegteste und sauberste Camping in Marokko ist, den wir bislang gesehen haben und zugleich zu einem absolut fairen Preis von 75 DH inklusive heißer Dusche, die auch vernünftig funktioniert. Von hier aus hat man ca. 1,5 Kilometer zu Fuß zurückzulegen, um an die Wasserfälle zu gelangen. Für uns ein besonders lohnenswertes Ziel. Hier fällt das Wasser ca. 100 Meter tief in eine enge Schlucht, in die man über unzählige Treppenstufen hinabsteigen kann, vorbei an vielen Souvenirläden, deren Verkäufer aber keinesfalls aufdringlich sind. Unten angekommen, landet das Wasser in einem Becken von ca. 30 Meter Durchmesser. Wer will kann sich mit kleinen mehrsitzigen Pontons, in grell kitschigen Farben und mit leuchtend bunten Plastikblumen geschmückt bis an die tosenden Wasserfälle rudern lassen. Die Marokkaner sind ganz wild drauf, bei uns ist das Echo eher verhalten.

Ein anderer Grund, warum man sich diese Wasserfälle nicht entgehen lassen sollte, sind die wilden Berberaffen, die hier noch vorkommen. Sie sind natürlich an Menschen gewöhnt, weil sie von vielen Besuchern gefüttert werden, was man zwar nicht soll, jedoch sich kaum einer dran hält.

In Azrou angekommen, organisieren wir uns zwei Esel mit einem Führer, denn auch hier soll es weitere Berberaffen in der Umgebung geben. In der Nacht sinkt zum ersten Mal auf unserer Reise das Thermometer auf minus 2 Grad. Das haben wir aber so nicht abgemacht. Wir wollten doch dem deutschen Winter entfliehen und nun so was. Am nächsten Morgen, es ist noch saukalt, steigen wir auf die Esel und brechen auf in den nahe gelegenen Zedernwald, d.h. ich ziehe es erst einmal vor zu laufen, um warm zu werden und ich glaube meinem Esel Mohammed anzusehen, dass er froh darüber ist. Am Anfang geht es zwischen beackerten Feldern hindurch, bis wir schließlich die mit Zedern bewachsenen Berge erreichen. Ab hier geht es steil bergan, über Stock und Stein und über ausgetretene Trampelpfade. Ich laufe immer noch und ich glaube zu erkennen, dass Mohammed sich ganz wohl dabei fühlt. Wir kommen an riesigen, imposanten Zedern vorbei. Nach ca. 1 ½ Stunden Marsch erreichen wir anscheinend ein touristisches Highlight. Ein uralter, vertrockneter Zedernbaum zieht busweise Touristen an und scheinbar ganz in der Nähe sollen sich die Affen aufhalten. Und tatsächlich. Wenige hundert Meter weg von diesem „Affentheater“ hält sich eine kleine Berberaffenfamilie auf. Leider hat sich das auch bei vielen anderen Touristen rumgesprochen. Anstatt diese schönen Tiere einfach nur zu beobachten, nein, sie füttern sie mit haufenweise süßen Vanille- und Schokowaffeln und der Müll wird einfach liegengelassen. Dementsprechend sieht es hier auch aus. Es ist unglaublich frustrierend, wie die Marokkaner mit ihrer Natur umgehen. So machen wir uns wieder auf den Heimweg. Wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen, glaube ich in Mohammeds Gesicht erkennen zu können, froh zu sein, dass er mich den langen Weg nicht schleppen musste.

Krass ist es auch mitzuerleben, wie groß doch die Unterschiede zwischen den ärmeren Menschen in den abgelegenen Gebieten und denen die rund um die Städte wohnen, sind. Auf dem Lande bearbeitet man die Felder noch mit der Hand oder mit einem Holzpflug, der von Ochsen oder Pferden gezogen wird, in den reicheren Gegenden kommen Traktoren und andere Maschinen zum Einsatz.

Marion scheint einen Hang zu alten, umgefallenen Steinen zu haben, was auch der Grund ist, warum wir auf dem Weg nach Volubilis sind, einer alten römischen Garnisonsstadt. Doch als wir dort ankommen, öffnet der Himmel zum zweiten Mal auf unserer Reise seine Schleusen und es schüttet wie aus Kübeln. Keine gute Ausgangslage für schöne Fotos, also warten wir. Na wo? Natürlich wieder mal auf einem Camping, denn wildes Rumstehen von Womos duldet man hier nicht. Zwei volle Tage harren wir hier aus, bis sich die Sonne wieder zeigt, damit Marion, wie sie sagt, vernünftige Fotos machen kann. Zu sehen bekommen wir zum größten Teil „umgefallene Steine“. Jedoch das, was noch einigermaßen zusammenhängend steht und erhalten ist, wie einige Säulen, Tore und Mosaike, ist recht nett anzusehen und der Eintritt von 10 DH p.P. ist es mehr als wert.

In den folgenden Tagen will allerdings das Wetter nicht mehr mitspielen, warum wir uns entschließen, Marokko den Rücken zu kehren und uns in Richtung europäisches Festland zu begeben. So stehen wir am 18.01.2013, nach etwas weniger als 4 Monaten Reisezeit, im Hafen von Tanger, um unsere Schnellfähre nach Tarifa zu buchen. Die Kosten betragen 1450 DH fürs Fahrzeug und 200 DH p.P. Hier geht alles etwas ruhiger und gelassener ab als in Ceuta. Freundlich winkt uns zuerst die Polizei heran, um die Pässe abzustempeln. Danach ist der Zoll dran, um das Fahrzeug zu inspizieren. Marion unterhält sich mit den beiden Beamten und einer der beiden meint dann scherzhaft, warum wir so ein großes Fahrzeug hätten, es würde fast so aussehen, als wollten wir in den Krieg ziehen! Danach muss sich Goliath einer kompletten radiologischen Kontrolle unterziehen. Zwei Mal rollt das fahrbare Röntgengerät über unser Fahrzeug, natürlich ohne Beanstandungen. Wir fahren auf die Fähre und ca. 45 Minuten später erreichen wir Tarifa. Europa hat uns wieder!

 

Bis dahin. Die 2.