Marokko - Von El Ouatia bis nach Legzira.


Reisezeit: 14.11.2012 – 02.12.2012


In der Zwischenzeit erreicht uns eine erfreuliche Mail von unserem chilenischen Rallyefahrer. Er berichtet, dass er mit zwei angebrochenen Lendenwirbeln wieder in Santiago bei seiner Familie eingetroffen sei und sein spanischer Copilot ohne schwerere Verletzungen auch zu Hause angekommen ist.

Nach einigen Tagen der Ruhe auf dem Camping in El Ouatia zieht es uns weiter nach Süden, Richtung Lâayoune. Doch zuvor müssen wir noch unsere Trinkwassertanks füllen. Das Wasser auf dem Camping scheint mir dafür gut geeignet zu sein, es schmeckt meines Erachtens sehr gut. Also, ca. 400 Liter rein in die Tanks und auf geht's. Und wie schon von anderen Reisenden angedroht, kommt tatsächlich nach ca. 80 Kilometern zuerst eine Polizeikontrolle, die unsere Pässe kontrolliert und direkt dahinter drei aufeinanderfolgende Tankstellen. Alle drei haben denselben Preis von 6,20 DH (ca. 60 Eurocent) also rund 2,20 DH weniger als im Rest des Landes. Es bleibt uns nichts anderes übrig als diese billige Suppe zu tanken. Bei den knapp 600 Litern, die wir nur nachtanken müssen, habe ich ein leichtes Grinsen im Gesicht. Verständlich oder?

Gut gelaunt fahren wir noch rund 20 Kilometer weiter und machen an der Lagune Khnifiss halt. Beeindruckend kann man hier mit ansehen wie sich der Wasserstand über mehrere Kilometer Länge im Zuge der Gezeiten um mehr als 2 Meter hebt und senkt. Bei Flut wie ein großer See, ist die Lagune auf der einen Seite von einer steilen Felswand und auf der anderen Seite von einer riesigen Sanddüne eingegrenzt. Bei Ebbe kommen Inseln von Wassergras zum Vorschein, in denen sich so nach und nach unzählige Vogelarten einfinden. Hier kann man fast zum Vögelologen werden. Flamingos, verschiedene Arten von Reihern, Löffler und Seeschwalben sind nur einige, die zu nennen wären. Im Ort vorher soll man den Eintritt von 40 DH leisten, oder man lässt es. Wir haben es mal gelassen. Am Abend kommt allerdings jemand, der eine Parkgebühr von 20 DH einfordert, mit Quittung versteht sich. Einen Haken hat diese malerische Idylle allerding. Hier attackieren blutrünstige Stechmücken am helllichten Tage.

Wer sich auf dem Weg in die West-Sahara macht, sollte sich auf häufige Polizeikontrollen gefasst machen. Vor jeder und nach jeder größeren Stadt haben sie sich postiert und verlangen nach dem „Fiche“, einem Papier, auf dem alle Daten wie Name, Einreisedatum, Geburtsdatum usw. eingetragen werden, oder nach dem Reisepass. Wer es eilig hat, sollte sich Kopien von diesen „Fichen“ machen und an den Kontrollen abgeben. Ansonsten dauert alles ein wenig länger, da die Beamten alles von Hand abschreiben müssen. Zum Schluss kommt dann noch die Fahrzeugmarke und Kennzeichen, was dem schreibenden Kollegen zugerufen wird. Einmal mussten wir jedoch schmunzeln, denn da ruft der Beamte seinem Kollegen, und er liest alles genau ab, was auf der Fronthaube steht, zuerst das Kennzeichen und danach ganz langsam, M-A-N g-e-s-n-i-p-t zu (gesnipt ist da Logo der Fa. SnipTec, für die wir Werbung fahren und das direkt unter MAN steht). Nach ca. 300 Kilometern erreichen wir Lâayoune. Hier ist der Liter Diesel sogar für 6,00 DH zu haben. Wir bleiben allerdings nur eine Nacht und fahren am nächsten Tag weiter Richtung Es-S’mara. Hunderte Kilometer fliegt triste, flache Wüstenlandschaft an uns vorbei. Jedoch hat auch das sein Gutes. Beim Nachtanken liegen wir bei einem Schnitt von 21,6 Liter Diesel. Schön, wenn das immer so wäre. Wir hatten den ganzen Tag Rückenwind. Am nächsten Tag ist es genau anders herum. Den ganzen Tag bläst der Wind von vorn und „schwupp“ liegen wir bei 31 Litern.

Wir erreichen ein zweites Mal Tan Tan und stehen wieder auf dem Campingplatz. Eine von unseren Gasflaschen ist seit einigen Tagen leer. Da in Marokko aus Sicherheitsgründen keine fremden Flaschen mehr gefüllt werden dürfen, müssen wir improvisieren. Ich besorge mir eine marokkanische Gasflasche und befestige sie mit dem Ventil nach unten am Fahrzeug, bastle mir einen Verbindungsschlauch und das Gas strömt nach dem Gesetz der Schwerkraft von der einen Flasche in die andere. Marion, die als Angsthase schon auf die Welt gekommen ist, hat natürlich wieder „Schiss“, dass uns was um die Ohren fliegt. Neben mir steht ein Marokkaner, der sich die Aktion mit anschaut und kann anscheinend Marions Gedanken lesen. Er sagt: „No no Madame, nix bumm bumm Afghanistan.“ Nachdem unsere Gasflaschenbetankung ohne schwerwiegenden Zwischenfall funktioniert hat, verlassen wir am folgenden Tag endgültig El Ouatia (Tan Tan Plage), um über Tan Tan ans Cap Drâa und letztendlich zur Plage Blanche zu gelangen.

Ca. 10 Kilometer hinter Tan Tan geht eine Piste ab Richtung Küste. Nach kurzer Zeit jedoch ist die Piste so verzweigt, dass wir nicht wissen, welche die richtige ist. Am Camping Ksar Tafnidilt, der zufällig vor uns liegt, erklärt man uns den richtigen Weg, mit der Äußerung, na ja, mit eurem Fahrzeug müsste das zu schaffen sein. Hä, was soll das nun wieder heißen? Na, da kommt ein bisschen Sand und ein paar tiefe Löcher, dass sollte aber kein Problem sein?! Die Piste sieht nach Kurzem aus, als sei hier vor 20 Jahren das letzte Fahrzeug gefahren. An vielen Stellen versandet, aber es stellt sich nicht als besonders große Schwierigkeit heraus, und auch die tiefen Löcher sind nicht so tief wie angekündigt.

So erreichen wir am gleichen Tag das Cap Drâa mit seiner steil abfallenden und äußerst stürmischen Felsküste. Wir übernachten direkt an der Steilküste. Die ganze Nacht werden wir durchgeschaukelt als wären wir auf hoher See. Am Morgen holpern wir (fahren wäre stark übertrieben) auf der Küstenpiste weiter Richtung Plage Blanche. Wir rumpeln nur über harte Felsplatten und es macht nicht wirklich Spaß. Diese Piste ist nicht zu empfehlen. Wir erreichen unbeschadet Aoreora an der Plage Blanche.

Ab hier nehmen wir die Piste nach Südosten, Richtung N1 und Guelmim. Diese Piste hat es allerdings in sich!!!! Anfangs geht‘s noch locker flockig voran, im späteren Verlauf jedoch ändert sich die Strecke und wird eher zu einem Trial-Event. Oueds mit einer Tiefe von teilweise zwei Metern sind keine Seltenheit. Irgendwo in der Mitte dieser Strecke kommt ein feuchtes Oued und keine Chance es zu umfahren. Der Pistenverlauf ist eindeutig zu erkennen, allerdings endet er vor einem mit Wasser gefüllten Abschnitt. Es ist nicht zu übersehen, dass hier schon einige Fahrzeuge gestrandet sind. Wir wollen nicht noch einer von vielen sein und suchen uns besser eine andere Durchfahrt. Wir werden fündig, aber ganz einfach scheint dies auch nicht zu sein, wir müssen aber hier durch. Kurz vor Ende diese Abschnittes muss ich einmal scharf rechts um eine Kurve, die ohne Zurücksetzen nicht zu schaffen ist. Also, ein paar Meter zurück und prompt übersehe ich ein Loch hinter mir. Goliath sackt plötzlich hinten rechts so tief ein, dass wir drohen umzufallen, gleichzeitig steht hinten links das Rad in der Luft. Und jetzt gaaaanz langsam den Vorwärtsgang rein und weg hier.

 

Videos: 1. Piste Aoreora ; 2. Piste Aoreora ; 3. Piste zum Cap Drâa.

 

Irgendwann erreichen wir dann die asphaltierte N1. Marion möchte noch einen Abstecher zur Frauenkooperative Tafyoucht in Sbouya machen. Hier wird das hochteure Arganöl in Handarbeit hergestellt. 60 Frauen bearbeiten hier die Argannüsse, indem sie die Schalen auf einem Stein aufbrechen. Marion hat‘s auch versucht und sich gleich auf die Finger gehauen, sehr zur Belustigung der dort arbeitenden Damen.

10 Kilometer hinter Sidi Ifni machen wir für heute Schluss, an den Felstoren von Legzira. Von der Küstenstraße aus sind sie nicht zu erkennen, auch das Plateau, auf dem man an der Steilküste stehen und übernachten konnte, existiert nicht mehr. Mittlerweile ist es ein Baugebiet für Hotels oder Appartements. Allerdings gibt es eine steile Piste, die bis fast an die Küste reicht. Nur ein kleiner Hotelkomplex begrenzt die freie Sicht aufs Meer. Wir stellen uns auf einen freien Platz vor der Hotelanlage und anscheinend stört es niemanden. Bei einsetzender Ebbe machen wir uns auf den Weg, die Felstore zu erkunden. Nach ca. 15 Minuten Strandmarsch haben wir den ersten von zwei riesigen, natürlichen Felsbögen vor uns. Nach weiteren 15 Minuten über dicke Strandkiesel ist der zweite Bogen in greifbarer Nähe und unser Weg endet in einer Sackgasse. Marion und ich haben unsere Blicke direkt vor uns auf dem Boden wegen der glitschigen Steine und wundern uns, warum es bei jedem weiteren Schritt übler stinkt. Als wir fast reintreten, wissen wir warum. Ein Kamel und ein Esel haben wahrscheinlich Red Bull getrunken und es hat ihnen keiner gesagt, das man nicht wirklich nach dem Genuss fliegen kann. Sie haben sich anscheinend zu weit an die 100 Meter hohe Steilküste gewagt.

Am folgenden Tag machen wir uns auf zur Silberstadt Tiznit. Der riesige Campingplatz direkt in der Stadt ist leicht gefunden, jedoch kein besonders toller Ort. Rappelvoll mit mehrheitlich unfreundlichen Franzosen, die sich nicht einmal herablassen dir die Tageszeit zu sagen (kein Einzelfall). Bloß weg hier!!!!!

 

Wir sehen uns wieder in Tafraoute. Bis dahin. Die 2.