Marokko - Von Chefchaouen in den Erg Chebbi.

 

Reisezeit: 23.09.2012 bis 12.10.2012

 

Visum: 3 Monate an der Grenze, Verlängerung möglich.

Carnet de Passages: Nicht erforderlich.

Währung: Dirham. 1 Euro = 10,8 Dirham.

Bargeld: An vielen Banken mit Visa-, Master- und EC-Karten. In unserm Fall bis 4000 Dirham mit Visa möglich.

Kreditkarten: Wenig Akzeptanz.

Diesel: Von 8,35 bis 8,50 DH/l, 70 km südlich von Tan Tan 6,20 DH/l, in Laâyoune 6,00 DH/l.

 

Aufbruchstimmung.

Eigentlich steht unserem Reisestart nichts mehr im Wege, wenn sich nicht die Auslieferung unserer neuen schlauchlosen Felgen verzögern würde. Zum anderen stehen wir schon mehr als drei Monate sehr gut auf dem Gelände einer Langholzfirma und auf ein paar Tage mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an. Auf diesem Wege möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei der Fa. Kruse für ihre Gastfreundschaft bedanken. In diesen Tagen lernen wir Hendrik kennen, der bei der Firma SnipTec arbeitet. Er begeistert uns für ein System seiner Firma, welches in jedes Fahrzeug eingebaut werden kann und für eine bessere Laufkultur und besseres Drehmoment des Motors sorgen soll und dadurch eine Kraftstoffersparnis bis zu 10 % erreicht werden kann. Wir lassen uns auf den Deal ein und werden von Zeit zu Zeit über unsere neue Errungenschaft hier auf unserer Homepage berichten.

Nun ist es endlich soweit, unsere Felgen sind montiert und es kann losgehen. Ein Reisestart mit offenem Ende, ohne sich Gedanken über das Häuschen oder andere Sachen machen zu müssen, da wir nichts anderes mehr haben, als unseren aus allen Nähten platzenden Goliath. Selbst er wird langsam nervös und scharrt mit seinen neu aufgezogenen Contis. Also, los geht’s!

Unser Freund Winni hat sich spontan entschlossen mit seinem „Hymerchen“ am Lac de St. Croix in Frankreich seinen Urlaub zu verbringen und weil es fast auf unserem Weg Richtung Marokko liegt, entscheiden wir uns wiederum ihm ein paar Tage Gesellschaft zu leisten. Zuvor machen wir einen kurzen Boxenstopp in Luxemburg, um einige Liter nachzutanken, mit einem Literpreis von immerhin 1,32 Euro. Frankreich besticht mit 1,35 Euro/Liter und im weiteren Verlauf hat sich Spanien dem deutschen Abzockerniveau angepasst. Anfang Oktober stehen wir dann im spanischen Algeciras, um von hieraus die Fähre zur spanischen Enklave Ceuta in Marokko zu buchen. Ich hatte noch in Erinnerung, daß vor ca. 10 Jahren hier der Diesel sehr billig war. Ein Ticket bei einem der zahlreichen Büros auf der gegenüberliegenden Seite der Hafeneinfahrt ist schnell gekauft (159 Euro, 1 Fahrzeug, 2 Personen). 40 Minuten später stehen wir im Hafen von Ceuta. Doch weit gefehlt, von wegen billiger Diesel, der Liter liegt mittlerweile schon bei 1,14 Euro. O.k., denkt ihr nun, daß sind ja für deutsche Verhältnisse Traumpreise, na klar, aber es geht noch billiger. Wir tanken jedoch nicht hier, denn in Marokko soll der begehrenswerte Saft bei 70 Cent liegen, daß hatten wir vor einigen Wochen auf dem AMR-Treffen gehört.

 

Ankunft in Marokko.

Als wir die erste Tanke ansteuern, müssen wir leider feststellen, dass auch die Marokkaner mitbekommen haben, wie man schneller an anderer Leute Geld kommen kann. Sie haben mal eben den Preis auf ca. 83 Cent angehoben. Aber immerhin allemal besser als die schwindelerregenden Preise in Deutschland. Jedoch nicht nur die Preise haben sich geändert, das ganze Land scheint in einer Art Aufbruchsstimmung zu sein. Früher hattest du gerade einen Fuß auf marokkanisches Territorium gesetzt, ging es auch schon auf schönen staubigen Pisten weiter. Heute, wohin das Auge reicht, frischer Asphalt, sehr zu unserem Leidwesen. Wir steuern die Stadt Chefchaouèn an. Der dortige Campingplatz bietet sich an, um sich einige Tage in der Stadt umzusehen.

Hier lernen wir Antonietta und Marco kennen, zwei Schweizer, die seit mehr als 10 Jahren mit ihrem VW-T2-Westfalia-Bus die Welt unsicher machen und bereits viele Male in Marokko waren. Sie kennen das Land wie ihre Westentasche und können uns wertvolle Informationen geben. Weil wir von hieraus nach Meknès wollen, hören wir von den beiden, dass der dortige Camping geschlossen hat, die Stadt jedoch den Wohnmobilisten erlaubt, direkt am Royal Golfplatz, 10 Minuten von der Medina, zu stehen und zu übernachten. Ohne Versorgung, allerdings dafür mit Bewachung, Tag und Nacht durch die königliche Garde, die den gegenüberliegenden Schlosspalast bewacht. Für diesen Service müssen wir allerdings bezahlen und zwar 20 Dirham/Tag und 20 Dirham/Nacht.

Am Abend treffen wir Antonietta und Marco in Meknès wieder. Sie stehen schon auf besagtem Parkplatz und warten bereits auf uns. Für den Weg zur Medina (Altstadt) hätten wir uns eigentlich eine Wäscheklammer mitnehmen sollen, um sie auf unser Riechorgan zu klemmen, denn im vorgelagerten Park sowie auf dem darauf folgenden großen Platz vor der Medina, stinkt es nach Urin, wie auf einer nicht gereinigten, öffentlichen Toilette.

Am nächsten Tag verlassen wir Meknès Richtung Fès. In Fès landen wir nach knapp 60 Km auf dem Camping Diamant Vert, eben die beste Gelegenheit sein Fahrzeug halbwegs sicher abzustellen, um sich die Stadt anzusehen. Vor 10 Jahren waren wir bereits schon einmal hier und es hat sich überhaupt nichts verändert, außer den Preisen. Wir müssen 100 Dirham pro Tag bezahlen, wegen der Größe unseres Goliaths. Es gibt noch einen anderen Camping, ca. 6 Km entfernt, kostet 110 DH pauschal inkl. Strom, WiFi und warmen Duschen. Wir haben ihn uns angesehen, ist nicht unbedingt schlecht, aber liegt an einer vielbefahrenen Hauptstraße und somit sehr laut. Deswegen ist hier auch Totentanz, denn alles was auf Rädern unterwegs ist, landet auf dem Diamant Vert Camping. Die Medina von Fès ist wesentlich größer und beeindruckender als die von Meknès. Über 9000 Gassen verzweigen sich hier und die Orientierung fällt einem nicht leicht. Die meisten Touristen nehmen sich, aus Angst sich zu verirren, einen Führer (zw. 500-1100 DH inkl. An- u. Abfahrt). Wir haben es auch ohne geschafft und dazu noch wesentlich billiger. Zum anderen wird man nicht in jedes zweite Geschäft geschleift, was zuweilen sehr nervig sein kann.

Am Nachmittag erleben wir noch ein kleines Highlight. Mehrere große Servicetrucks kommen auf den Camping gefahren. Hektisches Treiben beginnt. Zelte, Bänke und Sonnenschirme werden aufgebaut. Strom Generatoren rattern, haufenweise Computer werden aufgebaut. Man sieht unsere erstaunten Gesichter und erklärt uns, dass eine Gruppe Franzosen und Holländer, die alte Paris-Dakar-Rallye wieder haben aufleben lassen, nur heißt sie jetzt, Heros Legends Rallye. Sie geht von Frankreich aus über Marokko, Mauretanien bis nach Dakar. Bis spät in die Nacht hinein kommen noch Fahrzeuge ins Ziel. Bei Flutlicht wird geschraubt, geschweißt und geputzt, Roadbooks ausgearbeitet. Wir können uns frei zwischen den einzelnen Teams bewegen. Ein eindrucksvolles Erlebnis, was man normalerweise nicht zu Gesicht bekommt.

 

Videos: 1. Col de Belkassem ; 2. Col de Belkassem .

 

Am nächsten Tag verlassen wir den Camping und fahren nach Süden Richtung Boulemane und dann nach Osten nach Outat Oulad El Haj, in der Hoffnung endlich Piste unter die Räder zu kriegen. Und tatsächlich, es gibt sie noch, die marokkanischen Pisten. Mitten im Ort geht die Piste ab, zuerst Richtung Süden und im weiteren Verlauf nach Osten. Außerhalb des Ortes leben unter primitivsten Bedingungen die, die der Aufschwung des Landes vergessen hat. Zelte, konstruiert aus Müll nennen sie ihr zu Hause, kein fließendes Wasser, keine Toiletten. Wir lassen dieses Elend hinter uns und freuen uns auf die Piste, die vor uns liegt. Nach vielen Jahren der Abstinenz, rappelt und scheppert‘s mal wieder im Karton. Ausgetrocknete Flussbetten und weggespülte Pisten müssen durchfahren oder umfahren werden. Gut, dass wir den neuen schwenkbaren Unterfahrschutz von unserem Freund Dennis haben, den alten hätten wir uns schon längst abrasiert. Und auch „Heinz“ ruft sich jedes Mal in unser Gedächtnis, wenn unser Hilfsrahmen beim Verwinden quiekt wie ein Schwein. Als der Tag zur Neige geht, bleiben wir am Pistenrand stehen, es dämmert bereits, ein Lkw hält an, drei Insassen steigen aus, begrüßen uns, fragen, ob alles in Ordnung ist und wünschen uns eine gute Nacht. Die Sonne geht unter, der Wind lässt nach und es legt sich eine Totenstille übers Land. Innerhalb kurzer Zeit ist es tiefschwarze Nacht und ohne Taschenlampe würde man über jeden Kamelgrasbüschel stolpern. Und dann zieht er auf, der unglaublich schöne Sternenhimmel, den wir so viele Jahre vermisst haben. Mit runtergefallener Kinnlade bestaunen wir diesen faszinierenden Abend. So, jetzt ist genug geschwärmt. Schließlich ist es schon 20.30 Uhr und nun „Pippi machen, ab im Bett“, denn morgen steht uns wieder ein anstrengender Tag bevor.

Und der hat es in sich! Eigentlich wollen wir irgendwo zwischen Anoual und Talsint wieder auf Asphalt stoßen, aber Pustekuchen. Im ersten Drittel der Piste haben wir scheinbar einen Abzweig verpasst. An diesem kleinen Patzer haben wir schwer zu kämpfen. Alle hundert Meter runterbremsen bis fast auf null, im Schritttempo durchs Oued (von Wasser ausgespülte Furchen), die zum Teil bis 60 cm tief sind, beschleunigen und wieder runter vom Gas. An unserer Tankuhr kann ich schon nach kurzem erkennen, dass Goliath sich heute ein paar Gläschen mehr genehmigen wird als sonst. Unterwegs fragen wir einen Hirten, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Der schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und gibt uns zu verstehen, dass wir unter keinen Umständen hier weiterfahren sollen. Warum bloß? Wir lassen uns nicht beirren und fahren weiter. Nach einigen Kilometern wissen wir warum. Wir nähern uns einem Pass und der hat es in sich. Hoch geht’s, als hätte jemand extra scharfkantige Treppenstufen in den blanken Fels gemeißelt, gespickt mit dickem, losem Geröll. Also 4x4 rein, Kriechgang rein und rauf geht’s auf den Gipfel. Das Dumme ist, wenn’s irgendwo rauf geht, muss man auch wieder runter, und da wird es noch steiler, die Treppenstufen noch tiefer, zwar nicht mehr so scharfkantig, jetzt dafür arschglatt. Wir rutschen so nach und nach eine Stufe nach der anderen ins Tal, bis wir wieder richtig flotte Piste unter den Rädern haben. In einem Kaff ohne Namen kommen wir wieder auf Asphalt. Die dortigen Menschen schauen uns an, als kämen wir vom anderen Stern.

Weiter geht es über Erfoud bis hin zu den Dünen von Erg Chebbi. Als die ersten Dünen auftauchen, ruft Marion, Walter anhalten und ab in den Sand für ein Foto. Ich hätt´s mir ja eigentlich denken können, nach hundert Metern ist Ende im Gelände, wir sitzen fest, aber schöne Fotos sind´s geworden. Also Luft raus, währenddessen ein bisschen Sand schaufeln. Nach einer Stunde bei schlappen 40 Grad, sind wir wieder draußen. Dann noch eine weitere Stunde, um wieder genug Luft in den Reifen zu haben, natürlich immer noch 40 Grad!

Ein paar Kilometer weiter verstecken wir uns am Pistenrand und machen Schluss für heute. Am Abend kommt ein Sandsturm auf, der es in sich hat. Schnell alles verstaut, alle Luken zu und Scheiße, wir haben immer noch 33 Grad in unserer Hütte. Uns läuft der Saft aus allen Löchern, aber es ist nicht möglich auch nur ein Fenster zu öffnen, ansonsten ist in kürzester Zeit alles voll Sand und Staub. Wir werden stundenlang vom Sturm durchgeschüttelt. Irgendwann überkommt uns doch die Müdigkeit und wir schlummern ein.

Am nächsten Morgen liegt trotz geschlossener Luken alles voller Sand, der sich durch die Zwangsbelüftung unserer Dachfenster gedrückt hat. Das Sandschaufeln geht weiter, allerdings in unserer Hütte. Überall hat sich ein dicker Sandteppich breit gemacht.

 

Bis zum nächsten Mal. Die 2.