Bad Kissingen und  die Ostsee.

 

Reisezeit: 23.06.2011 – 17.07.2011

 

Von der Ostsee haben wir schon viel gehört. Schön soll sie sein, aber bislang haben wir uns wegen der ehemaligen DDR noch nicht hierher getraut. Bevor wir die Reise allerdings antreten, besuchen wir die Offroad-Messe in Bad Kissingen.

Auf dem Weg dorthin überholt uns ein Fahrzeug, das uns jedoch nicht bekannt ist. Eine Frau lehnt sich aus dem Fenster und winkt uns kräftig zu. Ich bin mir nicht sicher, aber denke, dass ich Giggi erkenne. Kann das denn sein? Ich glaube, ich halluziniere. Dann ist das Fahrzeug aus unserem Blickfeld verschwunden.

Auf dem provisorisch errichteten Campingplatz sind wir mit Ulla und Heinz verabredet. Heinz ist Walter's Chef und entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem guten Freund. Auch er und seine Frau Ulla lieben das Reisen.

Bei der Offroad-Messe gibt es immer wieder Neues auf dem Markt und das Schöne an der ganzen Sache ist, dass wir, ohne es vorher gewusst zu haben, ehemalige Reisende aus Südamerika wiedertreffen. Dabei bemerke ich, dass es tatsächlich Giggi war, die uns gewunken hat. So treffen wir Volkmer, Gudrun, Giggi und Uwe wieder. Man ist das schön und die Freude ist gewaltig.

Ganz nebenbei lernen wir Dennis kennen, der unsere Reise von Anbeginn auf der Homepage verfolgt hat. Abends sitzen wir alle zusammen, unterhalten uns und trinken ein Bierchen. Was wir heute noch nicht wissen, ist, dass Dennis einer unserer besten Freunde wird.

Von der Offroad-Messe geht es Richtung Brandenburg, wo wir in Ketzin an der Fähre einen Nachtplatz finden. An der Havel schippern die Schiffe entlang und wir genießen die Ruhe, die in den kleinen Orten herrscht.

Es geht über Kleinzerlang in Mecklenburg-Vorpommern, wo wir bei Best Western unterkommen, über Sembzin an der Müritz bis nach Usedom. Hier gefällt es uns trotz des Regens ausgesprochen gut. Usedom wirkt verschlafen, ruhig und es gibt jede Menge kleine Geschäfte, schöne Cafés und gute Restaurants. Die Häuser sind vielmals vom Efeu umrankt. Hier genießen wir einige Tage der Ruhe. Unsere Stellplätze suchen wir uns überwiegend aus dem Führer heraus. Sie sind entweder kostenlos oder man entrichtet einen wirklich geringen Betrag und man hat oft einen Wasseranschluss. Im Ort gibt es Schaufenster, in denen noch alte Waagen, Anstecknadeln, Wimpel und Kassen ausgestellt sind. Beeindruckt bin ich von einer Litfaßsäule, die wir hier noch finden und die in Westdeutschland schon vor langer Zeit abgebaut wurden. In dem kleinen Hafen, wo wir auch untergekommen sind, liegt ein kleines Boot vor Anker. Drei Männer sind dort anzutreffen, die in der ehemaligen DDR gewohnt und gearbeitet haben, die dieses Boot zusammengebaut haben und sich jetzt zu einem Treffen nach vielen Jahren aufraffen konnten. Mit ihnen kommen wir ins Gespräch. Sie sind nicht unbedingt traurig, dass es die DDR nicht mehr gibt, aber zu damaligen Zeiten wäre vieles auch einfacher gewesen. Ein Nehmen und ein Geben hätte vorgeherrscht. Was der eine nicht hatte, das hatte der andere. Einer erzählt eine Geschichte von einer großen Firma, die Angestellte suchten, die in West-Deutschland arbeiten sollten. Man wäre sich von Seiten der DDR darüber bewusst gewesen, dass ein Familienvater nicht flüchten würde. Doch die Regierung hatte sich geirrt. Sogar gewaltig. Der Familienvater ist geflohen und hat seine Familie zurückgelassen. Wie es manchmal so spielt.

In Dargen besuchen wir ein Wisent-Gehege. Diese gewaltigen Kolosse, die den Bisons in Amerika sehr ähnlich sind, sollen wieder in Freiheit heimisch werden. Hier finden Zuchtprogramme statt, die das Projekt unterstützen sollen. Ich wäre dafür, denn mit wilden Tieren leben viele Menschen in der Welt zusammen und es funktioniert. Bestes Beispiel sind Kanada, die USA und Russland, die mit Wölfen und Bären auskommen müssen.

Kurz vor der Brücke zur Insel Rügen gibt es frischen und geräucherten Fisch zu kaufen. Wir schlagen kräftig zu und es vergeht beinahe kein Tag, an dem wir nicht Fisch essen.

Durch wunderschöne Alleen führt unser Weg. Oftmals sind diese so eng, dass wir abbremsen und auf die Seite fahren müssen, wenn uns ein gleichwertiges Fahrzeug entgegenkommt.

Auf nach Kühlungsborn. Von diesem Ort haben Arbeitskolleginnen mir nur schönes berichtet. Der Ort ansich ist sogar schön, aber Strandurlauber wollte ich nicht sein. Die Strandkörbe sind aufgestellt wie die Sardinen in den Büchsen. Hier kann man dem Nachbar locker die Hand reichen. Der Ort ist gepflegt, Blumen blühen und die Sonne ist uns wieder hold. Die Touristen schwärmen in Scharen aus und stürmen die Cafés, Restaurants und Souvenir-Geschäfte. Eine alte Dampflokomotive fährt von einem Ort zum anderen. Eine Fahrt mit ihr möchten wir auch unternehmen. Also, ab zum Ticketschalter und zwei Karten gekauft. Nun rattern wir durch die Landschaft an der Ostsee.

In Bad Doberan steigen wir aus. Witzig finde ich, dass die Dampflokomotive mitten durch den Ort fährt. Dieses, die Trabis, die Alleen, die Kopfsteinpflaster und noch vieles mehr, erinnert an die ehemalige DDR. Die Zisternenklosterkirche aus dem 13. Jahrhundert lockt uns. Gewaltig ragt sie aus dem kleinen Wäldchen empor. Die Gartenanlage um sie herum, lädt förmlich zu Spaziergängen ein. In einem kleinen Restaurant stärken wir uns noch und nehmen danach die Eisenbahn, die uns wieder nach Kühlungsborn bringt.

Von dort aus geht es auf die Insel Poel, wo wir einen kleinen Abstecher hin unternehmen. Was mir besonders auffällt, sind die vielen Kornfelder, in denen man noch Korn- und Mohnblumen sowie Margeriten sehen kann. Bei uns wird doch schon alles weggespritzt. Schade, denn das fand ich immer ganz besonders schön.

Von einem Dorf, in dem es so viele Klapperstörche geben soll, haben wir schon oft gehört. Aber wo liegt das? In Rühstädt. Dort fahren wir zum Abschluss unserer Ostseereise hin. Am Ortsschild steht ein Fahrrad, geschmückt mit bunten Blumen. Nur noch zwei Kilometer und wir gelangen in einen Ort, wo die Uhr stehengeblieben ist; charmant wirkt der Ort aber gerade deswegen. Die Backsteinhäuser sind berankt von Efeu oder wildem Wein. Gartenblumen wie Astern, Steinbodengewächse, Gräser und Stockrosen zieren die roten Wände der Häuser. Und man hört sie schon klappern mit ihren langen Schnäbeln. Die Weißstörche. Große Nester sind auf den Dachfirsten angebracht, wo sie Jahr für Jahr ihre Jungvögel aufziehen. Hier ist der Storch geschützt. Niemand vertreibt sie, weil sie die Dächer zuscheißen. Nein, hier ist man stolz auf seine Störche und je mehr umso besser.

Nun sind unsere Urlaubstage beinahe rum. Doch zum Schluss fahren wir noch bei unserem Freund Kater, alias Peter Hinz, und seiner Partnerin Cordula vorbei. Wir verbringen noch schöne Tage mit ihnen und dann hat uns das Arbeitsleben wieder eingeholt.

Schön war es an der Ostsee; hätte ich nie gedacht. Ja, auch Deutschland hat schöne Ecken, um Urlaub zu machen.

 

Bis dahin. Die 2.