Wiederaufbau des MAN.

 

Einige Monate steht unser Fahrzeug vor der Tür unseres Freundes Linus, bis ich eine geeignete Unterstellmöglichkeit, eine große Lagerhalle, für ihn finde. Nun steht er trocken und geschützt und ich kann so langsam anfangen ihn wieder herzurichten. Ein Problem ist allerdings die wenige Freizeit, die mir zur Verfügung steht, denn zwei Wochen nach unserer Ankunft in Deutschland trete ich einen Job als LKW-Fahrer an. Wir haben aber doppeltes Glück, denn Marion wird von unserem alten Arbeitgeber angerufen, ob sie nicht wieder anfangen möchte, was will man mehr? So bleiben mir max. die Wochenenden um die nötigen Arbeiten am Fahrzeug zu verrichten.

Als erstes fange ich an unserer verbogenen Hütte an, denn bevor die nicht wieder gerade steht, geht auch alles andere nicht voran. Ich reiße rigoros alles raus, was sich im hinteren Drittel unserer Wohnkabine befindet. Erst danach ist das ganze Ausmaß des Unfalls zu sehen. Der Gitterrohrrahmen, der die Rückwand bildet hat sich um ca. 8-10 cm nach rechts verschoben. Ich trenne die Rückwand komplett heraus. Mit Kettenzügen und Schweißbrenner werde ich letztendlich Herr über unser krummes Haus.

Anschließend verlängere ich die Kabine um 40 cm, um mehr Wohnraum zu schaffen. Ein Käfig aus Rechteckohr wird hierfür eigens angefertigt und von hinten angeschweißt. Der noch nackte und offene Gitterrohrrahmen wird von außen mit Aluminiumblechen verkleidet und mit zahllosen Poppnieten befestigt. Zumindest ist er jetzt schon mal wieder dicht, denn immer wieder mal lässt mein Vermieter verlauten, dass er die Halle evtl. aufgeben und sich was anderes suchen will und ob ich dahin mit umziehen kann ist bislang ungewiss. Also arbeite ich daraufhin, dass Goliath zur Not auch erst einmal draußen stehen könnte. Es vergehen jedoch noch einige Monate bis der Tag X kommt, in denen ich den größten Teil der Außenarbeiten fertig bekomme. Als nächstes gehe ich daran die Innenwände zu isolieren und zu verkleiden. Das hört sich jetzt alles so an, als ginge es ratzfatz von statten, nein mitnichten, diese ganze Geschichte zieht sich nun schon seit ca. einem ¾ Jahr hin und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Anfang 2009 müssen wir überraschend schnell Abschied nehmen von unseren treuen tierischen Begleitern. Zuerst müssen wir Eros einschläfern lassen und ca. 8 Wochen später Whisky. Ein weiterer Lebensabschnitt geht zu Ende. Über 13 Jahre haben sie uns auf unseren Wegen begleitet. All die schönen und nicht so schönen Erinnerungen kommen oft durch und stimmen uns immer wieder traurig. Doch andersrum sind wir nun wieder frei und ungebunden, können spontan entscheiden was wir tun oder lassen wollen ohne Rücksicht auf die Hunde nehmen zu müssen.

Selbst nach nunmehr über einem Jahr in Deutschland können wir uns nicht wieder an das Leben hier gewöhnen, Hektik, Stress, vor allem aber Spießigkeit und Missgunst bestimmen den Alltag und deshalb haben wir beschlossen so schnell wie möglich Deutschland wieder zu verlassen um erneut durchzustarten. Wir sind bereit alles hierfür aufzugeben, einschließlich unseres Hauses das zurzeit zum Verkauf steht.

Es ist mittlerweile Mitte 2010, mit Hochdruck verbringe ich jede freie Minute an unserem Goliath um den Wohnraum fertig zu stellen. Vier Jahre Reisezeit auf engstem Raum haben uns aber auch feststellen lassen, was bei der teilweisen Neugestaltung unseres Wohnraums wichtiger ist und was nicht. So z.B. haben wir festgestellt, dass bequemes Sitzen mit das Wichtigste ist und deshalb haben wir bei unserer Planung dieses als oberste Priorität gestellt. Jedoch ist Planung in Sachen Holz nicht gerade mein Ding und so bietet sich Christoph, der Bruder unseres Freundes Linus, an, eine Zeichnung auf seinem Computer zu erstellen, auszurechnen wie viel Holz wir brauchen oder auch was das beste Material für uns ist und nicht zu vergessen, steht er mir mit seinem Wissen als gelernter Holzwurm mit Rat und Tat zur Seite. Heraus kommt eine komplett neue Sitzgruppe in U-Form, die wesentlich größer ist als vorher. Auch die Küchenzeile entsteht komplett neu, aber an anderer Stelle. Bad, Toilette und Schlafzimmer bleiben fast unverändert. Ein weiterer wichtiger Aspekt stellt eine bessere Belüftung der Wohnkabine dar. Deshalb tausche ich unsere herkömmlichen Dachfenster gegen Fenster mit Ventilatoren aus. Schritt für Schritt wird eine Sache nach der anderen fertig. Ich hoffe, ich bin im Juli soweit beim TÜV vorstellig zu werden, denn es brennt uns unter den Nägeln endlich mal wieder ein paar Runden zu drehen.

Was die leidige Geschichte mit unseren 14er Reifen angeht, so ist sie ein für alle Mal abgeschlossen. Ich habe sie endlich verkaufen können. Die ersten neuen 395/85 R20 liegen schon in der Garage. Michelin XZL 395er sind sehr schlecht neu zu bekommen und zumal sehr teuer, deshalb bin ich auf Conti HCS umgestiegen.

Lasst euch überraschen wie es weitergeht und wo es uns hinzieht.

 

Die Zwei.