Quer-Beet-Reise in 9 Tagen.

 

Reisedauer: 26.08. bis 03.09.2010

 

Unser Goliath hat die TÜV-Prüfung bestanden, die groben Ausbauarbeiten im Inneren sind fertig und schon kann es für uns nach fast zwei Jahren wieder losgehen – wenn auch nur für 9 Tage.Die Freude wieder mit unserem Dicken durch die Gegend zu streifen ist riesig. Donnerstag geht es in aller Frühe los.

Unser erstes Ziel liegt in Friedberg bei Augsburg. Dort wollen wir Herta und Erhard besuchen, die wir auf unserer Reise in San Francisco kennengelernt haben. Bevor wir die beiden aber überhaupt erreichen, müssen wir hinten rechts einen Reifen wechseln, der uns auf der Autobahn während einer Brückenüberfahrt mit einem lauten Pfeifen platzt. So gerade eben können wir nach der Brücke auf dem Seitenstreifen stoppen. Kein lustiges Unterfangen, denn die 40-Tonner rasen mit ihren 80 km/h nur knapp an uns vorbei. Jede Minute zählt von jetzt an, weil es einfach zu gefährlich für uns werden kann. Schnell ziehen wir die Sicherheitswesten über, die uns für jedermann aus der Ferne sichtbar machen, aber immer noch fliegen die Lkw an uns vorbei. Die zwei Warndreiecke, die wir mithaben und die in Malawi schon Pflicht waren mitzuführen, kommen uns jetzt zu Gute. Zuerst stelle ich eines weit genug von uns entfernt auf den weißen Randstreifen, das zweite rücke ich etwas näher an uns heran, aber dafür mittig auf die dritte Fahrspur, damit jeder in gebührendem Sicherheitsabstand an uns vorbeifahren kann und wir das Reserverad seitlich von unserem Goliath mit Hilfe der hydraulischen Hebevorrichtung auf die Straße herablassen können. Jetzt schnell wechseln und während Walter das Ersatzrad montiert, kann ich die platte Flunder wieder hinter das Fahrerhaus befördern. Nicht mal eine halbe Stunde haben wir für den Wechsel benötigt. Jetzt schnell alles einpacken und bloß weg hier. Auf der nächsten Raststätte machen wir eine kleine Pause um uns die Hände zu waschen und dann geht es auch schon weiter.

Ohne weitere Pannen erreichen wir das Grundstück von Herta und Erhard, die uns bereits mit einem geöffneten Tor empfangen. Die Freude ist groß und weil man immer viel zu erzählen hat, setzen wir uns auf die Terrasse, trinken Kaffee und essen Kuchen. Anschließend muss aber der Schlauch geflickt werden, denn das wollen wir nicht erst unterwegs erledigen. Zu unserem Entsetzen haben wir aber kein Flickzeug dabei, doch Erhard kann aushelfen. Jetzt tauschen wir das Reserverad noch mit dem geflickten Rad aus. Als alles fertig ist, sitzt Walter mit gerunzelter Stirn vor dem Reifen und meint nur, dass ihm das irgendwie nicht gefällt. Das Misstrauen verfliegt jedoch für eine Weile, denn die verlockenden Düfte des Grillfleisches ziehen in unsere Nasen. Es ist beinahe Mitternacht als wir in unser Bett fallen.

Am folgenden Tag verabschieden wir uns, aber für Walter steht fest, dass wir den Reifen sicherheitshalber ein weiteres Mal austauschen. Also ziehen wir den nagelneuen Conti auf und den geflickten Reifen nehmen wir als Ersatz, wenn nötig. Unterdessen beginnt es zu regnen und es hört einfach nicht mehr auf. An einer Raststätte kurz vor der Grenze zu Österreich besorgen wir uns die so wichtige „Go Box“, die wir für ein Fahrzeug über 3,5 Tonnen benötigen. Da es Neuland für uns ist, lassen wir sie uns kurz erklären, den Rest müssen wir selber machen. Wir zahlen vorerst 150 Euro ein und düsen los. An der ersten Mautstation wird uns durch einen Piepton signalisiert, dass die Box funktioniert. Wie viel Euro es allerdings sind, wissen wir jedoch nicht. Wir fahren durch die grüne Welt der Steiermark und sind begeistert von der Landschaft.

In Eisenerz angekommen, suchen wir nach der Beschilderung von Offroadtrucks Austria, die uns auf das Gelände des Erzbergwerkes führt. Vor einem sehr schmalen Stadttor, das mit einer Höhe von 3,80 Metern angegeben ist, bleiben wir verdutzt stehen. Ich steige aus, renne in einen benachbarten Laden und frage nach Details, wer so alles durch das Tor fährt. Freundlich bestätigt mir die Verkäuferin, dass sogar Busse dieses Tor passieren und weil wir die Höhe von 3,80 Metern nicht erreichen, fahren wir langsam los. Sackhaaresbreite passen wir hindurch, einen Hüpfer wie damals in Italien hätten wir uns allerdings auch hier nicht erlauben dürfen. Die weiterführende schmale Straße macht uns nachdenklich und schon folgt das zweite Tor, das wir wie das erste mit Bravour passieren. Der Regen lässt immer noch nicht nach, als wir die Einfahrt zu dem Eisenbergwerk erreichen, wo wir noch auf unser Begleitfahrzeug warten müssen, weil in dem Erzbergwerk noch Betrieb herrscht und die riesigen Muldenkipper ihre Arbeit verrichten. Langsam schrauben wir uns den Berg im Konvoi hinauf, immer den Blick auf den riesigen Krater gerichtet, der bereits in den Berg hineingearbeitet wurde. Oben am Treffpunkt angekommen, werden wir sofort von Stefan begrüßt, mit dem wir zuvor in Email-Kontakt standen. Wir können uns irgendwo einen Stellplatz aussuchen, der schnell gefunden ist. Auf dem Platz gibt es eine Toilette, ein Zelt für die Diavorträge der Reisenden und einen kleinen Verkaufsstand, wo ich auf Stefans Angebot hin meine Bücher mit zum Verkauf auslegen darf, worüber ich mich natürlich sehr freue.

Ein Flair-Reisemobil erweckt Walters Interesse und sofort steht er bei den Besitzern, um sie zu interviewen. Zuerst können sie sich nicht an uns erinnern, doch später fallen ihnen unsere beiden Hunde Whisky und Eros wieder ein. Jetzt wissen auch sie, dass wir uns am Fitz Roy Bergmassiv in Argentinien getroffen haben. Wie klein die Welt doch ist. Den ersten Tag sind wir allerdings schnell im Bett verschwunden, denn Reisen ist ja so anstrengend.

Bereits im 16. Jahrhundert wurde im Erzbergwerk in Eisenerz mit dem Stollenbau begonnen, seit 1820 wurde dann im Tagebau abgebaut. Die Untertagegewinnung stellte man 1899 erst ein, nahm sie aber 1932 wieder auf. Ab 1948 wurde der Abbau in Trichterform gestartet. Irgendwie erinnert uns das an Chuquicamata in Chile, nur ist dies die Miniaturausführung. Seit dem Jahr 1870 wurde die Sprengung mit Dynamit begonnen, nur sechs Jahre später wurde die elektrische Minenzündung eingesetzt. Die 860 PS starken „Haulys“, die Schwerlastkraftwagen, transportieren von den bei jeder Sprengung bis zu 40000 bis 50000 Tonnen aus dem Berg gelösten Gestein ca. 120 Tonnen. Nach Voranmeldung kann man für eine Dauer von ca. drei Stunden für 30 Euro pro erwachsene Person an einer Sprengung und Besichtigung des Schaubergwerks teilnehmen. Sicherlich ein interessantes Unterfangen und auch nicht überteuert.

Ab 12 Uhr beginnen die Diavorträge für die Offroader, die uns aufgrund der Thematik allerdings nicht zusagen, weil wir die Länder bereits kennen. Also lassen wir den Tag in einer geselligen Runde zu Ende gehen. Am Sonntag gibt es morgens ein Fahrertraining, für das man sich anmelden muss. Zu unserem Entsetzen bemerkt Walter einen schleichenden Plattfuß links vorne, der sich bei einem Platzer als nicht ganz ungefährlich herausstellt. Schlecht gelaunt wegen der nicht enden wollenden Plattfüße wechselt er den Schlauch und als ich wieder Luft aufpumpe sehe ich einen weinroten Kombi auf uns zufahren, in dem Doris, Hans und Marcelo sitzen. Bis an beide Ohrläppchen ziehen sich meine Mundwinkel, so groß ist meine Freude. In Südamerika haben wir viele Tage miteinander verbracht und endlos Spaß gehabt. Jetzt, nach ca. drei Jahren, treffen wir uns in Österreich wieder und können es alle noch gar nicht so richtig fassen. Marcelo ist bereits 14 Jahre jung, ein Schlagzeuger und AC/DC-Fan, und ein junger Mann, der enorm in die Höhe geschossen ist, Hans scheint sich als begeisterter Bergsteiger nicht zu verändern und Doris sieht immer noch so toll aus wie eh und je. Eine Überraschung haben sie auch. Doris hat in Windeseile noch einen Kuchen gebacken, auf dem mit Puderzucker die drei Buchstaben „MAN“ kreiert sind. So etwas Schönes hat noch nie einer für uns gemacht.

Maria und Rudolf, die den Flair fahren, kennen das Dreiergestirn auch und schnell haben wir eine gesellige Runde beisammen. Den Kuchen verzehren wir bei endlich eingetretenem Sonnenschein und einer guten Tasse Kaffee. Wie schön kann das Leben doch sein! Selbst Maria und Rudolf, die ihre Rentenzeit bereits erreicht haben, stehen auf unserem Standpunkt. Auch sie wollen ihr Haus verkaufen und ihr Leben dem Reisen widmen. Wir wünschen ihnen noch viele Jahre und Gesundheit, um ihren Traum zu verwirklichen.

Am späten Nachmittag machen sich Doris, Hans und Marcelo auf den 120 Kilometer langen Heimweg nach Enz, Maria und Rudolf sind auch schon abgereist und nur der harte Kern ist übrig geblieben. Zu meinem Glück konnten von den ausgelegten Büchern einige an den Mann gebracht werden. Ein großes Dankeschön nochmals an Stefan und seine Freundin Caro, die letztendlich von zehn Büchern sieben für mich verkauft hat. Einige, die am Fahrertraining teilgenommen haben, lassen es sich nicht nehmen, noch eine Ausfahrt durch das Gelände zu machen. Dabei bleibt ein Fahrer mit seinem Lkw im Schlamm stecken, der sich in einem See gebildet hat, den man im Laufe der Zeit austrocknen lassen will. Wir erfahren, dass der See an der Stelle, wo das Wasser noch sichtbar ist, immer noch 12 Meter hat und dass bereits an die 20 Fahrzeuge, sowohl Pkw als auch Motorräder, im Schlamm versunken sind. Wir wollen Leopold helfen, aber als wir die Suhle sehen, winken wir ab. Auch Oliver mit seinem Mercedes wollte zu Hilfe kommen und wäre dabei beinahe eingesackt. Wir riskieren es nicht, denn zu Genüge kennen wir solche Situationen, in denen wir selbst gesteckt haben. Mit drei kleineren Fahrzeugen kann der Lkw letztendlich geborgen werden, worüber sich Leopold riesig freut. Sein Lkw wäre immerhin er erste gewesen, der in diesem See versunken wäre.

Am Abend sind nur noch wenige Fahrzeuge auf dem Platz. Wir haben die Genehmigung dort bis Montag zu übernachten, um dann über einen Seitenweg das Gelände zu verlassen. Den Abend verbringen wir noch in geselliger Runde vor einem wärmenden Lagerfeuer mit Gregor und seiner Frau Maria, Leopold, der Lkw-Versenken spielen wollte, dem Schweizer René, Jörg und Oliver.

Morgens werden wir von den riesigen Muldenkippern, die bereits ihre Runden ziehen, geweckt. Nach unserem Frühstück verabschieden wir uns von allen. René begleitet uns noch wenige Meter über die Nebenstrecke. Wir kriechen derweil langsam durch das Tor, wobei uns einige Bewohner lächelnd und staunend beobachten, dann tanken wir noch für 1,099 Euro Diesel nach und ab geht die Post. Immer wieder wechseln sich Regen und leichter Sonnenschein ab. An der Grenze muss ich noch die Go Box deaktivieren lassen, um die restlich verbliebene Summe von 84,74 Euro wieder auf unser Konto buchen zu lassen. In Falkenberg, nördlich von Altötting, suchen wir die Firma Aigner auf, die uns jedoch keine Ersatzteile für unseren MAN besorgen kann. Zum Glück dürfen wir vor dem Gelände übernachten.

Pech haben wir mit dem neu aufgetretenen, leichten Wassereinbruch in der Wohnkabine, der uns zum Verzweifeln bringt. Wahrscheinlich ist es irgendein Poppniet, der nicht dicht hält, aber wir bekommen im Moment keine sonnige Gelegenheit, um diese mit etwas Silikon abzudichten. Erst gegen Abend kann Walter mit Lappen, Fön und Silikonspritze auf das Dach steigen. Nun heißt es im Eiltempo das Dach zu trocknen, dann schnell das Silikon verteilen und hoffen, dass der Regen einige Zeit ausbleibt. Wir haben Glück.

Nun machen wir uns auf den langen Weg nach Holland, liegt ja mal so eben auf unserem Weg. Das Wetter wechselt sich mit Sonne und Regen ab. Wir kommen ohne Stau oder Panne gut voran, aber als wir Breuna erreichen, beschließen wir für heute Schluss zu machen. Mein Hintern schmerzt, ich bin das lange Sitzen nicht mehr gewohnt. In der Nähe des Eingangs von Rewe befinden sich jede Menge Parkplätze für Lkw, wo wir für unseren Dicken auch fündig werden. Wenn man nicht gerade einen Kühlzug neben sich stehen hat, kann man hier schon eine halbwegs ruhige Nacht verbringen. Auf einem unserer Spaziergänge entdecken wir eine für uns völlig unbekannte Schnecke, die im Internet als Tigerschnegel (Limax maximus) beschrieben steht. Und wir dachten eine neue Art entdeckt zu haben!

Einen Tag später sind wir am Nachmittag dann schon in Holland bei der Firma Obelink, die für den Camping- und Wohnmobilbedarf schon einiges zu bieten hat, auch Bekleidung gibt es reichlich. Man sollte dennoch aufpassen, denn nicht alles ist billiger. An der Rezeption fragen wir, ob wir auf ihrem Platz übernachten dürfen, denn davon haben uns Freunde erzählt, aber wir müssen jeden enttäuschen, denn es sind in der Vergangenheit wohl zu viele Beschwerden der Nachbarn eingegangen, die nicht gerne auf die Reihen von Wohnmobilen sehen möchten. Obelink würde das Übernachten zulassen, aber die Polizei scheucht die Wohnmobilisten fort und wohl möglich sogar mit einer satten Strafe. Also gehen wir für knappe 22 Euro für eine Nacht auf den Campingplatz „De Twee Bruggen“, der in unmittelbarer Nähe liegt. Am nächsten Tag gehen Walter und ich getrennt einkaufen, weil er mehr Zeit benötigt als ich. Ich besorge mir nur das was mir gefällt und was ich brauche und schon bin ich wieder raus aus dem Laden, denn die Gerüche von Plastik und Gummi machen mir Kopfschmerzen. Während Walter seiner Kauflust freien Lauf lässt, sitze ich in der Kabine und räume die Sachen ein und trinke einen Kaffee.

Unsere supertolle Reise ist aber noch nicht beendet, weil wir noch nach Emsdetten wollen, um dort bei Waeco mit unseren Kühlschrank vorstellig zu werden, der schon von Anbeginn Probleme mit der Kühlung hatte und schon früh die Türgummis eingerissen waren, was für den satten Preis von fast 1000 Euro nicht sein dürfte. Ob wir Erfolg haben, werden wir sehen. Nach eingehender Untersuchung in der Gewährleistungsabteilung will man uns eine Reparatur des Kühlschranks anbieten, die annähernd um die 550 Euro plus Steuer betragen soll. Das ist eindeutig zu viel, dann legen wir lieber noch 500 drauf und kaufen einen neuen Kühlschrank. Die Tür will man uns für 75 Euro gegen eine gebrauchte austauschen, aber auch das finde ich übertrieben. Zuletzt geben wir um die 60 Euro für eine neue Kühlflüssigkeit und eine Neueinstellung der Temperaturregelung aus.

Nachdem wir eine Nacht auf dem Gelände der Firma Waeco verbracht haben, wollen wir eigentlich einen Freund in Münster besuchen, doch da wir einen Tag früher eingetroffen sind, findet Rolf aus beruflichen Gründen keine Zeit für uns. Macht nichts! Wir sind ja noch nicht aus der Welt. Also fahren wir jetzt nach Hause.

In diesen neun Tagen, die eigentlich kein richtiger Urlaub waren, sind wir 2300 Kilometer mit unserem Dicken gefahren und haben für 600 Euro Diesel getankt. Das ist doch eine satte Leistung, oder?

Eine Anmerkung möchte ich noch zur Go Box für Österreich anbringen. Wir haben die Box an einer Tankstelle gekauft und uns grob ausgerechnet wie viele Kilometer wir durch Österreich auf der Autobahn fahren. Bezahlt haben wir die Box mit der Kreditkarte. 5 Euro kostet die Box, 75 Euro muss man vorab aufladen. Der Angestellte der Raststätte gibt die Art des Fahrzeuges, die Tonnen und die Achsenzahl ein und schon können wir starten. An jeder Go-Box-Station kann man die Box auslesen lassen und wenn nötig wieder Geld nachladen. Die Handhabung ist einfach und die Beschreibung ist gut verständlich. Wir hatten keine Probleme, von Anbeginn piepste die Box bei jeder Messstation wie es sein musste. Sollte man dennoch Probleme haben, dass sie mal nicht piepst, dann fährt man einfach die nächste Station an, wo das Problem gelöst werden kann. Auf immer ausreichende Aufladung sollte man achten, denn die Strafen in Österreich sind teuer. Wenn man die Box nicht mehr benötigt, gibt man sie an einer Station, die man an den Grenzen und entlang der Autobahnen in Österreich sowie der grenznahen Autobahnen in Deutschland findet, wieder ab. Sie wird dann entwertet und der Restbetrag dem Konto automatisch wieder gutgeschrieben. Allerdings kann es an der Grenze ein wenig Rennerei geben, denn ich musste auf die andere Autobahnseite bis zur Go-Box-Station laufen, wo sie ohne Probleme entwertet wurde.

 

Bis dahin. Die 2.