Alaska – Hubschraubergroße Mücken und Mitternachtssonne.

 

Reisezeit: 12.06.2008 bis 24.06.2008

 

Da es der 49ste Bundesstaat der USA ist, können Einreisebestimmungen und alles andere aus dem USA-Bericht übernommen werden, außer, der Kraftstoff wird etwas teurer. Mittlerweile sind wir bei 4,99 - 5,99 US$/Gallone für Diesel angekommen. Benzin liegt knapp unter oder knapp über 5 US$.

 

12.06.08. Hurra, wir haben es geschafft, wir stehen an der Grenze nach Alaska. 49398 Km haben wir gebraucht um den amerikanischen Kontinent vom argentinischen Ushuaia bis hierher zu durchqueren. Nun fehlt noch das obligatorische Foto vor dem Schild "Welcome to Alaska" und klick, alles im Kasten. Die Freude unserer Hunde hält sich in Grenzen, dafür schifft Whisky erst einmal an das Welcome-Schild. Die Einreise ist mit Abstand die schnellste, die wir bislang hatten. Nach zwei Minuten sind wir wieder aus dem Zollhaus. Mal wieder hat sich keiner für die Hunde interessiert. Wir haben noch insgesamt 28 Tage Aufenthalt in den USA, das sollte uns für Alaska reichen.

Nach wenigen Kilometern macht der bewölkte Himmel seine Schleusen auf und es schüttet wie aus Eimern, drum beschließen wir erst einmal für heute Schluss zu machen. Der nächste Tag zeigt sich von seiner schönsten Seite, mit Sonnenschein und leckeren 25°C über Null, wohlbemerkt. Da ich unsere Spritreserven recht knapp berechnet habe, müssen wir langsam an den Zapfhahn, doch die ersten Tankstellen hinter der Grenze liegen bei 5,11- 5,25 US$/Gallone, also fahren wir weiter, obwohl die Tanknadel sich kaum noch bewegt. Dann kommt die rettende Insel mit 4,89 US$ und bremmmmmsssssss. 790 Liter fassen unsere Tanks, wir waren so gut wie trocken. Ein Freudentag für den Tankstellenbesitzer und gleichzeitig Rekord, soviel hat noch nie jemand hier getankt, sagt er. Na, und über die Rechnung wollen wir jetzt nicht reden, Django bezahlt mit Monatskarte.

Wir schaffen es heute bis Delta Junction, wo bekanntlich der 2455 Km lange Alaska Highway endet. Der nächste Tag verläuft, wenn auch mit strahlendem Sonnenschein, recht eintönig, hunderte von Kilometern Wald, Wald und nochmals Wald, bis wir in dem Städtchen North Pole kurz vor Fairbanks ankommen. Die Leute sagen, der Weihnachtsmann stamme von hier und haben alles darauf eingerichtet. Der Campingplatz heißt Santaland mit dem dazugehörigen Santa Claus House, einem riesigen Souvenirladen und einem ca. 10 Meter hohen Weihnachtsmann. Nach 2 Tagen Camping mit Internet und allem Drum und Dran starten wir, um 52 US$ ärmer, auf zu unserer letzten Mission.

Wir wollen ja schließlich zum nördlichsten Punkt von Alaska, der mit dem eigenen Fahrzeug zu erreichen ist, das heißt für uns Prudhoe Bay und liegt etwa 863 Km weiter im Norden. Bis zum Örtchen Livengood ist die Straße asphaltiert, ab da beginnt Piste, das heißt mit einzelnen asphaltierten Abschnitten. Im Groben und Ganzen kann man allerdings sagen, der Asphalt ist mit wenigen Ausnahmen beschissen und die Piste ist hervorragend. Die Asphaltteilstücke sind oft so wellig, dass sich Goliath zum Teil so aufschaukelt und wir mit über 90 Sachen mit allen Vieren in der Luft hängen.

Rest Areas mit Toilettenhäuschen werden immer seltener, so muss man ab und an in der Pampa zum Pinkeln anhalten. Das macht allerdings vielerorts nicht wirklich Spaß, die überaus zahlreichen und angriffslustigen Stechinsekten lassen einen zum Turbopinkler werden. Wer in dieser Situation nicht mehrfach gestochen wird, wo auch immer, ist ein Künstler. Einer dieser äußerst unangenehmen Plätze ist die Rest Area am Polarkreis. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, überfallen dich diese Biester zu Hunderten. Hier fahren wir das Stativ schon einmal im Auto aus, damit alles etwas schneller geht, um das obligatorische Foto zu machen und trotzdem kommen wir nicht ohne Stiche davon. Zumindest unsere Nachtplätze suchen wir an erhöhten Plätzen, wo es windig ist, das sind dann meistens Schotterplätze vom Straßenbau.

Bis zum Atigun Pass beschert uns das Wetter fast durchgehend Regen, ab da werden wir mit Sonnenschein belohnt. Überraschenderweise sind viele Motorradfahrer nach Norden unterwegs. Von weitem sehen wir eine kleine Gruppe im strömenden Regen stehen, wir halten an und fragen, ob wir helfen können. Einem fehlt ein 4er Imbus, er glaubt er habe Wasser im Vergaser. Die Kawasaki kann wieder zum Leben erweckt werden. Wir schauen in ein glückliches und dankbares Gesicht und machen uns wieder auf den Weg. Tiere sind auf diesem Weg nur wenige auszumachen, doch ca. 100 Km vor Deadhorse ändert sich das schlagartig. Herden von Karibus säumen plötzlich unseren Weg und wir können zum ersten Mal kleinere Gruppen von wilden Moschusochsen beobachten.

Wie fast immer schaue ich morgens vor dem Start um unser Fahrzeug, ich traue meinen Augen nicht, der hintere rechte Stoßdämpfer baumelt lose herum. Bei der näheren Inspektion stellt sich heraus, dass die untere Befestigung an der Achse abgebrochen und die linke Seite bereits angebrochen ist. Wir haben noch ungefähr 150 Km bis Deadhorse, wo wir hoffentlich jemanden finden, der uns weiterhelfen kann. Wer in Deadhorse keinen Schweißer findet ist selbst schuld, wenn wir auch mehrmals eine Abfuhr bekommen, weil sie angeblich nichts für Privatleute machen dürfen, werden wir zur Firma GBR geschickt. Ken, der Chef, sagt mir, jaja, schweißen können wir das, aber das wird teuer. Wir berechnen für die Stunde 110 US$. Mir steigt schon wieder der Schweiß auf die Stirn und das in Alaska. Aber wenn ich alles selber aus- und wieder einbauen würde, mache er mir einen Spezialpreis. Nach drei Stunden ist alles wieder topp. Jetzt kommt die dicke Rechnung, denke ich. Ja, wenn ich ihm ein T-Shirt und eine Mütze von Deutschland schicken würde, wäre er zufrieden. Als wir uns verabschieden wollen, ist der Chef verschwunden, aber uns einfach so vom Acker machen wollen wir auch nicht. Da kommt Cheffe, eine riesige Lunchtüte unterm Arm. Das sei für uns, wir hätten doch sicher noch einen langen Weg zurück, da bekommt man doch Hunger, dreht sich um und verschwindet.

Wir verschwinden auch, wir wollen ja schließlich nach Prudhoe Bay, doch wenige Kilometer aus Deadhorse heraus, werden wir durch eine Schranke gestoppt. Der Wachmann erklärt uns, Prudhoe Bay sei im Besitz von BP und damit privat. Die einzige Möglichkeit dorthin zugelangen, sei mit einer geführten Bustour, bei der man sich 24 Std. vorher anmelden muss. So endet unsere Amerika Durchquerung eben hier, 10 Km weiter oder nicht, macht den Kohl nicht fett. Wir haben es auf jeden Fall geschafft und treten zufrieden unseren Rückweg an.

Wer Alaska bereist, wird schnell merken, dass sich fast alles ums Erdöl dreht. Unzählige Versorgungsfahrzeuge sind nach Norden unterwegs, alles muss über mehr als tausend Kilometer rangeschafft werden und es gibt nur diese eine Straße, doch der Verkehr verläuft sich in der Weite des Landes. Ein ständiger Begleiter beim Befahren dieser Strecke ist die 1287 Km lange Ölpipeline, die von Prudhoe Bay ins südwestliche Valdez verläuft, wo dann das Öl in Schiffe verladen wird. Der Bau hat 8 Milliarden US$ gekostet. Die Verdienste hier oben können sich sehen lassen, ein Schweißer oder ein Trucker verdienen im Jahr ca. 100000 US$. 12 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche, 2 Wochen arbeiten, danach 2 Wochen frei und freier Flug bis Anchorage. Unser Weg zurück nach Fairbanks ist düster, nebelig und es regnet. Plötzlich, ca. 200 Meter vor uns, sehen wir einen riesigen Grizzly die Piste überqueren, doch bis ich gebremst habe und die Knipskiste bereit ist, ist er im dichten Buschwerk verschwunden. Kurze Zeit später sehen wir einen Wolf die Piste überqueren, doch leider auch wieder zu spät. Als wir Fairbanks erreichen, fahren wir an unsere alte Tankstelle, doch der Diesel ist schon wieder nicht mehr zum alten Preis zu haben, wir müssen mal wieder 0,10 US$ pro Gallone drauflegen.

Unsere letzte Anlaufstelle ist das Örtchen Chicken. Drei Holzhütten, bestehend aus einem Souvenirladen, einer Bar, einer Kaffeebude, einer Tankstelle mit dem stolzen Preis von 5,99 US$/Gallone und einem Camping bilden diesen entchickenden Ort. Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg, um am 24.06.08 auf dem Top of the World Highway, ein zweites Mal an der Grenze nach Kanada zu stehen.

 

Marion, Walter, Whisky und Eros.