USA.

 

Reisezeit: 01.05.2008 bis 04.06.2008

 

Kreditkarten: Maestro ist doch geläufig, nicht wie im ersten USA-Bericht angegeben. An Tankstellen und ATM ist es möglich sie einzusetzen, auch wenn es nicht gesondert angezeigt ist.

Diesel: Diesel mittlerweile bis über 5 US$/Gallone. Benzin ist gleichzeitig angezogen.

 

Als wir die einzige Zufahrt zum Yosemite NP von Osten (Mono Lake) zum Greifen nahe haben, läßt man uns nicht rein, weil der 3000 Meter hohe Pass noch verschneit ist. Auch zwei weitere Pässe Richtung Norden sind wegen Schnee gesperrt. Erst der Carson Pass ist befahrbar, dass bedeutet für uns schlappe 500 Km Umweg, aber was sind in diesem Land schon 500 Km. Unser Freund Magga würde sagen, das ist mal eben über'n Berg.

Als wir die Westseite erreichen und in den Park einfahren, kommt es uns vor wie auf dem Highway, Autos über Autos, die tausende von Menschen ausspucken. Die Parkplätze an den Sehenswürdigkeiten sind hoffnungslos verstopft, es kommt uns eher vor, als seien wir auf einem großen Jahrmarkt. Wir stellen Goliath für kurze Zeit ab, steigen in den Shuttlebus und lassen uns an die schönsten Aussichtspunkte fahren, um danach den Park schnellstens wieder zu verlassen. Die Saison hat noch nicht mal richtig angefangen, nicht auszudenken, was hier los ist, wenn Hochsaison ist.

Nur noch ca. 186 Meilen sind es von hier bis San Francisco. Zufälligerweise kommen wir noch an einem Oldtimer-Treffen vorbei, wo wir die schönsten Gefährte zu Gesicht bekommen. Von den hohen Spritpreisen lassen sich diese Herrschaften scheinbar nicht beeindrucken.

Als wir die Stadt erreichen kommen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Sechsspurige Highways, die in die Stadt führen, ein Wirrwarr aus Brücken, wie sollen wir da einen Übernachtungsplatz finden? Wir kommen über die Oakland Bay Bridge herein, eine fünfspurige, doppelstöckige Brücke. Alles was in die Stadt rein will fährt oben, alles was raus will fährt unten. Alles was rein will muss bezahlen, in unserem Fall 4 US$, raus lassen sie dich umsonst. Doch Dank der guten Beschilderung geht's eigentlich recht einfach. Aus unserem 9 Jahre alten Reiseführer entnehmen wir, dass es relativ zentral den Candlestick RV Park gibt, alle anderen Plätze liegen ca. 25 Meilen entfernt. Er soll aber auch mit 36 US$/Fahrzeug der teuerste sein. Zähneknirschend fahren wir den Platz an. An der Rezeption entgleiten mir allerdings alle Gesichtszüge und der kalte Schweiß steigt mir auf die Stirn, da verlangen diese Mafiosis doch tatsächlich 69 US$ pro Tag und Fahrzeug. Dann muss San Francisco eben im Schnellverfahren abgehakt werden. Am nächsten Morgen, ab ins Taxi, für fast 25 Piepen bis nach Chinatown und los geht's. Ich glaube, soviel bin ich auf der ganzen Reise noch nicht gelaufen. Im Schweinsgalopp schleift Marion mich nach Stadtplan durch die Straßen. Dass aus der Knipskiste nicht der Rauch aufsteigt, ist ein Wunder, sie hat nur den Finger auf dem Drücker, ein Akku nach dem anderen macht die Grätsche, sie kommt aus dem Staunen nicht raus. Es ist für sie das erste Mal in einer solch großen Stadt zu sein und dazu noch in einer so sehenswerten. Attraktionen wie Golden Gate Bridge, Cable Car, Fisherman's Wharf, Alcatraz, u.s.w. lassen uns fast die Füße wundlaufen, bis wir am Nachmittag völlig platt wieder am Fahrzeug sind. Der nächste Tag, Abreise!

Auf in die National Forests zum umsonsten Übernachten. Wal Mart scheint seit Las Vegas auch nicht mehr so der Hit zu sein, denn mehrfach haben wir danach Schilder gesehen: Übernachten verboten. Bei den Spritpreisen sind wir in Richtung Norden bei durchschnittlich 4,50 US$/Gallone oder mehr angelangt, doch wenn man überlegt, dass in Deutschland die Treibstoffpreise fast doppelt so hoch sind, relativiert sich das Ganze ein wenig.

Bei einer kleinen Stippvisite zum Crater Lake NP treffen wir ein amerikanisches Pärchen, die mit einem HU-Gespann unterwegs sind. Mir steht das Pippi in den Augen, denn unser HU-Gespann steht hufscharrend bei unserem Freund Bruno in der Garage und wartet auf unsere Rückkehr.

Wir schreiben heute den 12.05.08 und wir stehen kurz vor Redmond in Oregon, wohin unsere Bremsbeläge und andere Kleinigkeiten gerade auf dem Weg sind. Rick und Jean werden sie für uns in Empfang nehmen. Sehnsüchtig warten wir schon darauf, besonders auf den Elektromotor vom Heizungsgebläse, der sich schon in Mexico verabschiedet hat, doch zu dem Zeitpunkt haben wir ihn nicht sonderlich vermisst, aber jetzt, wo wir kontinuierlich 'gen Norden fahren und es immer kälter wird, bemerkt man erst, wie dringend man das Ding doch braucht. Die Nachttemperaturen liegen nicht selten bei -10°C und bis fast Mittag fahren wir mit steifgefrorenen Gliedern, um sich dann die Klamotten wieder vom Leib zu reißen, weil es zu warm wird.

Normalerweise glauben wir nicht an Wunder, aber scheinbar ist unserem Whisky eines widerfahren. Seit nunmehr 110.000 Km hat er es vorgezogen uns im Stehen zu begleiten, wann er während der Fahrt gelegen hat, kann man an 5 Fingern abzählen und das für eine Höchstdauer von max. 1 Minute pro Einzelfall. Doch jetzt, man glaubt es kaum, legt er sich von selbst hin. Entweder er genießt die vorzüglichen amerikanischen Straßen oder er wird alt. Ganz das Gegenteil ist Eros, er hat fast die 110.000 Km verschlafen, außer der Zeit, die er mit Pfoten lecken beschäftigt war und ist. Er ist ein alter Opa geworden und man sagt ja bekanntlich, im Alter wird man seltsam. Das scheint auf Eros zuzutreffen. Die neuste Marotte ist, dass er abends ab 19.00 Uhr solange murrt und knurrt, bis wir endlich alle im Bett liegen. Dann liegen wir gerade in der Kiste, da fangen die beiden das Schnarchen an, dass für uns an Schlaf fast nicht zu denken ist.

Mitte Mai treffen wir bei Rick und Jean ein, doch unsere Teile sind noch nicht da. Nicht weiter schlimm, denn ein paar Tage relaxen tut uns allen gut, zumal die beiden über ein großes Grundstück verfügen, auf dem wir uns frei entfalten können, außer wenn Rick seine Schießübungen veranstaltet. Er besitzt, wie es sich für einen Amerikaner gehört, Unmengen an Feuerwaffen, die auf dem dazugehörigen Schießstand ständig zum Einsatz kommen, mit Munition, die durch mehr als 3cm dicke Eisenplatten fliegen, als wäre es Butter. Von den kleineren Gewehren und Pistolen garnicht zu reden, die er tagtäglich benutzt um Eichhörnchen zu schießen, mit denen er auf Kriegsfuß steht, weil sie angeblich sein Haus auffressen. Marion handelt mit Rick eine Feuerpause aus. Solange wir hier sind wird kein Eichhorn geschossen, weil wir sie so niedlich finden. Zu unserer Freude kommen die Schweizer Gaby und Guido auf ihren BMW 1200 GS auch hier an. Wir kennen sie schon seit La Paz und haben uns hier verabredet. Auch sie haben sich Teile schicken lassen, weil die Dinger ewig kaputt sind. Dann kommen endlich unsere Teile, doch das halbe Paket ist leer und beschädigt, es wurde unterwegs schon einmal neu verpackt und leider fehlt unter anderem unser Lüftermotor gänzlich, was für uns weiterhin steife Glieder bedeutet. Ich zeige Rick den defekten Motor und er ruft freudig mit seinem gebrochenen Deutsch, nix kalte Füße, ich habe vor eine paar Tagen einen alten Staubsauger auseinander gebaut, der hat glaub ich die gleichen Lager. In der Tat funktioniert am Nachmittag unser alter Lüfter wieder. Wenigstens ein kleiner Lichtblick. Am 02.06.08 verlassen wir Rick und Jean in Richtung Kanada.

Was die Treibstoffpreise angeht, kann man hier kaum noch verlässliche Angaben machen, manchmal gehen sie stündlich hoch, wie uns geschehen. Wir fahren zum Einkaufen und ich sage zu Marion, tanken werden wir, wenn wir aus dem Wal Mart zurück sind. Dumm gelaufen, dieser Fehler kostet uns fast 30 US$ mehr, weil in der Zwischenzeit mal wieder eine Erhöhung war. Wir tanken trotzdem, denn am nächsten Tag sind schon wieder 10 US-Cent drauf. Alles stöhnt hier über die steigenden Spritpreise, was würden die Amis wohl sagen, wenn sie unsere deutschen Preise zu zahlen hätten? Nix mehr V8 mit 7 Liter Motoren.

Am 04.06.08 stehen wir bei Sumas an der Grenze zu Kanada. Wir sehen uns wieder zu einer vorerst kleinen Stippvisite durch Kanada.

 

Marion, Walter, Whisky und Eros.