USA - unendliche Weiten.

 

Reisezeit: 10.04.2008 bis 01.05.2008

 

Visum: 3 Monate an der Grenze mit dem Visa Weaver.

Hunde: Sie fragen nach den Impfungen, aber keiner will sie sehen.

Versicherung: Wir schließen im Grenzort Hidalgo bei der NIA Insurance Agency für unsere beiden Fahrzeuge eine Versicherung für 1 Jahr ab: Kosten: MAN 176 US$, Kawasaki: 56 US$

Carnet de Passages: Keine Deklarationspflicht des Fahrzeugs.

Bargeld: Überall an ATM, z.B. an jedem größeren Supermarkt, Tankstellen usw.

Kreditkarten: Weit verbreitet. Maestro kennt man hier nicht.

Diesel: Ca. 3,99 - 4,96 US$/Gallone. Benzin: Ca. 3,30 – 3,50 US$. Super: Bis zu 3,70 US$.

 

Am 10.04.08 stehen wir schwitzend an der Grenze zur USA bei Reynosa/Hidalgo mit über 40°C im Fahrerhaus bei 90% Luftfeuchtigkeit. Wir alle finden das überhaupt nicht lustig. Hoffentlich dauert unsere Abfertigung nicht so lange! Doch widererwartend sind wir in einer Stunde fertig. Man fragt uns nach Obst, Frischfleisch und Eier, wir verneinen und plötzlich stehen wir in gewöhnungsbedürftigen geordneten Verhältnissen.

Nachdem wir einer Haftpflichtversicherung für unsere Fahrzeuge abgeschlossen haben suchen wir erst mal Wal Mart auf, um vernünftig schoppen zu gehen und danach auf deren Parkplatz zu nächtigen. Nachts um drei muss ich zum stillen Örtchen, schaue aus dem Fenster und es ist kaum zu glauben, die Amis haben selbst in der Nacht nichts besseres zu tun als einzukaufen, der Parkplatz ist rappelvoll. Zwei Tage später halten wir auf dem Highway 83 an einem kleinen Supermarkt und fragen nach einer Übernachtung auf dessen Parkplatz. Im besten texanischen Kaugummi-Englisch bekomme ich zu hören, yes Sir, no Problem! Kurz danach kommt ein junger Bursche mit einem Ford Heavy Duty, so ein Pickup mit mehr als 7 Liter Hubraum und Zwillingsbereifung, springt aus dem Auto und fragt mich, hey man, is this an RV? Ich natürlich bis dato null Ahnung, äh ne, it's an German Army Truck. Später stellt sich heraus, dass RV Recreation Vehicle mehr oder weniger übersetzt Wohnmobil heißen soll. Der Typ hat sich bestimmt gedacht, was ist das denn für 'ne Knalltüte.

Nachdem es dunkel geworden ist tauchen drei Fahrzeuge auf, 1. der Sheriff, 2. Border Patrol, 3. Highway Patrol. Sie fragen uns Löcher in den Bauch und kontrollieren die Pässe. Danach wird uns eine gute Nacht gewünscht und sie verschwinden. WELCOME in den USA!!

Es sieht so aus, als wenn wir Dauercamper bei Wal Mart werden, denn schon wieder zieht es uns auf deren Parkplatz. Hier treffen wir Swen und Katrin, aber nix Amis, 'ne, Deutsche, die schon Jahre in den USA leben. Mit ihrem Mörder-Monster-Zugfahrzeug, das mehr Hubraum hat als Goliath, ziehen sie einen umgebauten Pferdetransporter und wie könnte es anders sein, hinten steht noch die chromblitzende Harley drin. Sie sind uns auf Anhieb sympathisch, wir holen die Stühle raus und quatschen bis spät in die Nacht.

Auf dem Weg nach El Paso wird das Wetter langsam erträglicher, es ist zwar immer noch heiß, aber die Luftfeuchtigkeit sinkt auf unter 30% und ist deshalb besser auszuhalten. Unterwegs muss ich bei einer Pause feststellen, dass unser Hydraulikmotor vom Lüfterrad nicht gerade wenig ölt. Der Ventilator hat alles schön verteilt, sodass Goliath von oben bis unten mit Hydrauliköl versaut ist. Wir retten uns noch bis Van Horn, einem Ort, wo früher nicht mal die Postkutsche gehalten hätte. Nachdem ich den defekten Simmerring ausgebaut habe, gehe ich in den einzigen Ersatzteilladen im Ort und es ist kaum zu glauben, am nächsten Tag habe ich einen neuen Dichtring. Am Tag drauf geht's nach El Paso. Von Texas geht es nach New Mexico, White Sands ist angesagt.

In diesem riesigen weißen Sandhaufen wurde 1945 die erste Atombombe der USA gezündet, na, dann hoffen wir, dass wir nach dem Besuch nicht im Dunkeln leuchten. Bei traumhaft schönem Wetter schießen wir Unmengen an Fotos. Heute schlafen wir mal nicht bei Wal Mart, sondern an der Interstate Highway 10 auf einem Rastplatz und Infocenter. Zum ersten Mal werden wir eindrücklich darauf hingewiesen unsere Hunde nur an der Leine auszuführen, denn Klapperschlangen treiben hier ihr Unwesen und man soll die befestigten Wege nicht weiter als 3 Meter verlassen. Na, das kann ja heiter werden!

Zwei Tage später überqueren wir die Staatsgrenze nach Arizona. Städte wie Tucson und Phoenix lassen wir dank gesittetem Fahrstil der Amis, vierspurigen Highways und ausgezeichneter Beschilderung locker hinter uns. Eines muss man den Amerikanern lassen, alles hält sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit, keiner hupt und keiner drängelt, da könnten sich die Deutschen eine Scheibe von abschneiden. Nicht nur das, unser Fahrzeug zieht die Neugierigen an wie Kuhscheiße die Fliegen, denn solche Reisemobile existieren in den USA nicht und somit stehen wir tagtäglich den freundlichen Amis Rede und Antwort. Hier fährt man z.B. ausgebaute dreiachsige Busse, Pickups mit dreiachsigen Wohnsattelaufliegern mit bis zu vier einzelnen Klimaanlagen oben drauf. Und weil man mit diesen Riesendingern nicht so wendig ist, hängt hinten noch die Garage mit der Harley Davidson dran oder man schleppt sein Auto am Haken hinterher.

In Kayenta, der letzte Ort vor dem Grand Canyon, kaufen wir im Visitor Center eine Generaleintrittskarte für alle Nationalparks in den USA. Kosten 80 US$, gültig 1 Jahr und gilt für ein Fahrzeug mit bis zu vier Personen. Hunde sind übrigens in jedem NP erlaubt, müssen aber an der Leine geführt werden. Da Marion noch nie mit einem Helikopter geflogen ist, erkundigen wir uns über Preise für einen Flug über den Canyon, von 149 - 210 US$ ist alles möglich, für uns allerdings zu teuer. Als ich 1985 hier war, kostete der billigste Flug 60 US$.

Es ist schon spät, als wir den Park verlassen und zu allem Übel ist kein Wal Mart in Sicht, also versuchen wir es mal im National Forest, denn hier ist das Campen für Wohnmobile erlaubt, übrigens nicht die schlechteste Wahl. Wenn man weit genug von der Straße entfernt steht, herrscht hier Totenstille, aber zurzeit ist es nachts saukalt. Da freuen wir uns wieder einmal über unsere gut funktionierende Webasto Heizung, denn 5-10° minus ist keine Seltenheit.

Nachdem ich unseren Goliath am nächsten Morgen nur widerwillig zum Leben erwecken kann, starten wir durch zum Monument Valley. Hier gilt unsere Generalkarte nicht, denn dieses Gebiet gehört den Navajo Indianern und die kassieren selber ab, doch mit 5 US$ p.P. eine absolut lohnenswerte Investition. Jahrmillionen alte Steinformationen gilt es hier in grandioser Natur zu bestaunen. Die Dame am Gate will uns zuerst nicht reinlassen, größere Wohnmobile müssen auf dem Parkplatz stehen bleiben und man muss sich mit den dafür vorgesehenen Jeeps durchs Gelände schaukeln lassen. Doch als wir ihr erklären, dass wir 4x4-Antrieb haben und wir schließlich schon die Sahara durchquert hätten, drückt sie beide Augen zu, doch wohl ist ihr dabei nicht. Die Fahrt durch den Park ist ein Kinderspiel und benötigt keinen Allradantrieb.

Im Natural Bridges National Monument schauen wir uns auf einem Rundkurs von 15 Meilen natürlich entstandene Felsenbrücken an. Verschieden anstrengende Wanderwege führen in den Canyon um die Brücken von unten zu besichtigen. Die Sipapu-Brücke z.B. ist die zweitgrößte natürliche Steinbrücke der Welt, mit einer Höhe von ca. 75 m, einer Breite von ca. 10 m und einer Spannweite von ca. 88 m. Unser vorerst letzter Park, bevor wir das Spielerparadies Las Vegas erreichen, ist der Bryce Canyon, der wohl bislang für uns einer der schönsten Parks ist. Kurz hinter dem Ausgang des Parks fängt wieder der National Forest an und wir werden wahrscheinlich wieder eine lausig kalte Nacht verbringen. Um uns herum liegen noch die letzten Schneehaufen, die dem vorrückenden Frühling trotzig die Stirn bieten.

Nachdem mich Eros am nächsten Morgen um 5.30 Uhr aus dem Bett wirft, müssen wir feststellen, dass es rattenkalt ist. Ein Blick aufs Thermometer gibt uns Gewissheit, - 12°C. Das ist selbst Eros zu kalt, pullert einmal an einen Busch und will wieder in die warme Hütte.

Zufällig führt unser Weg durch den Zion Nationalpark, dank unserer Generalkarte kein Problem. Das einzige Problem ist, dass wir zu breit und zu hoch sind, denn im Verlauf der Strecke kommen zwei Tunnel, Baujahr um die 1930 und da hat man an solche Brummer wie wir sie fahren noch nicht gedacht. Der Erste ist kein Problem für uns; der Zweite ist allerdings 2 Km lang und so niedrig, dass wir nur mittig hindurchpassen. Hierfür muss der gesamte Verkehr für uns gesperrt werden. Für diese Aktion werden wir mit 15 US$ extra zur Kasse gebeten.

Als wir Las Vegas erreichen wissen wir erst einmal nicht genau wo wir übernachten sollen, drum auf zum Wal Mart. Zwei Stunden stehen wir bereits hier und relaxen, als plötzlich zwei Autos der State Police vor unserem Fahrzeug stehen bleiben. Der eine ruft rein, hallo ist jemand zu Hause, die Antwort ja. Darf ich reinkommen, na klar. Er steht auf der zweiten Stufe und fragt dann, haben sie Waffen im Fahrzeug? Antwort nein, wir sind Touristen und keine Terroristen. Na dann ist gut und er kommt rein. Er erzählt uns, dass der Sicherheitsbeamte vom Wal Mart Parkplatz sie informiert habe, es stünde ein riesiges Offroadmobil mit offener Tür auf dem Parkplatz und keiner sei zu sehen. Wir erklären ihm, wenn wir einen Anschlag auf Wal Mart vorhätten, kämen wir sicherlich nicht mit solch einem Fahrzeug. Wir entschließen uns hier nicht zu übernachten, um evtl. weiteren terroristischen Verdächtigungen aus dem Weg zu gehen. Doch einen halbwegs günstigen RV Park zu finden ist hier gar nicht so einfach, 25-35 US$/Nacht sind hier die Regel, wir sind aber nicht bereit dies zu bezahlen. Nach ca. 2 Stunden werden wir endlich fündig. Am Boulder Highway gewährt man uns Zuflucht für 15,26 US$ inkl. Steuer. Wir erfahren, dass man sich ein Busticket kaufen kann, Gültigkeit 24 Stunden. So stehen wir am nächsten Abend gegenüber dem RV Platz an der Bushaltestelle und warten auf den Bus der halbstündlich kommt. Mit diesem fahren wir zuerst zum Busbahnhof, um dann in den Shuttlebus umzusteigen, der uns auf die Zockermeile bringt. Die Rückfahrt geht ähnlich, man stellt sich einfach an eine der vielen Haltestellen und steigt gegen Vorlage des Tickets ein, feine Sache! Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, des Öfteren rennen wir fast Straßenlaternen um, weil man vor lauter Lichter und Menschen nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Dann kommt die schwierigste Frage, wo verzocken wir unsere hart ersparten Mücken. Da kommt uns das Casino im Eiffelturm gerade recht. Jetzt muss der Jackpot am einarmigen Banditen von über einer Million dran glauben. Nach ein paar Minuten hat der Automat unsere Dollars verschluckt, doch mit den Millionen hat's leider nicht geklappt.

Nachdem wir zahlreichen interessierten Campern auf dem Platz Rede und Antwort gestanden haben, verlassen wir nach drei Tagen Las Vegas Richtung Death Valley und Yosemite Nationalpark. Noch ein kleiner Tipp, wer Richtung Kalifornien reist und die Möglichkeit hat viel Sprit zu bunkern, sollte dies nach Möglichkeit tun. Die Treibstoffpreise steigen in Kalifornien drastisch an, die Gallone für 4,80 US$ sind keine Seltenheit, am teuersten war bis jetzt allerdings die einzige Tankstelle im Death Valley mit 4,96 US$ für die Gallone Diesel. Den billigsten Saft fanden wir bislang in Texas.

 

Schaut mal wieder rein. Marion, Walter, Whisky und Eros.