Mexiko - Kultur, Kultur und nochmals Kultur.

 

Reisezeit: 18.03.2008 bis 10.04.2008

 

Visum: Bis zu drei Monaten an der Grenze erhältlich.

Hunde: Wir haben uns vorab in Belize ein Animal Health Certificate ausstellen lassen (15 B$ pro Hund), weil es angeblich notwendig ist. Wir haben unsere Hunde an der Grenze aber nicht besonders gezeigt, somit hat es keinen Interessiert.

Versicherung: Ich habe an der Grenze gefragt. Zweimal hat man mir bestätigt, es sei keine Versicherungspflicht für Fahrzeuge. Wir schließen keine ab, obwohl die Möglichkeit besteht.

Carnet de Passages: Für ein Fahrzeug bekommt man angeblich eine Aufenthaltsgenehmigung für 10 Jahre. In dieser Zeit kann ich beliebig oft ein- und ausreisen. Wir bekommen, weil wir zwei Fahrzeuge auf einmal einführen, nur 180 Tage. Kosten zusammen 536,09 Pesos in Bar oder mit Visa zu bezahlen. Ein einzelnes Fahrzeug kostet 29,70 US$.

Währung: Mexikanischer Peso. 1 US$ an der Grenze getauscht 10,40 Pesos. 1€ = ca. 16,50 Pesos.

Bargeld: An fast allen ATM mit Visa, Master und Maestro möglich.

Kreditkarten: Vielerorts möglich, häufig mit Gebühr. An Tankstellen tun sie sich oft schwer, besser ist Bares.

Diesel: Ca. 5,70 - 5,99 Pesos. Benzin: 6,77 Pesos. Super: 8,48 Pesos.

 

Am 18.03.08 stehen wir bei fast 40°C in Santa Elena an der Grenze Mexikos. Die Klamotten kleben uns auf der Haut. Eigentlich geht die Einreise recht schnell vonstatten, wenn da nicht die nette Dame vom Zoll wäre, die für alle möglichen Papiere Kopien haben will. Also schräg über die Straße ins Internet mit Kopierer. Danach geht alles ganz schnell, steigen ins Auto und wollen den normalen Weg nehmen, den alle fahren, nix da, wir müssen durch den Röntgenapparat. Wir werden so weit dirigiert das der Röntgenapparat hinterm Fahrerhaus in Betrieb geht. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Der "Radiologe" will noch ins Innere schauen, er hat es auf unsere Elektrowerkzeuge abgesehen, aber es scheint alles in Ordnung zu sein und wir können passieren. Da stehen wir nun in Mexiko. Und was macht man da als erstes, natürlich die Spritfässer volllaufen lassen. Freudentanz ist wieder angesagt, denn bei ca. 0,38 €/l macht das Tanken wieder Spaß.

Auf der Mex 307 düsen wir zu den Ruinen von Tulúm. Zum ersten Mal in Amerika erleben wir richtiges Karibikflair, türkisblaues Wasser mit palmenbewachsenen Stränden begleiten uns bis nach Tulúm. Freie Übernachtungsplätze - Fehlanzeige! Also rauf auf den Parkplatz des Mar Caribe, direkt am Weg zu den Ruinen. Wir fragen am angrenzenden Restaurant, ob wir hier stehen können, kein Problem, ist kostenlos, wird uns gesagt. Unter den nahegelegenen Bäumen hat sich ein "Ami" eingenistet. Mit seinem umgebauten Schulbus und mindestens nochmal so langem Anhänger, der gleichzeitig als Garage für seinen Suzuki-Geländewagen dient, hat er sich dort breit gemacht. Er, Michael, ein braungebrannter Mittsechziger in knapper schwarzer Badehose, einem Pferdeschwanz à la Karl Lagerfeld und seine ebenso verkohlte Ehefrau Sidney im Stringtanga, weisen uns einen Platz zu und wo wir zu bezahlen hätten. Wir berichten ihnen, wir hätten nachgefragt und das Parken sei umsonst und außerdem seien wir unserem Geld nicht böse. Wenn einer Geld haben wolle, würde er schon kommen. Ich glaube, wir haben sie damit erzürnt. Den ganzen Nachmittag putzt er daraufhin neben uns seinen "Dünenhüpfer Suzuki" mit voll aufgerissener Stereoanlage, abends geht's vom Bus aus weiter. Wir lassen uns allerdings nicht vertreiben. Am nächsten Tag verlangt einer 100 Pesos (10 US$). Wir verlassen schleunigst diesen netten Ort und begeben uns zu den Ruinen.

Übrigens an diesem Seiteneingang, der eine Sackgasse ist, bietet ein kleiner Wendeplatz genügend Platz zum Stehen, für nix. Allerdings sollte man früh morgens oder abends seinen Platz beziehen, denn tagsüber ist alles voll. Es ist ratsam um 8.00 Uhr bei Toröffnung am Start zu sein, ab 9.00 - 9.30 Uhr fallen Scharen von Pauschaltouris hier ein und die Ruhe ist dahin. Eintritt p.P. 48 Pesos.

Noch am gleichen Tag starten wir durch nach Mérida. Vorsicht, man versucht einen auf die teuer zu bezahlende Autobahn zu leiten, es gibt aber immer eine Nebenstrecke!

Wir haben in Mérida eine Adresse vom Trailer Park Rainbow, doch die besitzen die Frechheit 250 Pesos pro Stellplatz zu verlangen, wir danken ab. Freundliche Polizisten leiten uns auf den Parkplatz des Centro de Convenciones, an der gleichen Straße gelegen, etwas näher Richtung Zentrum. Wir sollen uns keine Sorgen machen, sie führen hier Tag und Nacht Streife. Eigentlich wollten wir nach MAN, nach Querétaro, um unsere hinteren Bremsbeläge zu erneuern, aber so ganz nebenbei müssen wir feststellen, dass die Beläge, die vor 27000 Km in Santiago erneuert wurden, schon wieder restlos am Ende sind. So werden wir MAN untreu und steuern Mercedes an. Das erste, was wir zu hören bekommen ist: „Haben wir nicht“. Erst nach bitten und betteln gewährt man uns Einlass.

Zwei Tage später verlassen wir deren Gelände mit original Volvo-Bremsbelägen, zumindest auf der Vorderachse, für hinten waren auf die Schnelle keine mehr zu beschaffen.

Wir machen uns auf nach Campeche, um uns den historischen Stadtkern anzuschauen. Allerdings starten wir am gleichen Tag noch durch, denn wir sehen hier keine Möglichkeit einen geeigneten Nachtplatz zu finden. Nach langer Suche finden wir endlich ein Nachtlager am Strand. Auf dem Weg nach Villahermosa fahren wir ca. 300 Km am Strand entlang, aber freie Standplätze sind rar gesät.

Im Verlauf der Strecke gilt es mehrere große Brücken zu überqueren, alle sind kostenpflichtig. Bei der ersten werden wir reichlich zur Kasse gebeten. 121 Pesos ziehen sie uns aus der Tasche, weil wir als LKW mit zwei Achsen eingestuft werden und sie lassen sich auf keine Diskussion ein. Vor der zweiten Brücke werden wir als PKW eingestuft und bezahlen 62 Pesos, u.s.w. Am Nachmittag erreichen wir Villahermosa. Der katastrophale Verkehr zehrt an unseren Nerven und wir beschließen die Nacht auf einer großen Tankstelle bei Nautla N 20°11.507' W 096°45.024' zu übernachten. Aber an Schlaf ist vorerst nicht zu denken, um 22.00 Uhr haben wir immer noch 35°C in unserer Wohnstube. Ach übrigens, neben der Tankstelle ist eine große Unimog-Werkstatt, vielleicht interessant für die Unimogfahrer, die mal hier durchkommen sollten.

Viele Leute haben uns gesagt und geschrieben, ihr werdet Mexiko mögen. Hey Leute, wenn ihr unter mögen versteht: Kaum zu findende Nachtplätze außer an Tankstellen, endlos ätzende, langweilige Asphaltstraßen, morgens um 7.00 Uhr schon 35°C in der Hütte und es läuft einem der Saft aus allen Poren, größere Küstenstädte wie z.B. Vera Cruz mit abertausenden Menschen am Strand, wie Hähnchen in der Backröhre, 35 Meter lange LKW mit zwei Sattelaufliegern, die sich einen Spaß draus machen dich beim Überholen von der Straße zu drängen. Ja, wenn ihr das mit mögen meint? Wir sind zurzeit nicht sonderlich begeistert. Es gibt natürlich auch Gutes zu berichten, als da wären, Wal Mart, wo man endlich wieder nach Herzenslust einkaufen kann, sehr zum Leidwesen des Geldbeutels, billiger Treibstoff und nicht zu vergessen, die wirklich schönen Kulturstätten. Erwähnenswert seien da auch noch die sehr gute Straßenbeschilderung, die wir lange vermisst haben.

Ich habe eben die langen LKW erwähnt, das sind wirklich Mörderteile, bestehend aus Zugmaschine und zwei Sattelaufliegern. Hier einige Daten: Länge zwischen 35-45 Meter, 9 Achsen, davon 8 Achsen zwillingsbereift, Gesamtgewicht zwischen 60-100 Tonnen, Dieselverbrauch bis zu 80 l/100 Km bei verhältnismäßig wenig Leistung von max. 460 PS, meistens gezogen von einer amerikanischen Mackmülltonne, äh ich meine Frightliner oder Kenworth, die man hier am meisten antrifft.

Zum Ende des Monats März haben wir uns eine besonders schöne Tankstelle ausgesucht, ein riesiges Teil ist das und es scheinen nur Kühltransporter hier zu halten. Das wird bestimmt doppelt schön, weil jeder zwei Anhänger hat, die mit jeweils einem Kühlaggregat versehen sind, die die ganze Nacht laufen, ja dann gute Nacht!

Am nächsten Tag erreichen wir die Stadt Querétaro, wo wir MAN einen Besuch abstatten wollen, aber wie erwartet hat man keine Teile für unser "Fossil". Auf meine Frage nach neuen Bremsbelägen antwortet man mir scherzhaft, was sind denn Bremsbeläge, heute hat man Scheibenbremsen. Also wer hier Ersatzteile sucht, sollte mit einem TGA kommen oder einem neuen MAN Bus, denn davon laufen hier ca. 1400 Stück, TGA ca. 40. Wir lassen uns ausrechnen, was uns Beläge für zwei Achsen inkl. Federn für eine Achse kosten würden. Mir werden die Knie weich, als ich den Preis höre, 1200 US$ sollen wir dafür berappen, Nieten noch nicht mit inbegriffen, 100 Stück sollen nochmals mit 100 US$ zu Buche schlagen. Selbst die äußerst nette und freundliche Belegschaft kann uns nicht zu diesem Deal überreden. Wir werden uns alles Nötige von Deutschland schicken lassen, was uns wesentlich billiger kommt, aus dem Zubehör natürlich. Natürlich haben wir versucht in der Stadt unsere Teile zu bekommen. Zuerst bei Volvo, die lassen uns überhaupt nicht rein und man meint lapidar, sie verkaufen keine Ersatzteile. Dann nach Mercedes, wir kommen schon mal bis an den Verkaufstresen. Da sitzen zwei gelangweilte, schmierbäuchige Herren in schwarzen Hosen und weißen Hemden mit Pomade im Haar vor ihren Computern und fragen, was für ein Model? Die Antwort kurz und knapp: „Haben wir nicht“. Es ist nicht das erste Mal, dass wir aus Not bei Mercedes vorbeischauen und wir derart abserviert werden. Dieser Verein ist mit Abstand der arroganteste und unfreundlichste Haufen, der mir je untergekommen ist. Von mir aus könnte über sämtliche Mercedesläden der große Arsch kommen und alles zuscheißen!!!!!

Am nächsten Tag fährt Marion mit dem hauseigenen Fahrer in den historischen Stadtteil von Querétaro. Die Stadt, die 1531 gegründet wurde, hat viel an Geschichte zu bieten. Sie fahren als erstes zum Mausoleum, wo sich auch der Aussichtspunkt auf einen Teil der Stadt befindet und das berühmte El Acueducto, welches das Wahrzeichen von Querétaro ist, steht. Die 74 Bogenbrücken, die ca. 23 Meter hoch sind, bilden eine Einheit von insgesamt 1280 Metern. 70 unterirdisch miteinander verbundene Brunnen sammelten das aus den umliegenden Hügeln kommende Wasser, welches über die Brücke eingeleitet wurde. Auf dem Weg zur Plaza Indepencia erzählt Cesar Marion noch etwas über die Geschichte Querétaros. 1810 fand hier Mexikos Unabhängigkeitskampf statt, 1847 wurde sie zur provisorischen Hauptstadt ernannt, 1848 wurde der Krieg mit den USA beendet, der den Verlust von Texas bedeutete, 1867 wurde Maximilian, der Kaiser Mexikos, hingerichtet und schließlich wurde die Stadt 1917 nach der mexikanischen Revolution ein zweites Mal zur provisorischen Hauptstadt ernannt.

An der Plaza Indepencia angekommen, geht sie auf La Casa de Ecala zu, welches aus dem 18. Jahrhundert stammt. Es ist ein neuspanischer Kolonialpalast, der durch seine Fasade hervorsticht. Drei Fenster zieren die vordere Front, dabei enthält eines einen „steinernen Vorhang“, die Balkone zeigen den habsburgerischen Doppeladler in den schmiedeeisernen Geländern. Die Plaza ist ein schattenspendender Platz mit einem Brunnen, dem Águila-Brunnen, der die Statue des Marqués de la Villa del Villar del Águila zeigt. Von hier aus spaziert sie weiter durch die schönen Fußgängerzonen und genießt die Farben und die morgendliche Ruhe.

La Casa de la Marquesa ist wohl der schönste und prächtigste Aristokratenpalast, der 1756 von der Frau des Marqués de la Villa del Villar del Águila im hispano-arabischem Mudejar-Stil gebaut wurde. Heute ist das Haus ein teures Hotel und Restaurant, doch ein Blick in sein Inneres lohnt allemal.

Zuletzt steht noch das Museo de Arte, oder auch Ex-Convento de San Augustin genannt, auf ihrem Plan. Dieses Gebäude wurde 1731 im barocken Stil gebaut und besticht mit seiner Schönheit des Innenhofes, der mit einem Brunnen in der Mitte versehen ist. Im Museum sind viele Gemälde und Kunstfiguren von Javier Marín ausgestellt. Nach drei Stunden Besichtigungstour und Geschichtsunterricht pur sucht sie sich ein Taxi, welches sie zum Industriegebiet zurück bringt.

Am Tag darauf verlassen wir Querétaro. Es wird gebirgig und es geht schleppend voran, mehr als 150 Km am Tag schaffen wir in den folgenden Tagen nicht. Wir fahren durch wirklich schöne Gegenden, aber freie Übernachtungsmöglichkeiten, Fehlanzeige. Kleinere Parkbuchten sind zwar zu finden, doch hier kannste nicht mal den Fuß vor die Tür setzen, weil alles zugemüllt und von menschlichen "Tretminen" übersäht ist. Dann doch lieber an eine Tankstelle, wenn auch laut, aber halbwegs sauber.

Zu erwähnen seien da noch die häufigen Militär- und Polizeikontrollen. Nur zweimal sind wir bis jetzt behelligt worden und das an einem Tag. Es ist Mittagszeit und wir beschließen in einer wie üblich vermüllten Haltebucht eine Pause zu machen. Ich liege wegen der extremen Hitze in Unterhose lang und Marion sitz auf dem stillen Örtchen. Plötzlich hält neben uns ein Militär-LKW, mit lautem Geschrei umzingeln uns schwer bewaffnete Soldaten. Einer steht schon auf der zweiten Stufe und ruft ins Auto. Ich steh wie von der Tarantella gestochen in der Tür und der Typ meint, er müsse jetzt unser Fahrzeug inspizieren. Ich bin so perplex und sage, ja wenn's denn sein muss? Aber da haben die Jungs die Rechnung ohne meine Marion gemacht. Die kommt vom Klo geschossen und faltet den Typen auf der Treppe nach allen Regeln der Kunst zusammen. Als erstes glaube sie, dass sie nicht das Recht dazu hätten und wenn, dann wolle sie jetzt auf der Stelle seinen Namen, Dienstgrad und seine Einheit, um sich sofort wegen dieses Überfalls zu beschweren. Das zeigt Wirkung, das Männlein im Tarnanzug ist so geschockt, dass er von der Treppe springt und kleinlaut fragt, würden sie mir denn ihre Pässe zeigen? So schnell wie sie gekommen sind, verschwinden sie auch wieder. Und ich bin immer wieder erstaunt, welch Potential in dieser Frau steckt.

30 Minuten später, wir sind schon wieder unterwegs, oh ne nä?! Polizeikontrolle. Da steht da so ein Zwerg mit wirklich dickem Ranzen, so ein abgebrochener Meter und hält uns an. Er versucht sofort auf meiner Seite hoch zu klettern, aber aufgrund seiner Größe und seiner Fettleibigkeit misslingt ihm das. Er kriegt nicht mal den Fuß auf die erste Stufe und meint darauf, der ist aber hoch. Ich antworte leicht gereizt und lächelnd, er sei wohl ein bisschen zu fett. Seine Kollegen halten sich vor lachen die Bäuche und man läßt uns unverrichteter Dinge ziehen. Ich glaube, er hat es mir nicht krumm genommen, denn er schmunzelt.

Nur noch ca. 400 Km sind wir von der USA-Grenze entfernt, weitere 3 Mal wiederholen sich die Militärkontrollen, um die wir diesmal nicht herumkommen. Kontrolliert wird auf Drogen und Waffen, wie man uns erzählt. Wir erreichen die Grenze der USA bei Reynosa am 10.04.08.

Unsere Ausreise geht schnell vonstatten, aber dennoch schweißtreibend, bei fast unerträglicher Hitze und 90% Luftfeuchtigkeit. Ja Leute, nach ca. 3500 gefahrenen Kilometern durch Mexico hat uns zumindest dieser Teil mit wenigen Ausnahmen nicht gefallen und eine anfangs geplante Wiederkehr steht nun mehr als in Frage.

 

Schauen wir mal, was uns in den USA erwartet. Marion, Walter, Whisky und Eros.