Kanada - traumhaftes Land, Preise ein Alptraum.

 

Reisezeit: 04.06. bis 12.06.2008

 

Visum: 6 Monate an der Grenze erhältlich.

Hunde: Nach Aussage eines Tierarztes in Redmond (USA), gibt es ein neues Gesetz, dass Tiere im grenzüberschreitenden Verkehr nach Kanada ein Gesundheitszertifikat brauchen. Normalerweise 32 US$ pro Hund. In unserem Fall allerdings wieder mal rausgeworfenes Geld, weil's keinen interessiert hat.

Versicherung: Hat erstmal keinen interessiert. Wer versucht eine zu kaufen, braucht Zolleinfuhrpapiere, die man aber nicht automatisch an der Grenze bekommt. Um keine schlafenden Hunde zu wecken, wollte ich auch nicht fragen. Wie, sie haben keine Versicherung u.s.w.?

Carnet de Passages: Keine Deklarationspflicht für Fahrzeuge.

Währung: Ist der kanadische Dollar. Z.Zt. ca. 1,50 Can$ = 1 €. US$ und Can$ sind z.Zt. auf Gleichstand.

Bargeld: An vielen ATM mit fast allen bekannten Plastikkarten. Mit Maestro bekommen wir 1000 Can$ auf einmal.

Kreditkarten: Sind überall gebräuchlich.

Diesel: 1,27 - 1,65 Can$/Liter.

Benzin: 1,20 - 1,50 Can$.

 

So stehen wir am 04.06.08 bei Sumas an der Grenze zu Kanada. Viele Fragen müssen wir einer etwas bissigen Beamtin beantworten, unter anderem, ob wir auch genug Geld besäßen, um uns 6 Monate im Land aufzuhalten. Darauf antworte ich etwas bissig und übertreibe maßlos, gute Frau, wer sich ein Fahrzeug für 300.000 € leisten kann, damit auch noch 4 Jahre unterwegs ist, wird wohl noch die Paar Cent übrig haben, um sich 6 Monate in Kanada aufzuhalten. Die Dame hat daraufhin keine Fragen mehr. Danach müssen wir unsere Fahrzeugschlüssel abgeben und zwei Zöllner inspizieren unser Fahrzeug, wir dürfen nicht dabei sein, aber nicht aufgrund unseres netten Wortgefechtes, sondern weil es Gesetz ist. Ich beschwere mich bei der Beamtin, die Antwort: Es sei noch nie etwas abhanden gekommen. Ich antworte ihr, einmal ist immer das erste Mal und ich möchte kurz meine Schlüssel zurück haben, um unser Bargeld und andere Wertsachen aus dem Auto zu holen. Zähneknirschend willigt sie ein. Nach einer ¼-stündigen Inspektion bekommen wir unsere Pässe mit 6 Monaten Aufenthalt und wir können fahren. Im ersten Supermarkt versorgen wir uns mit Bargeld, gleich daneben, wie passend, ein Versicherungsbüro. Hier bin ich bislang der erste Touri, der eine Versicherung für sein Fahrzeug haben will. Nach langen Telefonaten mit höheren Stellen, die Antwort: Da ich keine Einfuhrpapiere für das Fahrzeug hätte, können sie mir keine Versicherung verkaufen. Da wir aber keine bekommen haben, wie in den USA auch, fahren wir erstmal ohne und werden es an anderer Stelle nochmals versuchen.

Auf dem Highway 97 Nord machen wir einen kleinen Abstecher (80 Km) nach Barkerville. Barkerville, eine Stadt von 1860 zur Zeit des großen Goldrausches, war lange eine Geisterstadt. Man hat die Stadt wieder aufgemöbelt, wobei ein großer Teil noch gut erhalten ist und man eine Touristenattraktion draus gemacht hat. Menschen sind im damaligen Stil gekleidet, Gebäude sind noch voll ausgestattet und zum Teil bewohnt. Eindrucksvoll kann man sich hier in die Zeit von Anno Dazumal versetzen. Die 13,50 Can$ pro Person sind kein rausgeschmissenes Geld.

Am gleichen Abend übernachten wir in einer alten Kiesgrube, weil bislang auf allen Rest Areas das Übernachten verboten war. Da denkste, du bist allein und schon steht der Sheriff da. Da es öffentliches Gelände ist, sei das Übernachten hier kein Problem, aber die Zusatzscheinwerfer an unserem Fahrzeug sind verboten oder müssen im normalen Straßenverkehr abgedeckt sein. Nur bei Offroadfahrten seien sie erlaubt.

Am nächsten Morgen starten wir mit sechs Plastiktüten aus dem Wal Mart, die unsere Zusatzscheinwerfer abdecken, welche sich allerdings nach zwei Stunden im Wind flatternd selbst entsorgt haben. Der selbige Tag bringt uns gleich drei Highlights. Als erstes läuft uns ein junger Schwarzbär über die Straße und verschwindet aber zu schnell für unsere Kamera im dichten Gebüsch der anderen Straßenseite. Kurze Zeit später sehen wir eine weidende Elchkuh im seichten Wasser einer der unzähligen Seen und wenige Kilometer weiter sehen wir eine Schwarzbärmutter mit ihren zwei Jungen am Waldrand.

Im nächsten Ort stürmen wir den erstbesten Supermarkt. Es zieht uns fast die Socken aus, wer glaubt die USA sei teuer, der hat sich geirrt. Kanada liegt mit fast allen Preisen ca. 30-40% höher, man sieht's am Sprit. Nicht gerade das Schlaraffenland. In Hazelton, am Highway 16, finden wir eine Laundry (Waschsalon), auch hier sind die Preise doppelt so hoch wie in den USA. Während Marion sich damit vergnügt in die Waschtrommel zu schauen, laufe ich mit Whisky zur einzigen Tankstelle im Ort. Beim Blick auf die Zapfsäule bekomme ich Kopfschmerzen, doch tanken müssen wir noch einmal, um uns bis über die Grenze nach Alaska zu retten, aber hier, bei diesen Apothekenpreisen, werde ich nicht tanken. Die nächsten Tankstellen werden wohl wieder etwas billiger sein!? Ich habe an ein Wunder geglaubt.

Nach 140 Km, in Iskut, kommt die nächste Tankstelle, doch jetzt müssen wir tanken, weil der nächste Zapfhahn erst in weiteren 244 Km kommt, so ein Hinweisschild. Oh man, stütz mich einer, mir werden die Knie weich, hier wollen sie 1,65 Can$ (ca. 1,07 €) pro Liter haben. Mein Nachbar an der anderen Zapfsäule, ein Indianer, sieht mein Bleichgesicht und sagt, he Junge, nimm's gelassen, weiter nach Norden wird's noch teurer. Danke, das tröstet mich jetzt aber ungemein. Aber mal abgesehen von diesen verrückten Spritpreisen gibt es natürlich auch schönes aus der Natur zu berichten, z.B. die Schwarzbären scheinen heute Wandertag zu haben, vier Mal trotten sie im Abstand von wenigen Kilometern gemächlich über die Straße, selbst Elchkühe und wilde Bergziegen stehen unerschrocken im Straßengraben und mümmeln das frische Gras.

Am Abend treffen wir auf den legendären Alaska Highway, der in Dawson Creek (Canada) anfängt und nach 2455 Km in Delta Junction (Alaska) endet. Er wurde 1942 in nur 8 Monaten und 23 Tagen von Kanada mehreren Tausend amerikanischen Soldaten durch den Busch geschlagen, heute ist er allerdings durchweg asphaltiert.

Viele Gerüchte haben wir über die unangenehmen Mücken gehört, meistens von Amerikanern, die niemals in diesen Gegenden waren. Angefangen von Daumennagelgröße bis hin zu Hubschraubern war in deren Berichten alles vertreten. Heute Abend, auf unserem Nachtplatz am Alaska Highway, überfallen sie uns zum zweiten Mal, zwar nicht so groß wie Hubschrauber, jedoch wesentlich größer als unsere deutschen Mücken, äußerst penetrant und sehr zahlreich. Nur die Flucht in unsere Hütte kann uns noch retten.

Was die oben erwähnten 244 Km ohne Versorgung bis Whitehorse angeht, war wohl eher Geschäftstaktik, auf die wir voll reingefallen sind. Alles dummes Zeug, ca. alle 120 Km kommt eine Tankmöglichkeit. Und der Indianer ist wahrscheinlich aus seinem Dorf nie raus gekommen, denn die Behauptung, nach Norden wird's nur noch teurer, stimmt auch nicht. Als wir in der berühmten Stadt Whitehorse am Klondike Fluss ankommen, liegen die Dieselpreise durchschnittlich unter 1,50 Can$.

Bei der Einfahrt in die Stadt trifft man unweigerlich auf die SS Klondike, einer der legendärsten Schaufelraddampfer seiner Tage, heute als Museum zu besichtigen. Mit 6,10 Can$ p.P. eine absolut lohnenswerte Investition. Weiterhin besuchen wir die längste Fischleiter der Welt. Seit man dem Yukon vor Whitehorse eine Staumauer verpasst hat, können die Lachse nicht mehr flussaufwärts an ihre angestammten Laichplätze. Drum hat man hier eine Fischleiter gebaut, dass die Lachse den Staudamm umgehen können. Danach ist einkaufen angesagt, ausnahmsweise ist heute mal Freudentanz, wir finden zum ersten Mal auf unserer Reise vernünftiges Brot, will heißen, dunkles Sauerteigbrot mit richtigen Körnern und das sogar in mehreren Variationen. Ansonsten kriegt man mit wenigen Ausnahmen nur Pappe zu futtern. Am schlimmsten ist es ab den USA. Ein halbes zusammengedrücktes Weißbrot ergibt halbwegs eine Mahlzeit. Der Geheimtipp für dieses schöne Brot ist der "The real Canadian Superstore" in Whitehorse bei N60°43.715' W135°03.772'. Nachdem all diese wichtigen Sachen erledigt sind, geht's weiter auf dem Alaska Highway, die letzten 480 Km bis nach Alaska.

Unterwegs, ich träume während der Fahrt so vor mich hin, da schreit Marion plötzlich, Stop, Stop, Stop! Da läuft was Kleines, Dickes, Braunes, Pelziges über die Straße. Ich lege eine Vollbremsung hin, nur gut, dass unsere Bremsen wieder gut funktionieren, denn meine Frau springt noch aus dem rollenden Auto. Flink wie ein Wiesel verfolgt sie das Pelztier, ich wusste garnicht, dass die noch so schnell ist, um dieses Ding zu knipsen. Es stellt sich heraus, dass es sich um ein Stachelschwein beachtlicher Größe handelt. Nachdem sie genug Bilder im Kasten hat, trottet es ohne Scheu von dannen.

Am selben Tag erreichen wir die kanadische Grenze bei Beaver Creek. Ausreiseformalitäten fallen flach, denn wir kommen ja wieder und unsere Visa haben wir bereits für ein halbes Jahr im Sack, ich meine im Pass.

So liebe Leute, begleitet uns weiter, kurz vor einem weiteren großen Etappenziel unserer Reise.


Marion, Walter, Whisky und Eros.