Honduras – wilde Pisten und nette Menschen.

 

Reisezeit: 29.01. bis 08.02.2008

 

Visum: Da wir bereits in Nicaragua den Einreisestempel bekommen haben, erübrigt sich das.

Hunde: Bekommen an der Grenze ein Transitpermit. Nach kurzem Check eines Beamten wird das Papier ausgestellt und kostet 25 Lempira pro Hund (ca. 1 €).

Versicherung: Ich frage mehrmals nach, scheint aber nicht obligatorisch zu sein und ist auch nicht an der Grenze erhältlich. Also fahren wir ohne.

Carnet de Passages: Man bekommt ein landeseigenes CERTIFICADO DE IMPORTATION.

Währung: Ist der Lempira, in etwa gleichviel Wert wie der Cordoba in Nicaragua. 1 US$ = ca. 18,80 Lempiras, 1 € = ca. 23-25 Lempiras.

Bargeld: Wir tauschen erst einmal US$ an der Grenze.

Kreditkarten: An größeren Tankstellen mit Visa und Master. Auf jeden Fall nachfragen, denn oft wird eine Gebühr für Kartenzahlung verlangt.

Diesel: 54 Lempiras/Gallone.

Benzin: 68 Lempiras/ Gallone.

 

Nach unserem Blitzaufenthalt in Nicaragua stehen wir am 29.01.08 an der Grenze zu Honduras bei Las Manos. Den Einreisestempel bekommen wir in wenigen Minuten, da das Office direkt an das Office von Nicaragua grenzt. Pro Person sind hier schon einmal 3 US$ abzudrücken. Auch hier drängen sich die Grenzhelfer auf und man tut gut daran einen zu engagieren, denn was hier auf einen zukommt ist neben Ägypten der chaotischste Übergang, den wir bisher überschritten haben. Hier herrscht ein heilloses Durcheinander. LKW parken kreuz und quer, sodass kaum ein Durchkommen ist. Alles in allem brauchen wir vier geschlagene Stunden, bis wir alle erforderlichen Papiere in der Hand halten, wobei diese Zeit 1 Stunde Mittagspause der Büros beinhaltet (von 12.00 – 13.00 h). Die ersten ca. 50 US$ für irgendwelche Papiere kann ich noch in etwa nachvollziehen, aber dann verliere ich ehrlich gesagt den Überblick und zücke nur noch die Dollars. Ich bekomme alles offizielle Rechnungen über Irgendetwas, zum Schluss sind es etwa 110 US$ für zwei Fahrzeuge. Ich bin normalerweise kein Freund von Grenzhelfern, aber die Investition von 5 US$ (freiwillig bezahlt) waren kein rausgeschmissenes Geld und ohne ihn hätte es wesentlich länger gedauert.

Und hier noch die gute Tat für meine Schwiegermutter. Plötzlich steht ein kleiner Junge an unserem Fahrzeug und signalisiert uns, dass er Hunger habe. Mit zerrissener Kleidung und barfuß steht er da. Marions Herz schmilzt dahin. Da ich sowieso essen gehen will, lade ich ihn ein. Zwei leckere Essen, bestehend aus Nudeln, Pommes, Salat und zwei Bremsklötzen plus Cola machen uns beide pappsatt. Ich erkenne ein dankbares Lächeln in seinem Gesicht. Die Bremsklötze hebt er zu meiner Verwunderung auf und wickelt sie in Papier. Wieder aus dem Restaurant heraus, weiß ich warum, sein Bruder steht da, der hat auch Kohldampf. Käthe, brauchst du noch mehr gute Taten?

Bis jetzt sind wir auf der Ruta CA6 auf Asphalt unterwegs. Wir wollen aber bei Las Crucitas auf die Piste nach Guaimaca, doch was sich anfangs als gute geschobene Piste zeigt, stellt sich im weiteren Verlauf immer schlechter dar. Es wird immer schmaler, die Bäume immer niedriger und Wasserleitungen einzelner Höfe hängen uns oft im Weg. Marion muss des Öfteren aussteigen, um die Leitungen hochzuhalten. An einer zerrt sie jedoch zu viel, sodass sie eine ordentliche Dusche abbekommt, weil der Schlauch reißt. Ihr Versuch den Schlauch zu flicken ist vergeblich und wir machen uns schleunigst aus dem Staub.

Wir haben mit extremen Steigungen zu kämpfen, wobei unser Goliath so gerade im Kriechgang hochkommt. Fast ständig brauchen wir unseren 4x4-Antrieb, denn loser Schotter oder Erde lässt uns nur mit Heckantrieb nicht mehr vorankommen. In engen Kurven, wo das Wasser, welches aus den Bergen kommt, die Piste weggespült hat, stehen wir des Öfteren vor der Frage, müssen wir umdrehen oder nicht. Nur mit viel rangieren und manchmal mit Millimeterarbeit schaffen wir es dann doch. An einer Steigung jedoch, die selbst für den Kriechgang zu steil ist, müssen wir runter in die kleinen Gänge, doch auf halber Höhe gibt Goliath nur noch ein kurzes Röcheln und aus ist der Motor. Der Haupttank, zwar noch viertelvoll, hat Luft angesaugt. Marion muss mir sogar helfen die Tür aufzuhalten, damit ich überhaupt aussteigen kann. Ich stelle den Tank um, aber Goliath will nicht mehr. Doch dieser Knapp ist so steil, dass ich die Hütte nicht abkippen kann, um zu entlüften. Also müssen wir die ca. 200 Meter zurückrollen bis in den tiefer gelegenen Bach. Ein weiteres Mal versuchen wir diese Steigung zu bezwingen, doch diesmal mit Erfolg. In diesem Wirrwarr von Hügeln und Kurven finden wir ein lauschiges Plätzchen an einem Bach. Wir fragen den nahegelegenen Bauern, ob es ein Problem sei hier zu stehen, die Antwort: „Tranquilo, no problema“. Anfangs ist der Durchgangsverkehr eher schüchtern, doch am nächsten Tag werden wir von den Einheimischen schon von weitem mit winken und hupen begrüßt.

Nach zwei Tagen Rast und ca. 100 Km haben wir wieder Asphalt unter den Rädern. Dieses Pistenstück sollte man auf keinen Fall ohne 4x4 bestreiten und mit der Größe unseres Fahrzeugs ist die Grenze des Machbaren absolut erreicht. Leute, die Angst haben vor Kratzern, bleiben besser auch fern dieser Piste.

Nach kurzer Fahrt auf Asphalt, auf der Ruta 15 Richtung Juticalpa, biegen wir erneut in La Lima auf die Piste 41 nach Olanchito  ab. Wir werden ein bisschen an Bolivien erinnert (tiefe Löcher und Wasserrinnen). Unseren Nachtplatz suchen wir bei einem Kaffeebauern. Francisco ist gerade dabei mit einer handbetriebenen Maschine die Hülsen von den Kaffeebohnen zu trennen. Eindrucksvoll beschreibt er uns die Verarbeitung seines Kaffees. Sie werden in ca. 100-Kg-Säcken verpackt, für die ein Pflücker übrigens 2 Tage braucht und der Verkauf bringt ihm pro Sack 1500 Lempiras ein (ca. 60 €). Wir scheinen eine kleine Attraktion zu sein, umliegende Bauern mit ihren Familien kommen am späten Nachmittag von ihren Feldern, um die "Gringos" zu begutachten und zu begrüßen. Es erfüllt uns ein wenig mit Stolz, als uns die Menschen erzählen, wir seien die ersten Touristen, die sich in diese Gegend verirren und sie freuen sich, dass es auch Touristen gibt, die nicht nur die Highlights des Landes besuchen, sondern auch den Kontakt mit Einheimischen nicht scheuen.

Einladungen werden ausgesprochen, doch wir beschließen die Nacht bei Francisco zu verbringen. Die Nacht ist rabenschwarz, als ich mit Whisky und Eros nochmals pinkeln gehe, ohne Taschenlampe würde ich über jeden Grasbüschel stolpern. Da es in dieser Gegend keine Elektrizität gibt, leuchten nur die Millionen Sterne am Himmel. Der anbrechende Tag empfängt uns mit einem traumhaften Ausblick auf ein unter uns liegendes Tal, das mit Wolken gefüllt ist, nur einzelne Bergspitzen schauen heraus. Kurze Zeit später hat die Sonne schon wieder eine solch enorme Kraft, dass sich die Wolken in Luft auflösen.

An diesem Tag stoßen wir wieder auf Asphalt. Auf der CA13 fahren wir ans Kap von Honduras bei Trujillo. Von hieraus wollen wir die Küstenpiste nach Balfate fahren, die dann später wieder auf die Ruta CA13 trifft. Mit einem Schnitt von 10 Km/h schaffen wir es gerade mal bis Guadalupe. Für die 15 Km brauchen wir 1½ Stunden. Matsch, Spurrillen, Flussdurchfahrten und tief hängende Äste hindern uns schneller voran zu kommen. Wir sind enttäuscht, kurz hinter Guadalupe sind wir am Ende. Mehrere tiefe Flüsse hindern uns an der Weiterfahrt, das heißt für uns, umdrehen. Aufgrund des vorangeschrittenen Tages beschließen wir auf dem örtlichen Flugplatz von Trujillo zu übernachten. 50 Meter neben der Landebahn beziehen wir unser Nachtlager. Die Landebahn wird hier als Joggingmeile, Rennstrecke für Autos und Motorräder oder auch als normale Straße benutzt. Kommt ein Flieger, springt eben alles zur Seite, der Brummer landet und alles geht wieder seiner Wege. Bei uns wohl undenkbar, oder? Angeblich ist noch nie etwas passiert. Zwei Tage schauen wir uns das nette Treiben hier an, um dann weiter zu ziehen, zu den Ruinen von Copán, an der Grenze zu Guatemala. Per E-mail haben wir uns mit John und Ann verabredet, die wir bereits von Ecuador kennen.

 

Hilfe die Amis kommen!

Man merkt so langsam, dass man sich den USA nähert. In riesigen Convoys kommen uns riesige Amischlitten entgegen. Busse, Zugmaschinen mit Wohnaufliegern, alles was das amerikanische Herz höherschlagen lässt. Dann treffen wir auf der Hacienda El Jaral ein, die einen bescheidenen Camping zu extravaganten Preisen anbietet. 7 US$ pro Person, dafür bekommt man ein Stück schönen Rasen ohne Schatten direkt an der viel befahrenen Hauptstraße, saubere Toiletten und Duschen im Freien, sehr zum Missfallen von Ann und Marion, doch was tut man nicht alles um alte Bekannte wieder zu treffen. Wären wir allein unterwegs, hätten wir uns an die 200 Meter entfernte Tankstelle gestellt, um dort zu Übernachten.

Auf unserer Reise gibt es natürlich jede Menge Gründe zu feiern, wie z.B. den 14. Plattfuß oder den x-ten ölenden Simmerring am Außenplanetengetriebe, aber nein, Scherz bei Seite. Lange zuvor haben wir überlegt, wo wir wohl auf dieser Erde unterwegs sein werden, wenn wir unsere ersten 100.000 Km vollmachen. Nun ist es soweit. Nach nunmehr 3½ Jahren Reisezeit stehen wir 20 Km vor der Grenze zu Guatemala in Honduras und zufällig ist auch gerade dieser o.g. absolut überteuerte Camping der Ort, an dem wir mit Ann und John einige Bierchen zischen und auf die 100000 km unseres treuen Reisegefährtes anstoßen. Am nächsten Morgen trennen wir uns von Ann und John, denn sie wollen heute noch nach Guatemala-City und wir wollen zu den 10 Km entfernten Maya-Ruinen von Copán, den bedeutendsten von Honduras. Keramikfunde beweisen, dass Menschen bereits seit 1200 v.Chr. Im Copán-Tal gelebt haben. Rund 426 n.Chr. kam eine königliche Familie, angeführt von einem geheimnisvollen König namens Mah K'ina Yax K'uk' Mo' (Great Sun Lord Quetzal Macaw), der von 426 bis 435 n.Chr. Die Stadt regierte. Archäologische Funde zeigen, dass er ein großer Schamane war. Der 12. und größte König Copáns war Smoke Imix (Smoke Jaguar), der von 628 bis 695 n.Chr. regierte. Er war weise, kraftvoll, reich und baute Copán zu einer militärischen und kommerziellen Region auf. Man schätzt, dass Copán ca. 20000 Menschen beherbergte.

Bis vor kurzem war der Zusammenbruch der Copán-Bevölkerung noch rätselhaft. Heute meinen Archäologen zu wissen, woran die Bevölkerung ausstarb. In der Blütezeit Copáns wuchs die Bevölkerung auf das Unermessliche, die wirtschaftlichen Ressourcen überfordernd. Sie waren nicht mehr länger unabhängig, sondern mussten importieren. Große Gebiete wurden abgeforstet, resultierend daraus, überfluteten und spülten massive Erosionen das Land und die Ernte während der Regenzeiten fort. Die letzten Jahre von Copán näherten sich. Gefundene Skelette zeigen, dass die Menschen an Unterernährung und infektiösen Krankheiten starben, ebenso führte auch die zurückgehende Lebensdauer dazu bei. Copán ist einzigartig für seine Skulpturen in der gesamten Maya-Welt. Für mich sind sie die schönsten Ruinen in Amerika, die ich bislang gesehen habe. Aber was mich am meisten fasziniert, sind eigentlich nicht die ganzen Steine, sondern unsere ersten freifliegenden Aras, die mit lautem Krächzen über die Baumwipfel fliegen. Es ist ein herrlicher Anblick diese schönen Vögel in freier Natur zu sehen. Es ist erst 10.00 Uhr und unser zweistündiger Rundgang durch die Ruinen ist beendet, sodass wir beschließen noch heute über die Grenze nach Guatemala bei El Florido zu gehen.

 

Bis zum nächsten Bericht grüßen Marion, Walter, Whisky und Eros.