Guatemala - Abbruch der Reise?

 

Reisezeit: 08.02.2008 bis 15.03.2008

 

Visum: Drei Monate an der Grenze erhältlich und gilt außerdem für El Salvador, Honduras und Nicaragua.

Hunde: Haben keinen interessiert.

Versicherung: Ehrlich gesagt habe ich an der Grenze vergessen zu fragen, es hat mich aber auch keiner drauf aufmerksam gemacht. Also fahren wir erst mal ohne. Erst später erfahre ich, dass eine Fahrzeugversicherung nicht obligatorisch ist.

Carnet de Passages: Man bekommt ein landeseigenes CERTIFICADO DE IMPORTACION. Aufs Datum achten, nicht immer tragen sie die richtige Aufenthaltsdauer ein.

Währung: Ist der Quetzal (Q). 1 US$ = 7,5 Q, 1 € = 11-10 Q.

Bargeld: Wir tauschen US$ an der Grenze bei den zahlreichen Geldwechslern. In den Städten an den zahlreichen ATM mit Master, Maestro und Visa auch möglich. Allerdings gibt es hier mit der Maestro nur max. 2000 Q.

Kreditkarten: Akzeptanz vielerorts aber häufig mit Gebühren bis zu 10%.

Achtung: Bei Kreditkartenzahlung an Tankstellen wird meistens eine Gebühr von 3% erhoben, aber es wird einem nicht immer vorab gesagt. Beim ersten Mal hat man uns nicht aufgeklärt. Als der Kassierer 3% mehr verlangt sage ich ihm, dass ich die Gebühr nicht bezahle. Er hätte mich daraufhin weisen müssen und er könne ja die 500 Liter wieder rauspumpen. Man lässt uns fahren, ohne Gebühr.

Diesel: 25,45 – 28,99 Quetzal pro Gallone.

Benzin: 30,50 Quetzal pro Gallone.

 

So stehen wir am 08.02.2008 an der Grenze zu Guatemala bei El Florido. Die Einreise ist einfach und benötigt ca. 45 min. Man sollte sich auf jeden Fall Quetzales bei den häufigen Schwarzhändlern tauschen, denn es werden 10 Q p.P. und 80 Q für das Fahrzeug verlangt. Verlangt werden auch hier wieder Kopien von Führerschein, Fahrzeugschein, Pass. Der freundliche Zollbeamte verweist mich zwei Hütten weiter für die Kopien. Keiner da, o.k., ich warte. 20 Minuten, immer noch keiner da. Ich schau mir den Kopierer an und werfe den Riemen auf die Orgel und immer einen Blick zur Tür, mache locker flockig meine Kopien, da kommt einer rein und ich denke, jetzt kriegste einen eingestielt, aber weit gefehlt, der gibt mir die Hand und sagt herzlich Willkommen in Guatemala, bedient sich selber und geht. Ich mache den Kopierer wieder aus und verdrücke mich schleunigst. Es ist gerade mal vielleicht 12.00 Uhr und uns fallen die vielen betrunkenen Männer auf, sie sind so strahlig, dass sie zum Teil aus heiterem Himmel hinten rüberfallen und einfach liegenbleiben. Egal ob auf der Straße oder auf dem Gehweg, keinen kümmert's. Das wird sich wie ein roter Faden durch ganz Guatemala hindurch ziehen.

Wir fahren auf der in unserer Karte nicht näher bezeichneten, gelb gekennzeichneten, asphaltierten Nebenstrecke. Ich erwähne das deshalb, weil wir später eine ähnlich gekennzeichnete Strecke befahren, die sich aber als sehr schlechte Piste herausstellt. Auf der CA9 geht's dann auf gutem Asphalt bis nach San Cristóbal Verapaz, wo wir aber feststellen müssen, dass wir auf dem Holzweg sind und fahren den Weg wieder zurück zum Abzweig nach Salamá.

Auf diesem Rückweg halten wir zum Mittagessen am Restaurant und Hotel Country Delights. Auch Camping wird angeboten, aber mit 100 Q (ca. 10 €) bei weitem überteuert. Nach dem Mittagessen zeigt uns der Besitzer sein Gästebuch, selbst der "allmächtige" Klaus Därr hat sich hier 2006 für eine Nacht niedergelassen (der kann es sich auch leisten). Wenige Kilometer hinter Salamá beginnt das abenteuerliche, sehr schmale und anstrengende Pistenteilstück bis nach Santa Cruz del Quiche. Die

Karte zeigt uns eine gelbe Nebenstrecke, wie oben schon erwähnt. Zum Ende hin wird sie zwar besser, ist aber weiterhin nicht asphaltiert. Wir wollen zum 1580 Meter hoch gelegenen Lago de Atitlán. Ab Sololá sehr ermüdende Serpentinen, mal sehr steil rauf und wieder runter. Dann noch die extrem nervenden und vielen Speedbumps. Man hat sie hier sehr scharfkantig gemauert, was uns bis in die kleinsten Gänge runterschalten lässt, als hätten die Erbauer einen Hass auf alle Autofahrer.

Wir fahren bis zum Ort Panajachel, wo wir direkt am See auf einem freien Platz campen (N14° 44.047' W091° 09.441'), aber ohne jegliche Versorgung (Toiletten usw.). Doch bevor wir diesen Platz erreichen, müssen wir noch ein wenig schwitzen. Wir müssen durch den ganzen Ort mit seinen zum Teil sehr schmalen Gassen, nicht ganz einfach! Hier herrscht der totale Touristennepp. Essen gehen, nur zu deutschen Preisen, aber auch alles andere ist sehr teuer, da sich hier viele Amis niedergelassen haben, und wo die auftauchen sind alle Preise im Ars..... . Wir genießen drei Tage die herrliche Aussicht auf den See und die drei dahinter liegenden, erloschenen Vulkane. Am nächsten Tag passieren wir Cobán.

 

Freitag der 15.02.08. Abbruch unserer Reise?

Es regnet und wir sind auf der frisch asphaltierten Ruta nach Chisec unterwegs. Diese Strecke ist eine Berg- und Talfahrt, nicht ganz ungefährlich. Ich weiß, dass sich unsere XZL-Reifen bei Regen, um es noch harmlos auszudrücken, beschissen verhalten, deshalb reduziere ich die Geschwindigkeit erheblich. 40 Km hinter Cobán erreichen wir eine Bergkuppe, dahinter geht es in einer Linkskurve steil bergab. Mit etwas mehr als Schrittgeschwindigkeit tasten wir uns in die Kurve. Plötzlich fängt unser treues Reisgefährt aus vorerst unbegreiflichen Gründen an zu rutschen. Alle Bremsversuche schlagen fehl, anstatt langsamer, werden wir immer schneller und der Aufprall auf die rechte Felswand scheint unausweichlich. Es kracht ohrenbetäubend, Metall ächzt und verbiegt sich unter den von hinten schiebenden Tonnen, Glas zerbricht. Doch zu allem Übel bringt uns die Felswand nicht zum Stillstand. Unser Goliath wird rechts vorn wie von einem Katapult aus den Federn gehoben, fast wie in Zeitlupe krachen wir auf die linke Seite. Abermals zersplittert Glas, Plastik und Metall, dann Totenstille. Marion und Whisky und alles was sich auf der rechten Seite befand liegt auf mir, Eros klemmt unterm Bremspedal. Marion schaltet als erstes die Zündung aus und ich versuche aus dem rechten Seitenfenster auszusteigen. Herbeieilende Passanten helfen Marion und den Hunden mehr oder weniger unverletzt aus den Trümmern zu steigen.

Erst jetzt bemerke ich, dass die ganze Straße unter einem Dieselteppich liegt, aber nicht von uns, denn unsere Tanks sind so gut wie leer. Ein hilfsbereiter junger Mann ruft über sein Handy einen Abschleppdienst, der dann nach zwei endlos langen Stunden endlich eintrifft. Gleichzeitig trifft auch die Polizei ein, nicht um vielleicht die Unfallstelle abzusichern, sondern um Namen und Kennzeichen zu notieren und dann wieder zu verschwinden. In etwa zur gleichen Zeit trifft auch Luis Fernandez ein. Er ist für Probleme von Touristen und deren Beseitigung zuständig, übrigens gibt es seit geraumer Zeit diese Helfer im ganzen Land. Wer also Probleme haben sollte, wende sich an diese Einrichtung. Luis besorgt uns ein Hotel, in dem wir mit Whisky und Eros unterkommen, weiterhin kümmert er sich um eine geeignete Werkstatt usw. Die Bergungsaktion gestaltet sich recht schwierig, da wir erstens mit der Nase nach unten und zweitens nicht komplett quer zur Fahrbahn liegen. Zuerst muss unser geschundener MAN quer zur Fahrbahn gezogen werden, was wiederum markerschütternde Geräusche von sich gibt, aber es geht leider nicht anders um ihn wieder auf die Beine zu stellen. Wir versuchen Ketten am oberen Chassis zu verankern, doch das Fahrzeug rutscht, aber hebt sich nicht. Zuguterletzt legen wir die Ketten noch über die Räder, am unteren Chassis wird ein Seil befestigt und an diesem Seil ziehen dann ca. 30 Schaulustige. Auf Kommando zieht das Bergungsfahrzeug bergauf und die Helfer in die andere Richtung. Langsam aber kontinuierlich hebt sich Goliath an und kommt federnd auf allen Vieren zum Stehen. Es ist bereits 22.00 Uhr und stockfinstere Nacht geworden, ca. 6 Stunden liegt Goliath schon auf der Seite, kontinuierlich fließt Hydrauliköl aus dem Tank, macht die Straße rutschiger, aus der linken Dachseite läuft Wasser aus unseren Versorgungstanks, bis wir endlich am Haken hängen. Um 1.00 Uhr morgens liegen wir endlich im Bett.

Am nächsten Tag werden wir von Luis vom Hotel abgeholt und zur Werkstatt gebracht. Uns stehen die Tränen in den Augen, als wir die Haustür aufschließen. Die Schäden führen zu weit, um sie hier alle aufzuzählen, schlichtweg eine Katastrophe. Selbst unsere Kawasaki hat übelst gelitten. In der Werkstatt ist man allerdings frohen Mutes, ist doch alles nicht so schlimm, oder, so etwas reparieren wir hier jeden Tag, hören wir von Erwin, dem Chef der Werkstatt. Wir stehen hier nun schon etwas länger als 2 Wochen und ich muss sagen, Erwin hatte nicht ganz unrecht. Jeden Tag gibt es kleine oder auch größere Fortschritte zu verzeichnen und wir sind wieder frohen Mutes, Alaska doch noch zu erreichen. Nach besagten 2 Wochen haben wir soweit klar Schiff gemacht, dass wir aus dem Hotel aus- und in unsere vertraute Wohnung wieder einziehen können. Eine Woche schlafen wir in unserem Fahrzeug in der Werkstatt.

Am 09.03.08 und ca. 3 Wochen nach unserem Abflieger ist es dann soweit, der Kat erwacht zum Leben.

Alaska wir kommen! Doch zuvor gilt es noch die Ruinen von Tikal zu besuchen, doch der Weg dorthin, den wir gewählt haben, ist beschwerlich. Wir sind auf der Ruta 5 nach Frey Bartolomé und weiter nach Chocchoc auf Piste unterwegs. Eine schier unendlich lange Baustelle begleitet uns auf der ersten Hälfte, es wird begradigt, verbreitert, Kurven entschärft und Hügel abgetragen. Die Zukunft wird wohl eine Teerstraße hervorbringen. Die zweite Hälfte gehört wahrscheinlich zu den schlechtesten Pistenteilstücken in ganz Guatemala. Millionen von üblen und hinterlistigen Löchern gilt es zu um- oder durchfahren, mit einem Schnitt von 20 Km/h, mehr ist nicht drin. In Chocchoc treffen wir dann wieder auf die asphaltierte CA 13. Nach ca. 55 Km erreichen wir die Finca Ixobel. Hier werden unter deutschem Management, unter anderem Camping und Cabañas angeboten. Für 22 Q p.P. stehen wir auf einem der schönsten Campingplätze auf unserer ganzen Reise. Rasen mit schattigen Bäumen (allerdings viele Zecken), guter Küche und reichhaltigem Freizeitangebot machen einem den Aufenthalt leicht. Nach einigen Tagen der Ruhe brechen wir auf zu den Ruinen von Tikal, doch vor dem Gate angekommen steht ein Schild, Hunde verboten! Wir sind es leid, Whisky und Eros jedes Mal zu verstecken, und drehen deshalb unverrichteter Dinge wieder um. Zur Information: Eintritt für Einheimische 25 Q, für Ausländer bis vor kurzem noch 50 Q, jetzt mal eben auf 150 Q angehoben, der blöde Tourist bezahlt's ja. Wir fahren einige Kilometer zurück bis zum Lago Petén Itzá. Kurz hinter dem Ort ist auf der rechten Seite ein Parkplatz, auf dem man direkt am See die Nacht verbringen kann. Mit einem traumhaften Sonnenuntergang geht unser vorletzter Tag in Guatemala zu Ende.

Am nächsten Morgen starten wir durch, um die letzten ca. 60 Km hinter uns zu bringen. So stehen wir am 15.03.08 bei Melchor de Mencos an der Grenze zu Belize. Bei Temperaturen um die 38° läuft uns allen der Saft am Hintern runter und nur der Fahrtwind macht die Hitze ein wenig erträglicher. Die Ausreise geht schnell und problemlos vonstatten. Anfangs sah es so aus, als wäre unsere Reise hier abrupt zu Ende, doch das Blatt hat sich noch einmal zum Guten gewendet. So verabschieden wir uns aus Guatemala, Goliath mit etwas verbogener Hütte und etlichen Schrammen, Marion mit vielleicht angebrochener Rippe, aber auf dem Weg der Besserung, Walter, Whisky und Eros ansonsten o.k.

 

Haltet uns weiter die Stange, wir sehen uns wieder in Belize.