Kolumbien – Reisen von Tankstelle zu Tankstelle.

 

Reisezeit: 31.10.2007 bis 16.11.200

 

Visum: An der Grenze bis zu drei Monaten erhältlich, Verlängerung in jeder größeren Stadt möglich.

Hunde: Haben keinen interessiert.

Versicherung: Ist obligatorisch.

Carnet de Passages: Man bekommt ein landeseigenes Solicitud y Autorización de Importación Temporal de Vehículo de Turista ausgestellt.

Währung: Kolumbianischer Peso. 1 € = ca. 3000 Pesos. 1 US$ = ca. 2300 Pesos

Bargeld: Direkt an der Grenze auf dem Schwarzmarkt oder am ATM.

Kreditkarten: Akzeptanz in Supermärkten der größeren Städte und an Mobil-Tankstellen, an anderen kaum.

Diesel: Ca. 4570 (im Süden) bis 5700 Pesos (im Norden) pro Gallone.

Benzin: Super ca. 6000 bis 8500 Pesos/Gallone.

 

Am 31.10.2007, am Halloween-Tag, stehen wir in Ipiales an der Grenze zu Kolumbien. Die Einreise ist in 45 Minuten dank sehr freundlicher Zöllner gelaufen. Benötigt werden je eine Kopie von Pass + Einreisestempel, Fahrzeugschein, Führerschein, welche man gegenüber des Parkplatzes der Aduana machen lassen kann. Wechselstuben haben wir nicht gesehen, deshalb tauschen wir US$ bei Schwarzhändlern, die sich hier zu Hauf anbieten, auch Eurotausch ist möglich. Man sollte unbedingt kleine Scheine tauschen, wie z.B. 20er, bei größeren Scheinen bekommt man einen schlechteren Kurs. Wir bekommen für 1 US$ = 1880 Pesos, für einen Euro hätten wir 2300 Pesos bekommen. Außerdem sollte man erst auf kolumbianischer Seite tauschen, denn hier gibt es die besseren Kurse als in Ecuador. Reisende mit Reisepass brauchen vor Ort keine dieser Einreisefiche (Touristenkarten) ausfüllen.

Es ist bereits früher Nachmittag und da wir nicht wissen was uns hinter dem Grenzort Ipiales erwartet, fragen wir am Ortsausgang an der Panamericana bei der Firma Lubri Motos nach einem Übernachtungsplatz. Es ist nicht gerade auf grünem Rasen, aber der Platz ist groß und sicher und kostet 3000 Pesos/Nacht. Das scheint hier übrigens ein gängiger Preis auf solchen Plätzen zu sein. Wir schnappen uns ein Taxi und machen noch kurz einen Abstecher zum Santuario de Las Lajas, ca. 8 Km von Ipiales entfernt. Hier steht eine der zwei berühmtesten Kirchen Kolumbiens, die in einer engen Schlucht gebaut ist. Bei strömendem Regen steigen wir in die Schlucht hinunter und sind nass bis auf die Knochen als wir unten ankommen. Es ist auch kein Wunder, denn die Regenzeit hat uns voll erwischt.

Am nächsten Tag machen wir uns bei Nieselregen und Waschküchenwetter auf den Weg Richtung Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens. Wir sind in den Bergen auf der Panamericana unterwegs. Ihr habt Recht, wenn ihr sagt Kolumbien sei gefährlich, aber Unrecht, wenn ihr an die Guerillas denkt. Was uns hier erwartet gleicht einem Himmelfahrtskommando. Die Kolumbianer fahren wie Gehirn amputierte Schwachköpfe. Das wir diese Strecke unbeschadet überstehen grenzt an ein Wunder. Ich gebe zu, es gibt wenige Möglichkeiten zum Überholen, da sich die Strecke in endlosen Serpentinen hinzieht. Doch wenn mich Gastankzüge und dergleichen in Kurven überholen, ohne die Kurve nur einen Meter einsehen zu können, kann einem schon etwas Übel werden. Busse kommen einem mit ausbrechendem Heck entgegen, aber was soll denen schon passieren, auf dem Heck steht nicht selten "Gott fährt mit uns". Das ist mit Abstand der übelste Fahrstil, den wir im ganzen Leben gesehen haben und stellt sogar den von Kenia bei weitem in den Schatten. Wir fahren durch herrliche Gebirgslandschaft, aber alles ist bis auf den letzten Quadratzentimeter bebaut, landschaftlich genutzt oder eingezäunt. Man findet kaum einen Platz zum Pinkeln, geschweige denn zum Übernachten.

So schleppen wir uns von Tankstelle zu Tankstelle oder eben diesen kostenpflichtigen Parkmöglichkeiten, die fast immer sehr laut sind und auf denen schlechter Schlaf vorprogrammiert ist. Also mich stößt Kolumbien eher ab, Marion sieht das nicht ganz so eng, aber ich bin froh, wenn ich hier endlich raus bin. Zum anderen muss ich meine Meinung vom sauteuren Ecuador zurücknehmen. Hier ziehen sie dir die Hosen aus. Mit Abstand die teuerste Straßenmaut, die ich je bezahlt habe. In Ecuador haben wir in unserer ganzen Aufenthaltsdauer ca. 20 € bezahlt, das bist du hier an einem Tag los, wenn du Pech hast. Einmal bezahlt man 6000 Pesos für nur 20 Km, ein anderes Mal für 50 oder mehr Kilometer. Clever haben sie es eingestielt. Man bezahlt kurz vor einem Straßenkreuz, biegt dann aber ab und 5 Km später drückste schon wieder ab, es ist zum Kotzen.

Geht man einkaufen, egal ob an der Straße oder im Supermarkt, tritt einem das Pippi in die Augen, wegen der horrenden Preise. Ne, also absolut nicht mein Land. Etwas Gutes kann ich allerdings doch erkennen, es ist wesentlich sauberer, als in den Ländern vorher, das heißt, man findet relativ wenig Müll an den Straßenrändern und auch in den Städten. Und man scheint auch mit dem Abholzen der Wälder etwas pfleglicher umzugehen, es wird nicht einfach alles kahl rasiert, man lässt auch schon mal ein paar Bäume stehen.

Kurz vor Bogotá biegen wir nach Norden, nach Zipaquirá ab. Wir wollen dort der Salzkathedrale einen Besuch abstatten. In den still gelegten Salzstollen ist jemand vor einigen Jahren auf die Idee gekommen hier eine Kirche einzurichten. Für 12000 Pesos/Pers. verschafft man sich den Eintritt. Auf dem unterirdischen Weg zur riesigen Kathedrale erkennt man mehrere große, verlassene Stollen, vor oder in denen riesige Kreuze aus Salz gemeißelt stehen. Erreicht man dann die Kathedrale, die übrigens eine Spitzenakustik hat, ist man schon ein wenig beeindruckt. Ca. 10000 Menschen sollen hier reinpassen. Unseren Nachtplatz haben wir uns auf dem gerade neu errichteten Carrefour-Supermarkt eingerichtet.

Bevor Walter nun in die absolut primitivste Sprache verfällt, denn er ist extrem gefrustet, schreibe ich den Text einmal für euch weiter.


Einmal Cartagena und zurück bitte!

So fahren wir immer nordwärts Richtung Cartagena entlang an Bananen- und Kaffeeplantagen. In Cartagena angekommen, erwischt uns ein Verkehrswirrwarr bestehend aus Bussen, Autos, Taxis, Mopeds und Fußgängern, die sich alle unkoordiniert durch die Straßen bewegen. Es muss aus Kübeln geschüttet haben, denn alles steht unter Wasser. Walter passt sich dem Verkehr schnell an. Rasant fahren wir durch die schlammigen Pfützen, PKW-Fahrer, die die Flutwelle in ihren Rückspiegeln entdecken, kurbeln schnell die Fensterscheiben hoch, Fußgänger rennen vor der drohend näher kommenden Schlammlawine weg und wir schlängeln uns durch den dichten Verkehr in Richtung Bocagrande, dem Touristenviertel, wo wir angeblich am Strand übernachten können. Doch uns erwartet genau das Gegenteil. Wir suchen weiter nach einem Parqueadero, einem zahlungspflichtigen Parkplatz, der auch für die Sicherheit sorgt. Aber wo wir sonst an diesen besagten Plätzen höchstens 5000 Pesos bezahlt haben, verlangt man hier von uns für einen dreckigen und jedermann zugänglichen Platz 20000 Pesos. Ohne ein Wort fahren wir suchend weiter. Da kommen wir gerade am Hotel Hilton vorbei und wie ich nun mal bin - ich denke immer an das Gute im Menschen - gehe ich zum Hotel und will um einen Parkplatz zum Übernachten bitten. Sogleich am Eingang werde ich von der Security abgefangen und ausgefragt. Man will mich abblocken, aber ich lasse nicht locker, bis ich endlich an die Rezeption gelange. Der Rezeptionist verweist uns auf einen Platz hinter dem Hilton. Super, denke ich, jetzt haben wir es geschafft, aber denkste! Was bilde ich mir eigentlich ein? Wir kleinen sterblichen Erdenbürger bekommen natürlich keinen Parkplatz auf dem Hinterhof des Hiltons zugewiesen, sondern man zeigt uns einen Platz außerhalb direkt an der Bucht - von Sicherheit keine Spur!

Da wir viel Papierkram für die Verschiffung zu erledigen hätten, müssten wir unseren geliebten Goliath auch mal alleine lassen, das wollen wir hier allerdings nicht, denn es treibt sich genug Gesindel herum, die einem irgendetwas auf- oder abschwatzen wollen. Also geht die Suche weiter. Im letzten Moment sehe ich dann einen LKW hinter einem großen Tor. Sofort weise ich Walter an anzuhalten, ich springe aus dem LKW, renne zu dem Tor und rufe den LKW-Fahrer, der mir einen jungen Mann vom Militär schickt. Er lächelt mich freundlich an, aber stehen dürften wir hier nicht. Sogleich kommt ein nächster angerannt, hängt sich an den Spiegel und spricht mit Walter. Die Krönung ist dann, als der dritte Mann schreiend auf uns zugerannt kommt, wir hätten unverzüglich dieses Gelände zu verlassen, denn dies sei Militärbereich. Er behandelt uns wie Kriminelle und ich denke nur "Idioten, dann stellt doch Schilder auf wie in allen anderen Ländern auch. Woher sollen wir das denn wissen?" Und so wird uns noch mehr Salz in die Suppe geschüttet, als eh schon drin ist und uns vergeht der Appetit. Hinzu kommt noch die Hitze von über 30°C gemischt mit einer 90%igen Luftfeuchtigkeit, die uns zu schaffen macht. Wir krümmen keinen Finger, aber das Wasser läuft uns am Hintern runter. Wir wollen wieder aus Cartagena herausfahren, als wir das Hinweisschild zum Flughafen sehen und so steuern wir den an, denn dort gibt es immer Parkplätze.

Kein Problem, aber der Platz kostet für 24 Stunden 42000 Pesos, der absolute Hammer, aber wir stehen gut und planen von hier aus alles zu organisieren. Da fängt der Spaß dann wieder an. Man sieht uns in unsere Wohnkabine gehen, woraufhin eine junge Frau ankommt und uns zurechtweist. Aus Sicherheitsgründen dürften wir uns im Fahrzeug nicht aufhalten, abstellen sei aber kein Problem. Jetzt steigen bei mir langsam die Tränen in die Augen, denn alles, was wir bislang in Kolumbien erlebt haben, waren Probleme und nicht ein bisschen Hilfe. Wo ist die so supertoll erfahrene Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft geblieben, die wir bislang in anderen südamerikanischen Ländern erlebt haben? Nach einer Weile kommt eine zweite Frau, die uns einen Parqueadero direkt gegenüber vom Flughafenplatz für 20000 Pesos für 24 Stunden verschafft, doch diese Nacht dürfen wir mit Genehmigung der Administration dort stehen bleiben. Walter fährt währenddessen mit einem Taxi etwas außerhalb der Stadt, um sich nach einem Hotel mit Cabañas umzusehen, wo auch Hunde mit in die Zimmer dürfen. Doch alles was wir erleben, sind Zweifel, die man uns entgegen bringt und Stundenhotels mit Megalautsprecherboxen, wo eine laute Nacht vorprogrammiert ist.

So sitzen wir noch einige Minuten an unserem Tisch und grübeln über alles nach. Mir reicht es jetzt auch und Walter reicht es schon lange, doch den entscheidenden Tritt zur Umkehr gebe schlussendlich ich. Ja, in Kolumbien geben wir auf, wir resignieren, obwohl wir so voller Freude waren. Wir begleichen unsere Rechnung und suchen schleunigst die Ausfahrt aus Cartagena und fahren wieder Richtung Süden.

Weil in Kolumbien aus Sicherheitsgründen viel Militär und Polizei vertreten sind, werden wir auch ums eine oder andere Mal angehalten und um die Papiere gebeten, was eigentlich nicht schlimm ist. Doch dann geraten wir an eine Stelle, die uns nach der Versicherung für das Fahrzeug fragt. Wir tun unschuldig und halten unsere "Grüne Versicherungskarte" hin, aber so ganz dumm sind die Bullen hier auch nicht und bemerken die Ablaufzeit. Da wir von einer Versicherung nichts wussten und uns auch beim Zoll keiner darauf hingewiesen hat, sind wir natürlich ohne gefahren und so werden wir mit 408000 Pesos zur Kasse gebeten. 20 Kilometer weiter hält uns die nächste Polizeikontrolle an. Jetzt wird es uns aber langsam zu bunt, doch wir bleiben geduldig. Weitere 30 Kilometer, man glaubt es kaum, wieder stoppt uns die Bullerei. Nun werden wir aufbrausend, denn wir wollen Reisen und nicht immer kontrolliert werden. Wir haben nichts verbrochen, sind keine Guerillas und das sagen wir ihnen auch. Alles sei zu unserer Sicherheit ist die Antwort des Polizisten. Da frage ich mich allerdings, was hat das Kontrollieren unserer Papiere mit der Sicherheit zu tun? Wir können weiterfahren, man hatte nur Langeweile, die man sich mit uns vertreiben wollte und so ein Fahrzeug wie unseres sieht man auch nicht alle Tage.

Da mich vor kurzem jemand wegen meiner kurzen Haare für eine Russin gehalten hat - ich bekomme übrigens immer alle möglichen Nationalitäten zugewiesen - geben wir das jetzt auch immer bei Zivilpersonen an und man ist erstaunt, dass die Russen so weit reisen. Wir können nur immer wieder lachen und haben Freude an diesem Spielchen, welches für Abwechslung in unserem momentanen tristen Reiseleben sorgt. Unsere schlechte Zeit endet immer noch nicht.

Wir werden ein zweites Mal auf unsere Versicherung angesprochen, doch der Polizist zeigt sich nach Einsicht unserer bereits bezahlten Strafe gnädig und lässt uns weiterfahren. Als wir Medellín erreichen, erwartet uns ein Gewühl durch den Stadtverkehr. Blinker sind irrelevant, nur Handzeichen und die Hupe beherrschen den Verkehr, ich signalisiere kräftig mit und halte Walter die Fahrbahn frei, was auch tatsächlich funktioniert. Wir fahren einfach der Straße nach, irgendwann sollen wir wohl rauskommen und so ist es dann auch - wir haben die Ruta 25 wieder unter den Rädern. Der Tag wird lang und wir suchen und suchen nach einem Übernachtungsplatz. Keiner will uns haben! Die Tankstellen auf der Strecke durch die Berge sind allesamt zu klein. Wir fragen an einer Imbissbude, ob wir hinter dem Haus übernachten dürfen, aber der Dueño kommt erst spät abends zurück.

Uns dauert das zu lange. Vor einer kleinen Wohnsiedlung für Gutbetuchte sind Parkplätze für Gäste oder für wen die auch immer gedacht sind. Als ich dort nachfrage, horcht man mich über alles Mögliche aus, um mir dann zuletzt mitzuteilen, dass die Herrschaften es nicht mögen, wenn man dort parkt. Beleidigt ziehen wir ab. An einem Restaurant werden wir ebenfalls abgewiesen und dort lasse ich verlauten, dass man in Kolumbien nicht gerade nett behandelt wird. Erst eine Station, die LKW auf ihr Gesamtgewicht kontrolliert, genehmigt uns auf deren Parkplätze zu nächtigen. Es gibt doch noch nette Menschen, die Verständnis zeigen. Wir sind bereits 12 Stunden unterwegs und sind hundemüde. Was für ein Tag!!!

Am Morgen bekommen wir noch freundlicherweise frischen kolumbianischen Kaffee serviert - den besten Kaffee, den ich je getrunken habe. Auf dem Parkplatz steht ein alter Ford aus dem Jahre 1949. Stolz zeigt uns der Besitzer sein Auto, welches 30 Liter verbraucht. Aus Kostengründen hat er seinen Oldtimer aber auf Gas umgerüstet, so kann er ihn jeden Tag fahren. Besonders stolz ist er auf das originale Ford-Autoradio. Schade, dass ich kein Bild von beiden habe, von dem Fahrzeug und dem Besitzer. Unter den Fotos würde stehen: Was für ein schönes Auto, so Walter's Meinung und ich würde sagen: Was für ein hübscher Mann.

Etwas Gutes können wir auch der teuren Peaje, der Straßengebühr, abverlangen. Normalerweise wird ein LKW mit zwei Achsen unter der Kategorie 2 eingestuft, doch irgendwann auf der Strecke verlangt die nette Senorita an der Zahlstelle den Preis für ein Auto und das wiederholt sich einige Male. Die Belege sammeln wir natürlich nicht nur für unsere Statistik, sondern auch um sie bei den nächsten Zahlstellen vorzuweisen und so werden wir bis auf wenige Ausnahmen immer unter Kategorie 1 eingestuft, was uns eine enorme Ersparnis einbringt. Wir rechnen aus, dass ungefähr alle 57 Kilometer eine Peaje-Station ist, bei 3181 gefahrenen Kilometern bezahlen wir 3.064.000 Pesos, was ca. 109,43 € an Straßengebühr ausmacht.

Bei unserem üblichen Stopp an der Tankstelle, stellt Walter fest, dass wieder ein Luftschlauch durchgescheuert ist, der Rotmann wird angezogen, die Werkzeugkiste rausgekramt und dann geht es ans Eingemachte. Nach einer Stunde ist alles wieder perfekt.

Unterwegs in den Bergen werden wir Zeugen von Erdrutschen, die durch den vielen Regen verursacht werden. Der Verkehr kommt nur stockend voran bis er plötzlich völlig zum Stehen kommt. Den Grund dafür sehen wir einige Kilometer weiter. Ein Haus, welches wie so viele andere auch, zu nah an der Uferböschung eines reißenden Flusses gebaut wurde, ist den Abhang herunter gerutscht. Unzählige Schaulustige versammeln sich um den Ort des Geschehens. Wir haben eine Stunde Aufenthalt, die LKW-Fahrer werden unruhig und stimmen ein Hupkonzert an, dem sich die ungeduldigen PKW-Fahrer anschließen. Es geht endlich weiter, aber es dämmert bereits und das absolute Chaos ist perfekt. Autos schieben sich an den Schlangen von Truckern vorbei, einer überholt in der Kurve und wird von zwei LKW in die Zange genommen. Diese zeigen sich hartnäckig und bremsen erst im letzten Moment ab, es kommt zu einem leichten Zusammenstoß. Ohne den Schaden zu beachten geht der Verkehr weiter. Man sollte meinen, dass der PKW-Fahrer daraus gelernt hat, aber im selben Moment überholt er wieder vor einer Kurve. Da Walter noch bis Ipiales fahren will, kommen wir in die Nacht hinein. Der Verkehr ist noch katastrophaler als bei Tage, LKW leuchten wie Weihnachtsbäume und schneiden die Mittellinie, Kinder von 10 Jahren fahren ohne jegliches Licht mit ihren Fahrrädern am Straßenrand entlang, Kleinbusse überholen und zwingen uns zum Abbremsen, weil sie plötzlich vor uns stoppen, um Fahrgäste aussteigen zu lassen, doch wir schaffen es unbeschadet bis an unseren ersten Übernachtungsplatz. Das Ausstempeln der Pässe dauert wegen einer langen Schlange von Reisenden ca. 1 Stunde, die Papiere für die Fahrzeuge jedoch nur eine Minute.

Kolumbien ist landschaftlich schön, aber uns fehlt die Freiheit, die wir bislang hatten. Zu alledem kommt noch die totale Kontrolle durch Militär und Polizei, die alle paar Kilometer stationiert sind und uns nach den Papieren fragen, was auf Dauer sehr nervig wird. Von den viel versprochenen Campingplätzen sehen wir gerade mal drei, wobei einer für unser Fahrzeug nicht zugänglich ist. Unter Reisen verstehen wir auch nicht von Tankstelle zu Tankstelle zu tuckern. Kolumbien ist ein Land für Backpacker, Fahrrad- und Motorradfahrer und für PKW, denn die passen durch jede Einfahrt und finden Unterschlupf in Hotels oder Hostals, wir jedoch nicht. Für uns ist dies ganz sicher die erste und letzte Reise in Kolumbien gewesen.

Ich hoffe, ich konnte euch auch ein bisschen von unseren Eindrücken vermitteln und wir sehen uns wieder in Ecuador.

 

Bis dahin. Walter, Marion, Whisky und Eros.