Ecuador - Neues Spiel, neues Glück!

 

Reisezeit: 16.11.2007 bis 14./18.01.2008

 

Visum: Bis zu drei Monaten, an der Grenze erhältlich.

Hunde: Haben keinen interessiert.

Versicherung: Keine Pflicht. Kaum einer besitzt eine. Keiner fragt danach, so fahren wir ohne.

Carnet de Passages: Man bekommt eine landeseigene DECLARACION PARA INGRESO DE VEHICULO.

Währung: Seit dem Jahr 2000 ist der amerikanische Dollar offizielles Zahlungsmittel.

Bargeld: In größeren Städten an Automaten (ATM).

Kreditkarten: Akzeptanz in fast allen größeren Orten und an deren Tankstellen. Doch Vorsicht, es sagt einem keiner, dass die Tankstellen eine recht hohe Gebühr für die Kreditkartenbenutzung berechnen.

Diesel: Fast überall ca. 1,037 US$/US-Gallone (= 3,785 Liter), ca. 0,21 €/l.

Benzin: Super 2,18 US$/Gallone (ca. 0,46 €/l). Der Kraftstoff soll generell eine sehr schlechte Qualität haben, doch wir haben bis jetzt keine Beanstandungen zu machen.

 

So erreichen wir am 16.11.2007 wieder die Grenze nach Ecuador. Die Einreiseformalitäten gestalten sich schwieriger. Die Pässe sind zwar schnell eingestempelt, aber die Dame von der Zollabteilung für die Fahrzeuge lässt sich Zeit, verschreibt sich viele Male und muss das Procedere wiederholen. Ihre Neugier ist auch nicht gestillt, sie will sich das Fahrzeug von Innen ansehen, doch die Schränke bleiben geschlossen, sie sieht sich nur in der Kabine um und ist beeindruckt, als sie wieder aussteigt. Die Prozedur an der Grenze hält uns 1½ Stunden auf.

So schnell wie möglich wollen wir nach Otavalo, um uns auf dem Campingplatz von Denis von unseren letzten Strapazen zu erholen. Nach fünf Tagen Aufenthalt zieht es uns weiter nach Guayaquil, wo wir wegen in Ambato schlecht verrichteter Arbeit bei MAN einkehren. Als wir die Werkstatt erreichen, sind wir geschockt, denn bei MAN steht alles im Bau. Trotzdem öffnet man uns die Pforte, eine Werkstatt ist nur wage zu erkennen, aber zu unserem Erstaunen ist sogar ein Mechaniker vorhanden. So gut es geht wird mit dem nicht gerade reichlich vorhandenem Werkzeug gearbeitet. Christian, ein Mechaniker aus Ambato, soll am nächsten Tag bereits in der Werkstatt eintreffen - einen anderen hätten wir auch nicht akzeptiert. In zwei Arbeitstagen ist alles vorüber, doch wir bleiben noch auf dem Platz stehen. Wir haben alles was wir brauchen, sogar eine große Einkaufsmall ist in der Nähe vorhanden. Im Internet erfahren wir dann noch, dass Freddy und Rita, die wir das erste Mal bereits in Malawi getroffen haben, sich auch in Ecuador aufhalten. Schon einen Tag später erscheinen sie auf der Bildfläche. Auch sie haben einiges zu reparieren, bestellen aber alle Ersatzteile vorab in Guayaquil, denn sie werden von Deutschland geschickt, und fahren später nach Ambato, um es dort reparieren zu lassen. Wir unternehmen gemeinsam Exkursionen in Guayaquil, wo wir uns die Leguane im Parque Seminario ansehen. Diese Echsen werden hier gefüttert, zeigen keine große Scheu und spazieren munter zwischen den Zweibeinern hindurch. Aber Aufpassen sollte man trotzdem, denn diese Echsen leben auf den Bäumen und wenn die einmal pinkeln, dann haste gleich 'ne komplette Dusche.

Wir verweilen noch ein wenig an der Strandpromenade und gehen seit langer Zeit mal bei McDonalds essen. Teuer ist es schon, aber wir gönnen uns diesen Spaß. Auf unserem MAN-Campingplatz veranstalten wir bald jeden Abend ein Asado, lassen es uns gut gehen, das Dosenbier fließt auch reichlich. Aber es gibt auch noch anderes zu erledigen, denn wir benötigen ein Schiff nach Costa Rica.

Transoceanica wird angeschrieben und unsere Männer vereinbaren einen direkten Termin mit Herrn Riebau, einem Deutschen, der für die Abwicklung verantwortlich ist. Da sich eine termingerechte Planung schwierig gestaltet, denn wir müssen auch noch alles mit den Hunden klären, belassen wir es vorläufig bei diesen Gesprächen und den bisherigen Preismitteilungen. Nach 13 Tagen Aufenthalt verlassen wir Guayaquil in Richtung Manta. Wir verpassen irgendwann die Abfahrt auf die neue Autobahn und fahren kreuz und quer durch die Straßen, bis uns ein junger Mann freundlicherweise wieder auf den richtigen Pfad führt. Doch dann passiert genau das, womit wir eigentlich schon lange gerechnet haben. Ein Busfahrer überholt uns, schert ohne den Blinker zu setzen direkt vor uns wieder ein und geht in die Eisen. Natürlich haben wir mit unserem Dicken nicht mehr die Möglichkeit auszuweichen, denn der Verkehr fließt zweispurig und alles ist blockiert, und mit einem tonnenschweren Fahrzeug kommt man auch nicht in der nächsten Sekunde zu stehen. Es rummst!!!

Und jetzt vergesst das europäische Denken einmal völlig, denn hier gelten andere Regeln. Nachdem wir immer wieder gehört haben, dass man bei einem Unfall weiterfahren soll, weise ich Walter an eben dieses zu machen und so fährt er los. Doch der Busfahrer ist hartnäckig, schmeißt seine Kunden raus und in Null-Komma-Nix befinden wir uns in den "Straßen von San Francisco", eine wilde Jagd beginnt und wir sind die Gejagten. Walter fährt wie von der Tarantel gestochen durch die Gassen, der Busfahrer überholt uns und will die Straße blockieren, er steigt aus und verlangt Geld von uns. Walter zieht rechts an ihm vorbei, aber die Jagdsaison ist noch nicht beendet. Wir biegen ab in die Seitenstraßen, doch der Verfolger gibt immer noch nicht auf. Wir überfahren eine rote Ampel und missachten haufenweise Stoppschilder, wir haben nicht mehr mitgezählt wieviele es waren. Mir wird angst und bange - was habe ich nur für eine Scheiße verzapft?! Die Straßen von San Francisco holen uns ein und wir werden plötzlich verfolgt von einer ganzen Armada Motorradpolizisten. Sie weisen uns an auf die Seite zu fahren, was wir natürlich befolgen. Der Busfahrer kommt angerannt, fuchtelt und gestikuliert wild mit seinen Händen durch die Luft. Natürlich will er Geld von uns, aber Walter stellt sich quer. Der Bus ist an der Stelle, wo Schaden entstanden ist, bereits gespachtelt und schon mindestens 20 Jahre als. Wir bezahlen nicht einen Dollar, das steht für uns fest! Dann kommt die Polícia Transito zu uns. Sie nimmt alles auf, lässt sich erzählen, was passiert ist und es wird verhandelt. Immer wieder zieht der Polizist die beiden Teilnehmer zu einem Gespräch beiseite. Wir lassen nicht locker. Da der Busfahrer keinen Blinker gesetzt habe, trage er Schuld. Eine Versicherung übrigens hat keiner von uns, was in Ecuador normal ist. Nach einer Stunde Verhandlung beschließt der Polizist, dass jeder mit seinem Schaden weiterzufahren habe, ein Strafgeld wurde von keinem verlangt. Auch die rote Ampel und die überfahrenen Stoppschilder werden uns nicht angerechnet. Freundlicherweise zeigen uns die beiden Polizisten noch den richtigen Weg nach Manta. Ganz ehrlich, so etwas brauchen wir nicht noch einmal und es lohnt sich nicht mit einem 12-Tonner abzuhauen - er kann einfach keine Haken schlagen wie ein Kaninchen! Unser Schaden hält sich in Grenzen: ein Außenspiegel ist kaputt, ein Blinker demoliert und leichte Abschürfungen am Lack.

Wenig später treffen wir Rita und Freddy an der Küstenstraße nach Manta wieder und erzählen ihnen unsere Story. In Puerto López beschließen wir am Strand zu übernachten. Es stört niemanden, dass wir hier stehen und angeblich soll es in der Nähe auch Leguane geben, die noch in wilder Natur leben. Morgens beginnt der Trubel am Strand. Die Fischer kommen von ihren Fängen zurück und preisen ihre Fische direkt am Strand zum Handel an. Fingerzeichen, von denen wir nichts verstehen, werden gegeben und so wechseln die Fische schnell ihren Besitzer. Gefangen wird alles, von kleinen Fischen angefangen bis hin zu Haien, die eine Länge von 1,50 bis 2 Meter messen, auch Schwertfische sind darunter. Ein ganz besonderes Exemplar ist ein schlanker bis zu 1,30 Meter langer Fisch, dessen Zähne und Gräten türkisblau sind. Jungtiere, die sich noch im Bauch der Mutter befinden, werden entfernt, vermessen und gezählt. Wahrscheinlich will man eine Statistik über die Fänge aufzeichnen: Wieviele Fische werden dem Meer entnommen? Was für Fische sind es? Und tragen sie Jungtiere? Freddy kann es nicht lassen und kauft einen von diesen Fischen mit den blauen Zähnen, den wir abends auf den Grill legen. Der Fisch ist schmackhaft und es ist reichlich für vier Personen vorhanden, auch die Hunde zehren noch davon.

Wir wollen in den Nationalpark Machalilla, dessen Eintritt 12 US$ kostet. Aufgrund der unsicheren Aussage eines Tour-Office, dass nur wenige Leguane dort leben sollen, beschließen wir nach Manta weiterzufahren.

Wir erreichen das Hotel Barbasquillo Centro Turistico mit zugehörigem Camping. Man verlangt von uns für die Einheit 10 US$, aber andere Touristen bezahlten im Mai 5 US$. Wir beschweren uns leicht über den Preis, woraufhin man uns erklärt, woran es liegt. Die großen Camper nutzen oft den Strom für ihre Kühlboxen, Klimaanlagen usw. und sind enorme Stromfresser, weswegen man den Preis erhöht hat. Wir verhandeln, denn wir sind durch die Solarpaneele unabhängig, außerdem bleiben wir hier einige Zeit stehen und so erhalten wir einen Rabatt und bezahlen nun pro Tag für die Einheit 6 US$. Walter und Freddy machen sich noch am gleichen Tag auf den Weg ins Reisebüro, um Erkundigungen wegen der Hunde einzuholen. Unsere Papiere für die Verschiffung sind bereits abgeschickt. Nun warten wir erst mal ab. Freddy hat sich im Laufe der Zeit, weil er kein Virenprogramm besessen hat, über 2000 Viren eingefangen und den Computer lahm gelegt. Wäre ich Computer, würde ich auch Streiken bei so vielen Viren. Wir empfehlen ihm das AVG-Programm und der Computer arbeitet Tag und Nacht und findet immer wieder neue Viren. Irgendwann sind die Viren dann beseitigt.

Freddy und Rita machen sich nach ein paar Tagen auf nach Ambato, um ihren Moula-Moula reparieren zu lassen. Danach wollen sie noch in den Dschungel. Wiedersehen werden wir uns wohl im Januar, wenn wir gemeinsam verschiffen und fliegen.

Da sich meine Laune (Walter) angesichts unserer in Bewegung gekommenen Verschiffung langsam wieder zum Besseren wendet, übernehme ich ab jetzt wieder das Wort und die Schrift. Von anderen Reisenden haben wir gehört, dass im Reisebüro Metropolitan-Touring in der Avenida 4 entre Calle 12 und 13, einem sehr freundlich und auch in Englisch weitergeholfen wird. Zuerst einmal wird mir offeriert, dass unsere alten, bereits von Südafrika her verwendeten Hundeboxen nur begrenzt verwendbar seien. Ich müsse zurück zur Airline nach Guayaquil um sie inspizieren zu lassen. Falls man sie für tauglich erklärt, müsste ich daraufhin zu einer anderen Stelle, an der sie dann desinfiziert würden, die Kiste für 15 US$. Auf dieses Trallala habe ich keine Lust und bestelle daraufhin in einer Tierarztklinik zwei neue, international anerkannte Hundeboxen, dass Stück für 99 US$. Ja, was tut man nicht alles für seine Kampfdackel. Die alten Boxen werden wir wohl zu Silvester hier auf dem Camping verheizen. Bereits in Guayaquil sind wir bei der Fa. Transoceanica vorstellig geworden, die unsere Verschiffung nach Caldera, Costa Rica, übernehmen sollen. Hier wird der erste Kontakt hergestellt und alle relevanten Daten werden dann in das Office Navecuador nach Manta geschickt. Da deren Schifffahrtslinie auch eine RoRo-Verschiffung anbietet, stellt sich für uns erst gar nicht die Frage der Flatrack-Verschiffung. Allerdings geht die RoRo nur von Manta aus, alles andere von Guayaquil. Frequenz ist angeblich einmal monatlich. Voraussichtlicher Termin ist zwischen dem 10. und 15.01.08. Das ist uns ganz recht, denn auf dem Barbasquillo-Camping stehen wir derzeit recht gut und wir können, während unser Fahrzeug unterwegs ist, solange im Zelt übernachten, bis unser Flieger nach San José, Costa Rica, geht.

Wir würden uns in der Zeit auch im dazugehörigen Hotel ein Zimmer nehmen, aber da zurzeit Hochsaison ist, sparen wir uns die 36 US$ für das billigste Zimmer und übernachten im Zelt während unser Fahrzeug schon unterwegs ist. Außerdem sind Hunde nicht im Hotel erlaubt, nur auf dem Camping.

Wir haben bereits den 23.12.07 und das Aufstellen eines Weihnachtsbaumes ersparen wir uns, denn es würden uns bei der derzeitigen Hitze nur die Kerzen schmelzen. 10 Minuten ohne Sonnenschutz und man ist bereits krebsrot, selbst bei Bewölkung verbrennt man noch. Heiligabend verbringen wir mit den Engländern Ann und John, die noch in diesem Jahr nach Panama verschiffen. Das Jahr 2007 nähert sich dem Ende und wir verbringen unser viertes Silvester diesmal in Ecuador.

Nachdem Ann und John uns verlassen haben, sind wir völlig allein auf dem Camping, übrigens das erste Mal auf unserer Reise. Unsere Hundekisten habe ich zerlegt, fertig für unser Silvesterfeuer. Um 20.00 Uhr abends explodieren die ersten Feuerwerkskörper. Doch was bei uns zu Haus in die Luft fliegt, ist in Ecuador nur

Spielzeug für Säuglinge. Bei jedem Knall meint man, jetzt fallen die Scheiben aus den Häusern, zum Leidwesen von Whisky und Eros. Anfangs, Eros noch recht ruhig, ist Whisky völlig von der Rolle. Bei jedem Knall flitzt er vom einen Ende des Campings zum anderen, beruhigen nützt nichts. Der arme Kerl muss Todesängste ausstehen und das setzt sich fort bis zum Finale. Eros trage ich fast eine Stunde auf dem Arm mit mir rum, weil er sich in jedes Mauseloch verkriechen will. Um 1.00 Uhr ist dann der Spuk endlich vorbei, unsere Hundekisten sind verbrannt, Whisky kann kaum noch laufen und anstatt zu bellen, kommt nur noch ein Krächzen. Am nächsten Morgen ist Whisky nicht aus seinem Hundebett zu bewegen. Er hat einen solchen Muskelkater, dass wir ihn aus unserer Hütte tragen müssen. Wir stellen ihn an einen Baum und er pinkelt ohne das Bein zu heben und bleibt auch nach dem Geschäft wie angewurzelt stehen. Erst am Nachmittag löst sich seine Bewegungsstarre, doch bellen kann er immer noch nicht.

 

Wir sehen uns wieder. Marion, Walter, Whisky und Eros.